Zeppelin Gigant R-Serie

Schwerer deutscher Bomber Zeppelin Staaken R-Serie ‘Gigant’ aus dem Ersten Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Zeppelin Staaken R VI

Zeppelin Staaken R VI

Zeppelin-Staaken R-Serie ‘Gigant’
Typ: Schwerer Bomber.

Geschichte

Mehrere deutsche Hersteller produzierten Riesenflugzeug während des Ersten Weltkrieges und die erfolgreichsten von ihnen – wenn auch nicht die größten – waren die von den Zeppelin-Werken in Staaken produzierten.
Vor seinem Umzug nach Staaken Mitte 1916 wurde das für diese Flugzeuge zuständige Entwicklungsbüro bei den Versuchsbau-Werken Gotha-Ost gegründet und mit dem ersten Entwurf wurde schon im November 1914 begonnen.

Die war die V.G.O.I, welche zum ersten Mal am 11. April 1915 flog, angetrieben von drei 240-PS-Maybach-MbIV-Motoren. Einer dieser Motoren, welcher in der Nase montiert war, hatte einen Zugpropeller, während die anderen zwei, von denen je einer auf einer Seite in der Mitte zwischen die Flügel montiert war, jeweils einen Druckpropeller antrieben. Vor jedem der in den Flügeln angebrachten Motorgondeln befand sich ein kleines Cockpit, in dem ein Zwillings-Maschinengewehr untergebracht war.

Die Bezeichnung des Flugzeuges wurde anschließend auf R.M.L.I geändert und es wurde von der deutschen Marine für Einsätze über der Ostfront verwendet, wo es später durch eine ähnliche, zweiten Maschine – der V.G.O.II – unterstützt wurde. Beide Flugzeuge waren ab Ende 1916 bei der Rfa 500 (Riesenflugzeug-Abteilung) im Einsatz, waren aber deutlich untermotorisiert.
So kehrte V.G.O.I später nach Staaken zurück, wo das Flugzeug mit fünf 245-PS-Maybach-Motoren, davon zwei in jeder Motorgondel an den Flügeln, nachgerüstet wurde. Allerdings wurde es später bei einem Absturz zerstört.

Ein alternativer Versuch, um die für die großen Flugzeuge notwendige Leistung zu erzielen, resultierte im Bau von V.G.O.III, welcher später, nach der Einführung der R-Serie, als R III bezeichnet wurde. In dieses Flugzeug wurden sechs 160-PS-Mercedes-DIII-Motoren eingebaut. Zwei von diesen Motoren wurden jeweils als ein Paar in jeder Gondel eingebaut, um einzelne Druckpropeller anzutreiben, während die anderen zwei Stück nebeneinander in der Nase montiert wurde, um den Zugpropeller zu betreiben. Die Bewaffnung wurde auf fünf Maschinengewehre erhöht.

Zeppelin Staaken R IV

Zeppelin Staaken R IV im Flug.

Das erste Flugzeuge dieser Reihe, welches die R-Bezeichnung von Anfang an hatte, war der Zeppelin Staaken R IV, welcher grundsätzlich die Flugzeugzelle des V.G.O.III hatte, aber wo die Motoren in den Gondeln gegen vier 220-PS-Mercedes-BzIV ausgetauscht wurden. Bis zu sieben Maschinengewehre wurden von der R IV getragen, welche im Juli 1917 erstmals über der Ostfront eingesetzt wurde. Bis September wurde das Flugzeug an die Westfront verlegt und bei Bombenangriffen auf England eingesetzt.

Im Jahr 1916 begann ebenfalls die Arbeit an dem jeweils einzigen Exemplar des R V und R VII, welche beide durch jeweils fünf 240-PS-MbIV-Motoren angetrieben wurden. Ein einziger von diesen befand sich in der Nase, während sich jeweils ein Paar in jeder Außengondel befanden. Die MG-Stände wurden in den hinteren Teil der Gondeln verlegt. Ein fünftes Maschinengewehr wurde im sogenannten ‘Schwalbennest’ über dem Mittelteil installiert.
Die R V und R VII unterschieden sich hauptsächlich in der Verspannung der Heckflossen. Das erste Modell wurde für den Dienst im September 1917 übernommen und 1918 gegen London eingesetzt, während das zweite Flugzeug bei der Überführung zur Ablieferung im August 1917 bei einem Unfall zerstört wurde.

Zeppelin Staaken R VI

Zeppelin Staaken R VI Serienflugzeug beim Start.

Die einzige Zeppelin Staaken R-Serie, welche in die Serienproduktion gelangte, war R VI. Achtzehn Zeppelin Staaken R VI ‘Gigant’ wurden fertiggestellt, davon einer von Zeppelin-Staaken, sechs von Aviatik, vier von O.A.W. und sieben von Schütte-Lanz.
Fünfzehn von diesen wurden von vier 260-PS-Mercedes-DIV-Motoren angetrieben, in Tandem-Paaren, wobei jedes einen Zugpropeller und einen Druckpropeller antrieb. Durch den Verzicht auf den Motor in der Nase war es möglich, dort eine Maschinengewehr-Position einzurichten, wo auf einem Ringkranz zwei Parabellum-Waffen montiert waren. Dazu kamen einzelne Rücken- und Unterboden-Stellungen, welche jeweils von einem MG-Schützen an der Rückseite der Flügel besetzt waren. Zwischen diesen MG-Schützen saßen die Piloten nebeneinander in einer verschlossenen Kabine.

Die im Jahr 1918 von Aviatik gebauten Flugzeuge hatten vier 245-PS-Maybach-Motoren, wobei die Kabine nach vorne fast bis an die Nase verlängert wurde und eine große, zentrale und vertikale Heckflosse sich anschloss.

Der Zeppelin Staaken R VI konnte im internen Bombenschacht in der Mitte des Rumpfes bis zu achtzehn 100-kg-Bomben transportieren. Die maximale Zuladung belief sich auf bis zu 2.000 kg, aber im Durchschnitt wurde nur die Hälfte der maximalen Ladung genutzt.
Es konnten auch einzelne Bomben bis zu 1.000 kg Gewicht geladen werden, welche halb-vertieft unter dem Rumpf des Flugzeuges angebracht werden konnten.

Die Auslieferung der R VI begann im Juli 1917 und von September an waren sie in ständigen Kampfeinsätzen gegen Ziele in Frankreich und England, eingesetzt von den Einheiten Rfa 500 und Rfa 501.
Während dieser Kampfeinsätze wurden nur zwei von den Alliierten abgeschossen, allerdings mußten weitere acht bei Unfällen abgeschrieben werden.
Zwei R VI wurden versuchsweise mit einem weiteren 120-PS-Motor vom Typ Mercedes DII ausgerüstet, welcher einen Kompressor antrieb, um das Haupttriebwerk zu unterstützen, was dem Bomber eine bessere Leistung in größeren Höhen gab.

Nachfolgende Zeppelin Staaken R-Serien wurden nur in geringen Stückzahlen hergestellt. Diese beinhalteten drei R XIV, einen R XIVa und drei R XV, welche alle durch fünf 245-PS-MbIV-Motoren angetrieben wurden und mit fünf Maschinengewehren bewaffnet waren. Sie hatten jeweils drei Zug- und zwei Druck-Propeller und aus diesem Grund keine Bewaffnung in der Nase.

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Die R XV-Serie wurde wahrscheinlich zu spät gebaut, um noch Einsätze im Ersten Weltkrieg gesehen zu haben. Aviatik baute ein Exemplar von drei bestellten im Oktober 1918, welches in jeder Gondel einen 220-PS und 530-PS-Daimler-Benz-Motor hatte.

Zeppelin-Wasserflugzeug

Zeppelin-Wasserflugzeug der Serie Typ 8300

Versionen des R VI beinhalteten das Wasserflugzeug Typ 8300, wovon drei oder vier fertiggestellt wurden, welche die Flügel und Motorgondeln des R VI verwendeten, aber mit einem vollständig neuen Rumpf, welcher zwischen den Flügeln und dem Heck eingebaut wurde. Diese Wasserflugzeuge hatten ein Heck mit der großen, zentralen Schwanzflosse der letzten R VI-Modelle.
Eines dieser Wasserflugzeuge wurde später mit einem Fahrwerk für Landungen auf dem Land ausgestattet.

Das Serie-L-Wasserflugzeug, welches während der Erprobung zerstört wurde, war im Grunde eine standardmäßige, durch DIV-Motoren angetriebene R VI, welches auf zwei Schwimmern von jeweils 13 Metern Länge montiert war.

Benutzer: Deutsches Reich.


Spezifikationen Zeppelin Staaken R VI

Spezifikationen
Spezifikationen Zeppelin Staaken R VI
Typ schwerer Bomber
Besatzung 7
Antrieb 4 wassgergekühlte 6 Zylinder-Reihenmotoren 260 PS Mercedes DIVa oder 245 PS Maybach MbIV
Spannweite 42,20 m
Länge 22,10 m
Höhe 6,30 m
Flügelfläche 332,0 m²
Leergewicht 6.900-7.921 kg
Startgewicht 11.460 kg (maximum 11.848 kg)
Höchstgeschwindigkeit 130-135 km/h in Seehöhe
Steigleistung 100 m/min.
Dienstgipfelhöhe ca. 3.800-4.320 m
Reichweite ca. 800 km (Flugzeit je nach Bombenlast 7-10 Stunden)
Bewaffnung 1-2×7,92mm-Parabellum-MG im Bugcockpit, 1-2 MG im hinteren Cockpit, 1 MG nach hinten unten
Zuladung Rumpfschacht für bis zu 18×100-kg-Bomben oder 1×1.000-kg-Bombe (maximale Zuladung 2.000 kg)
Erstflug 11. April 1915 (V.G.O.I)
Truppenlieferung Juni 1917 (R VI)
Endlieferung Oktober 1918 (R XV)
Produktion 2 V.G.O., 1 R III, 1 R IV, 1 R V, 18 R VI, 1 R VII, 3 R XIV, 1 R XIVa, R XV, 3-4 Wasserflugzeuge
Verbleib 2 abgeschossen, 8 bei Unfällen zerstört
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