Luftwaffe

flag-Germany

Deutsche Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg

Teil I: Die siegreichen Jahre bis 1942

Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring

Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, zu diesem Zeitpunkt im Rang eines Generalfeldmarschalls, gratuliert den Männern des I/StG77 in Radom (Polen) im September 1939 für ihre erfolgreichen Kampfeinsätze während der ersten Phase des Polenfeldzuges. Andere höhere Luftwaffenbefehlshaber im Bildvordergrund sind: zweiter von links nach Göring, Generalmajor Wolfram von Richthofen, Kommandeur des Fliegerkorps zu welchem der Stuka-Verband gehört, vierter von links, Generaloberst Erhard Milch als Generalinspekteur der Luftwaffe und fünfter von links, Generalleutnant Hans Jeschonnek als Chef des Stabes der Luftwaffe.

Da sich diese Seite vor allem mit der deutschen Luftwaffe im 2. Weltkrieg (1939-1945) beschäftigt, wir davon ausgegangen, daß der Leser ein grundlegendes Wissen über die Vorkriegszeit hat: das Verbot der Produktion von Militärflugzeugen durch den Versailler Vertrag von 1919, das allmähliche Anwachsen der para-militärischen Flugaktivitäten in der Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die heimlichen Flugzeugfabriken und Flugschulen in Deutschland und der befreundeten Sowjetunion, die Entwicklung von ‘Hochgeschwindigkeits-Postflugzeugen’ und ‘Sporteinsitzern’, welche später zu Bombern und Jagdflugzeugen wurden, das offene Geheimnis von der Existenz einer deutschen Luftwaffe nach Hitlers Machtergreifung 1933 und der Gründung des Dritten Reiches, die öffentliche Verlautbarung über das Bestehen der Luftwaffe zwei Jahre später am 1. März 1935, die Einsatzerprobung der neuen Kampfflugzeuge und Taktiken des modernen Luftkrieges im Spanischen Bürgerkrieg von 1936-1939.

Auf diese Weise vorbereitet, begann die Luftwaffe den Zweiten Weltkrieg im September 1939 mit einer Frontstärke von fast 4.200 Flugzeugen. Die meisten Flugzeuge waren in Geschwader eingeteilt, mit der grundsätzlichen Ausnahme der Aufklärungsverbände. Jedes Geschwader war in normalerweise drei Gruppen unterteilt, und jede Gruppe war wiederum in drei Staffeln aufgeteilt, wovon jede normalerweise 9-12 Flugzeuge stark war. Aufklärungsverbände waren normalerweise nur in Gruppen und Staffeln eingeteilt.

Ausgestattet mit solchen hervorragenden Kampfverbänden war es nicht sehr verwunderlich, daß die deutschen Luft- und Bodentruppen im ersten Jahr des Krieges sehr erfolgreich waren. Polen wurde in weniger als einen Monat überrollt, Norwegen – auch mit Hilfe der ersten Luftlandung in der Militärgeschichte – in zwei Monaten besetzt, Frankreich und die Benelux-Staaten waren bis Juni 1940 erobert. Für Hitler und Göring war die Theorie des Blitzkrieges nun voll bestätigt und sie sahen keine Notwendigkeit, in dem eigentlich sowieso schon gewonnen Krieg die Luftwaffe zu erweitern oder ihre Ausrüstung zu verbessern. Selbst im Angesicht der noch bestehenden Aufgabe, Großbritannien zu besiegen, wurde die Priorität für die Flugzeugproduktion erheblich reduziert. Das war der erste große Fehler, und führte zum ersten ernsthaften Versagen der Luftwaffe.

Bis dahin war die Luftwaffe fast nur als taktische Waffe zur Erringung der Luftüberlegenheit über dem Schlachtfeld und zur Unterstützung der Bodentruppen des Heeres eingesetzt worden und war zumeist nur auf wenig moderne feindliche Jagdabwehr gestoßen. Während der Schlacht um England im Sommer und Herbst des Jahres 1940 jedoch trafen die deutschen zweimotorigen Bomber auf die Jagdflugzeuge der englischen RAF und erwiesen sich als zu schwach bewaffnet. Dazu fehlte es dem deutschen Begleitschutz entweder an der notwendigen Beweglichkeit (im Falle der zweimotorigen Zerstörer vom Typ Bf 110) oder an der ausreichenden Reichweite (im Falle der Jagdeinsitzer Bf 109E), um die Bomber vor den englischen Jägern vom Typ Hawker Hurricane und Supermarine Spitfire Mk I und II ausreichend zu schützen. Im Oktober 1940 wurde die deutsche Luftwaffe gezwungen, ihre Bomber nur noch Nachts gegen die britischen Städte einzusetzen und diese als ‘Blitz’ bezeichneten Luftangriffe dauerten bis zum Frühjahr 1941 an.

Bomberbesatzung einer He111 des Löwengeschwaders (KG26) mit beschrifteten Regenschirmen

Eine Bomberbesatzung einer He 111 des Löwengeschwaders (KG26) mit beschrifteten Regenschirmen vor dem schweren Angriff auf Coventry, welche sie auf ihrem Flug über England abwerfen wollen.

In der Zwischenzeit verfolgte Hitler weiterhin seine ‘kontinentale Strategie’, was zur Eroberung des Balkans und der erfolgreichen, ersten stragischen Luftlandung der Militärgeschichte, auf Kreta führte. Hier konnte die Luftwaffe wieder gegen eine vergleichsweise schwache Gegenwehr als ‘fliegende Artillerie’ für das Heer eingesetzt werden, was sogleich auch große Erfolge einbrachte.
Allerdings war sie nicht in der Lage, diesen Erfolg auch gegen Malta dauerhaft zu wiederholen, was wohl auch daran lag, daß eine Insel nicht wie ein Flugzeugträger ‘versenkt’ werden kann. Dazu wurde die Luftwaffe ab 1941 durch die britischen Offensiven in Nordafrika in immer größerer Zahl gebunden, da sie nach dem Kriegseintritt von Italien am 10. Juni 1940 den Bundesgenossen erheblich unterstützen mußte.

Während alle diese Operationen im Gange waren, spielte die Luftwaffe auch einen wichtigen Teil in der Bekämpfung der alliierten Schifffahrt in der ‘Schlacht im Atlantik’. Ihre Marineflugzeuge unternahmen, als Auftakt für die geplante Invasion Englands, Minenoperationen im Englischen Kanal und an der Ostküste der Britischen Inseln, griffen Schiffe in den britischen Küstengewässern an und die Fernaufklärungsbomber vom Typ Fw 200 Condor halfen den deutschen U-Booten feindliche Geleitzüge aufzufinden und auch Handelsschiffe daraus zu versenken. Diese Angriffe gegen die alliierte Schifffahrt dauerten seit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges an und ließen nicht vor Ende 1942 merklich nach.


Da die Luftwaffe so bereits an vielen Fronten zu kämpfen hatte, war es so ziemlich das letzte was sie eigentlich wollte oder auch brauchte, die folgenschwere Entscheidung Hitlers, Russland im Juni 1941 zu überfallen. Die Kämpfe beim Unternehmen Barbarossa an der Ostfront verursachten erhebliche Anforderungen an die Luftwaffe, sowohl an Flugzeugen wie auch an das Personal.
Die schweren Verluste dort führten zu einer erheblichen Schwächung bis zum Winter 1942/43. Dazu war Rußland nicht das einzige Problem, denn auch in der Heimatverteidigung über dem Reich mußte sie Gegenmaßnahmen gegen die zunehmende Stärke der englischen Bomberströme einleiten, welche mit dem ersten ‘Tausend-Bomber-Angriff’ auf Köln (Unternehmen Millennium) in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 begonnen hatten. Zum erstenmal mußte die Luftwaffen Nachtjäger-Verbände aufstellen, da die feindlichen Bomber zu zahlreich wurden, um diese Offensive zu ignorieren.

Zu dieser Zeit wurde das Radar zur Luftraumüberwachung eingeführt und ein Bordradar zur Zielsuche in die Nachtjägern eingebaut, während es auf der Gegenseite den alliierten Bombern bei ihrer Zielfindung half. Bei Tage wurden Vergeltungsangriffe mit Jagdbombern und in der Nacht mit Fernnachtjägern über England durchgeführt, was aber die alliierte Luftoffensive nicht wesentlich mindern konnte.

Jagdpiloten der Luftwaffe

Jagdpiloten der Luftwaffe warten vor ihren Bf 109 Jägern auf die nächste Abfangmission.

Spätestens bis zum Endes des Jahres 1942 hatte die Luftwaffe – wie auch alle anderen Teile der Wehrmacht – der Tatsache ins Auge zu sehen, daß ihre bisherige Strategie falsch war. Ihre Zukunftsplanungen waren – gelinde gesagt – unentschlossen gewesen und nun hatte sie sich auf einen viel längeren und härteren Krieg einzustellen als ursprünglich erwartet. Der Flugzeugbau wurde angekurbelt und neue Entwürfe sollten nun endlich die im Dienst befindlichen Flugzeuge ersetzen. Die Situation verschlechterte sich 1943 weiter, als nun auch USAAF-Bomber vom Typ B-17 Fliegende Festungen und B-24 Liberator bei Tag das Reichsgebiet an griffen, was zu einer ‘Rund-um-die-Uhr’-Bomberoffensive führte. Hinzu kam die zunehmende zahlenmäßig Unterlegenheit gegenüber der Roten Luftwaffe an der Ostfront, welche auch in der Qualität ihrer Flugzeugentwürfe aufholen konnte.
Das verlorene Kriegsglück der Luftwaffe zeigte sich deutlich beim verheerenden RAF-Angriff auf die Raketenversuchsanstalt von Peenemünde, nach dem der Chef des Generalstabes der Luftwaffe, Generalobert Hans Jeschonnek, Selbstmord beging.

t_arrow1 Teil II: Luftwaffe in der zweiten Kriegshälfte

Ähnliche Reports:
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentar verfassen