Völkermord an den Armeniern


Enver Pascha

Enver Pascha an der Spitze der türkischen Regierung 1915-18. Nach Kriegsende kämpfte Enver im Russischen Bürgerkrieg, um wieder zu Besitz und Einfluss zu gelangen. Er starb 1922 im Kampf gegen die Rote Armee unter Michail Frunze.

Der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915-1916.

Zu den furchtbaren Gräueln dieses Krie­ges zählt auch ein Vorfall, der die Weltöffentlichkeit nie allzu sehr beschäftigte – zum einen, weil man ihn in der Türkei stets verdrängte oder gar leugnete, zum an­deren, weil nur wenige Berichte davon überliefert sind.
Es handelt sich um den Völkermord, den der türkische Staat (damals noch das Osmanische Reich) an dem Volk der Armenier beging.

Möglich wurde diese Tat erst durch den 1. Weltkrieg und die Umstände, die er mit sich brachte: Die damals herrschenden Notstandsgesetze schränkten die parlamentarischen Kontroll­möglichkeiten sowie die Bürgerrechte ein, und unter der Bevölkerung herrschte eine regelrechte Kriegshysterie. Außerdem war auch das Auge der Weltöffentlichkeit auf an­dere Dinge gerichtet.

Die Konflikte zwischen Türken und Arme­niern hatten ethnisch-religiöse Ursachen und kamen zum Ausbruch, als das Osmani­sche Reich eine Ausdehnung nach Osten ins Auge fasste, um alle Türkvölker zu vereinen. In den Jahren 1894-1896 kam es zu einer ersten Welle der Gewalt, für die Sultan Ab­dul-Hamid II. verantwortlich war, der eine andere Minderheit des Reiches, die der Kurden, gegen die Armenier aufhetzte.

1909 kam es zu neuerlichen Repressalien durch die Jungtürken, eine Bewegung, die eine konstitutionelle Reform des Osmanischen Reiches anstrebte. Die beiden Regionen, in denen die Armenier seit jeher angesiedelt waren, nämlich Zilizien und Armenien, wur­den zum Schauplatz von Massakern und Massenfestnahmen. Damals fielen über 300.000 Armenier den Türken zum Opfer ­und das bei einer Bevölkerung von insge­samt zwei Millionen.
Außerdem wurden mehrere Zehntausend gezwungen, zum Islam zu konvertieren, während ein wahrer Strom von Flüchtlingen das Osmanische Reich verließ.

1914 schloss sich die Türkei den Mittelmächten an, um gegen Russland in den Krieg zu ziehen. Die Armenier, die sich geo­graphisch an der Ostfront befanden, traten mehrheitlich in die türkische Armee ein, was jedoch nichts an der Feindseligkeit än­derte, die man ihnen entgegenbrachte.

Im Dezember 1914 startete Enver Pascha, der das Kommando über die Dritte Armee über­nommen hatte, eine Offensive im russi­schen Kaukasus, bei der keinerlei Vorberei­tungen auf den strengen Winter getroffen wurden. Zehntausende Soldaten erfroren oder verhungerten, während die Reste der Dritten Armee sich zurückziehen mussten. Die russischen Truppen nahmen die drei arme­nischen Städte Van, Erzurum und Bitlis ein. Die geschlagenen Türken machten nun die Armenier zu Sündenböcken ihrer Niederla­ge, indem sie ihnen vorwarfen, mit dem Feind zu kollaborieren.

Die armenischen Soldaten in der türkischen Armee wurden entwaffnet. Daraufhin be­gann man unter dem Vorwand, dass die Front so nahe sei, die Zivilbevölkerung aus ihrer Heimat zu deportieren. Angehörige der armenischen Elite wurden verhaftet und nach gewaltsam erzwungenen Geständnissen umgebracht.
Im Verlauf der Massendeportationen wurden fernab von internationalen Beobachtern unzählige Menschen ermordet. Die Armenier aus Zili­zien wurden in die Wüsten Syriens oder Mesopotamiens ‘umgesiedelt’.

An der Tragödie konnte auch vereinzelt auf­flackernder Widerstand nichts ändern, wie er etwa in Franz Werfels Roman ‘Die vierzig Tage des Musa Dagh beschrieben wurde; in diesem Fall wurde eine Gruppe von 4000 Armeniern durch das Eingreifen der Franzosen gerettet.

Gegen Ende des Jahres 1916 waren nur noch im Raum Konstantinopel und Smyrna Armenier zu finden – der Rest war geflüch­tet oder den Türken zum Opfer gefallen.

Karte Völkermord Armenier

Hauptrichtung der Deportation von Armeniern.

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