Luftlandung auf Kreta

Unternehmen Merkur, die Luftlandung auf Kreta.

Ju 52 stürzt über Kreta ab

Eine der deutschen Ju 52-Transportflugzeuge ist während des Absprungs der Fallschirmjäger in Brand geschossen worden und stürzt über Kreta ab.

Unternehmen Merkur

Als am 21. April 1941 in Larissa der Oberbefehlshaber der griechischen Streitkräfte, General Papagos, kapitulierte und der Balkanfeldzug damit nahezu zu Ende ging, fand zur gleichen Zeit im vorgeschobenen Führerhauptquartier auf dem Semmering eine Lagebesprechung statt, in der es um die Frage ging, ob Kreta erobert werden müßte.
Ziel der Besprechung war die Frage zu klären, für welches Ziel die Fallschirmtruppe verwendet werden sollte: Malta oder Kreta.

Kurt Student

General der Fallschirmtruppen Kurt Student, kommandierender General des XI. Fliegerkorps.

Bei der Besprechung, bei welcher u.a. Jeschonnekk, Jodl und Keitel anwesend waren, befand sich auch General der Flieger Student. Dieser führte aus, daß eine so starke Stellung wie Kreta nicht vom Feind kontrolliert werden dürfte.
Die britische Mittelmeerflotte kontrollierte das Seegebiet um Kreta und auf der Insel könnte jederzeit eine starke Luftstreitmacht stationiert werden. Mit den jetzt schon vorhandenen beiden Flugplätzen bei Maleme und Iraklion sowie dem kleineren Flugfeld bei Rethymno konnten die Briten die Insel als ‘unsinkbaren Flugzeugträger’ – ebenso wie schon Malta – verwenden, und das gesamte östliche Mittelmeer kontrollieren.
Würden die Achsenmächte die Insel jedoch erobern, dann wäre die Kontrolle über die Ägäis gesichert und die britische Entfaltung im östlichen Mittelmeer zu Ende. Kreta könnte dazu der deutschen Luftwaffe als Ausgangsbasis für weitere Unternehmen dienen.
Zur endgültigen Entscheidung wurde schließlich Hitler herbeigerufen und Student trug ihm vor, daß eine Eroberung der Insel aus der Luft möglich sei. Daraufhin entschied Hitler, daß der Angriff gegen Kreta durchgeführt werden sollte.

Der von Generals Student erstellte und detailliert ausgearbeitete Plan für die Luftlandung auf Kreta wurde anschließend am 25. April 1941 von Hitler als ‘Weisung Nr.28’ mit dem Code-Namen ‘Unternehmen Merkur’ genehmigt.

Oberbefehlshaber der Luftlande-Operation wurde der Befehlshaber der Luftflotte 4, Generaloberst Löhr. Ihm unterstanden somit alle für das Unternehmen Merkur zusammengezogenen Verbände der Luftwaffe und des Heeres.
Hauptsächlich bestanden diese Verbände aus dem VIII. Flieger-Korps unter dem Befehl vom General der Flieger, Richthofen. Dessen Flugzeuge waren für die Luftunterstützung bei der Luftlandung auf Kreta verantwortlich.

Das XI. Flieger-Korps unter dem direkten Befehl des Planers der Operation, General der Flieger Kurt Student, beinhaltete die eigentlichen Luftlandetruppen und Transportflugzeuge vom Typ Ju 52.
Die 7. Flieger-Division unter Generalleutnant Süßmann und die 22. (LL) Infanterie-Division, eine sogenannte Luftlande-Division, welche für Luftlandeoperationen ausgerüstet und ausgebildet worden war. Beide Verbände waren seit Beginn des Jahres 1941 Bestandteile des XI. Flieger-Korps.
Luftlande-Divisionen bestanden nicht aus Fallschirmjägern und sollten lediglich zusammen mit der Ausrüstung durch Transportflugzeuge oder Lastensegler zu ihren Einsatzzielen geflogen werden, wo sie landeten.

Da die 22. Luftlande-Division zu diesem Zeitpunkt nicht für das Unternehmen Merkur kurzfristig verfügbar gemacht werden konnte, mußte stattdessen die 5. Gebirgs-Division unter Generalmajor Ringel mit Teilen der 6. Gebirgs-Division eingesetzt werden.

Die Leitung der dafür eingesetzten Lufttransport-Verbände mit ihren Junkers Ju 52 Transportflugzeugen unterstand Generalmajor Conrad.
Die über See heranzubringen Truppenteile in kleinen Transportschiffen waren Admiral Schuster unterstellt.

Als Termin für die Luftlandung auf Kreta wurde der 20. Mai 1941 bestimmt.

Der Angriffsplan

Ju 52 in Maleme gelandet

Eine der in Massen eingesetzten Ju 52 ist auf dem eroberten Flugplatz von Maleme gelandet und bringt Verstärkungen herein.

Ein grundsätzliches Problem bei den Planungen stellte die Tatsache dar, daß es nur eine ungenügende Anzahl von Ju 52 zum Transport der Angriffstruppen gab. So wurde festgelegt, daß die vier Angriffsziele Maleme, Chania, Rethymno und Iraklion in drei Gruppen und in zwei Wellen angegriffen werden sollten.

Die Eröffnung der Luftlandung auf Kreta war für 7:15 Uhr am 20. Mai im Bereich vom Maleme (Gruppe West) und im Bereich Chania (Gruppe Mitte) als erste Welle geplant.
Nachdem die Transportflugzeuge zurückgekehrt waren, sollte die zweite Welle 8 Stunden später um 15:15 Uhr und als Y-Zeit festgelegt, bei Rethymno (Gruppe Mitte) und Iraklion (Gruppe Ost) abspringen.
Nach Überzeugung von General Löhr sollten somit alle strategisch wichtigen Ziele gleich am ersten Tag der Luftlandung erobert werden.

Der Befehlshaber des LL-Sturm-Regiment war Generalmajor Meindl und seine erfahrenen Fallschirmjäger waren für riskante Lastensegler-Einsätze betens vorbereitet. Deshalb übernahm er die Leitung über die erste Welle der Gruppe West.

Der Befehlshaber der 7. Flieger-Division, Generalleutnant Süßmann, übernahm die Gruppe Mitte und der Generalleutnant der Gebirgsjäger Ringel führte die Gruppe Ost.

Über den Erfolg oder Misserfolg der Luftlandung auf Kreta würde die sofortige Eroberung der Flugfelder entscheiden, denn nur so war das Heranbringen weiterer Verstärkungen, schweren Geräts, Nachschub und das Einfliegen der Gebirgstruppen möglich. Neben der Eroberung des wichtigsten, westlichen Flugplatz Maleme wäre auch die Einnahme von Chania wesentlich.
Gleichzeitig sollte der für den Nachmittag angesetzte Luiftlande-Verband im Osten die Flugplätze bei Rethymno und Iraklion sowie diese Städte selbst erobern.

Insgesamt ist der Plan für das Unternehmen Merkur, die Entscheidung am ersten tag zu erzwingen, ziemlich ehrgeizig und verwegen und somit auch äußerst riskant.

Die deutschen Angrifsstruppen

Deutsche Fallschirmjäger

Deutsche Fallschirmjäger: einige der Männer, welche Kreta nehmen.

General Student, 51 Jahre alt, war Befehlshaber der für die bei der Luftlandung auf Kreta bereitgestellten Verbänden aus Fallschirmjägern und Luftlandetruppen. Kurt Arthur Benno Student war während des 1. Weltkrieg Fliegeroffizier gewesen und wurde nach Kriegsende in die Reichswehr übernommen. Seit Ausbruch des 2. Weltkrieges hatte er während des Polenfeldzuges, aber vor allem im Westfeldzug, mehrere äußerst erfolgreiche Luftlandeoperationen durchgeführt.

Für die Luftlandung auf Kreta standen ihm die vollständige 7. Flieger-Division mit 11.500 Fallschirmjägern unter Generalleutnant Süßmann und das Luftlande-Sturm-Regiment von Generalmajor Meindl mit etwa 3.500 weiteren Fallschirmjägern zur Verfügung.
Dazu kamen Gebirgsjäger der Wehrmacht mit der 5. Gebirgs-Division und mehrere Bataillonen der 6. Gebirgs-Division.

Generalmajor Conrad war der Leiter des Lufttransportes und sollte diese Truppen, zusammen mit ihren Waffen und Ausrüstung, auf die Insel bringen. Ihm standen dafür 533 Transportflugzeuge Ju 52/3m und 70 Lastensegler DFS 230 zur Verfügung.

Das VIII. Flieger-Korps unter General von Richthofen war damit beauftragt, die feindlichen Stellungen auf Kreta anzugreifen und die Transportflugzeuge auf ihrem Flug zu beschützen. Er verfügte dafür über 280 mittlere Bomber, 220 Bf 109 Jäger und Bf 110 Zerstörer, 150 Stukas sowie 40 Aufklärungsflugzeuge.

Ursprünglich waren zwei Gruppen aus Dampfern und zwei aus Motorsegler geplant gewesen, um Teile der Gebirgsjäger, Nachschub und die schweren Waffen auf die Insel über das Meer zu bringen. Vom Admiral Südost wurden dann aber nur die Motorsegler-Staffeln gebildet.

XI. Fliegerkorps:

  • Korpstruppen (u.a. Fallsch.Fla.MG.Btl, Fallsch.San.Abt, Transportkompanie)
  • 7. Flieger-Division (Generalleutnant Süßmann): Fallschirmjäger-Regimenter 1,2 und 3, Fallsch.MG.Btl, Fallsch.Pi.Btl, Fallsch.Art.Abt, Fallsch.Pz-Jäger-Abt.
  • Luftlande-Sturm-Regiment 1 (Generalmajor Meindl)
  • 5. Gebirgs-Division (General Ringel): I., II. und III./GJR 85 sowie das I., II. und III./GJR 100, zwei Abteilungen Geb.Art.Rgt. 95, Geb.Aufkl.Abt.95, Geb.Pz.Jäger-Abt. 95, Geb.Pi.Btl. 85, Geb.Nachrichten-Abt.95
  • 6. Gebirgs-Division (Generalleutnant Schörner): Stab und I./GJR 141, II.GJR 143 und II./GAR 118.

Transportverbände:

  • Kampfgeschwader z.b.V. 1 (Oberstleutnant Henning Wilke): Stab (in Dadion), I.Gruppe (Major Witt in Megara), II.Gruppe (Oberstlt. Drewes) in Megara. Zusätzlich unterstellt I. und II. Gruppe des Kampfgeschwader z.b.V.172 in Korinth.
  • Kampfgeschwader z.b.V.2 (Oberst von Heyking): Stab , Kampfgruppe z.b.V.60 (Major Hammer),  Kampfgruppe z.b.V.101 (Oblt. Mund), Kampfgruppe z.b.V.102 (Hptm. Endmann), alle in Topolia.
  • Kampfgeschwader z.b.V.3 (Oberlt. Buchholz); Kampfgruppe z.b.V.40 (Major Deutsch),  Kampfgruppe z.b.V.105 (Major Wenning), Kampfgruppe z.b.V.106, alle in Tanagra und mit Ju 52 ausgerüstet. Dazu Stab (Major Wilke) und I. Luftlande-Geschwader (Major Stein) mit Lastenseglern DSF 230.

VIII. Flieger-Korps (General der Flieger von Richthofen):

  • KG 2 (Oberst Rieckhoff): Stab, I. und III. Gruppe in Tatoi, mit Do 17 ausgerüstet.
  • III./KG 3 (Hauptmann Rathmann) in Tatoi (zusammen mit KG 2 124 Bomber)
  • II./KG 26 (Major Beyling) in Eleusis, mit 40 He 111 Bombern ausgerüstet.
  • III./KG 30 (Major Schumann) in Eleusis mit 40 Bombern.
  • Sturzkampfgeschwader 2 (Oberst Dinort): Stab und III. Gruppe in Mykene, I. Gruppe in Molaoi.
  • I./Sturzkampfgeschwader 3 (Major Siegel) in Larissa (beide Stuka-Geschwader verfügen über insg. 124 Ju 87 Stuka).
  • Zerstörergeschwader 26 (Oberst Schalk): Stab, I. und II. Gruppe in Argos. Ausgerüstet mit insg. 40 Bf 110.
  • Jagdgeschwader 77 (Major Woldenga): Stab, II. und III. Gruppe in Moaoi. Ausgerüstet mit 84 Bf 109.
  • Lehrgeschwader 1: Stab, I. (Jagd) und II. (Kampf) Gruppe in Eleusis.
  • I.(Jagd-)Lehrgeschwader 2: I. Gruppe in Molaoi mit Bf 109 E.
  • 4./Aufklärungsgruppe (F) 121: 4. Staffel in Eleusis mit Fernaufklärern.
  • Aufklärungsgruppe (See) 126 (Oberst Kaiser): Stab und 1. Staffel in Nauplia (insg. in beiden Aufklärungsgruppen 60 Flugzeuge).
  • Commando Aeronautica Egeo (italienisches Luftwaffenkommando Ägäis):
    41. Gruppo BT (12. Stormo) mit 204. und 205. Squadriglia (Staffel), ausgerüstet mit SM.84 und SM. 79 Bombern.
    50. Gruppo BT (16. Stormo) mit 210. und 211. Squadriglia, ausgerüstet mit Cant Z1007bis Sturzkampfbombern.
    92. Gruppo BT (39. Stormo) mit 200. und 201. Squadriglia mit SM.81 und SM.82.
    95. Gruppo BM (35. Stormo) mit 231. Squadriglia der Marine mit Cant Z1007bis.
    161. Squadriglia CM der Marine mit Fiat CR.42.
    163. Squadriglia CT mit Fiat CR.32 und Fiat CR.42.
    172. Squadriglia BT mit Cant Z1007bis.
    281.Squadriglia AS mit SM 79 Sparvierio Torpedobombern.

Heerestruppen:

  • Kradschützen-Btl. 55 (am 23. Mai 1941 nachgeführt)
  • Flak-Abt. 73 und 4./le.Flak-Abt. 73 (am 25.-26. Mai nachgeführt)
  • Flak-Btl. (mot) 609 (am 24. Mai nachgeführt)
  • Panzer-Rgt. 1 der 5. Panzer-Division (nachgeführt am 27. Mai)

Deutsche Marine, ‘Admiral Südost’ (Admiral Schuster)

  • zwei leichte Motorsegler-Staffeln (80 beschlagnahmte griechische Motorkutter incl. Besatzung):
    1. Staffel (Gruppe Maleme unter Kapitän z.S. Oesterlin) mit 25 Motorsegler von Piräus nach Maleme mit 2.250 Mann (I.GJR 100 ohne schwere Fahrzeuge, 2 Batterien I.Flak-Lehr-Reg, Restgruppen der 7. Flieger-Division, Nachschubsgüter und Kräder). Geleitschutz durch italienisches Torpedoboot ‘Lupo’ (Korvettenkapitän Mimbeli).
    2. Staffel (Gruppe Iraklion unter Fregattenkapitän Lipinski) mit 38 Schiffen von Chalkis nach Iraklion (nicht per Lufttransport heranzubringenden Teile des FJR 1 und der 5. Gebirgs-Division ohne schwere Fahrzeuge, eine Batterie I./Flak-Lehr-Regiment). Geleitschutz durch italienisches Torpedoboot ‘Sagittario’ (Oberleutnant z.S. Fulgos).

Die 1. Motorsegler-Staffel wurde von britischen Seestreitkräften aufgerieben, während die 2. Staffel abdrehen mußte.

Auf Kreta eingesetzte Truppen

Bei den Kämpfen wurden 22.000 deutsche Soldaten eingesetzt. Davon waren 8.060 Mann Fallschirmjäger, von denen 750 mit den Lastenseglern landeten. Die 5. Gebirgs-Division mit den Teilen der 6. Gebirgs-Division wurden ab dem 21. Mai im Luftransport oder über das Meer nach der eigentlichen Luftlandung als Verstärkungen herangebracht.

Streitkräfte
Einsatzort Deutsche Alliierte
Maleme 1.860 11.859
Suda-Bucht 2.460 14.822
Rethymno 1.380 6.730
Iraklion 2.360 8.024
Hauptquartier 'Creforce' 405
INSGESAMT 8.060 41.840
Spätere Zuführung 13.980 800
INSGESAMT 22.040 42.640

Alliierte Truppen in Maleme und Chania:
Hauptquartier der Neuseeländischen Division
Hauptquartiere der 5. und 10. neuseeländischen Infanterie-Brigade
neuseeländisches 18., 20., 21., 22., 23. und 28. (Maori) Infanterie-Bataillon
Russell Force (200 Mann neuseeländische Kavallerie)
Royal Perivolians (Abteilung aus verschiedenen Truppenteilen)
Welch Regiment
8. griechisches Infanterie-Bataillon

Alliierte Truppen in Rethymno:
Hauptquartier der 19. australischen Infanterie-Brigade
australisches 2/1, 2/7, 2/8, 2/11 Infanterie-Bataillon
griechisches 4. und 5. Infanterie-Bataillon
australischer 2/1 MG-Zug
800 Mann griechische Gendarmerie

Alliierte Truppen in Iraklion:
Hauptquartier 14. britische Brigade
2. Bataillon Yorks&Lancashire, 2. Bataillon Leicester, 2/4 australisches Bataillon, 2. Bataillon Black Watch
griechisches 3. und 7. Infanterie-Bataillon
Griechisches Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon

Feindlage-Beurteilung

Briten bereiten Verteidigung Kretas vor

Seit November 1940 bereiten die Briten die Verteidigung von Kreta vor. Hier verschafft sich Brigadier Tidbury, der erste Kommandeur der ‘Creforce’, einen Überblick.

Die Briten waren Dank ihrer geheimen Funkaufklärung ‘Ultra’ detailliert über die deutschen Pläne informiert. Wenige Stunden vor der Luftlandung hatten die Briten bereits Kenntnis über die genauen Stärken der dafür eingesetzten Land-, See- und Luftstreitkräfte, die genaue Angriffszeit, die Landeräume und das Kampfverfahren.
Bereits seit dem 17. Mai erwartete ‘Creforce’ die Invasion durch 25.000 bis 35.000 deutsche Truppen, die per Lufttransport herangebracht würden. Zusätzlich wurde mit 10.000 weiteren gerechnet, welche über See unter der Deckung italienischer Kriegsschiffe anlanden sollten.

Im Gegensatz dazu wusste die deutsche Seite nicht besonders viel über ihre Gegner, was sich auch im Operationsbefehl des XI. Flieger-Korps vom 12. Mal 1941 widerspiegelt, der zugab, dass die Lage auf Kreta nur wenig geklärt sei.
Zudem wurden die gegnerischen Stellungen nicht erkannt, sondern nur die gut angelegten Scheinstellungen. Dadurch gingen die ersten, der Luftlandung vorausgehenden Luftangriffe natürlich ins Leere.

Die Fallschirmjäger wurden nicht nur von der Stärke der auf der Insel liegenden britischen, Commonwealth und griechischen Truppen überrascht, sondern auch von der feindseligen Haltung von Teilen der Bevölkerung. Hätten die Briten nicht überaus grobe taktische Fehler begangen, dann hätte das Kreta-­Unternehmen in den ersten paar Stunden leicht in einer Katastrophe für die Deutschen enden können.

Die Luftlandung auf Kreta

Karte Luftlandung auf Kreta

Die Luftlandung auf Kreta vom 20. Mai bis 1. Juni 1941.

 Fallschirmjäger landen auf Kreta

Deutsche Fallschirmjäger landen auf Kreta.


Die Luftlandung auf Kreta begann nach schweren Luftangriffen in den frühen Morgenstunden des 20. Mai 1941. Das Luftlande-Sturm-Regiment von Generalmajor Meindl landete bei Maleme im Bereich der 5. neu­seeländischen Brigade. Die restlichen Fallschirmjäger gingen bei der Straße von Chania nach Alikianu herunter, um die wichtigste Stadt Kretas selbst zu erobern.
Da die neuseeländischen Truppen unter ständigen deutschen Luftangriffen lagen und über keine geeignete Funkausrüstung verfügten, konnten sie keine zusammenhängende Front bilden. Deswegen war das neuseeländische 22. Bataillon bei Einbruch der Dunkelheit gezwungen, sich vom Flugfeld abzusetzen und in Richtung des 23. Bataillons zurückzuziehen.

Im Osten bei Iraklion und Rethmyno sah die Lage für die deutschen Fallschirmjäger dagegen noch schlechter aus, da sie keinen einzigen Flugplatz einnehmen konnten. Und auch die im Raum Galatas abgesprungen Fallschirmjäger konnten weder nach Chania noch nach Maleme durchbrechen.

Am nächsten Morgen konnten die deutschen Fallschirmjäger bei Maleme den lebensnotwendigen und von den Neuseeländern geräumten Flugplatz besetzen, welcher allerdings immer noch unter alliiertem Artilleriefeuer lag. Trotzdem landeten nun deutsche Ju 52-Transportflugzeuge auf dem unter Feuer liegenden Flugfeld und flogen Nachschub, schwere Waffen und Gebirgstruppen zur Verstärkung ein.
Ein Gegenangriff der neuseeländische Truppen zur Rückeroberung des Flugplatzes wurde abgeschlagen und diese in Richtung Platanias abgedrängt.
Die beiden deutschen Kampfgruppen im Westen begannen nun koordiniert zur Offensive überzugehen und schlossen zueinander auf. Gemeinsam stießen sie nun in Richtung Chania vor. Durch die Eroberung und Sicherung des Flugplatzes von Maleme war der Kampf um die Insel praktisch entschieden.

Die alliierten Truppen versuchten zwar noch, die wichtige Suda-Bucht zu halten, aber die deutschen Truppen drangen immer weiter vor. Bis zum 25. Mai wurde Galatas auf der Straße nach Chania erobert. Am 27. Mai fiel die Stadt selbst und General Freyberg mußte sich eingestehen, daß die Insel für die Alliierten verloren war. Seine Truppen setzten sich nun zur Südküste ab, um dort von britischen Schiffen abgeholt zu werden.
In der Zwischenzeit drangen die deutschen Truppen über Chania entlang der Suda-Bucht nach Osten vor, um ihre eingeschlossenen Kameraden bei Rethymno und Iraklion zu entsetzen.

Am 29. und 30. Mai hielten die alliierten Truppen noch einen Brückenkopf um Sfakia an der Südwest-Küste Kretas, um von dort evakuiert zu werden. Allerdings konnte sich die Garnison von Rethmyno nicht mehr rechtzeitig absetzen und mußte am 29. Mai kapitulieren.
Am 30. Mai verliessen die letzten alliierten Soldaten Kreta und deutsche Truppen rückten in Sfakia ein.

Nur etwa die Hälfte der alliierten Truppen mit 17.000 Mann konnte evakuiert werden. Die Verluste betrugen 17.800 Mann.
Mit rund 7.000 Gefallenen, Vermissten und Verwundeten verloren die Deutschen allerdings fast ein Drittel ihrer Landungstruppen, was das Ende der großangelegten deutschen Luftlandeoperationen im 2. Weltkrieg bedeutete.

Verluste auf Kreta

Alliierte
Nationalität Gefallen Verwundet Gefangen
Briten 797 263 6.576
Australier 274 507 3.102
Neuseeländer 671 1.455 1.692
Auf See verloren (ca.) 2.000 -
INSGESAMT 3.742 2.225 11.370

Die Verluste der griechischen Armee konnten nicht festgestellt werden. Schätzungen gehen von insgesamt 5.000 Mann Verlusten (Gefallen, Verwundet, Gefangen) aus.

Deutsche
Waffengattung Gefallen Verwundet Vermisste
Fallschirmjäger 1.653 2.046 1.441
Gebirgsjäger 262 458 318
Flieger 76 - 236
INSGESAMT 1.991 2.504 1.995

Massengräber für gefallene deutsche Soldaten

Massengräber für gefallene deutsche Soldaten werden auf Kreta ausgehoben. Heute haben sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Soldatenfriedhof von Maleme gefunden.

Von 8.000 eingesetzten deutschen Fallschirmjägern mußten 3.000 Mann als Verluste beklagt werden. Hinzu kommt der Verlust von mehr als 200 Transportflugzeugen vom Typ Jukers Ju 52 der Luftwaffe bei der Luftlandung auf Kreta.
Nach diesem Unternehmen wurde kein vergleichbares mehr von deutschen Fallschirmjägern durchgeführt und neben kleineren Kommando-Aktionen kämpften ihre Soldaten von nun an zumeist als – wenn auch sehr kampfkräftige – Infanteristen.

Die Eroberung der Insel hätte es den Achsenmächten ermöglicht, den gesamten östlichen Mittelmeer-Raum zu kontrollieren und auch noch Malta zusammen mit der gut ausgebildeten italienischen Fallschirmjäger-Division Folgore einzunehmen.

Aber ganz auf das Unternehmen Barbarossa fixiert, verkündete Hitler am 17. Juli 1941: ‘Kreta hat bewiesen, dass die Tage der Fallschirmtruppe vorüber sind. Die Fallschirmwaffe ist eben eine reine Überraschungswaffe. Der Überraschungsfaktor hat sich inzwischen abgenutzt. ‘
Womit er auf jeden Fall bei dem letzten Punkt unbewußt recht hatte: durch ‘Ultra’ hätte sich kaum noch eine größere deutsche Luftlandeoperation vor den Briten verheimlichen lassen und wäre in einer späteren Phase des Krieges leicht in einer Katastrophe geendet.

Die deutschen Fallschirmjäger und Luftlandetruppen verbluteten kurze Zeit später in den Sümpfen Russlands und wurden danach nur noch selten für lediglich kleinere Luftlandungen verwendet.

Für die Briten war der Fall von Kreta nicht nur eine militärische Niederlage mehr nach dem Balkanfeldzug und Rommels Gegenoffensive in Nordafrika, sondern sie wurden hier regelrecht vorgeführt.
Mit einer doppelt so starken Streitmacht in gut ausgebauten und zumeist unentdeckten Stellungen stand die British Expeditionary Force entlang der gesamten Nordwestküste der Insel bereit, verfügte über eine große Flotte, welche das Meer beherrschte und wußte dank ‘Ultra’ genau, wann, wo und mit wieviel Truppen die Deutschen landen würden.
Trotzdem waren die Briten nicht in der Lage, die Insel erfolgreich zu verteidigen. Hier stellte sich schon die beängstigende Frage, welche zahlenmäßige Überlegenheit noch notwendig wäre für einen Abwehrerfolg, geschweige denn eine erfolgreiche Offensive gegen deutsche Soldaten.

Für dieses Versagen war der Preis für die Briten mit fast 4.000 Toten und dreimal soviel Gefangenen auch besonders hoch.
Dazu die Verluste der Royal Navy ­im besonderen: drei Kreuzer versenkt, sieben schwer beschädigt, acht Zerstörer versenkt und neun beschädigt­. Hinzu kommt ein Flugzeugträger und zwei Schlachtschiffe, welche außer Gefecht gesetzt wurden.

deutscher Küstenschutz auf Kreta

Kreta feindfrei – deutscher Küstenschutz mit erbeuteten englischen Vickers-MG.

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentar verfassen

  • Im Blickpunkt:

    • Waffen-SS Uniformen Soldat der LSAAH

      Uniformen der Waffen-SS. Uniformen der Waffen-SS Die Vorkriegsuniform der Waffen-SS war schwarz, aber bereits 1935 begann eine graue Uniform für den Dienstgebrauch zu erscheinen. Zuerst wollte Himmler für die Waffen-SS […]

    • SS-Totenkopf-Division SS-Untersturmführer der Totenkopf-Division

      Die Aufstellung und Einsätze der SS-Totenkopf-Division (T) (Teil I). Bezeichnung SS-Totenkopf-Division (16. Oktober 1939) SS-Panzergrenadier-Division Totenkopf (9. November 1942) 3. SS-Panzer-Division Totenkopf (22. November 1943) Kommandeure SS-Obergruppenführer Theodor Eicke (November […]

    • M4 Sherman 76-mm-Kanone 3d-Modell M4A2(76mm) Sherman

      Späte M4 Sherman Panzer mit verbesserter Bewaffnung, Schutz, Zusatzpanzerung und Kettenlaufwerken. Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. M4 (76mm), (105mm), HVSS, A3E2 Jumbo und Calliope Sherman. Typ: amerikanischer mittlerer […]