SS-Division Reich

Die Aufstellung und Einsätze der SS-Verfügungsdivision – später Reich – von 1939 bis 1942.

Bezeichnung

SS-Oberscharführer des Germania-Regiments

SS-Oberscharführer des Germania-Regiments der SS-Verfügungs-Division während des Westfeldzug1940.

Panzerverband Ostpreussen (10. September 1939)
SS-Verfügungs-Division (mot.) (10. Oktober 1939)
SS-Division Deutschland (1. April 1940)
SS-Division (mot.) Reich (21. Dezember 1940)
SS-Division (mot.) Das Reich (Mai 1942)
SS-Panzergreandier-Division Das Reich (9. November 1942)
2. SS-Panzer-Division Das Reich (R) (22. Oktober 1943)

Kommandeure

  • SS-Obergruppenführer Paul Hausser (Oktober 1939 bis Oktober 1941)
  • SS-Obergruppenführer Wilhelm Bittrich (Oktober bis Dezember 1941)
  • SS-Obergruppenführer Matthias Kleinheisterkamp (Dezember 1941 bis April 1942)
  • SS-Obergruppenführer Georg Keppler (April 1942 bis Februar 1943)
  • SS-Brigadeführer Herbert-Ernst Vahl (Februar bis März 1943)
  • SS-Oberführer Kurt Brasack (März 1943)
  • SS-Obergruppenführer Walter Krüger (März bis Oktober 1943)
  • SS-Oberführer Heinz Lammerding (Oktober 1943 bis Juli 1944)
  • SS-Standartenführer Christian Tyschen (Juli 1944)
  • SS-Brigadeführer Otto Braun (Juli bis Oktober 1944)
  • SS-Oberführer Heinz Lammerding (Oktober 1944 bis Januar 1945)
  • SS-Standartenführer Karl Kreutz (Januar 1945)
  • SS-Gruppenführer Werner Ostendorff (Januar bis März 1945)
  • SS-Standartenführer Rudolf Lehmann (März bis April 1945)
  • SS-Standartenführer Karl Kreutz (April bis Mai 1945)

Aufstellung

Die Division hatte ihren Ursprung in den zuvor bestehenden SS-VT-Regimentern Deutschland, Germania und Der Führer, zusammen mit Pionieren und Angehörigen der Nachrichtentruppe vom SS-Pioniersturmbann und dem SS-Nachrichtensturmbann.
Die SS-VT, oder vollständig SS-Verfügungstruppe, war im März 1935 aus den zuvor bestehenden SS-Politischen Bereitschaften gebildet worden. Das erste dieser Regimenter der SS-VT, welche zu diesem Zeitpunkt als Standarten bezeichnet wurden, war ‘Deutschland’, welches in München im September dieses Jahres aufgestellt wurde.
Ein Jahr später folgte das zweite Regiment ‘Germania’ in Hamburg. Nach dem Anschluss von Österreich folgte das dritte – ‘Der Führer’ – in Wien.

Die verschiedenen Einheiten der SS-VT – mit Ausnahme von ‘Der Führer’, welches zu diesem Zeitpunkt immer noch in der Aufstellung war – wurden im Polenfeldzug unter dem Kommando der Wehrmacht eingesetzt.
Das ‘Deutschland’-Regiment war der ‘Panzer-Division Kempf’ des Heeres angeschlossen als Teil der Heeresgruppe A, welche von Ostpreußen in Richtung Süden nach Polen einbrechen sollte, während ‘Germania’ der Heeresgruppe B im Süden zugeteilt wurde.

‘Deutschland’ tat sich hervor während der Angriffe auf die polnische Mlava-Verteidigungslinie und nahm insbesondere die Höhe 192, was einen Angriff den Hügel hoch auf eine hart verteidigte Stellung erforderte. Das Regiment beteiligte sich auch an der Einnahme der polnischen Befestigungen der Modlin-Linie und seine Soldaten wurden von General Kempf für ihre hervorragende Leistung während der Schlacht glorreich gelobt.

Im Gegensatz zum Schwester-Regiment wurde ‘Germania’ nicht als Gesamtverband eingesetzt, sondern aufgeteilt und in einzelnen Gruppen verschiedenen Heeres-Einheiten zur Unterstützung zugeteilt. Die Entscheidung, nicht alle am Polenfeldzug beteiligten SS-Verbände in einer einzigen Streitmacht zusammenzufassen, war diskutiert worden. Hitler wünschte jedoch, die höheren Wehrmachtsoffiziere nicht zu verärgern, welche jeder Vergrößerung des Einflusses und Macht der bewaffneten SS (später Waffen-SS) neben den traditionellen Streitkräften ablehnend gegenüber standen.

Aber nach dem die Leistung der SS-Truppe im Feld so überragend war, befahl Hitler im Oktober 1939 die Bildung der SS-Verfügungsdivision unter SS-Obergruppenführer Paul Hausser, einem hoch erfahrenen, ehemaligen professionellen Offizier des Heeres.
Die neue Division sollte neben den Regimentern ‘Deutschland’, ‘Germania’ und ‘Der Führer’ auch das SS-Artillerie-Regiment, den SS-Pioniersturmbann, SS-Nachrichtensturmbann, Aufklärungs- und Panzerabwehr-Einheiten umfassen.

Im Westen 1940

Bei Eröffnung des Westfeldzug im Mai 1940 griff der neue Verband durch Holland an, um sich mit den bei Rotterdam abgesprungenen deutschen Fallschirmjägern zu vereinigen. Obwohl die verschiedenen SS-VT-Einheiten in einer Division zusammengefaßt waren, wurden sie zu Beginn des Feldzuges wieder in einzelne Gruppen aufgeteilt, um verschiedene Heeres-Einheiten zu unterstützen.

Das Regiment ‘Der Führer’ war die Speerspitze des Angriffs, stürmte über den Fluß Issel, obwohl die Holländer die Brücke in die Luft gesprengt hatten. Die Soldaten bildeten einen Brückenkopf auf der anderen Seite des Flusses und nahmen die Ortschaft Westervoort. Dabei stieß das Regiment mehr als 100 km innerhalb eines Tages vor.
Anderen Einheiten trafen auf wesentlich entschlossenere Gegner, aber trotz größerer Verluste überwanden sie die holländischen Verteidigungsanlagen am Meuse-Waal-Kanal.

Das Regiment ‘Der Führer’ setzte seine erstklassigen Kampfleistungen fort, stieß an Utrecht vorbei und stürmte durch Amsterdam nach Tandvoort bis an die Küste. Anschließend trafen die einzelnen SS-VT-Einheiten bei Marienbourg zusammen und als Division gingen sie gemeinsam in westliche Richung vor, um den holländischen Widerstand auf Walcheren zu brechen.
Dort befanden sich die Holländer in einer hervorragenden Verteidigungsstellung und wurden durch Artillerie und Kriegsschiffen vor der Küste unterstützt. Das Regiment ‘Deutschland’ führte den Angriff an und erlitt dabei schwere Verluste. Das Gefecht endete dann mit einem holländischen Rückzug anstatt einem erfolgreichen deutschen Sturmangriff.

 Soldaten des 'Germania'-Regiment

Junge Soldaten des ‘Germania’-Regiment in Frankreich 1940.

Am 22. Mai 1940 drängte die Division in Richtung Calais. Während eines Nachtlagers auf dem Weg dorthin wurden die SS-Soldaten von französischen Einheiten angegriffen, welche aus dem Einschließungsring von Dünkirchen ausbrechen wollten.
Die Franzosen konnten aufgehalten werden, wenn auch die Kämpfe sehr hart waren. Nachdem die SS-VT erst einmal die Initiative zurückgewonnen hatte, waren die SS-Männer erfolgreich und zerstörten viele Panzer und nahmen mehrere hunderte Gefangene.
Am nächsten Tag überschritt die Division den La-Bassee-Kanal und hielt einen Brückenkopf, den sie gegen britische Gegenangriffe hielt.
Der Vorstoß wurde fortgesetzt, indem die Regimenter ‘Der Führer’ und ‘Germania’ durch den Wald von Nieppe durchstießen und die Briten zurückdrängten. Zu diesem Zeitpunkt erzwang ‘Deutschland’ den Übergang über den Lys-Kanal und hielt seine Stellungen gegen kräftige britische Panzerangriffe. Der Kampf wurde durch das Eintreffen der SS-Totenkopf-Division genau zum richtigen Zeitpunkt entschieden.

Am 1. Juni wurde die Division aus der Front gezogen, um sich neu zu ordnen und für den zweiten Teil des Feldzuges vorzubereiten, der Schlacht um Frankreich. Diese begann vier Tage später, als die SS-VT südwärts durch Orleans losschlug und Angouleme besetzte.
In der zweiten Phase der Schlacht war die Division hauptsächlich mit der Säuberung der überrannten Gebiete von zurückgebliebenen französischen Truppen beschäftigt, was bis zum Waffenstillstand am 25. Juni andauerte. Die SS-Soldaten nahmen dabei über 30.000 Gefangene für den Verlust von weniger als 35 Mann.
Mehrere Angehörigen der SS-Verfügungsdivision wurden mit dem Ritterkreuz für ihren Einsatz während dieses Feldzuges ausgezeichnet.

 französischer Polizist und ein SS-Oberscharführer

Ein französischer Polizist und ein SS-Oberscharführer vom ‘Germania’-Regiment bei einer Besprechung.

Im Juni 1940 wurde die Division in das besetzte Holland verlegt, wo sie mehrere Monate verbrachte, um auf den Beginn des Unternehmen Seelöwe zu warten, der Invasion von Großbritannien.
Als dieses Unternehmen auf ‘unbestimmte Zeit verschoben’ wurde, verlegte die Division wieder nach Frankreich. In dieser Zeit verlor sie einige ihrer erfahrensten Angehörigen, welche den Kader für die neue SS-Wiking-Division bildeten.
Im Dezember 1940 wurde das gesamte ‘Germania’-Regiment abgezogen und durch das SS-Totenkopf-Infanterie-Regiment 11 ersetzt.
Am Ende des Monats wurde die Division offiziell in SS-Division Reich umbenannt.

Balkanfeldzug

Kradschützen der SS-Division Reich

Kradschützen der SS-Division Reich in Jugoslawien.

Die SS-Division Reich verblieb bis März 1941 in Frankreich, als sie auf den Balkan abtransportiert wurde. Während des Balkanfeldzug drang sie nach Jugoslawien ein, wo eine Gruppe einer Motorrad-Aufklärungseinheit aus nur 10 Mann unter dem Kommando von SS-Hauptsturmführer Fritz Klingenberg nach Belgrad hinein fuhr. Sie setzten mit ihren Motorrädern in einem beschlagnahmten Motorboot über die Donau über und fuhren direkt ins Zentrum der jugoslawischen Hauptstadt.

Zusammen mit dem sich immer noch in der Stadt befindlichen deutschen Militärattaché bluffte Klingenberg den Bürgermeister, daß er der Befehlshaber einer starken Streitmacht sei, welche auf seine Befehle direkt vor der Stadt wartete. Seine angeblichen Leute würden bereitstehen, einen Luftangriff auf Belgrad vor dem Sturm auf die Stadt anzufordern. So kapitulierte die jugoslawische Hauptstadt.
Hauptmann Klingenberg wurde für diesen Husarenritt von Hitler mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.


Russland 1941-1942

Bei Beginn des Unternehmen Barbarossa war die SS-Division Reich Teil der Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Fedor von Bock während des Angriffs auf Russland.
Die Division war nicht Bestandteil der ersten Welle des Angriffs und als sie schließlich nach Russland einmarschierte, ging es nur langsam auf den schlechten und völlig verstopften Straßen vorwärts.

Ponton-Boot mit 3,7-cm-Pak

Soldaten von ‘Reich’ überqueren mit einer 3,7-cm-Pak 36 in einem Ponton-Boot den Dnjepr Anfang Juli 1941.

Die Division sah ihren ersten Einsatz in Russland am 28. Juni 1941, als sie russische Truppen aus der Ortschaft Starzyca hinaus drängte. Allerdings rettete dabei nur das zeitgerechte Eintreffen von Verstärkungen die Vorausabteilungen davor, abgeschnitten zu werden, als ein feindlicher Gegenangriff stattfand.

Anschließend stieß die SS-Division Reich in das Herz von Russland vor, überschritt die Beresina entlang der berüchtigten Pripjet-Sümpfe nach Mogilew und Smolensk um anschließend Jelnja zu nehmen und gegen entschlossene Gegenangriffe zu halten. Am 8. August wurde die Division vorübergehend abgelöst, um in der Nähe von Smolensk zu rasten und neu ausgerüstet zu werden.

Im September befand sich die SS-.Division Reich wieder an vorderster Front des Vorstoßes, als sie Sosnitza nahm und bei der Schließung des Kessels von Kiew half, in dem über 665.000 Rotarmisten in Gefangenschaft gerieten.

Nach einer weiteren kurzen Pause und der Ankunft von Ersatz für erlittene Verluste war die Division ab dem 19. Oktober heftig in das Unternehmen Taifun eingebunden, dem Vorstoß auf Moskau.
Nach der Einnahme von Gshazk entlang der Eisenbahnlinie nach Moskau mußte dieses gegen heftige Gegenangriffe verteidigt werden. Anschließend stieß Reich weiter vor und nahm Mozhiask und Istra und Anfang Dezember hatten Teile der Division Lenino, eine Vorstadt von Moskau, erreicht. Von hier aus konnten die Soldaten die kuppelförmigen Dächer des Kreml sehen.

Nun war aber ‘General Winter’ mit seiner ganzen Wucht erschienen und die bisher schweren Verluste und der fanatische Wille der Rotarmisten, ihre Hauptstadt zu verteidigten, ließen die Kraft des deutschen Schlags ermatten. Moskau lag praktisch zu ihren Füßen und doch waren die deutschen Truppen gezwungen, zur Verteidigung überzugehen. Einheiten der SS-Division Reich kamen schließlich nicht näher als 16 km an das Stadtzentrum von Moskau heran und hatte dabei schwere Verluste erlitten. Zu diesem Zeitpunkt sollen nur noch vierzig Prozent der ursprünglichen Mannschaftsstärke vorhanden gewesen sein.

Die geschwächte Division befand sich bald heftigen russischen Angriffen ausgesetzt, als die Rote Armee mit ihrer Winter-Gegenoffensive begann. Das Regiment ‘Der Führer’ bestand aus nur noch weniger als 50 Kämpfern, als sich die erschöpfte Einheit immer noch in den Boden gegen den russischen Druck klammerte. Es folgte ein Rückzug in die Gegend von Gshatsk und Wjasma.
Im Januar und März 1942 führte die Division Gegenangriffe nördlich von Sychewka auf Rshew durch und schloß die Frontlücke südwestlich der Stadt.

Ende Februar wurde die SS-Division Reich dann nur noch als Kampfgruppe geführt. Sie kämpfte entlang der Wolga von März bis April und hielt die Stellungen, bis der Feinddruck schließlich nachließ.
Ihren Resten konnte dann eine Erholungspause gegönnt werden, bevor die Division schließlich von der Ostfront abgezogen wurde. Sie wurde nach Deutschland verlegt und zu einer Panzergrenadier-Division erweitert. Dabei wurde sie aber praktisch schon wie eine vollwertige Panzer-Division gegliedert und ausgerüstet.

Von August 1942 bis Januar 1943 war die SS-Panzergrenadier-Division Das Reich in Frankreich zum Besatzungsdienst stationiert und nahm dabei an der Besetzung von Vichy-Frankreich im November 1942 teil.

Im Oktober 1942 wurde das SS-Panzer-Regiment 2 Das Reich (Kurz: ‘R’) aus der schon im Februar 1942 in Grafenwöhr und Wildflecken gebildeten Panzer-Abteilung Reich und Teilen der SS-Sturmgeschütz-Abteilung 2 und Panzerjäger auf Selbstfahrlafetten der Division angegliedert.
Die SS-Sturmgeschütz-Abteilung 2 ‘R’ wurde aus dem Stammpersonal der Sturmgeschütz-Batterie ‘R’ im Herbst 1942 neu aufgestellt und bestand bis zum Sommer 1943 aus drei Batterien von Sturmgeschützen.

Die SS-Panzeraufklärung-Abteilung 2 ‘R’ bestand nun aus Panzerspähwagen und vier Panzer-Aufklärungs-Kompnainen aus leichten Schützenpanzerwagen und Schwimm-Kübel. Dazu kam eine Panzer-Pionier-Kompanie, einschließlich Nebelwerfern auf Schützenpanzerwagen.
Das Panzer-Artillerie-Regiment 2 ‘R’ war nun vier Abteilung stark, hatte aber noch keine Selbstfahrlafetten.
Der Regimentsstab und III.(gp).Pz.Gren.Rgt.4 sowie 1.(gp).3 wurde mit Schützenpanzern und schweren Waffen auf Selbstfahrlafetten ausgerüstet.

Hier zum Teil II: Einsätze der SS-Division Das Reich von 1943 bis 1945


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