SS-Totenkopf-Division Einsätze


Einsätze der SS-Totenkopf-Division (T) 1940-1942 (Teil II).

Totenkopf-Division Frankreich 1940

Angehörige der SS-Totenkopf-Division im Gefecht im Westfeldzug 1940.

t_arrow2hier zu Teil I: Aufstellung der SS-Totenkopf-Division 1939.

Einsatz im Westfeldzug 1940

SS-Untersturmführer der Totenkopf-Division

Ein SS-Untersturmführer der Totenkopf-Division im Westfeldzug 1940. Er ist mit einer veraltenen MP-28 Bergmann bewaffnet.

Die Division wurde im Raum Köln versammelt und zu Eickes Missfallen zuerst als Reserve des AOK 6 zurückgehalten. Erst eine Woche nach Beginn des Westfeldzugs wurde die Totenkopf-Division in den Einsatz geschickt. Sie marschierte durch Südholland und durch Belgien nach Frankreich über La Cateau nach Cambrai.
Das erste Gefecht fand nordöstlich von Cambrai statt, wo die Division über 16.000 Kriegsgefangene einbrachte. Die zweifelhafte Reputation der Division wurde wieder einmal dadurch bestätigt, daß ihrer Soldaten marokkanische Kriegsgefangene der französischen Streitkräfte als ‘rassisch minderwertig’ ermordeten.

Anschließend wurde die Totenkopf-Division nach vorne zur Verstärkung der deutschen Verbände befohlen, welche zur Kanalküste durchgestoßen waren und das Britische Expeditionskorps mit anderen alliierten Verbänden von der französischen Hauptstreitmacht im Süden abgeschnitten hatten.

Tatsächlich traf dann die Hauptstreitmacht dieser eingeschlossenen Truppen bei ihrem Versuch nach Süden auszubrechen, direkt auf die SS-Totenkopf-Division.
Die leichten Panzerabwehrwaffen, über welche die Totenkopf-Soldaten nur verfügten, waren kein Gegner für die alliierten Panzer – darunter stark gepanzerte Matilda II – und die SS-Truppen erlitten große Verluste. Eickes Männer mußten mit schwerer Artillerie im Direktbeschuß die feindlichen Panzer bekämpfen und nur das Eingreifen von Stukas rettete den Tag. Die Division befand sich am Rande des Zusammenbruchs.

Der Totenkopf-Division wurde anschließend befohlen, zum La-Bassee-Kanal vorzurücken und geeignete Stellen zur Überquerung für die Hauptstreitmacht des deutschen Vormarsches festzustellen und zu sichern.
Eicke ignorierte diese Befehle und stieß über den Kanal hinaus weiter vor, wo er auf heftigen Widerstand traf. Zu diesem Zeitpunkt gab Hitler seinen ‘Halte-Befehl’ heraus und Eicke wurde befohlen, seinen hart erkämpften Brückenkopf aufzugeben und seine Truppen zurückzuziehen. Seine eindeutige Befehlsverweigerung gegen diese klaren Anweisungen führte zu einem wütenden Vorwurf durch General Hoepner, der ihn als ‘Schlächter’ bezeichnete, welcher keine Achtung vor dem Leben seiner Männer hätte.

Kradschützen der SS-Division Totenkopf

Kradschützen der SS-Division Totenkopf in der Nähe von Dünkirchen 1940

Zwei Tage später durfte der Vormarsch wieder aufgenommen werden und Eicke war gezwungen, daß Gebiet zum zweiten mal zu erobern, welches er zwischenzeitlich aufgeben mußte und erlitt dabei wieder schwere Verluste.
Seine Division traf anschließend bei Bethune und La Paradis auf weiteren heftigen Widerstand, wo die britischen Verteidiger den SS-Männer einen hohen Blutzoll für jeden gewonnenen Meter abverlangten.
Als die Verteidiger von La Paradis schließlich am 27. Mai keine Munition mehr hatten und kapitulierten mußten, wurden etwa einhundert Gefangene der 2. Royal Norfolks vor einer Scheune zusammengetrieben und mit Maschinengewehren erschossen. Obwohl die SS-Soldaten mit Bajonetten zwischen die niedergemachten Opfer gingen, um jeden Überlebenden zu töten, entkamen drei Briten lebend. Aufgrund ihrer Zeugenaussagen konnte der Kompanieführer, SS-Obersturmführer Fritz Knöchlein, wegen Kriegsverbrechen 1948 gehängt werden.

Anfang Juni tat Totenkopf Dienst in der Küstensicherung um Gravelines, südlich von Dünkirchen. Anschließend Angriff im Rahmen des XIV. Armeekorps in die Gegend um Peronne und dann Durchbruch durch die ‘Weygand-Linie’ bis zur Seine um Peronne.
In den letzten Tagen des Feldzuges verfolgte die SS-Totenkopf-Division die französischen Truppen bis in die Gegend nördlich von Lyon. Unter den französischen Soldaten befanden sich auch wieder marokkanische Einheiten und auch in diesen letzten Gefechten nahmen die Totenkopf-Soldaten wieder nur Weiße gefangen.
Nach dem Waffenstillstand tat die Division ab Juli 1940 Küstensicherung im Abschnitt von der Garonne bis zur spanischen Grenze.

Während des Westfeldzug erlitt die Totenkopf-Division wesentlich höhere Verluste als die anderen SS-Verbände, was ihr den Ruf von herausragender Rücksichtslosigkeit selbst gegenüber den eigenen Männern einbrachte. Eickes Division verlor alleine über 300 Offiziere in zehn Tagen mit Gefechten. Das ‘Menschenmaterial’, was bisher vor allem aus Kriminellen und SS-Reservisten ohne ausreichendes militärisches Training bestand, war eine Erklärung für die hohen Verluste und das brutale Verhalten gegenüber Kriegsgefangenen, aber auch Eickes Ambitionen an seine Division waren dafür verantwortlich.

Nach dem Waffenstillstand tat die Division ab Juli 1940 Küstensicherung in dem Abschnitt von der Garonne bis zur spanischen Grenze für fast ein ganzes Jahr. Hier zeigte sich ein anderes Bild ihrer Männer, welche so agressiv im Kampf waren, als sie den örtlichen Farmern bei der Einbringung der Ernte halfen.

Die Division wurde in dieser Zeit auch formal ein Teil der Waffen-SS und erhielt umfangreichen Ersatz und Ausrüstung. Die neuen Rekruten bestanden nun aus jungen SS-Freiwilligen, welche in keinem Kontakt zu den KZ-Wachmannschaften standen.
Im Herbst 1940 wurde die SS-Totenkopf-Division vollständig motorisiert und zu einer motorisierte Infanterie-Division – kurz Inf.Div(mot) – und erhielt das Kradschützen-Bataillon ‘Totenkopf’ sowie einer III.(schw.)/Art.Rgt. (tmot) ‘Totenkopf’.

Im Frühjahr 1941 wurde die Division in Vorbereitung für das Unternehmen Barbarossa nach Ostpreussen verlegt. Dort erhielt sie noch die neue Pz.Jäger-Abt. ‘T’ mit drei Zügen s.Pak/5cm(mot.Zug) und als vierte Kompanie eine 2cm-Fla.Kp(mot.Zug).

Russland 1941 bis 1942

Für den Angriff auf die Sowjetunion wurde die Division der Heeresgruppe Nord zugeteilt und war zunächst wieder nur Reserve bei der Panzer-Gruppe 4 von Hoepner. Sie rückte in der zweiten Welle durch Litauen über Dünaburg nach Lettland vor, wo sie die Vormarschstrassen von zurückgebliebenen russischen Truppenteilen säuberte.

An der sogenannten ‘Stalin-Linie’ kam es dann zu den ersten schweren Kämpfen. Dort wurde Eicke verwundet, als sein Stabswagen über eine Mine fuhr. Die Totenkopf-Division traf auf unerwartet heftigen Widerstand und erlitt erhebliche Verluste.
Trotz dieser heftigen Kämpfe beliefen sich diesmal die Offiziersverluste auf 82 innerhalb eines Monats, während es in Frankreich noch 300 innerhalb von zehn Tagen gewesen waren. Auch wurde diesmal in einem kurzen Zeitraum eine größere Anzahl von Gefangenen eingebracht, als dies im gesamten Westfeldzug zusammen der Fall gewesen war. Eindeutig hatten die Soldaten der Totenkopf-Division aus ihren früheren Fehlern gelernt.

Im August stand die Division in heftigen Kämpfen an den Zufahrtswegen nach Leningrad und insbesondere an der russischen Luga-Verteidigungslinie. Zwar wurde die russische 34. Armee vernichtet, aber die Toternkopf-Division hatte dabei über 4.000 Mann Verluste.

Ende September stand die Division im Zentrum eines großen russischen Gegenangriffs bei Lushno, wo ihre Einheiten über eine dünne Line über 25 km Länge auseinandergezogen waren. Die Angriffe wurden letztlich abgeschlagen und ließen eine siegreiche, wenn auch zerschlagene Totenkopf zurück.
Während dieser Kämpfe erhielt der SS-Sturmmann Fritz Christen für herausragende Tapferkeit eines der bedeutendsten Ritterkreuze, welches je an einen Soldaten der Waffen-SS verliehen wurde. Christens Panzerabwehreinheit war durch russische Panzer dezimiert worden und er bediente seine Pak für volle drei Tage alleine, nachdem der Rest der Mannschaft gefallen war.



Als endlich Entsatztruppen eintrafen, fanden diese Christen allein vor, umgeben von einhundert feindlichen Gefallenen und 13 abgeschossenen russischen Panzern. Christen wurde die Auszeichnung persönlich von Hitler übergeben, eine seltene Ehre für einen so jungen Soldaten.

Als der deutsche Vormarsch in Russland zum erliegen kam, befand sich die schwer geschwächte Division nördlich von Demjansk und mußte sich eingraben und befand sich Ende 1941 vollständig in der Defensive. In diesem Zeitraum waren viele ihrer Angehörigen auch in der Partisanenbekämpfung eingesetzt, wo keine Gnade gegeben und auch keine erwartet wurde.
Die andauernden Kampfhandlungen hatten die Totenkopf bis zum Ende des Jahres auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Stärke reduziert.

Totenkopf-Soldaten Demjansk 1942

Totenkopf-Soldaten 1942 im Kessel von Demjansk.

Im Januar 1942 geriet Totenkopf in eine große russische Gegenoffensive, welche durch die Heereseinheiten an den Flanken der Division durchbrach. Es folgte eine der größten Schlachten an der Ostfront, in deren Zusammenhang die Division für immer genannt werden wird.
Totenkpf wurde zusammen mit einigen Heereseinheiten um die Stadt Demjansk eingeschlossen. Obwohl die Deutschen vollständig unterlegen waren, hielten sie ihre Stellungen hartnäckig.
Die sehr geschwächte Totenkopf wurde in zwei Kampfgruppen aufgeteilt und wurde nach Himmlers persönlichen Eingreifen mit lediglich 400 eingeflogenen Soldaten verstärkt. Diese Hilfe war eher von psychologischen als praktischen Effekt.

Bis März 1942 beliefen sich die Verluste der Division auf knapp unter 13.000 Mann und 11 ihrer Angehörigen wurden für Tapferkeit mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Im April 1942 schlug eine deutsche Entsatzstreitmacht eine schmale Bresche zu den Eingeschlossenen im Kessel von Demjansk. Die gewöhnliche Sollstärke einer erstklassigen Infanterie-Division belief sich auf 17.000 Mann, während die Gesamtstärke der sechs Divisionen unter dem Oberbefehl von SS-Obergruppenführer Eicke in Demjansk sich auf nur noch 14.000 Mann belief.

Totenkopf-Soldaten 1942

Während des Jahres 1942 warten Totenkopf-Soldaten hinter einem Erdwall auf das weitere Vorrücken.

Wenn auch die Einkesselung aufgehoben wurde, gingen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter und bis August 1942 belief sich die Divisionsstärke der Totenkopf auf nur noch etwas über 2.700 Mann.
Im November wurde das, was von der Division noch übrig war, nach Frankreich zur Auffrischung und Erholung verlegt.

In der Zeit von Oktober 1942 bis Januar 1943 erfolgte die Umgliederung auf SS-Panzergrenadier-Division Totenkopf, was praktisch der Gliederung einer Panzer-Division 1943 entsprach.

Hier zum Teil III: Einsätze der SS-Panzergrenadier-Division Totenkopf 1943.

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