Bf 110 Zerstörer

Flagge Deutsches ReichMesserschmitt Bf 110 als Zerstörer und Jagdbomber.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Zwei Bf 110 D-1 vom ZG26

Zwei Bf 110 D-1 vom ZG26 mit sandgelben Tarnanstrich über dem Mittelmeer, 1941.

Messerschmitt Bf 110
Typ:
schweres Jagdflugzeug, Zerstörer, Nachtjäger, Jagdbomber.

Geschichte

Während der 1930er Jahre wurde in Deutschland das Konzept eines zweimotorigen, schwer bewaffneten Hochgeschwindigkeits-Langstreckenjäger geboren. Der Gedanke dahinter war, daß dieser ‘schwere Jäger’ über genügend Leistung und Bewaffnung verfügen sollte, um tief in den feindlichen Luftraum einzudringen, um Langstreckeneinsätze zum Begleitschutz von Bombern oder Langstrecken-Patrouillen fliegen zu können. Die Bezeichnung, welche die eher herausfordernde Spezifikation des Reichsluftfartministerium (RLM) für dieses Flugzeug vorsah, war Kampfzerstörer.

Diese Spezifikation wurde später durch zwei getrennte ersetzt, wobei aus der einen die Ju 88 hervorging. Der Zerstörer dagegen sollte sowohl Bombenflugzeuge als auch einsitzige Jagdflugzeuge bekämpfen können und die eventuell geringere Wendigkeit durch höhere Feuerkraft ausgleichen. Mit großer Reichweite sollten sie Bomber bei ihren Angriffen aufs feindliche Hinterland begleiten können.

Die Messerschmitt Bf 110 wurde ab 1934 entwickelt, um die Zerstörer-Ausschreibung zu erfüllen und der Prototyp Bf 110V1 flog erstmals am 12. Mai 1936. Die Prototypen wurden durch zwei 910-PS DB600-Motoren angetrieben.
Erprobt in Rechlin Anfang 1937, erreichte die Bf 110 eine hervorragende Wendegeschwindigkeit von 505 km/h, war aber behäbig zu fliegen und ihre Manövrierfähigkeit lies einiges zu Wünschen übrig.
Aber der Mangel an den Motoren führte dazu, daß die ersten vier Vorserienflugzeuge Bf 110A-0 mit zwei 680-PS Junkers Jumo 210Da Motoren ausgerüstet werden mußten. Dies stellte sich als unbefriedigend heraus und es folgte schnell die Bf 110B-0 mit 710-PS Jumo 210G-Motoren nach. Die Bewaffnung der Bf 110A bestand aus vier 7,92 mm MG 17 Maschinengewehren in der Nase und einem MG 15 von gleichem Kaliber im hinteren Cockpit.

Als nächstes folgten 10 Vorserienflugzeuge Bf 110B-0, welche im Frühjahr 1938 mit 670-PS Jumo 210G Motoren fertig wurden. Diese wurden für die Entwicklung der ersten Serienflugzeuge vom Typ Bf 110 B-1 verwendet. Dabei wurde auch die sauber geformte Bugnase eingeführt, worin noch zwei zusätzliche 20-mm MG-FF-Maschinenkanonen untergebracht wurden.
Im Gegensatz zu anderen Flugzeugen der deutschen Luftwaffe wurden diese nicht im Spanischen Bürgerkrieg erprobt und stattdessen zu B-2 und B-3 für die Pilotenausbildung umgebaut.

Nur insgesamt 45 Flugzeuge der B-Serie wurden gebaut, bevor der 1.100-PS Einspritzermotor DB601A verfügbar und für die nachfolgenden C-Modelle verwendet wurde. Das erste Serienflugzeug Bf 110C-1 flog im Januar 1939 und die C-Serie wurde zum Standard-Zerstörer während der Jahre 1939/40.
Die Bf 110C-1 wurde ab April 1939 bei der Luftwaffe eingeführt und bis Ende des Jahres wurden mehr als 300 Exemplare ausgeliefert.

Untervarianten beinhalteten die C-2 mit verbesserter Funkausrüstung. C-3 mit verbesserten Maschinenkanonen, C-4 mit verbessertem Panzerschutz für die Besatzung, C-4/B als Jagdbomber, C-5 für Langstrecken-Aufklärungsmissionen und C-7, ebenfalls ein Jagdbomber. Die beide Jagdbomber C-4/B und C-7 wurden beide von verbesserten 1.200-PS DB601N-Motoren angetrieben.

Während des Feldzuges in Polen sahen die Bf 110C hauptsächlich Einsätze in der Unterstützungsrolle für Bodentruppen. Doch schnell stellte sich das prinzipielle Problem des Zerstörer-Konzepts ein – zumindest für die Typen während der ersten Hälfte des Zweiten Weltkriegs -, daß alle zweimotorigen Jäger nicht schnell und beweglich genug waren, um es selbst nur mit halbwegs brauchbaren feindlichen Jagdeinsitzern aufnehmen zu können. Obwohl der Zerstörer schwer bewaffnet war, konnte er nicht so einfach diese Bewaffnung gegen die beweglicheren feindlichen Jäger zum Einsatz bringen und wurde gewöhnlich ausmanövriert.
Dies wurde alarmierend während der Luftschlacht um England vorgeführt, wo die Bf 110C eine einfache Beute für die Supermarine Spitfire und Hawker Hurricane der RAF wurde. Es kam während dieser Luftkämpfe regelmäßig vor, daß die Bf 110C ihrerseits von Bf 109E Jagdeinsitzern eskortiert werden mußten, während von den Bf 110 eigentlich erwartet wurde, die Bomber zu schützen.
Nachdem etwa 200 Bf 110C verloren waren, wurde das Scheitern des Zerstörer-Konzepts klar und die deutsche Luftwaffe zog sie von Tageseinsätzen gegen die RAF ab.

Es ist interessant festzustellen, daß das Zerstörer-Konzept niemals bei Tageseinsätzen zufriedenstellend angewendet werden konnte – ganz im Gegensatz zur späteren üblichen Verwendung als Nachtjäger. Selbst im späteren Verlauf des Krieges, als noch stärkere Motoren und bessere Flugzeugentwürfe verfügbar waren, war es nicht sonderlich erfolgreich.
Wahrscheinlich war der verhältnismäßig noch erfolgreichste zweimotorige Jäger während des Zweiten Weltkriegs die amerikanische Lockheed P-38 Lightning. Obwohl dieses Flugzeug mehrere beachtenswerte Einsätze durchführen konnte, waren die Verluste der P-38 hoch im Vergleich zu anderen alliierten Jägern in der zweiten Kriegshälfte. Sie waren immer besser für schnelle Überfälle und um anschließend genauso schnell zu verschwinden geeignet, als es mit Bf 109 Gustav und Fw 190 im Luftkampf aufzunehmen.

Nach dem Abzug von den Begleitschutzaufgaben für die Bomber wurden einige der ersten C-Modelle als Schlepper für Lastensegler – darunter auch die gigantische Me 321 – verwendet.
Die Bf 110 C-4/B wurde zur am meisten verwendeten Version der C-Serie und als Jagdbomber bei der Unterstützung vom Unternehmen Barbarossa, dem Angriff auf die Sowjetunion, im Juni 1941 eingesetzt.
Das Flugzeug war verhältnismäßig schnell und mit einer 20-mm-Zwillings-Maschinenkanone und vier 7,92-mm-Maschinengewehren nach vorne und einem MG15 nach hinten bewaffnet. Dazu trug sie 500 kg an Bomben. Die C-7 war identisch, hatte aber eine externe Bombenzuladung von bis zu 1000 kg.
Wenn auch ihre Leistung als Jäger beschränkt war, wurden die Bf 110 C-4/B und C-7 über der Ostfront als Bodenangriffsflugzeuge verwendet und waren hauptsächlich wegen ihrer guten Bewaffnung sehr effektiv. Dies war auch ihr üblicher Einsatzzweck während des Jahres 1941.

Nach den Erfahrungen des Sommers 1940 wurde die Einsatzrolle der Bf 110 weg vom schweren Begleitjäger-Konzept weiterentwickelt. Die nachfolgende Bf 110D-Serie verwendete 1.100 PS DB601A-Motoren und legte den Schwerpunkt des Flugzeuges auf die Rolle des leichten Hochgeschwindigkeits-Bombers und Aufklärungsflugzeug.
Zu den Varianten gehörte die D-1/R1 mit Langstrecken-‘Dackelbauch’-Tank, D-1/R2 mit abwerfbaren Zusatztanks, D-2 als Jagdbomber mit bis zu 1.000 kg Bombenzuladung und die D-3 als Langstrecken-Begleitschutz für Schiffskonvois mit Zusatztanks.

Bei der D-Serie wurde die schwere Bugbewaffnung aus zwei Maschinenkanonen und vier Maschinengewehren beibehalten. Im Juni 1941 rüstete die Bf 110D-2 das SKG 210 (Schnellkampfgeschwader 210) des II. Fliegerkorps der Luftflotte 2 an der Ostfront aus. Diese Flugzeuge wurden für Hochgeschwindigkeits-Bombenangriffe auf Bodenziele und Flugplätze weit in den feindlichen Luftraum hinein eingesetzt. In dieser neuen Rolle waren sie erfolgreich und ihre schwere Bewaffnung aus Maschinenkanonen machte sie auch zu verhältnismäßig erfolgreichen Panzer-Zerstörern.

Die Bf 110E-Serie setzte standardmäßig auf die 1.200 PS DB601N-Motoren und erschien im Frühjahr 1941. Der Schwerpunkt wurde nun direkt auf die Entwicklung der Bf 110 als Erdkampfunterstützungs- und Aufklärungsflugzeug gelegt. Der Basisentwurf des Bf 110E-1 Jagdbombers hatte Aufhängungen für Bomben und Zuladungen unter den Flügeln und Rumpf. Die E-1/U2 konnte nun sogar 2.000 kg Bomben mit sich führen, während die E-3 eine weitere Aufklärer-Version war.
Mit der E-Serie begann auch die erfolgreiche Karriere der Bf 110 als Nachtjäger, als die E-1/U1 Infrarot-Sensoren erhielt.

Im Juni 1941 waren Bf 110E-Modelle auf SKG 210 und ZG 26 (Zerstörergeschwader 26) der Luftflotte 2 an der Ostfront verteilt. Wenn auch noch immer als Verband aus ‘schweren Jägern’ klassifiziert, flog auch das ZG 26 seine Einsätze in der gleichen Weise wie das SSKG 210 in der Jagdbomber-Rolle.

Am 21. Juni 1941 waren 201 (davon 148 einsatzfähig) zweimotorige Jäger und Jagdbomber zur Unterstützung des Unternehmers Barbarossa eingesetzt, ohne die Aufklärungsflugzeuge vom Typ Bf 110. Diese waren alle Modelle der Baureihen Bf 110C, Bf 110D und Bf 110E, wobei der Großteil aus den Versionen D-2 und E-1 bestand.
Von diesen waren insgesamt 83 bei SKG 210 eingesetzt, weitere 78 beim ZG 26 und 20 beim Erg./ZG 26. Die verbliebenen Maschinen waren Stabs-Flugzeuge bei verschiedenen Sturzkampfgeschwadern. Zusätzlich befanden sich recht große Anzahlen an Bf 110C-5, Bf 110D-3 und Bf 110E-3 bei zahlreichen Fernaufklärungsgruppen, welche Unternehmen Barbarossa unterstützten.

Zwischenzeitlich wurde die Produktion der Bf 110 herruntergefahren, da die neue Me 210 dringend für die Zerstörer-Rolle erwartet wurde. Da es dabei aber zu Problemen und erheblichen Verzögerungen kam, erschien im Laufe des Jahres die Bf 110F. Mit Ausnahme der F-2, welche zwei WGr21-Raketenwerfer unter jedem Flügel hatte, entsprach diese bis auf die neuen 1.300 PS DB601F-Motoren der E-Serie.
Die Bf 110 F-4 von 1942 war die erste, speziell für die Nachtjagd entwickelte Version. Das Flugzeug hatte drei Besatzungsmitglieder und bei einigen Flugzeugen noch zwei zusätzliche 30-mm-MK-108-Maschinenkanonen in einer Wanne unter dem Rumpf.

Bis Ende 1942 war es klar, daß die Me 210 kein Ersatz für die Bf 110 sein konnte. Deshalb wurde die Produktion des älteren Modells stark gesteigert und die mit DB605-Motoren ausgerüstete Bf 110G wurde eingeführt.
Die G-1 und G-3 entsprachen den Mustern der vorhergehenden Serie, aber der Nachtjäger G-4 erschien mit vielen unterschiedlichen Varianten an Kanonenpositionen und Waffenkalibern, einschließlich Unterrumpfgondeln, ‘Schräge Musik’ und schweren Kanonen unter den Flügeln.
Die G-4a, welche ab Herbst 1943 im Einsatz war, hatte das Lichtenstein C-1 luftgestützte Abfangradar. Das Lichtenstein SN-2 wurde in die G-4b eingebaut und ab der G-4c das alte C-1-Radar entfernt.

Die letzte Serie war die BF 110H und wurde parallel zur G-Serie produziert. Deshalb erreicht die Bf 110 ihren Höchststand in der Produktion in den Jahren 1943 und 1944; wohl nach den Erfahrungen von 1940 doch etwas überraschend. 1943 wurde die Produktion praktisch verdreifacht und dieser Stand wurde auch 1944 durchgehalten. Die letzten zwei Dutzend Exemplare wurden während der ersten zwei Monate des Jahres 1945 ausgeliefert, was zu einer Gesamtproduktion von etwa 6.050 Bf 110 beitrug.

Die G- und H-Modelle spielten 1943-1945 bei den nächtlichen Schlachten über dem Reichsgebiet eine erhebliche Rolle.

Benutzer: Deutsche Luftwaffe.


Animation 3D-Modell Messerschmitt Bf 110 F Zerstörer


Spezifikationen für Messerschmitt Bf 110 C-4

Spezifikationen
Messerschmitt Bf 110 C-4 Spezifikation
Typ Zerstörer und Jagdbomber
Antrieb zwei 1200 PS flüssigkeitsgekühlter V-12-Motor Daimler-Benz DB 601N Motoren
Besatzung 2
Spannweite 16,25 m
Länge über alles 12,10 m
Höhe über alles 3,50 m
Leer-Gewicht 4.500 kg
max.Startgewicht 7.000 kg
Höchstgeschwindigkeit 562 km/h in 7.000 m
Marschgeschwinidgkeit 490 km/h in 5.000 m
Steigleistung 5500 m in 8 min.
Dienstgipfelhöhe 10.000 m
Reichweite 850 km (ohne Abwurftanks)
Bewaffnung
Messerschmitt Bf 110 C-4 Angaben
starr im Bug 2 x 20 mm Oerlikon MG FF Kanonen (je 540 Schuss/min.) und 4 x 7,92 mm MG 17 (je 1200 Schuss/min., 765 m/s Mündungsgeschwindigkeit)
nach hinten 1 x 7,92 mm MG 15 manuell im hinteren Cockpit
Zuladung Aufhängungen für bis zu vier 250-kg-Bomben (1.000 kg maximal)
Einsatzstatistik
Messerschmitt Bf 110 Angaben
Erstflug 12.Mai 1936
Indienststellung Bf 110 C-1 April 1939
Serienproduktion Bf 110 F Anfang 1941
Produktionsbeginn Nachtjäger F-4 1942
Endlieferung Bf 110 H Februar 1945
Stückzahl (alle) 6.050
Übernommen von Luftwaffe 1/39-12/44 5.904
Produktion 1939 156
Produktion 1940 1.081
Produktion 1941 784
Produktion 1942 (ohne Nachtjäger) 580
Produktion 1943 (ohne Nachtjäger) 791
Produktion 1944 (ohne Nachtjäger) 128
Bestand am 1.9.39 195
Bestand am 20.9.42 405
Bestand am 31.12.42 405
Bestand am 10.1.45 395 (alles Nachtjäger)

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