Schlachtschiff Tirpitz

flag-GermanySchlachtschiff Tirpitz.
Geschichte, Bau, Einsätze, Spezifikationen, Fotos und 3d-Modell des deutschen Kriegsschiffs.

Tirpitz in Norwegen

Schlachtschiff Tirpitz in Norwegen.

Schlachtschiff Tirpitz der Bismarck-Klasse.
Typ: Schlachtschiff.

Geschichte:

Baugleich in fast allen Bereichen zum Schlachtschiff Bismarck, war die Karriere der Tirpitz in jedem Fall so lange und unspektakulär, wie die ihres Schwesterschiffs kurz und heldenhaft war. Doch dies würde die praktischen Erfolge beider Schiffe ignorieren, von denen eines zwar einen berauschenden, zehntägigen Kampf im Atlantik gegen die halbe britische Royal Navy austrug, der jedoch mit dem Austausch des brandneuen deutschen Schlachtschiffs gegen einen alten und nicht modernisierten Schlachtkreuzer endete.
Dagegen zwang die Tirpitz die Briten dazu, über Jahre zwei Schlachtschiffe, einen Flugzeugträger und andere Flotteneinheiten in Gewässern zu halten, in denen sie eigentlich nicht notwendig waren und an anderen Stellen ebenfalls dringend benötigt wurden. Und dies alles nur durch ihre Anwesenheit in bedrohlichen Lauerstellung in norwegischen Fjorden.

Das Schlachtschiff Tirpitz wurde in der Marinewerft von Wilhelmshaven im Oktober 1936 auf Kiel gelegt, hatte seinen Stapellauf am 1. April 1937 und war für die See-Erprobung am 25. Februar 1941 fertiggestellt worden. Sie unterschied sich von ihrem Schwesterschiff in kleineren Details, wie die Anordnung des Flugzeughangars und Kräne und die Anbringung von zwei Viefach-Torpedorohr-Halterungen für den Einsatz gegen Handelsschiffe.
Erprobungsfahrten in der Ostsee und Verbesserungsarbeiten am Schiff in Kiel dauerten 7 Monate, sodaß Tirpitz nicht vor dem 20. September 1941 die Einsatzbereitschaft meldete.

Sie wurde anschließend sofort auf ihre erste Mission geschickt, einer ereignislosen Kreuzfahrt vor den Aland-Inseln, an der Mündung des Golfs von Finnland. Dort sollte sie einen womöglichen Ausbruch der sowjetischen Ostseeflotte aus Leningrad zwischen dem 26. und 29. September zu verhindern helfen.
Anschließend blieb Tirpitz in der Ostsee und unternahm Ausbildungsübungen bis zum 12. Januar 1942, als sie von Kiel aus durch den Nordostsee-Kanal nach Trondheim in Norwegen ging. Wie ihr Schwesterschiff sollte sie nie mehr nach Deutschland zurückkehren.

Schlachtschiff Tirpitz

Schlachtschiff Tirpitz mit ihren 38-cm-Kanonen nach oben und zur Seite gerichtet.

Tirpitz vorrangige Rolle war es, die alliierten Seeverbindungen nach Nord-Russland zu stören, entweder durch unmittelbares Handeln oder durch die Androhung des abfangens der nach Murmansk und Archangelsk laufenden Arktis-Konvois.
Ihr einziger vollständiger Ausfall zu diesem Zweck erfolgte am 6. März 1942, als sie aus Trondheim auslief um den nach Murmansk laufenden Konvoi PQ 12 abzufangen. Jedoch wurde sie durch britische U-Boote schon kurz nach dem Auslaufen gesichtet und gemeldet, sodaß die britische Admiralität den Kurs des Konvois rechtzeitig ändern konnte. So fand das Schlachtschiff mit seinen drei begleitenden Zerstörern nicht sein Ziel.
Zudem wurde sie durch abgefangene und decodierten Funksignale aufgespürt und entging Angriffen von britischen Flugzeugen vom Flugzeugträger Victorious am 9. März nur knapp.

Das Schlachtschiff Tirpitz erzielte indirekt ihren größten Erfolg gegen einen Konvoi Anfang Juli 1942 durch ein einfaches Vorverlegen von Trondheim zum Altenfjord, im äußersten Norden von Norwegen. Ihre dortige Anwesenheit in der Nähe der Route des Artkis-Konvoi PQ 17 verleitete die in Panik geratene britische Admiralität am 4. Juli dazu, den Konvoi aufzulösen und die Handelsschiffe sich zerstreuen zu lassen. Tirpitz lief erst am 5. Juli aus, wurde dreimal beobachtet und gemeldet sowie von einem russischen U-Boot angegriffen, während eines Einsatzes der nicht einmal 12 Stunden dauerte. Sie hatte daher keinen direkten Anteil an der Versenkung von 24 alliierten Schiffen aus dem Konvoi.

Obwohl sie nie mehr auslief, um einen Konvoi anzugreifen, genügte alleine die von ihr ausgehende Bedrohung, daß die Royal Navy mindestens zwei Großkampfschiffe und einen Flottenträger in den Heimatgewässern bereithalten mußte, um die Arktis-Konvois und den Zugang in den Nordatlantik zu schützen.
Im Oktober 1942 scheiterte ein Versuch, sie mit Zwei-Mann-Torpedos (sogenannt Chariots, torperdoähnliche U-Boote) in Trondheim anzugreifen, wo sie sich zu einer Umrüstung aufhielt. Die Zwei-Mann-Torpedos gingen schon 8 km vor Erreichen der Tirpitz verloren.

Schlachtschiff Tirpitz beschießt Spitzbergen

Das Schlachtschiff Tirpitz beschießt 1943 Spitzbergen. Der Schiffskörper ist deutlich zu erkennen. Bei den Kuppeln mittschiffs und auf den achteren Aufbauten handelt es sich um Fla-Feuerleitgeräte.

Tirpitz war wieder einsatzfähig Ende Januar 1943 und im März wurde sie in den Altenfjord, welcher ihre ständige Basis für die nächsten 19 Monate werden würde, verlegt. Hier erhielt sie Verstärkung durch den Schlachtkreuzer Scharnhorst und den Schweren Kreuzer Lützow. Große Dinge wurden von diesem mächtigen deutschen Geschwader im Frühjahr und Sommer 1943 erwartet, aber die Briten nahmen die Herausforderung nicht an und schickten die schweren Einheiten der Home Fleet zur Unterstützung in das Mittelmeer und setzten alle Arktis-Konvois bis November 1943 aus. So blieben die deutschen Großkampfschiffe ohne ein Ziel.

Schließlich wurde für Tirpitz und Scharnhorst Anfang September eine andere Aufgabe gefunden, wenn auch der Beschuß und die Invasion des nahezu verteidigungslosen Spitzbergen kaum eine würdige Aufgabe für diese mächtigen Schiffe war. Sie waren zwischen dem 6. bis 9. September auf See, und dieser See-Einsatz war auch der letzte für das Schlachtschiff Tirpitz.

Am 22. September wurde sie dann von zwei britischen Kleinst-U-Booten vom Typ X-Craft mit Sprengladungen außer Gefecht gesetzt, welche umfangreiche Zerstörungen durch die Schockwellen der Explosionen an Antriebsmaschinen und dem Artilleriesystem verursachten.

Die Reparaturen wurden zwar schnell mit bemerkenswerter Ingenieurleistung durchgeführt, aber gerade als das Schlachtschiff Tirpitz mit Erprobungsfahrten am 3. April 1944 beginnen wollte, wurde sie von 40 Barracuda-Sturzkampfbomber von Flugzeugträgern der britischen Home Fleet angegriffen und wieder schwer beschädigt. Weitere Angriffe im Juli und August, wo sie zu diesem Zeitpunkt schon wieder repariert war, verursachten nur geringe Schäden.

Die britische Royal Air Force hatte zuvor bereits versucht, Tirpitz anzugreifen. Erstmals 1941 in Kiel sowie im März und April 1942 in Trondheim. Aber erst im Herbst 1944 hatte das Bomber-Kommando die richtige Kombination aus Flugzeugen und Waffen, um auf diese Distanz einen Erfolg zu ermöglichen: Lancaster-Bomber mit 5.443-kg Tallboy-Bomben und stabilisierten automatischen Bombenabwurfgeräten.
Am 15. September starteten 27 Lancaster-Spezialbomber von einem russischen Flugplatz und erzielten einen Volltreffer mit einer 5.443-kg-Bombe im vorderen Bereich des Schiffs, welche erhebliche Schäden in einem 36 Meter langen Abschnitt hinter dem Bug verursachte.

Reparaturen an solchen schweren Schäden waren unmöglich in Norwegen und am 15. und 16. Oktober fuhr Tirpitz aus eigener Kraft zu einem Ankerplatz in der Nähe von Tromsö, wo sie als schwimmende Batterie ein Teil der dortigen Verteidigungsanlagen bilden sollte. Tromsö war innerhalb der Reichweite von britischen Bombern, welche im Norden Schottlands stationiert waren und so wurde sie am 29. Oktober von 32 Lancaster-Bomber angegriffen, welche allerdings nur einen knappen Nahtreffer erzielten.

Tirpitz gekentert

Der Rumpf des gekenterten Schlachtschiff ‘Tirpitz’ hebt sich aus dem Fjord bei Tromsö.

Das Ende kam dann am 12. November 1944: 29 Lancaster-Bomber erzielten 3 Treffer und einen knappen Nahtreffer zwischen den B- und C-Türmen, was die Öffnung der Mittschiffsbordseite vom Kiel bis zur Wasserlinie verursachte und das Schlachtschiff Tirpitz innerhalb von 11 Minuten kentern ließ, nachdem die erste Bombe fallengelassen worden war. Über 1.000 Mitglieder ihrer Besatzung gingen mit dem Schiff zusammen verloren.


Bilder vom Schlachtschiff Tirpitz


Spezifikationen von Schlachtschiff Tirpitz

Spezifikationen
Tirpitz Spezifikation
Typ Schlachtschiff
Wasserverdrängung 42.900 t
Einsatzverdrängung 50.996 t
Länge zwischen Loten 241,5 m
Länge über alles 250,5 m
Breite 36 m
Tiefgang 11 m
Kessel 12 x Wagner-Kessel
Maschinen Blohm&Voß-Einfachgetriebe-Turbinen mit 3 Wellen
Gesamtleistung 163.000 PS
Heizöl 7.461 t
Geschwindigkeit 31,1 kn
Fahrbereich 9.280 sm bei 16 kn
Besatzung 1.905
Bewaffnung
Tirpitz Spezifikation
Haupt-Bewaffnung 8 x 38 cm L/47 Geschütze
Sekundär-Bewaffnung 12 x 15 cm L/55
Flak 16 x 10,5 cm L/65, 16 x 3,7 cm Flak, 58 x 2 cm Flak (1944)
Torpedorohre 8 x 53,3-cm
Flugzeuge 4
Panzerschutz
Tirpitz Dicke
Seite (Gürtel) 145 – 323 mm
Oberdeck 50 mm
Hauptdeck 30 mm
Panzerdeck 80 – 120 mm
Hauptartillerie 130 – 360 mm
Barbetten 220 mm
Mittelartillerie 20 – 100 mm
Einsatzstatistik
Tirpitz Angaben
Kiellegung 26.10.1936
Stapellauf 1.4.1939
Fertigstellung 25.2.1941
Verbleib versenkt am 12.11.1944
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