Soldaten Hannibals

Die Punische Armee von Karthago.

Armee von Karthago

Punisch-Libyscher Infanterist, rechts: Standartenträger punische Reiterei

Während seiner frühen Geschichte hatte Karthago nur eine Stadtmiliz für seine Verteidigung, welche in Gefahrenzeiten mobilisiert wurde und anschließend wieder aufgelöst wurde. Nach dem fünften Jahrhundert vor Christus gab es dann keine Miliz mehr und das einzige karthagische Militär waren 2500 junge Männer aus den besten Familien, welche ein Elite-Kavallerie-Korps bildeten und gleichzeitig als Trainingseinheit für die Offiziere der anderen Armeeteile fungierten. Allen anderen Karthager war es verboten, militärischen Verbänden beizutreten.
Für Stadtverteidigung, Eroberungen und letztlich zur Verteidigung des gesamten Reiches, setzte Karthago ausschließlich Krieger von Vasallenstaaten oder Verbündeten ein und warb Söldner aus dem ganzen Mittelmeerraum an. Einige Provinzen des Reiches, insbesondere Süd-Spanien, stellten Truppen statt Tribute zu zahlen.

Die Libyer, in deren Land Karthago gegründet wurde, waren ursprünglich nur noch Sklaven als die Stadt mächtiger wurde. Jedoch zur Mitte des 3.Jahrhunderts vor Christi erhielten sie den Status tributpflichtiger Bauern. Sie mussten 1/4 ihrer Ernte abgeben und stellten nun einen großen Teil der karthagischen Soldaten. Die karthagischen Armeen des 1.Punischen Krieges auf Sizilien bestanden weitgehend aus diesen punisch-libyschen Soldaten. Die Baracken in den dreifach gestaffelten Stadtmauern von Karthago konnten insgesamt 24.000 Soldaten, 4000 Pferde und 300 Elefanten aufnehmen, welche durch punisch-libysche Truppen gefüllt waren.

Im 3.Jahrhundert vor Christi begann Karthago ebenfalls mit einer umfangreichen Rekrutierung von Numidischer Kavallerie und, später, Mooren-Truppen aus Mauretanien. Diese Truppen wurden von numidischen und maurischen Prinzen gestellt, welche mehr oder weniger unabhängige Verbündete waren, und dafür keinen Tribut zu entrichten hatten.

Zudem wurden Söldner aus allen Teilen der bekannten Welt angeworben, indem Senatoren zu den Handelszentren gesendet wurden, um mit den lokalen Königen und Prinzen darüber zu verhandeln.

Zu Beginn des 2.Punischen Krieges gab es etwa eine Million karthagischer Bürger. Etwa 12.000 Karthager und afrikanische Hilfstruppen konnten zur Schlacht von Zama am Ende des Krieges aufgestellt werden. Während des 3.Punischen Krieges (149-146 vor Christi) konnten 25.000 Fußsoldaten und 400 berittene Adelige von den Bürgern und libyschen Bauern rekrutiert werden. Nach dem 1.Punischen Krieg (265-241 vor Christi) konnte Karthago 10.000 Bürger im Mamertinen-Krieg (Aufstand unbezahlter Söldner nach dem 1.Punischen Krieg) stellen und während der Schlacht bei Crimessus auf Sizilien im Jahre 340 vor Christi waren 10.000 Karthager in einer Armee aus 70.000 Mann. All dieses lässt den Schluss ziehen, dass Karthago lediglich nur etwa 10.000 Soldaten aus dieser großen Anzahl von Bürgern im Notfall ziehen konnte.

Die afrikanische Infanterie (Bild oben) von Karthago kämpfte bis zur Schlacht an den Trasimenischen Seen (217 v.Chr.) in Phalanx-Formationen. Jede bestand aus etwa 4000 Mann mit 256 Mann in der Front und 16 Glieder tief. Hierbei verwendeten sie Rüstungen aus Metallhelmen und Kürass, Rundschilde mit 60cm Durchmesser, zweihändige Piken zwischen 5 und 7 Metern lang und ein kurzes Schwert. Später rüstete Hannibal seine Schwere Infanterie mit den erbeuteten römischen Waffen und Rüstungen aus und übernahm die besten Eigenschaften des Legionärsdrill. Dieser Prozess war abgeschlossen bis zur Kesselschlacht von Cannae im nachfolgenden Jahr, zu welcher Zeit die spanische und ein Teil der keltischen Infanterie so ausgerüstet waren und 92.000 römische Soldaten vernichtet wurden. Da Hannibal während seines fünfzehnjährigen Feldzuges in Italien nur einmal Nachschub (4000 numidische Reiter und einige Elefanten) aus Karthago genehmigt bekommen hatte, ging der Anteil der afrikanischen Infanterie immer weiter zurück. Von den 40.000 karthagischen Infanteristen bei Cannae waren nur 4000 Leichte und 8000 schwere Soldaten von der libysch-punischen Infanterie, welche in zwei traditionellen Phalangen links und rechts das Zentrum deckten.

Die Numidische Reiterei stellte die klassische Leichte Reiterei. Dabei nutzen sie ihre Geschwindigkeit und Beweglichkeit, auf den Feind zureiten, ihre Speere zu werfen und zurückreiten, bevor der Gegner sie erwischen konnte. Sie waren hervorragend in Aufklärung, Scharmützeln und Verfolgungen, waren jedoch wenig nutzvoll in einer richtigen Reiterattacke. Bei Cannae waren sie nicht in der Lage die römische alliierte Reiterei zu brechen – erst als diese von der spanischen und keltischen Kavallerie geschlagen wurde, konnten sich ihre Fähigkeiten in der anschließenden Verfolgung auswirken.

Keltische Krieger Hannibals

keltischer Reiter und keltischer Schwertkämpfer zu Beginn des 2.Punischen Krieges

Die Kelten hatten ihren Ursprung im heutigen Süddeutschland. Sie griffen Rom erstmals im Jahre 390 vor Christi an, wobei sie die Stadt eroberten. In den nächsten Jahrhunderten griffen sie Mittelitalien immer wieder an. Sie verbündeten sich mit den Samniten im Kampf gegen Rom und ihr letzter Krieg gegen Rom, im Jahre 225 vor Christi, war nur sieben Jahre bevor Hannibal die Alpen überschritt. Folglich waren sie hervorragende Verbündete für Hannibal und seine Armee bestand schon beim Eintreffen in Italien aus 40% Kelten.

Die Ober- und Mittelklasse der Kelten war eine reine Kriegerkaste. Sie lebten nur für den Krieg ! Wie die meisten derartiger Krieger, waren sie stürmisch und undiszipliniert. Für einen Kelten war eine Schlacht nichts weiter als auf den Feind zustürmen (am besten von einem Hügel aus) und ihn im Nahkampf Mann gegen Mann, mit dem Schwert zu besiegen. Sie waren hervorragende Schwertkämpfer – und unter Kontrolle eines Mannes wie Hannibals – wertvolle Soldaten.

Die Häuptlinge und reichen Anführer verfügten oft über Rüstungen (sehr oft mit griechischen und römischen Einflüssen), jedoch die meisten keltischen Krieger gingen Anfangs nackt oder kaum bekleidet in die Schlacht. Einige keltischen Stämme kämpften immer noch völlig nackt bei der Schlacht bei Telamon (255 vor Christi) und zur Zeit des 2.Punischen Krieges wird sich an dieser Tradition nichts geändert haben. Spätestens nach der Schlacht von Cannae (216 vor Christi) wurden jedoch alle Kelten in Hannibals Armee mit erbeuteten römischen Rüstzeug ausgerüstet.

Iberische Soldaten Hannibals

berischer Schwerer Infanterist, Reiter und Schwertkämpfer

Seit dem Jahr 324 vor Christ dienten iberische Soldaten in der karthagischen Armee. Große Teile Südspaniens standen zu Beginn des 2.Punischen Krieges unter karthagischer Kontrolle und die kelt-iberischen Krieger wurden zunehmend in der karthagischen Armee eingesetzt.

Nach Polybius (griechischer Chronist der Punischen Kriege) waren Infanterie und Kavallerie mit einer kurzen, weißen Tunica bekleidet. Die Iberer benutzten Bonzehelme oder sogar nur Lederhelme. Für den Körper war neben dem kleinen Rundschild höchstens ein Lederkürass vorhanden.

Die Schwere Infanterie war zusätzlich geschützt durch einen großen, ovalen Schild der gleichen Art wie das keltische und römische Scutum und einer Metall- oder Lederrüstung. Die Leichte Infanterie benutzte den kleinen, spanischen Rundschild Caetra. Zudem war letztere mit dem Schwert Falcata ausgerüstet (auch im Bild ganz rechts), ähnlich wie es noch die britischen Ghurka-Truppen aus Nepal im 2. Weltkrieg verwendeten. Die spanische leichte Infanterie war berühmt aufgrund ihrer Mobilität, Geschwindigkeit und Geschicklichkeit im Schwertkampf mit dieser Waffe.

Hannibal führte das Falcata bei möglichst vielen seiner Truppen in Italien ein. Die karthagische Überlegenheit im Kampf Mann gegen Mann wurde deshalb oft dieser Waffe zugesprochen. Scipio erkannte nach der Eroberung von Cartagena in Spanien im Jahre 209 v.Chr. die Qualität dieser Waffe und viele spanischen Schwertschmiede wurden zur Herstellung dieser Waffe nach Italien gebracht. Hieraus entstand das berühmte Gladius der späteren römischen Legionäre, zuerst bezeichnet als Gladius Hispanicus (Schwert von Spanien).

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