StG-45

StG-45 oder Sturmgewehr 45.

Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

StG-45

Sturmgewehr 45 (StG-45)

Sturmgewehr 45 (StG-45)
Typ: automatisches Gewehr

Geschichte

Gegen Endes 2. Weltkrieg hatten alle Streitkräfte das große Potential der automatischen Infanterie-Waffen erkannt. Automatische Waffen deklassierten die traditionellen Zylinderschloss-Gewehre, da sie innerhalb der häufigsten Feuerreichweite bei Infanteriegefechten eine wesentlich höhere Feuerkadenz mit relativ hoher Schussgenauigkeit hatten. Diese Infanteriewaffen hatten auch größere Magazine für mehr Patronen.

Die ersten automatischen Infanteriewaffen, welche weit verbreitet während des 2. Weltkrieg eingesetzt wurden, waren die deutsche MP 40 und die russische PPSh-41 Maschinenpistolen. Maschinenpistolen waren aber nur auf sehr kurze Entfernungen effektiv und ziemlich ungenau.

So entstand erstmals mit dem Sturmgewehr 44 eine Kombination aus der hohen Feuerkraft der Maschinenpistole und der größeren Reichweite und Genauigkeit des traditionellen Infanteriegewehres. Kurz als StG-44 bezeichnet, wurde die Waffe zur ‘Mutter aller Sturmgewehre’ und war in letzten beiden Kriegsjahren zunehmend häufig bei Wehrmacht und Waffen-SS zu sehen.
Diese Waffe verfeuerte eine 7,92x33mm-Kurz-Kartusche aus einem gekrümmten, herausziehbaren 30-Schuss-Kastenmagazin. Sie wurde durch ein Kippbolzen-System betrieben und bis Kriegsende wurden rund 425.000 Sturmgewehre ausgeliefert.

Wie meistens bei der Einführung eines neuen, revolutionären Waffensystems war das StG-44 jedoch keine perfekte Infanteriewaffe. Für die immer mehr unter Druck kommende deutsche Kriegsindustrie war die Waffe nicht einfach genug herzustellen und auch für den Infanteristen im Feld zu schwer zu tragen.

Deshalb wurde ein Auftrag erteilt, das deutsche Heer mit einer kostengünstigeren und einfacher herzustellenden Variante des StG-44 auszurüsten, welche auch weniger Gewicht haben sollte.
Die Entwurfsarbeiten begannen bei Mauser im Jahr 1944 und die neue Waffe hatte natürlich eine gewisse Ähnlichkeit mit der bisherigen Sturmgewehr-Serie. Es folgten anschließend Versuche mit der als ‘Gerät 06’ bezeichneten Waffe.

Das Gerat 06 verwendete einen Rollenverschluss, kurzen Rückstossmechanismus mit einem gasbetriebenen Kolben. Nach einer Änderung, welche das Gassystem durch einen Rollenverschluss mit verzögerten Masseverschluss ersetzt, erschien der Prototyp ‘Gerät 06H’.
Diese Waffe erhielt dann die offizielle Bezeichnung StG-45 (M) und die Produktion wurde in Auftrag gegeben.

Bei Kriegsende im Mai 1945 waren jedoch gerade erst einmal 30 Vorserienodelle des vielversprechenden StG-45 fertiggestellt, bevor die Mauser-Fabrik in Oberndorf/Neckar von alliierten Truppen besetzt wurde. Diese Gewehre sollten für Truppenversuche an der Front verwendet werden, wozu es nicht mehr kam. Das StG-45 war somit der Höhepunkt der Entwicklung von Sturmgewehren in Nazi-Deutschland.

Äußerlich war das StG-45 ein konventioneller Entwurf mit einem festen hölzernen Schulterstück, abgewinkeltem Pistolengriff sowie ein fest im Gehäuse montierten Lauf. Das Magazin wurde in traditioneller Weise vor dem Auslöser mit allen notwendigen inneren Funktionen am Gehäuse untergebracht.
Ein Ladegriff wurde auf dem Gehäuse mit einem herausstehenden Hebel eingebaut. Eine Auswahl für den Feuermodus wurde für den schnellen Zugriff in der Nähe des Daumens angebracht. Dafür gab es drei Einstellungen: ‘S’, ‘E’ und ‘D’ (gesichert, Einzel- und Dauerfeuer).
Jeweils ein Zielkorn wurde kurz vor dem Lademechanismus und vorne auf der Mündung angebracht.

Die Konstruktion der Waffe erfolgte aus Stahlstanzteilen und wurde an bestimmten Stellen geschweißt. Das Magazin war wie gehabt gekrümmt und es gab ein kleineres 10-Schuß-Magazin sowie das Standard-30-Schuß-Magazin.

Im Gegensatz zum StG-44 kostete das StG-45 nur die Hälfte, benötigte nur die Hälfte an Rohstoffen bei der Herstellung und hatte eine kürzere Fertigungszeit. Auch war die neue Waffe rund 1 kg leichter.

Nach dem Krieg wurde es üblich, daß sich deutsche Waffenkonstrukteure zur Fortsetzung ihrer Arbeit in andere Länder begaben. Einige der Mitarbeiter der Mauser-Werke nahmen an der Entwicklung einer ähnlichen, automatischen Waffe in Frankreich teil, welche die Patrone des US 30 M1 Carbine mit einem Rollenverschluss-Mechanismus verfeuern sollte. Das Projekt wurde dann aber wegen fehlender finanzieller Mittel abgebrochen.

Weitere Mitarbeiter machten sich später auf den Weg nach Spanien, wo die Regierung die CETME-Gruppe unterstützte, welche einen praktikablen Prototypen mit Rollenverschluss-Masseverschluss-Mechanismus konstruierte, der 7,29-mm-Patronen verfeuerte.
Das spanische Militär übernahm eine modifizierte Form der Waffe, welche eine weniger kraftvolle 7,62-mm-CETME-Patrone von 1958 verfeuerte.

Diese Waffe wurde auch von der neuen Bundeswehr übernommen, welche durch die Firma Heckler&Koch ab 1959 als HK G3 Sturmgewehr mit der 7,62×51-mm-NATO-Patrone hergestellt wurde. Auf diese Weise erreichte der Kriegsentwurf der Wehrmacht mit dem verzögerten Masseverschluss-System wieder Deutschland und wurde anschließend in einer Vielzahl von automatischen H&K-Waffen weiter verwendet.


Spezifikationen Sturmgewehr 45

Spezifikationen
Sturmgewehr 45 (StG-45) Spezifikation
Typ Automatisches Gewehr
Kaliber7,92 mm (Kurz-Patrone 33mm)
Länge90,00 cm
Gewicht4 kg (3,7 kg kleines Magazin)
Lauf43,00 cm mit 4 rechtsläufigen Zügen
Magazin10- oder 30 Schuss einsteckbares Kasten-Magazin
FunktionRollenverschluss
Geschoßgeschwindigkeit640 m/s
Feuergeschwindigkeit450 Schuss/min.
Gefechts-Schussweiteca. 300 Meter
Einsatzstatistik
Sturmgewehr 45 Angaben
HerstellerMauserwerke AG (Oberndorf)
Serienproduktion 1945 (nur Vorserie kurz vor Kriegsende)
Endlieferung Mai 1945
Stückzahl (alle)30
Stückpreisca. 33 Reichsmark
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