Skoda-Haubitzen

flag-austro-hungarianSkoda-Haubitzen 30,5cm Modell 1911 ‘Schlanke Emma’ und 149-mm-Feldhaubitzen Modell 14 und 14/16.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

30,5cm Skoda-Haubitze Modell 1911 'Schlanke Emma'

Die 30,5cm Skoda-Haubitze Modell 1911 ‘Schlanke Emma’ war eines der ersten schweren Artillereiegeschütze, welches für den motorisierten Transport ausgelegt waren.

Skoda-Haubitze Schlanke Emma

30,5cm Skoda-Haubitze

Eine österreich-ungarische 30,5cm Skoda-Haubitze ‘Schlanke Emma’ im Einsatz an der Ostfront.

In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg war der Skoda-Konzern mit Sitz in Pilsen in Österreich-Ungarn (heute Tschechoslowakei) bei der Entwicklung und Herstellung von überschwerer Artillerie führend. Wie so viele andere Nationen in Europa während dieser Zeit stand die österreich-ungarische Armee vor dem Problem, sich durch einen Ring massiver Festungswerke durchschlagen zu müssen, welche die wichtigsten Gebiete ihrer potentiellen Gegner schützten. Da diese Befestigungen immer mächtiger wurden, waren auch immer schwerere Waffen notwendig, diese zu überwinden.

1911 baute Skoda bereits eine 305-mm-Haubitze, die gleichwertig zu jeder ähnlichen Waffe bei den europäischen Streitkräften war. Diese kurzläufige Haubitze konnte eine 382-kg oder 287-kg-Granate verschießen, welche in der Lage waren, die dicksten aller vorhandenen Festungswerke zu durchdringen.

Diese Haubitze Skoda Modell 1911 war ein bedeutender Entwurf, da es eines der ersten derartig schweren Artilleriegeschütze war, welche von Beginn unter Berücksichtigung des Transportes mit motorisierten Traktoren entwickelt worden war. Dazu konnte jede Haubitze in drei Hauptlasten zerlegt werden: den Lauf, die Feuerplattform und das Hauptgestell. Lauf und Hauptgestell konnten von einem kräftigen Austro-Daimler-Traktor über Straßen gezogen werden; zwar schwerfällig, aber dauerhaft über größere Strecken.

Verladener 30,5-cm-Skoda-Mörser

Verladener 30,5-cm-Skoda-Mörser auf dem Weg zur Beschiessung der belgischen Forts 1914.

Im Jahre 1911 waren solche Traktoren zwar nichts mehr ungewöhnliches, aber die Konstruktion einer schweren Haubitze, welche davon gezogen werden sollte, war neuartig und erregte deshalb viel Aufmerksamkeit.
Die Haubitzen wurden in Batterien zu je zwei Geschützen organisiert, wozu zwei Traktoren für die beiden Geschützlasten und ein weiterer Traktor für beide Feuerplattformen hinzukamen. Auf jeder gezogenen Last saßen Mannschaftsmitglieder der Haubitzen, um die Bremsen während der Fahrt zu bedienen. Weitere Traktoren zogen Munitionsvorräte, Montagekräne, Werkzeuge und sogar eine besondere, mobile Werkstatt.
Zusätzliche Lastkraftwagen transportierten die Feuerleit-Instrumente, Verpflegungen für die Batterie, ihre Offiziere und weitere benötigte Dinge.

 

Derartige österreich-ungarische mobile Batterien aus der ‘Schlanken Emma’ wurden auch bei der Zerschlagung der belgischen Forts neben den 42-cm Dicken Berta-Haubitzen von Krupp eingesetzt. Der erste Kampfeinsatz erfolgte am 12. August 1914 gegen den angeblichen stärksten Festungskomplex der Welt von Lüttich. Zur Bestätigung der Mittelmächte und Entsetzen der übrigen Welt wurden die angeblich undurchdringbaren Beton- und Stahlwände der Festungen in weniger als vier Tagen in Schutthaufen verwandelt. Das Festungsystem von Namur erlitt kurz danach und die Forts von Antwerpen später das gleiche Schicksal.

 'Schlanke Emma' in Feuerstellung

Die ‘Schlanke Emma’ in Feuerstellung.

Zumindest die österreich-ungarischen ‘Schlanken Emmas’ hätten für die Welt keine Überraschung sein dürfen, denn die Österreicher legten nicht besonders viel Wert auf Geheimhaltung und so ziemlich alle Einzelheiten über diese Waffen hätte man auch aus den Zeitungen erfahren können. Trotzdem sorgten diese schwere Haubitzen unter den Alliierten für Entsetzen und so versuchten diese, schnell ihrerseits ähnlich schwere Haubitzen zu bauen. Einige der erfolgreicheren Versuche war die 220-mm Schneider Modell 1917, welche zwar nur eine 90,7 kg schwere Granate verschiessen konnte, dafür aber über 22.400 Meter. Die meisten der alliierten schweren Haubitzen hatten kürzere Feuerreichweiten und konnten ebenfalls in mehrere Teile zerlegt werden.

Später kam die ‘Schlanke Emma’ auch vor Verdun sowie an der Ostfront in Russland und an der italienischen Front zum Einsatz.

42-cm-Skoda-Haubitze Modell 1914

42-cm-Skoda-Haubitze Modell 1914 in Norditalien, um Festungswerke zu zerschlagen.

Nachdem der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, gab es Bedarf nach noch schwerer Artillerie und Skoda begann damit, Waffen mit größerem Kaliber zu bauen.
Das erste Geschütz war schon 1914 fertig, war aber nicht als Feldhaubitze geplant, sondern als Küstenartillerie zum Einbau in Panzerkuppeln vorgesehen.
Das Kaliber dieses Geschützes Skoda Modell 1914 war 420 mm, genauso wie das der Krupp-Haubitze ‘Dicke Berta’. Trotz des ursprünglich vorgesehenen Einsatzzwecks wurde das Modell 1914 bei verschiedenen Gelegenheiten an der italienischen Front zur Zerschlagung von starken Befestigungen verwendet.
Einige blieben jedoch in ihren Küstenbatterie-Stellungen bis in den Zweiten Weltkrieg hinein im Einsatz.

Die massive 420-mm-Haubitze zu bewegen war eine so gewaltige Aufgabe, sodaß Skoda Im Jahr 1916 eine formale Haubitzen-Version Skoda Modell 1916 einführte, um das Geschütz im Feld besser verwenden zu können. Trotzdem war es immer noch eine Herausforderung, die mächtig und schwere 420-mm-Haubitze in Stellung zu bringen oder zu Bewegen, was Tage an Vorbereitungen und Arbeiten erforderte.

Es dauerte bis in das Jahr 1917, bis aus dem 420-mm-Entwurf von seinem ursprünglichen Einsatzzweck als Küstengeschütz ein verhältnismäßig einfach zu bewegende und in Stellung zu bringende Feldhaubitze entstanden war. Diese Skoda Modell 1917 war in vielen Bereichen das gleiche Geschütz wie das Modell 1916, konnte jedoch in verschiedene, einzelne Ladungen zerlegt werden, sodaß es von großen Rad-Traktoren gezogen werden konnte. Das Gesamtgewicht des Skoda Modell 1917 in Feuerstellung betrug über 100 Tonnen und auf der Straße erreichten alle Teilladungen zusammen ein noch weitaus größeres Gewicht.
Die Feuergeschwindigkeit betrug nicht mehr als ein oder zwei Schüsse per Stunde, aber die schwerste Granate wog nicht weniger als 1.000 kg und die maximale Schussweite betrug 14.600 Meter.

Die Firma Skoda baute im Jahr 1916 auch noch die Skoda Modell 1916 Haubitze mit 380 mm, welche den Spitznamen ‘Barbara’ erhielt. Sie war ebenfalls für den motorisierten Transport entworfen worden, aber nur wenige dieser Waffen wurden dann tatsächlich gebaut.

Nach 1918 waren die 305-mm-Haubitzen ‘Schlanke Emma’ auf die Streitkräfte der aus der Donaumonarchie neu entstandenen Staaten verteilt. Die meisten befanden sich in Besitz der Ungarn und Tschechen, aber Italien besaß ebenfalls einige, zusammen mit den 420-mm-Haubitzen in seinen neu eroberten Küstenbatterie-Stellungen.

Benutzer: Österreich-Ungarn.


Skoda 149mm Modell 14 und 14/16

149-mm-Feldhaubitze Skoda Modell 14

149-mm-Feldhaubitze Skoda Modell 14, das Standardgeschütz der österreich-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg und später der Italiener im Zweiten Weltkrieg.

In vielerlei Hinsicht kann das Skoda 149-mm Modell 14 als die mittlere Haubitzen-Version angesehen werden, welche dem 100-mm-Modell 1914 entspricht. Die 149-mm-Haubitze war jedoch viel größer und schwerer und war für den Einsatz auf höheren Organisationsebenen der Artillerie vorgesehen, als die von der Feldartillerie verwendete 100-mm-Haubitze. Deshalb wurde sie auf Regiments-Ebene und höher eingesetzt, einschließlich bei der Korps-Artillerie.
Das Modell 14 war für die Zerstörung der größeren gegnerischen Stellungen und Feldwerke bestimmt und konnte eine sehr mächtige Waffe sein.

Das Modell 14 war nur für den Einsatz als Feldhaubitze vorgesehen und es gab keine Möglichkeit, die Waffe in Lasten zu zerlegen, wie es bei den kleinkalibrigen Waffen oder größeren Haubitzen der Fall war. Stattdessen war das Modell 14 mit einem großen Kastenwagen ausgestattet, der so schwer war, dass ein spezieller Nachlauflüftungshebel über den Spaten angebracht werden musste. Dieser wurde verwendet, um größere Veränderungen an der Traverse durchzuführen, wobei zwei Männer erforderlich waren, um den Hebel anzuheben und den Wagen zu bewegen.

Das Modell 14 hatte einen entweder gebogenen oder geraden, großen Schild und der Rücklaufmechanismus unter dem Lauf war groß und schwer. Tatsächlich schien ‘Gewicht’ der eigentliche Name von Modell 14 zu sein, weshalb es ein großes und starkes Pferdegespann erforderte, um die Waffe zu bewegen.
Trotz dieses Gewichts hatte das Modell 14 mit maximal 6.900 Metern keine besonders gute Reichweite, auch wenn die Explosivgranate ziemlich zerstörerisch war.

Im Laufe des Jahres 1916 begann eine neue Version des Modells 14 von den Produktionslinien bei Skoda zu erscheinen. Dies war das Modell 14/16, das einen etwas längeren Lauf hatte, um mehr Reichweite bei einer leichteren Granate als beim Modell 14 zu erzielen.
Trotzdem konnte die ursprüngliche Munition des Modelles 14 auch verfeuert werden und die neue Munition konnte bei Bedarf auch vom alten Modell verwendet werden. Diese Umstellungen bedeuteten jedoch eine solche Änderung der Reichweiten-Tabellen und des Trainingsaufwandes für die Geschützmannschaften, dass dies nur selten praktisch angewendet wurde.

Der neue Lauf und die neue Munition erhöhten die Reichweite auf 8.790 Meter, was durchaus hilfreich war. Es blieb aber nicht bei dieser einzigen Veränderung, denn das Modell 14/16 hatte einen neuen Lafetten-Entwurf, welcher stärker und stabiler als beim Original war, dafür aber schwerer.

Sowohl das Modell 14 als auch das Modell 14/16 wurden während des Ersten Weltkriegs von der österreichisch-ungarischen Armee eingesetzt und boten einen guten Dienst. Viele gingen in den italienischen Gebrauch über – so viele sogar, dass sie selbst 1940 noch die üblichen italienischen mittleren Haubitzen waren. Sie trugen bei den Italienern die Bezeichnungen Obice da 149/12 Modello 14 und Obice da 149/13.
Nach 1918 wurden die Haubitzen auch viele Jahre lang von den tschechischen (Hruba Houfnize VZ 14 und VZ 14/16), österreichischen und ungarischen Armeen verwendet.

Dabei wurde vor allem das Modell 1914/16 schrittweise verbessert und modifiziert, um es so zeitgemäß wie möglich zu halten. Dazu gehörten der Austausch des Holzspeichenrad mit Stahlblechrädern, welche Gummireifen erhielten. Zudem wurde neue Munition eingeführt und die Ungarn gingen sogar so weit, ihre M.14/35 Haubitzen in einem Programm vollständig umzubauen, wozu eine Mündungsbremse gehörte, um die Rückstoßkräfte auf die Lafette zu verringern, wenn die neue Munition verschossen wurde.

Beide, Modell 14 und Modell 14/16, waren solide und robuste Waffen, aber sie waren ziemlich schwer und im Vergleich zu andern zeitgemäßen Entwürfen mangelte es ihnen an Feuerreichweite.
Jedoch wurden sie in so großen Mengen gebaut, daß viele 1939 immer noch verfügbar waren, um in einem neuen Krieg eingesetzt zu werden. Die tschechischen Exemplare, welche von der Wehrmacht übernommen wurden, hatten die Bezeichnung 15-cm schwere Feldhaubitze M14 (Skoda), während die ab Ende 1943 konfiszierten italienischen Haubitzen als 15-cm sFH 400(i) und sFH 401(i) bezeichnet wurden.

Benutzer: Österreich-Ungarn, Italien, Ungarn, Deutschland.


Spezifikationen Skoda Modell 1911, 1914 und 1914/16

Spezifikationen
Spezifikation Schlanke Emma (Modell 1911) 149-mm Modell 14 Modell 16/16
Typ überschwere Haubitze Feldhaubitze Feldhaubitze
Gewicht20.830 kg (Gefecht)2.344 kg (Gefecht); 3.070 kg (Transport)2.765 kg (Gefecht); 3.340 kg (Transport)
Kaliber 305 mm149,1 mm149,1 mm
Lauflänge3,03 m2,09 m2,10 m
Höhenbereich+40° bis +70°-5° bis + 43°-5° bis +70°
Schwenkbereich16° nach rechts und links5° nach rechts und links6° nach rechts und links
Geschossgeschwindigkeit340 m/s (schwere Granate)300 m/s350 m/s
maximale Schussweite11.300 m (leichte Granate); 9.600 m (schwere Granate)6.900 m8.790 m
Granatgewicht287 oder 382 kg41 kg40,33 kg
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