Unternehmen Torch

Das Unternehmen Torch, die alliierten Landungen in Nordwestafrika.

Unternehmen Torch

Das Unternehmen Torch war für die lange Anfahrt der Landungsflotten bemerkenswert. Die Truppen wurden direkt aus Amerika und Schottland an die Landungsstrände herantransportiert.

Unternehmen Torch (Fackel)

Am Morgen des 8. November 1942 ging eine Streitmacht von mehr als 70.000 amerikanischen und britischen Soldaten an der Küste von Französisch-Nordwestafrika an Land und es begann die Phase der engen anglo-amerikanischen Zusammenarbeit während des 2. Weltkrieges.
Insgesamt über 500 Schiffe hatten die Streitkräfte herantransportiert und gesichert. 102 von diesen kamen über den Atlantik aus den USA während die anderen in zwei Konvois – einem schnellen und einem langsamen – aus Großbritannien kamen. Sie alle kamen an ihrem Bestimmungsort innerhalb weniger Stunden an, was ein Muster an reibungsloser Organisation und zeitlicher Planung war.

Karte Unternehmen Torch

Karte vom Unternehmen Torch.


Die alliierte Flotte für das Unternehmen Torch

Die Landung der 70.000 Mann zwischen Casablanca und Algier beim Unternehmen Torch erforderte viele Transporter und Kriegsschiffe. Sechs Voraus- und vier Angriffskonvois mit insgesamt 250 Schiffen gingen von England aus in See, weitere vier Konvois mit insgesamt 136 Schiffen unmittelbar von den USA aus. Für die mit der Sicherung befaßten Geleiter und Patrouillenflugzeuge stellten diese Konvois eine schwere Verantwortung dar. Einschließlich der Artillerieunterstützungs- und der Führungsschiffe waren an den Landungen im Rahmen vom Unternehmen Torch

  • 6 Schlachtschiffe,
  • 5 Flottenträger,
  • 7 Geleitträger,
  • 15 Kreuzer,
  • 81 Zerstörer und
  • 38 Geleitfahrzeuge


unterschiedlicher Typen beteiligt. Leider mußte der größte Teil der Geleitträger und der Geleitfahrzeuge von der Schlacht im Atlantik abgezogen werden, wo sie in den nachfolgenden Monaten bitter vermißt wurden.


Die alliierten Truppen beim Unternehmen Torch

Die Invasionen bei Casablanca wurden von Truppen durchgeführt, welche direkt aus den Vereinigten Staaten kamen, während diejenigen für die beiden anderen Landungen aus Clyde in Schottland kamen.
Die 24.500 Amerikaner, welche bei Casablanca landeten, bildeten zusammen mit den 18.500 US-Soldaten bei Oran die 5. US-Armee, welche für die Abwehr eines möglichen deutschen oder spanischen Gegenangriffes durch die Iberische Halbinsel nach Spanisch-Marokko verantwortlich war.
Die 20.000 Anglo-Amerikaner bei Algier würden die britische 1. Armee bilden, welche so schnell wie möglich nach Tunesien vorrücken sollte.

Es wurde verabredet, daß die 12. US Air Force die Landungen des Unternehmen Torch bei Casablanca und Oran unterstützen sollte, während die 133. Gruppe der RAF Algier abdecken sollte.
Der nähste allierte Flugplatz war auf Gibraltar, wovon Jagdflugzeuge allerdings nur einen Aktionsradius bis Oran hatten – und dann auch nur so wenig Zeit über dem Hafen verbringen konnten, daß ihr Einsatz unwirtschaftlich erschien. Luftunterstützung würde deshalb während der ersten Anlandungen nur von den alliierten Flugzeugträgern aus möglich sein.
Die Erkenntnis, daß Flugplätze so schnell wie möglich besetzt werden müßten, um eine effektive Luftunterstützung zu gewährleisten, führte zu einer späten Änderung im Operationsplan. Es wurde vorgesehen, daß amerikanische Fallschirmjäger die Flugplätze um Oran gleichzeitig mit den Landungen eroberten.

Der westliche Kampfverband (Western Task Force) wurde von General-Major George S. Patton befehligt, dessen Name wenige Monate später zu einem Synonym für Extravaganz und Antriebskraft werden sollte. Unter seinem Befehl standen die 2. US-Panzer-Division, 3. und 9. US-Infanterie-Division, das 70. und 756. Tank-Bataillon, das 603., 609. und 702. Panzerjäger-Bataillon, das 36. Sturmpionier-Regiment und zwei Nachrichten-Kompanien.

Der mittlere Kampfverband (Central Task Force) unter Major-General Lloyd Fredenhall bestand aus der 1. US-Panzer-Division und der 1. US-Infanterie-Division.

Der östliche Kampfverband (Eastern Task Force) war eine gemischte anglo-amerikanische Streitmacht und wurde am 10. November zur britischen 1. Armee. Zu deren Kommando wurde Generalleutnant Anderson bestellt. Zu Beginn konnten die ihm zur Verfügung stehenden Truppen kaum den hochtrabenden Titel ‘Armee’ gerecht werden, da sie lediglich aus zwei englischen Infanterie-Brigaden (11. und 36. Brigade der 78.Division), einem kleinen Teil der 6. britischen Panzerdivision und drei Bataillonen der 1. britischen Fallschirmjäger-Brigade sowie einigen Commandos bestanden.


Die französische Reaktion in Nordwestafrika auf das Unternehmen Torch

Einmal auf nordafrikanischen Boden angekommen, komplizierten die Reaktionen und Maßnahmen der dritten, unfreiwillig beteiligten Nation, die Ereignisse so schwer, daß dies schon den Geschmack einer südländischen Tragikomödie hatte. Die Amerikaner waren der festen Überzeugung, daß sie bei den Franzosen so bliebt waren, während die Briten so sehr gehasst wurden, daß dies schon den Unterschied zwischen Willkommen und Widerstand in Nordafrika ausmachen würde. Deshalb entstanden unnötige Komplikationen bei der taktischen Planung, da alle Anlandungen so aussehen sollten, als würden diese von den Amerikaner alleine gemacht werden.

Aber der französische Entschluss zum Widerstand, zum einem um Vergeltung durch die Deutschen für das bisher unbesetzte Frankreich zu vermeiden – vor allem falls die Invasion letztlich scheitern sollte – und um gute Karten in der Hand zu haben für Verhandlungen über die Rolle ihrere eigenen Befreiung, falls diese glücken sollte, komplizierte die gesamte Situation unendlich mehr.

Alliierte Truppen auf dem Weg nach Tunesien

Nachdem Admiral Darlan zugestimmt hatte, die Alliierten zu unterstützen kam der französische Widerstand in Algerien und Marokko zum erliegen und die alliierten Streitkräfte waren nun in der Lage sich außerhalb der großen Häfen zu bewegen und das Land vollständig und einfach zu besetzen.

Jedoch durch eine der seltsamsten Wendungen der Geschichte wurde dieser Gordische Knoten ausgerechnet von einem Mann durchschlagen, der guten Grund hatte die Briten zu hassen und den Amerikanern nicht zu trauen. Admiral Darlan, der Oberkommandierende der französischen Vichy-Streitkräfte, war ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt aus persönlichen Gründen in Nordafrika zu Besuch, und er war außerdem einer der wenigen französischen Führer mit der Autorität den französischen Truppen zu befehlen ihren Widerstand zu beenden und sich den Alliierten anzuschließen. Nach einigem Zögern vereinbarte er am 10. November einen Waffenstillstand und die alliierten Truppen konnten mit dem Vormarsch auf ihre wichtigsten militärischen Ziele, den Häfen von Tunis und Biserta, beginnen.


Die französischen Streitkräfte beim Unternehmen Torch

Der Waffenstillstand von 1940 hatte die französischen Streitkräfte, genannt l’ Armee de l’ Armistice, in Nordafrika auf 120.000 Mann begrenzt, davon 55.000 in Marokko, 50.000 in Algerien und 15.000 in Tunesien. Es waren zum größtenteil einheimische Truppen welche durch französische Offiziere befehligt wurden. Obwohl Munition knapp und Ausrüstung veraltet waren, war ihr Kampfwert trotzdem hoch.

Die französische Luftwaffe hatte rund 500 Flugzeuge auf fünf Flugplätzen in Marokko, alle innerhalb kurzer Flugzeiten nach Casablanca, sowie auf anderen Flugfeldern in Algerien und Tunesien in naher Angriffsentfernung zu den Häfen. Obwohl diese Flugzeuge veraltet waren, war ihre Kampfkraft trotzdem zumindest besser als diejenigen Typen, welche sich auf den alliierten Flugzeugträgern befanden.
In Marokko gab es zwei Jagdgruppen, zwei Aufklärungsgruppen und vier Bombergruppen sowie zwei Flottillen von Marineflugzeugen und zwei Gruppen von Transportflugzeugen.
In Algerien hatten die Vichy-Luftstreitkräfte drei Jagd-, eine Aufklärungs- und drei Bomber-Gruppen sowie eine Flottille von Marineflugzeugen.
In Tunesien gab es eine kleinere Präsenz aus einer Jagd-, zwei Bomber- und einer Aufklärungs-Gruppe, zusammen mit einer Einheit Marine-Flugboote.
Eine Gruppe wurde in der Regel aus zwei Escadrilles gebildet, welche normalerweise jeweils 12 Flugzeuge hatte.

Von noch größerer Bedeutung für das Unternehmen Torch waren jedoch die französischen Seestreitkräfte in der Region. Wenn auch in Biserta und Oran nur einige U-Boote und Zerstörer lagen, gab es in Casablanca einen Kreuzer mit 15-cm-Geschützen, Zerstörer und ein nicht fahrbereites Schlachtschiff, welches aber seine Geschütze abfeuern konnte, zusammen mit einem weiteren Schlachtschiff und drei Kreuzern in Dakar (Westafrika).
Die Hauptflotte in Toulon (Südfrankreich) mit ihren drei Großkampfschiffen, sieben Kreuzern, 28 Zerstörern und 15 U-Booten konnte auch nicht in den Kalkulationen für das Unternehmen Torch unberücksichtigt gelassen werden.


Die Reaktion der Achsenmächte

Me 323 Gigant auf Sizilien

Deutsche Eingreiftruppen gehen auf einem sizilianischen Feldflughafen an Bord eines abflugbereiten Me 323 Gigant-Transporters.

Kurz nach den Hauptlandungen des Unternehmen Torch in Algerien und Marokko begann die britische 1. Armee mit ihrem Vormarsch in Richtung Tunesien, um die Küste zu besetzen und um mit der 8.britischen Armee zusammenzutreffen, welche zum selben Zeitpunkt von El Alamein nach Westen vorstieß.
Aber die rasche alliierte Eroberung von Algerien und Marokko war untypisch, denn in Tunesien reagierten die Deutschen mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Effizienz und bauten schnell eine Streitmacht auf.
Innerhalb von drei Tagen nach den alliierten Landung vom Unternehmen Torch brachten deutsche Transportflugzeuge Truppen und Ausrüstung nach Tunis und bis Ende des Monats waren 15.000 gut ausgerüstete und erfahrene deutsche Soldaten sowie 9.000 Italiener hervorragend postiert, um die alliierten Pläne zu blockieren.
Durch das hineinschieben von Truppen in den ‘Brückenkopf Tunesien’ hoffte Hitler einen Angriff auf Südeuropa zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Bis Ende Januar 1943 hatte die Achse dann über 100.000 Soldaten in Tunesien und hatte den Vormarsch der Alliierten vollständig zum Stehen gebracht.


Die Achsen-Streitkräfte

Im Laufe des 6. November gehen bei der deutschen Seekriegsleitung weitere Auslaufmeldungen von Agenten aus Gibraltar und Sichtmeldungen von Geleitzügen im westlichen Mittelmeer ein, aus der diese schließt, daß eine Feindunternehmung allergrößten Ausmaßes angelaufen ist. Nach Auffassung der Seekriegsleitung kommt ein Landungsunternehmen nach größter Wahrscheinlichkeit im Gebiet Tripolis-Bengasi (Libyen), danach Sizilien, Sardinien, italienische Küste und erst an letzter Stelle in Französich-Nordafrika in Betracht.
An deutschen Streitkräften stehen zu dieser Zeit einsatzbereit neun U-Boote im westlichen Mittelmeer und 10 S-Boote auf Sizilien.
Italien hat 26 U-Boote südlich Sardinien aufgestellt und 20 MAS (S-Boote) bei Kap Bone (Tunesien). Leichte Kreuzer und Zerstörer liegen einsatzbereit in Palermo und Neapel. Der Einsatz schwerer italienischer Kriegsschiffe ist wegen feindlicher Luftgefahr und Fehlen eigenen Luftschutzes nicht beabsichtigt.

Nach den alliierten Landungen des Unternehmen Torch in Französisch-Nordafrika am 8. November 1942 erbittet Frankreich bereits am selben Tag deutsche Waffenhilfe und beantragt die Wiederaufrüstung. Am nächsten Tag wird eine Konferenz in München zwischen Hitler, Laval (Frankreich) und Graf Ciano (italienischer Außenminister) einberufen, in der es um ein militärisches Bündnis zwischen Deutschland, Frankreich und Italien sowie über darüber hinausgehender Fragen ‘weittragender politischer Bedeutung’ gehen soll. Durch die Waffenstillstandsvereinbarung des französischen Admiral Darlans in Algier wird dies jedoch hinfällig.

Obwohl die Deutschen sehr schnell auf die Landungen des Unternehmen Torch reagierten und bereits am 9. November den Flugplatz El Aouina außerhalb von Tunis besetzten, unterschätzten die Alliierten weiterhin den Aufmarsch der Achsenstreitkräfte in Tunesien. So waren bis Mitte November bereits 5.000 Soldaten der Achse angekommen und bis zum Ende des Monats gab es nicht weniger als 15.500 deutsche Soldaten mit 130 Panzern – darunter auch einige vom neusten deutschen Modell, dem schweren Tiger-Panzer – unter dem Befehl von General Nehring, welcher zeitweise schon einmal in Vertretung von Rommel der Oberbefehlshaber des DAK war.

Zudem errangen die Luftstreitkräfte der Achse in den ersten Wochen des Feldzuges nach dem Unternehmen Torch die Luftüberlegenheit, was daran lag, daß die alliierten Flugplätze weit hinter der Front lagen und in den meisten Fällen nicht bei jedem Wetter benutzbar waren.
Als Ende November der Winterregen, und damit knietiefer Schlamm kam, wurden diese praktisch unbrauchbar. Die Achse hatte dagegen auf der anderen Seite gute Flugplätze in der Nähe der Front, zusammen mit der Möglichkeit Einsätze auch von Sardinien, Pantellaria, Sizilien, Kalabrien und Griechenland zu fliegen. Auch waren deren Nachschubslinien von Sizilien und Süd-Italien relativ kurz und einfach im Vergleich zu den der Alliierten.


Wettlauf nach Tunesien

Während des Unternehmen Torch bewegte sich auf der anderen Seite des Mittelmeeres Rommel zwischenzeitlich mit dem DAK ebenfalls auf Tunesien zu. Vier Tage bevor die alliierte Landungen des Unternehmens Torch in Nordwestafrika erfolgten, hatten die Achsen-Streitkräfte die Verteidigung von El Alamein aufgegeben und die britische 8. Armee begann mit ihrer letzten Verfolgung des Afrika Korps. Das DAK setzte sich jedoch nur mit seiner typischen Effizienz von Widerstandsstellung auf Widerstandstellung und hartnäckigen Nachhutgefechten nach Westen ab, trotz seiner Erschöpfung und ausbleibenden Nachschubs.

Die größte Schwäche des Unternehmen Torch war, daß keine Vorkehrungen getroffen wurden um Tunesien in der Anfangsphase zu neutralisieren. Die deutsche Reaktion war schneller als die alliierten Planer für möglich gehalten hatten, und so begann ein Wettlauf zwischen der britischen 1. Armee und deutschen Vorauskommandos. Zunächst ging es darum die wichtigsten Flugplätze mit Luftlandetruppen zu besetzten und anschließend die Pässe nach Tunesien mit Bodentruppen zu beherrschen. Die Alliierten gewannen zumeist noch die erste Runde, aber ihr Vormarsch in Richtung Tunis und Biserta wurde von den Deutschen auf einer Linie, die von Oudna nach Tebourba und in Richtung Mateur lief, gestoppt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die britische 1. Armee ihre Versorgungslinien überdehnt und es fehlte ihr der Angriffsschwung, um die deutschen Abwehrlinien zu durchbrechen. In der Zwischenzeit setzten die Deutschen und Italiener ihren Aufmarsch fort und brachten mehr Truppen und Flugzeuge in das Land.
Der wesentlichste Mangel deutscherseits bestand bei der Artillerie. Es gab nur weniger als 40 Geschütze aller Typen, aber die Operationen wurden dadurch kaum behindert. Die Ju 87 Stukas lieferten die Feuerunterstützung bei Tage aus der Luft und Granatwerfer waren eine tödliche Ergänzung. Und vor allem war es das gebirgige Gelände, was am meisten die Verteidiger der Achse bevorteilte.

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