Russische Zerstörer

Sowjetische FlaggeZerstörer der sowjetischen Roten Flotte im Zweiten Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Großzerstörer Taschkent

Der Großzerstörer Taschkent entlädt Munition im belagerten Sewastopol.

Gordi, Silni, Opitny, Ognevoi, Leningrad-Klasse
Typ: russische Zerstörer, gebaut von 1932 bis 1945.

Gordi-Klasse

In den 1930er Jahren wollten die Russen ihre Flotte modernisieren und schauten sich nach ausländischer Hilfe bei dem Entwurf neuer Kriegsschiffe um. Neben den Kreuzern der Kirow-Klasse erhielten sie für die neu geplanten Zerstörer ebenfalls Unterstützung von den Italienern.

Die daraus resultierende Gordi-Klasse hatte deshalb eine offensichtlich starke Ähnlichkeit mit den italienischen Zerstörern dieses Zeitraums.
Wahrscheinlich deshalb waren diese Zerstörer mit ihren Materialstärken und der Form der Schiffskörper auch eher für das Mittelmeer anstatt für die Arktis geeignet, da sie nicht sonderlich widerstandsfähig und seetüchtig waren.
Auch konnten die Antriebsmaschinen in der Sowjetunion nicht so präzise wie in Italien nachgebaut werden, sodaß es mit den Anlagen immer wieder zu Problemen kam. Deshalb wurde die Konstruktionsgeschwindigkeit von 38 Knoten selten erreicht.


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Silni-Klasse

Die nachfolgende Silni-Klasse wurde von 1936 bis 1942 gebaut. Nach der Erkenntnis, daß der italienische Entwurf des Zerstörers Typ VII bzw Gordi-Klasse zu leicht gebaut für den Einsatz in der Arktis war, führte dies zum Typ VIIU (Uluschonny = verbessert) und das zwanzigste und dreißigste Schiff wurden noch während des Baus auf der Werft geändert.
Diese geänderten Zerstörer Silni und Storozhevoi hatten eine Einheitsmaschine, sodaß zwei Schornsteine anstatt eines einzigen, gekrümmten, vorhanden waren.
Der Rumpf wurde verstärkt und die Gelegenheit wahrgenommen, die Antriebskraft geringfügig zu verstärken. Die starken Vibrationen der Turbinen, welche die vorherige Gordi-Klasse gequält hatte, wurde scheinbar bei diesen überarbeiteten Zerstörern behoben.
Beide Schiffe wurden so zu einer wesentlichen Verbesserung und waren der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der russischen Zerstörer.

Zerstörer 'Silni'

Der Zerstörer ‘Silni’ der sowjetischen Ostsee-Flotte.

Diese geänderten und verstärkten Schiffe der Silni-Klasse hatten eine einheitliche Maschinenanlage, zwei Schornsteine, dickere Platten und einen seetüchtigen Schiffskörper. Die Fla-Bewaffnung wurde verstärkt und später – gegen Kriegsende – modernes elektronisches, von Großbritannien und den USA geliefertes Gerät, eingebaut.

Auf der Zhdanov-Werft in Leningrad wurden Storozhevoi, Silni, Surovy, Serdity, Strashny, Spokoiny, Skory, Stany, Svirepy, Strongy und Stroiny gebaut.
Auf der Ordzonikidze-Werft, ebenfalls in Leningrad, wurden Smely (ex-Letuchy), Stoiky (ex-Lilkhoi) und Slavny gebaut.
Auf der 61 Kommunar-Werft in Nikolajew wurden Smygleny und Soobrazitelny gebaut.
Auf der Marti-Werft in Nikolajew wurde Svobodny gebaut.
Auf der Werft von Sewastopol wurden Sposobny und Sovershenny gebaut.

Am 27. Juni 1941 wurde Storozhevoi der Bug durch einen Torpedo eines deutschen S-Boot in der Irben-Strasse weggeschossen. Sie wurde mit dem Bug eines unvollständigen Zerstörers der Ognevoi-Klasse wiederhergestellt und trat 1943 wieder zur Flotte.

Serdlity und Smely wurden beide im Juli 1941 versenkt, ersterer durch eine Bombe bei der Insel Ösel und das andere Schiff durch eine Mine im Golf von Riga.
Starny sank ebenfalls durch eine Mine vor Ösel am 18. August 1941, während Skory auf gleiche Weise vor Kap Juminda verloren ging.

Sovershenny lief während einer Probefahrt im Schwarzen Meer auf eine Mine und während der anschließenden Reparaturen im Dock von Sewastopol wurde sie von einer Bombe getroffen und fiel um. Nachdem das Schiff wieder aufgerichtet war, wurde es durch Artilleriefeuer im April 1942 zerstört.

Surovy war ein weiteres Minenopfer, diesmal vor Hangö in Finnland im November 1941. Smyshleny lief in der Strasse von Kertsch im März 1942 ebenfalls auf eine Mine.
Deutsche Flugzeuge zeichneten sich für die Zerstörung von Svobodny in Sewastopol im Juni 1942 sowie für Sposobny vor der Küste der Krim im Oktober 1943 verantwortlich.

Zerstörer Soobrazitelny der Silni-Klasse

Der Zerstörer Soobrazitelny der Silni-Klasse rettet Überlebende des bei einem Luftangriff schwer beschädigten Flotillienführers Taschkent.

Soobrazitelny unternahm zusammen mit dem Flotillien-Führer Taschkent einige Fahrten in das belagerte Sewastopol und rettet die Überlebenden auf letzterem, als Taschkent bei einem Luftangriff versenkt wurde.
Der große und schnelle Zerstörer und Flotillien-Führer Taschkent war von Italien im russischen Auftrag 1937 geabut worden. Jedoch war auch dieses Schiff zu leicht gebaut und hatte andere, zahlreiche Kinderkrankheiten.

Der Verbleib von Spokoiny ist unklar. Das Schiff wurde von Leningrad aus in die Arktis geschleppt und dann nach Molotovsk, wo sich seine Spur verliert. Womöglich ging der Zerstörer 1944 oder 1945 verloren.

Stoiky wurde 1943 in Vitse-Admiral Drozd umbenannt. Wie die meisten überlebenden Schiffe der Klasse wurde sie Ende der 1950er Jahre verschrottet, da alle Schiffe einen sehr anstrengenden Einsatz während des Zweiten Weltkrieges hatten.

Das einzige noch existierende Schiff ist die heroische Soobrazitelny, welche nach ihrer Außerdienststellung 1966 als Museumsschiff der Schwarzmeer-Flotte in Nikolajew konserviert wurde.


Zerstörer Opitny

Zerstörer Opitnij

Der Zerstörer Opitny als schwimmende Batterie auf der Newa bei der Verteidigung von Leningrad.

Der Zerstörer Optiny wurde zwischen 1936 und 1941 gebaut. Opitny wurde als Versuchsschiff entworfen, um eine einheitliche KLasse von Hochgeschwinidigkeits-Zerstörern herzustellen.
Schiffe dieser Art waren schon immer eine russische Obsession, da die beiden Hauptflotten in jeweils abgeschlossenen Seegebieten operieren mußten.

Das Schiff war der erste russische Zerstörer, welcher ohne ausländische Hilfe gebaut wurde. Auf Stapel in der Werft Zholanov in Leningrad im Jahr 1936 gelegt und 1941 in Dienst gestellt.

Sie verfügte nur über drei einzelne 13-cm-Geschütze gegenüber den vier auf den vorhergehenden italienischen Entwürfen, um eine bessere See-Eigenschaften und eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen.
Dafür wurde die Torpedobewaffnung von sechs auf acht erhöht, jeweils in zwei Gruppen zu je vier Rohren. Dies unterstreicht die überfallartige Taktik, für welche Optiny vorgesehen war.
Die Flugabwehr-Bewaffnung bestand aus vier einzelnen 45-mm und drei einzelnen 37-mm-Kanonen. Es gab Abwurfrollen für maximal 60 Seeminen an jeder Seite des Schiffes.

Die Turbinen von Opitny produzierten 70.000 PS gegenüber 48.000 PS bei der Gordi-Klasse und hatte die verbesserte Maschinenanordnung wie bei der Silni-Klasse. Der Vortrichter war dünner als der zweite Schornstein, was die Ursache in einen Heizraum vorne und zwei weitere hinten hatte.
Es wird berichtet, daß Optiny ihre Entwurfsgeschwindigkeit übertraf, wobei 41,6 Knoten bei Probefahrten erreicht wurden.

Allerdings war der leicht gebaute Rumpf nicht passend für die Vibrationen der Maschinen, welche bei hoher Fahrt entstanden. Noch mehr litt der Rumpf, wenn das Schiff Salven aus seinen Geschützen abfeuerte. So bestand der Kriegseinsatz lediglich als schwimmende Batterie bei der Verteidigung von Leningrad und Optiny wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verschrottet.

Ognevoi-Klasse

Ognevoi-Klasse

Zerstörer der Ognevoi-Klasse

Die Entwurfsarbeiten an der Ognevoi-Klasse begannen 1937 und es sollten 30 Schiffe gebaut werden. Davon wurden 17 zwischen 1939 bis 1941 auf Stapel gelegt.
Otlichny, Otvaszhny, Odarenny und vier unbenannte Schiffe wurden auf der Nikolajew-Werft bei Leningrad auf Stapel gelegt.
Ognevoi, Ozornoi, Opasny und Otverzhdenny wurden am Schwarzen Meer auf Stapel gelegt.
Osmotritelny und Okhotlivy wurden in Molotowks und Vlastny, Vnushitelny und Vynoslivy wurden bei Komsomoslk am Amur-Fluß auf Stapel gelegt.

Ein höheres Freibord und die Konzentrierung von vier 13-cm-Geschütze in zwei Doppeltürmen, jeweils einer vorn und hinten, resultierten in einem erheblichen Anstieg der Seetüchtigkeit gegenüber den vorhergehenden, auf italienischen Entwürfen basierenden, Zerstörern.

Wie im Versuchsschiff Opitny wurde die Torpedobewaffnung auf 8 Rohre in zwei Abschussvorrichtungen erhöht. Ein Zwillings-85mm-Geschütz befand hinter dem letzten 13-cm-Geschützturm und die Flugabwehrbewaffnung wurde durch sechs, einzelne 37-mm-Flak vervollständig, von denen sich zwei neben der Brücke und vier um den zweiten Schornstein herum befanden. 80 Minen konnten mitgeführt werden.

Opasny wurde 1941 in der Werft bei Nikolajew durch die Deutschen zerstört und drei weitere Schiffe, welche in Leningrad gebaut wurden, konnten niemals mehr fertiggestellt werden. Von den verbliebenen Schiffen wurde eins bis 1945 und zwischen sieben und zehn nach Kriegsende fertiggestellt, während der Rest storniert wurde.

Such-Radargeräte wurden am vorderen Mast installiert und Stativbeine hinzugefügt, aber ansonsten blieben die Schiffe der Klasse unverändert. Ab dem 1960er Jahren wurden die wenigen Schiffe der Klasse, welche sich noch im Dienst befanden, nur noch als Trainingsschiffe verwendet.

Großzerstörer Leningrad-Klasse

Zerstörer der Leningrad-Klasse

Ein Zerstörer der Leningrad-Klasse feuert seine Geschütze während der Belagerung von Leningrad ab.

Neben dem in Italien gebauten, wenig erfolgreichen, Großzerstörer Taschkent, versuchten sich die Russen auch darin, selbst derartige Schiffe zu bauen. Diese Zerstörer der Leningrad-Klasse hatten aber sehr wenige Erfolge. Sie basierten auf den französischen ‘Super-Zerstörern’ und wurden auch mit Hilfe aus Frankreich zwischen 1932 und 1940 gebaut.

Hier wurde bei einer zu geringen Größe versucht, eine möglichst starke Bewaffnung unterzubringen. So waren die Schiffe empfindlich gegen Schäden im Kampf und das 13-cm-Geschütz zwischen Brücke und vorderem Schornstein war schlecht platziert und hatte nur ein sehr geringes Schussfeld.
Die Zerstörer der Leningrad-Klasse hatten zudem noch schlechtere See-Eigenschaften als die Gordi-Klasse.
Moskawa wurde am 26. Juni 1941 und Charkow am 6. Oktober 1943 versebkt und die anderen Schiffe wurden in den 1950er und 1960er Jahren abgewrackt.

Als Reaktion auf die Probleme mit der Leningrad-Klasse folgte die Kiew-Klasse mit 13-cm-Doppeltürmen, welche zwar auf Kiel gelegt wurde, aber kein einziges Schiff wurde mehr fertig.

Während des 2. Weltkriegs waren die russischen Zerstörer an wenigen Kampfhandlungen beteiligt. Vorwiegend setzte man sie als schnelle Truppentransporter im Schwarzen Meer und zur rein örtlichen Verteidigung in der Arktis und im Pazifik ein.
Ende der 1930er Jahre stellten 17 Zerstörer der ehemaligen zaristischen Marine, welche zwischen 1911 und 1917 fertiggestellt wurden, immer noch das Rückgrat der leichten Kriegsschiffe der sowjetischen Marine.

Benutzer: Sowjetische (russische) Marine.


Spezifikationen russische Zerstörer

Spezifikationen
Spezifikation Gordi Silni Opitny Ognevoi Leningrad
Typ Zerstörer
Wasser-verdrängung 1.713 t 1.686 t 1.670 t 1.800 t 2.260 t
Einsatz-verdrängung 2.282 t 2.246 t 1.870 t 2.650 t 2.623 t
Länge zwischen den Loten ? ? ? ? ?
Länge über alles 112,90 m 112,9 m 118 m 117 m 127,5 m
Breite 10,20 m 11,6 m 10,2 m 11,6 m 12,7 m
Tiefgang 4,00 m 4 m 4,2 m 4,2 m 4,1 m
Kessel 3 2 2 2 3
Maschinen Einfachgetriebe-Turbinen 2-Schacht-Dampf-Turbinen 2-Schacht-Dampf-Turbinen 2-Schacht-Dampf-Turbinen ?
Gesamtleistung 48.000 PS 48.000-54.000 PS 70.000 PS 60.000 PS 66.000 PS
Brennstoffvorrat 550 t Heizöl ? ? ? 610 t Heizöl
Geschwindigkeit 38 kn 36 kn 42 kn 36 kn 36 kn
Fahrbereich 2.190 sm bei 19 kn ? ? ? 1.770 sm bei 20 kn
Besatzung 197 207 197-212 250 250
Bewaffnung
Spezifikation Gordi Silni Opitny Ognevoi Leningrad
Haupt-Bewaffnung 4x13cm (Einzel-türme) 4x13cm (Einzel-türme) 3x13cm (Einzel-türme) 4x13cm (Doppel-türme) 5x13cm (Einzel-türme)
Sekundär-Bewaffnung (Flak) 2x76mm 2-3x76mm 4x45mm 1x85mm 2x76mm
Flak 4×3,7cm, 1x2cm, 8×7,62mm-MGs 6×3,7cm, 4×12,7mm-MGs 3×3,7cm 6×3,7cm 2×4,5cm
Torpedorohre 6×53,3cm 6×53,3cm 8x53cm 8x53cm 8×53,3cm
Minen 60 - 60 80 68
U-Abwehr-Waffen ? ? (viel weniger als britische) ? ? ?
Einsatzstatistik
Russische Zerstörer Angaben
Fertigstellung 29 Schiffe der Gordi-Klasse 1936-1943, 19 Schiffe der Silni-Klasse 1936-1942, 1 Opitny 1941, 1 Taschkent 1937, mehr als 2 Leningrad-Klasse 1932-1940, eine Ognevoi-Klasse vor Kriegsende fertig, 7-10 erst nach 1945 fertiggestellt
Verbleib Gordi-und Silni-Klasse: Zahlreiche während des 2. Weltkrieges versenkt, ein Schiff 1955 an China abgegeben, eins als Museumsschiff, alle anderen in den 1950er und 1960er Jahren abgewrackt. Opitny nach 1945 abgewrackt. 2 Schiffe der Leningrad-Klasse versenkt, alle anderen vor 1970 abgewrackt
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