Rote Luftwaffe und Flotte 1941-1942

Russische Luftwaffe 1942

MiG-3 Jäger über Leningrad

MiG-3 Jäger über Leningrad. Kurz vor dem deutschen Angriff eingeführt, konnte sich das Jagdflugzeug nicht mit den Jägern der deutschen Luftwaffe messen und wurde später nur noch zur bewaffneten Aufklärung und für Bodenangriffe eingesetzt.

Die erzwungene Pause bei Luftoperationen während der Winterperiode gab der Roten Luftwaffe Zeit sich von den ersten Schocks zu erholen. Das Training wurde verbessert und die Qualität der Besatzungen stieg in der Regel durch die direkte Kampferfahrung.
Die Verlegung der Industrie nach Osten in den Ural und Sibirien zeigte die ersten Früchte auch beim militärischen Flugzeugbau. So wurden 2.000 im Monat Mitte 1942 gebaut (insgesamt 9.924 Jäger, 8.219 Schlachtflugzeuge und 3.537 Bomber im Jahr 1942), 2.500 im November 1943 (insgesamt 14.590 Jäger, 11.177 Schlachtflugzeuge und 4.074 Bomber in 1943) und im Sommer 1944 3.355 Flugzeuge (insgesamt 17.913 Jäger, 11.110 Schlachtflugzeuge und 4.186 Bomber in diesem Jahr). Nicht nur die Menge der Flugzeuge stieg an, sondern auch ihre Qualität. 1942 sah die weitverbreitete Einführung von verbesserten Typen wie der Iljuschin Il-2 Stormowik Schlachtflugzeuge und der neuen Jak-9 und Lawotschkin Jagdflugzeuge.

Im Mai 1942 stehen an der sowjetischen Westfront 3.164 Flugzeuge, davon 2.115 neuster Bauart. Wenn auch die Rote Luftwaffe während der Sommeroffensive von 1942 noch durch die deutsche Luftwaffe überwältigt wurde, so stiegen jedoch Zahlen und Qualität der sowjetischen Flugzeuge stetig an. Und als dann der sowjetische Gegenangriff bei Stalingrad erfolgte, konnte die Rote Luftwaffe erstmals die taktische Initiative übernehmen. Vom 19. November 1942 bis zum 2. Februar 1943 flog die sowjetische Luftwaffe im südlichen Abschnitt der Ostfront fast 36.000 Einsätze gegenüber nur 18.500 der deutschen Luftwaffe.

Die organisatorischen Veränderungen in den ersten Monaten nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion mündeten in die Reformen des Frühjahrs 1942, wobei der Schwerpunkt auf eine zentrale Leitung und Kontrolle der Einheiten der Roten Luftwaffe gelegt wurde. Der erste Schritt bestand in der Bildung von Luftarmeen unter der Kontrolle eines Luftwaffen-Generals, welcher als Berater des Oberbefehlshabers der Bodentruppen der Front (entspricht etwa einer deutschen Armee) tätig war, welcher die Flugzeuge zugeteilt waren. Die ersten Luftarmeen bestanden aus zwei Jagdflieger-Divisionen, zwei gemischten Luftdivisionen, einem Nachtkampf- und einem Trainings-Regiment sowie je einer Staffel von Aufklärungs- und Verbindungsflugzeugen.
Bis Ende 1942 wurden 13 Luftarmeen aufgestellt.

Die Erholung der sowjetischen Luftfahrtindustrie und die Lieferung von Lend-Lease Flugzeugen ermöglichten der Roten Luftwaffe während des Jahres 1942 die Vergrößerung ihrer Kampfeinheiten. Jagdflieger- und Schlachtflieger-Regimenter erhielten eine dritte Staffel, was ihnen eine Stärke von 32 Flugzeugen mit 160 bis 180 Mann bescherte. Bis 1943 hatten die meisten Regimenter über 40 Flugzeuge, gegliedert in drei Staffeln zu je 12 Flugzeuge plus vier Stabs- und Reserve-Flugzeuge. Im Jahre 1942-1943 lag die typische Stärke einer Luftarmee bei knapp unter 1.000 Flugzeugen.

Zusätzlich zu den neu organisierten Luftarmeen der Fronten legte das Stavka zunehmend Wert auf einer Luftwaffen-Reserve unter eigener Kontrolle. Im November 1942 bestand die Reserve der Stavka aus 10 Fliegerkorps, welche in der Regel aus je drei Luftdivisionen zu je drei Regimentern (ein Jagdflieger-Regiment hatte 32 Flugzeuge, ein Bomber-Regiment 20) bestanden.


Russische Marine seit 1941

Die Rote Marine war in vier unterschiedliche, geographisch getrennte Flotten eingeteilt: Schwarzmeer, Ostsee, Pazifik und Arktis.

Schwarzmeer-Flotte

Stationiert in Nikolajew, Sewastopol, Noworossijsk, Poti und Batumi am Schwarzen Meer bestand die Schwarzmeer-Flotte 1941 aus:

  • 1 Schlachtschiff
  • 6 Kreuzer
  • 18 Zerstörer
  • 44 U-Boote
  • 84 Motor-Torpedoboote
  • 18 Minensucher
  • 56 Geleit-, Patroullien- und Flußfahrzeugen
  • Schlachtschiff Parizskaja Kommuna beschießt deutsche Stellungen bei Sewastopol

    Das Schlachtschiff Parizskaja Kommuna beschießt deutsche Stellungen bei Sewastopol. Sie hatte eine Bewaffnung von zwölf 30,5-cm-Geschützen und eine Geschwindigkeit von 23 Knoten. Nach dem Fall der Festung und Beschädigung durch Luftangriffe nahm das Schiff wieder seinen ursprünglichen Namen Sevastopol an.

    Ostseeflotte

    Die Ostseeflotte half bei der Verteidigung von Leningrad. Sie operierte 1941 von Basen und Werften in Kronstadt, Tallinn und Libau und bestand aus:

  • 2 Schlachtschiffen
  • 4 Kreuzer
  • 30 Zerstörer und Torpedoboote
  • 69 U-Boote
  • 48 Motor-Torpedoboote
  • 113 Minensucher
  • 86 Geleit-, Patrouillen- und Flußfahrzeugen
  • 50 gepanzerten Kanonenbooten
  • Arktische Flotte

    Die Operationen der Arktische Flotte beinhalteten den Empfang alliierter Arktis-Geleitzüge und Angriffe auf den deutschen Küstenverkehr vor Nord-Norwegen. Stationiert in Polyarnyy und Archangelsk bestand die Flotte 1941 aus:

  • 11 Zerstörer und Torpedoboote
  • 15 U-Boote
  • 2 Motor-Torpedoboote
  • 3 Minensucher
  • 120 Geleit-, Patrouillen- und Flußfahrzeugen
  • Pazifik-Flotte

    Außerdem gab es noch die Pazifik-Flotte in Wladiwostok und Nikolajewsk, bestehend im Jahre 1941 aus:

  • 22 Zerstörer und Torpedoboote
  • 85 U-Boote
  • 135 Motor-Torpedoboote
  • 68 Minensucher
  • 3 Geleit- und Patrouillenschiffen
  • Frühe Verluste an Kriegsschiffen durch Luft- und Minenkrieg sowie Treibstoffknappheit, länger zugefrohrene Meereszugänge und andere Betriebs- und Wartungseinschränkungen führten dazu, daß eine große Zahl von Seeleuten (33.000 alleine auf der Krim und am Polarkreis) angelandet wurden und gegen den deutschen Vormarsch als Infanteristen eingesetzt wurden.

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