US Carbine cal .30 M1

US-FlaggeSelbstladekarabiner M1, häufigste amerikanische Waffe im Zweiten Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

US-Selbstladekarabiner M1

US-Selbstladekarabiner M1

US Carbine Caliber .30 M1, M1A1, M2, M3
Typ: Automatischer Selbstladekarabiner.

Geschichte

Karabiner M1 auf einem US-Schnellboot

Der Karabiner M1 auf einem US-Schnellboot während der Rettung japanischer Schiffsbrüchiger nach der Seeschlacht in der Surigao-Strasse 1944.

Der US Carbine M1 hat seine Ursprünge im Jahr 1938 aufgrund einer Anforderung der amerikanischen Infanterie nach einem leichten Gewehr, vergleichbar mit dem Karabiner der Kavallerie vergangener Tage. Diese Waffe sollte das Standardgewehr und die Pistole, mit denen Fahrer, Maschinengewehrschützen, Granatwerfer-Mannschaften, Offiziere, Artilleristen, Fernmeldesoldaten, Spezialisten, Fahrzeugbesatzungen, Köche, Feldpriester und andere Angehörige der Streitkräfte, deren hauptsächlicher Einsatz nicht als Gewehrschützen erfolgte, ersetzen. Denn das Standardgewehr Garand M1 war zu schwer und zu groß und die Pistole hatte keine ausreichende Reichweite und Wirksamkeit.
Diese Forderung wurde jedoch zurückgewiesen, zweifellos wegen finanzieller Gründe. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Antrag aber 1940 wieder eingereicht und wurde diesmal wohlwollender aufgenommen, da die US Army nun ausgebaut wurde und die Produktion des Standardgewehres M1 Garand schon bis zum äußersten angespannt war.

Bis Oktober 1940 waren die Entwurfsspezifikationen vorbereitet und bei zahlreichen Waffenbauern herumgereicht worden. Zusätzlich erhielt die Firma Winchester einen Auftrag, eine spezielle Patrone als Munition zu entwerfen, welche ein 7,128 Gramm schwere Kugel mit einer Geschwindigkeit von 567 Metern pro Sekunde verschiessen sollte. Diese wurde offiziell das ‘.30 Short Rifle Cartridge’ genannt und basierte größtenteils auf einer älteren, kommerziellen Patrone, der ‘Winchester .32 Automatic Sporting Rifle Cartridge’.
Es war eine pistolenähnlichen Patrone im Kaliber .30, jedoch mit erhöhter Leistung, die ein Feuern auf bis zu 300 Metern ermöglichte.

Elf Firmen reichten Waffen für Testversuche ein. Einige wurden sofort abgelehnt. Andere, welche vielversprechend aussahen, für weitere Entwicklungsarbeiten zurückgeschickt und schließlich sieben Stück zu den Tests zugelassen.
Von diesen wurde der Entwurf der Firma Winchester angenommen, welcher eine Modifikation des Bolzens des Garand-Gewehres mit einem Gaskolben mit einem kurzen Anschlag verwendete, welcher ursprünglich für ein potentielles Militärgewehr entwickelt wurde. Der Garand-Entwurf wurde dabei von David M. Williams vervollkommnet.

Die Gasdruck-Funktion verwendete einen eingeschlossenen Kolben, welcher eine Distanz von etwa 85 mm zurücklegte. Dieser schlägt auf ein Gleitstück, welches genug Energie liefert, um den Bolzen gegen die Kraft der Rückstellfeder durchzudrücken. Die Rückwärtsbewegung des Bolzens spannt auch den Hahn, bevor die Feder ihn zurückzieht, wobei eine neue Patrone geladen wird und der Bolzen festgehalten wird.

Selbstladekarabiner M1

Selbstladekarabiner M1 mit Patronentasche für Ersatzmagazine.

Der Selbstladekarabiner M1 wurde im Oktober 1941 eingeführt und im Frühjahr 1942 begann seine Produktion in Großserie in neun Fabriken. Dort wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fast 6 Millionen Karabiner gebaut, womit er häufiger als das Standardgewehr M1 Garand in den amerikanischen Streitkräften vorkam.
Während des Krieges wurde der Entwurf weiter vervollkommnet und erhielt unter anderem ein einfacheres Visier und einen Bajonetthalter.

Die Meinungen über den Karabiner M1 im Einsatz gingen auseinander. Es war zweifellos eine sehr gut zu handhabende Waffe, leicht und einfach zu benutzen und überall gut unterzubringen, z.B. in Fahrzeugen oder auch Flugzeugen. Jedoch waren die Kugeln eher die einer Pistole als die von einem Gewehr, sodaß als Folge davon die Genauigkeit bei Entfernungen über kurze Distanzen nicht zufriedenstellend war. Die Waffe war nur effektiv bis etwa 100 Metern. Es fehlte auch etwas die Wirksamkeit der Geschosse nach einem Treffer.

Trotzdem war auch die deutsche Wehrmacht von der Waffe ausreichend überzeugt, daß sie die zahlreichen, erbeuteten Exemplare unter der Bezeichnung ‘Selbstladekarabiner 455a’ in der letzten Phase des Krieges in Europa verwendet.
Auch die US Marines im Pazifik übernahmen mehr und mehr den Karabiner M1 auch bei den Kampftruppen, da er eine geringere Belastung im Dschungelkrieg darstellte als das Standardgewehr und hier die relativ kurze Reichweite kein allzugroßer Nachteil war.

Trotz der Massenproduktion während des Krieges wurde das M1 danach kaum noch verwendet. Zwar verwendeten viele Polizei-Einheiten es später, aber hauptsächlich wegen des schwachen Geschosses, welches im Polizeieinsatz in den meisten Situationen sicherer war, als schlagkräftigere Patronen. Dafür typisch war die Royal Ulster Constabulary in Nord-Irland, welche den Karabiner M1 gegen die IRA einsetzte.
Ein weiteres Problem ist die Verbreitung der .30-Patrone. Während des Krieges wurde die Patronen in millionenfacher Anzahl hergestellt, aber da es danach kaum noch für ein bedeutendes Waffensystem verwendet wurde, gibt es auch kaum Nachschub davon.

Varianten

M1A1: Wie das M1, aber mit einem Pistolengriff und einer einklappbaren Skelettrahmen-Schulterstütze. Diese Ausführung war für die Fallschirmtruppe vorgesehen und wurde von Mai 1942 bis Kriegsende in einer Anzahl von ca. 140.000 Stück gebaut.

M2: Version mit vollautomatischen Feuer. Es entsprach dem M1 mit der Ausnahme eines zusätzlichen Auswahlschalters an der linken Seite für den Feuermodus. Standardisiert im September 1944 und ein spezielles 30-Schuss-Magazin wurde dafür entwickelt. Die zyklische Feuerrate war etwa 750 Schuss je Minute. Die Waffe erschien erst gegen Kriegsende bei der Truppe und insgesamt wurden 550.000 Stück davon gebaut, der Hauptteil allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Selbstladekarabiner M3

Selbstladekarabiner M3 mit Infrarot-Zielfernrohr ‘Superscope’

M3: Ein M2, an dem das Zielkorn entfernt war und stattdessen ein Infrarot-Zielfernroh ‘Sniperscope’ befestigt war. Standardisiert im August 1945. Nur 2.100 Stück davon wurden gebaut.

T3: Das Entwicklungsmodell für das Standard-M3.

T4: Das Entwicklungsmodell für das Standard-M2.


Animation 3d-Modell Selbstladekarabiner M1


Spezifikationen US Carbine cal.30 M1

Spezifikationen
US Carbine M1 Spezifikation
Typ Selbstladegewehr (M2 auch vollautomatisch)
Kaliber .30 (7,62mm)
Länge 90,4 cm (M1A1 90,5 cm, mit eingeklappter Stütze 64,8 cm)
Gewicht 2,36 kg (M1A1 2,53 kg)
Lauf 45,7 cm mit 4 rechtsläufigen Zügen
Magazin 15 Schuss (M2 30 Schuss)
Funktion Gas, rotierender Bolzen
Geschoßgeschwindigkeit 600 m/s
Feuergeschwindigkeit 750 Schuss/Minute beim vollautomatischen M2
Schussweite 300 Meter (effektiv ca. 100 Meter)
Einsatzstatistik
US Carbine cal.30 Angaben
Hersteller Inland Mfg. Division of General Motors (Dayton, Ohio), Winchester Repeating Arms Co. (New Haven, Conn.), Saginaw Steering Gear Div. of General Motors (Grand Rapids, Michigan), Underwood-Elliot-Fisher (Hartford, Conn.), Rochester Defense Corp. (Rochester, NY), Quailty Hardware Corpo. (Chicago, Ill.), Rock-Ola Corp. (Chicago, Ill.), National Postal Meter Corp. (Rochester, NY), Standard Products Co. (Port Clinton, Ohio), International Business Machines Corp. (Poughkeepsie, NY)
Serienproduktion Frühjahr 1942
Endlieferung nach 1945
Stückzahl (alle) alle Versionen ca. 6.332.000
Stückpreis ?

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