Panzerkreuzer Blücher auf der Doggerbank


Deutsches ReichDeutscher Panzerkreuzer Blücher aus dem Ersten Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Panzerkreuzer Blücher

Der Entwurf des Panzerkreuzers ‘Blücher’ ergab sich aus einer schlauen britischen Täuschung, die vorgab, dass die neue ‘Invincible’-Klasse herkömmliche Panzerkreuzer mit 233,7-mm-Geschützen statt Schlachtkreuzer seinen. Daraufhin bauten die Deutschen die – wie angenommen – weit überlegene ‘Blücher’.

Der Panzerkreuzer SMS Blücher ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein völlig ungeeignetes Kriegsschiff enstehen kann. Das Schiff wurde überstürzt entworfen und gebaut, um einer fälschlicherweise wahrgenommene Bedrohung durch eine rivalisierende Seemacht entgegen zu treten. Ursache war, daß die Briten ihr ersten Schlachtkreuzer unter großer Geheimhaltung bauten und diese bewusst irreführend als ‘Panzerkreuzer’ bezeichneten.
Diese Panzerkreuzer hatten normalerweise eine Wasserverdrängung von über 13.500 Tonnen und eine Bewaffnung aus einem Mix von 233,7-mm und 190,5-mm-Geschützen, und es war einfach, die Deutschen glauben zu lassen, daß die neuen Schiffe eine Größe von 16.000 Tonnen mit einer Bewaffnung von acht 233,7-mm-Kanonen hatten. Tatsächlich hatten die schnellen Schlachtkreuzer der ‘Invincible’-Klasse jedoch 17.500 Tonnen und eine Bewaffnung von ach 304,8-mm-Geschützen.

Als Antwort legten die jedoch etwas unsicheren deutschen Marineplaner erst einmal vorsichtig nur ein Schiff der ‘Blücher’-Klasse auf Stapel. Durch den Einbau einer Batterie aus 12 Geschützen in sechs hexagonal angeordneten Türmen, ähnlich wie in den neuen Schlachtschiffen der ‘Nassau’-Klasse, erwarteten sie einen Vorteil in der Breitseite. Nicht nur, daß die 210-mm-Geschütze der ‘Blücher’ die britischen 233,7-mm-Kanonen an Reichweite übertreffen würden, auch die verschossene Breitseite wog fast 1.134 kg gegenüber den 862 kg der erwarteten fünf 233,7-mm-Kanonen in Einzeltürmen.

Anfangs wurden die Briten durch den Erfolg ihrer eigenen Täuschung ihrerseits erst einmal verwirrt. Noch 1908 wurde im maßgeblichen Marine-Jahrbuch Brassey’s Naval Annual zwar die Anzahl der Türme bei der ‘Blücher’ richtig angegeben, jedoch sollten vier davon über je zwei 280-mm-Geschütze und zwei Einzeltürme jeweils über ein 280-mm-Geschütz verfügen. Bei einem Schiff dieser Größe, so wird festgestellt, sollte dieses Kaliber die mindeste zu erwartende Bewaffnung sein.

Nachdem die wahre Natur der britischen ‘Invincible’-Klasse bekannt wurde, so hatte man in Deutschland keine andere Wahl, als das einmal begonnene Schiff als ‘Super-Panzerkreuzer’ mit Panzergürtel über die volle Länge, zwei Panzerdecks und einer Geschwindigkeit von lediglich 26 Knoten fertigzustellen.

Jedoch machte man dann den Fehler, diesen wohl besten jemals gebauten Panzerkreuzer zusammen mit den schnellen und stärker bewaffneten Schlachtkreuzern einzusetzen. ‘Blücher’ war langsamer und schlechter bewaffnet, als sie 1915 während der Schlacht auf der Doggerbank an das Ende von Hippers Schlachtlinie gesetzt wurde. Sie zwang die deutschen Schlachtkreuzer auf ihrem Rückzug dazu, nicht mit voller Fahrt laufen zu können und geriet als erste unter das Feuer der weiter tragenden 304,8-mm-Granaten der britischen Schlachtkreuzer, welche bei diesem steilen Einschlagswinkel die Panzerdecks durchschlugen und so zu ihrem Untergang führten.


Spezifikationen Panzerkreuzer Blücher

Panzerkreuzer Blücher
Panzerkreuzer Blücher Spezifikationen
Wasserverdrängung 15.750 t
Abmessungen Länge161,61 m
Abmessungen Breite24,52 m
Tiefgang8,07 m
Antrieb3 x Dreifach-Expansions-Dampf-Turbinen mit 32.811 kW (44.000 PS) mit drei Wellen
Geschwindigkeit 26 kn
Hauptbewaffnung 12 x 210-mm-Geschütze
Sekundär-Bewaffnung8 x 150-mm, 16 x 88-mm-Geschütze
Torpedorohre 3 x 450 mm
Panzergürtelmaximal 185 mm, verjüngt bis auf 90 mm
Oberes Panzerdeck 36 mm
Unteres Panzerdeck 50 mm
Panzerung Barbetten 150 mm
Besatzung 850 Mann
Panzerkreuzer Blücher

Panzerkreuzer Blücher


Schlacht auf der Doggerbank

Deutsche Schlachtkreuzer hatten erstmals im Dezember 1941 die englische Küste beschossen, worauf Beatty mit seinen britischen Schlachtkreuzern eine allerdings ergebnislosen Vergeltungs-Operation in die Deutsche Bucht versuchte.
Da die britischen Unternehmungen im Bereich der Doggerbank fortgesetzt wurden, befahl die deutsche Admiralität dem Schlachtkreuzer-Verband von Vizeadmiral Hipper auszulaufen. Sein Geschwader bestand aus drei modernen Schlachtkreuzern und dem großen Panzerkreuzer Blücher, dazu kamen sechs Leichte Kreuzer und über zwanzig Torpedoboote. Sein Auftrag lautete, im Morgengrauen des 24. Januar 1915 die Doggerbank nach britischen Seestreitkräften abzusuchen und diese zu bekämpfen. Dahinter stand der Gedanke, überraschend mit größeren Schiffen leichte britische Aufklärungseinheiten zu versenken.

Allerdings hatte ein einziges Ereignis großen Einfluss auf den Seekrieg in der Nordsee und dies praktisch fast für die gesamte Dauer des Ersten Weltkriegs. Der deutsche leichte Kreuzer Magedburg sank nämlich in der Ostsee, wobei ein Codebuch über Bord geworfen oder weggeschwemmt wurde. Die Russen konnten es bergen und obwohl es wasserdurchtränkt war, konnte es immer noch gelesen werden. Es beinhaltete alle militärischen Koordinaten, sowohl für die Ostsee als auch die Nordsee.
Die Russen gaben diese Informationen an die Briten weiter und da der Code in Deutschland niemals mehr wesentlich während des Krieges verändert wurde, erhielt die Royal Navy von nun an durch abgehörte deutsche Funksprüche eine genaue Vorstellung der Unternehmungen deutscher Kriegsschiffe.

Schlachtkreuzer Lion

Admiral Sir David Beatty auf der ‘Lion’ auf See.

So konnte die britische Funkaufklärung den Befehl an Hipper abfangen und die Koordinaten seines Operationsgebietes entschlüsseln. So lief nur fünfzehn Minuten nach Hipper auch Beatty mit seinen fünf Schlachtkreuzern und einem leichten Kreuzergeschwader aus dem Firth of Forth aus.
Beatty hatte dabei die drei neusten britischen Schlachtkreuzer in seinem Verband, welche eine leicht höhere Geschwindigkeit hatten und mit 34,3-cm-Geschützen statt der 30,5-cm und 28-cm-Geschützen auf deutscher Seite bewaffnet waren.
Allerdings hatten die deutschen Schlachtkreuzer eine etwas bessere Panzerung, zuverlässigere Granaten und ein überlegenes Feuerleitsystem und die Geschütztürme erlaubten durch ihre größere Überhöhung eine weitere Schussweite.

 

Beatty vertraute aber noch auf Verstärkung durch Commodore Tyrwhitts leichte Kreuzer und Zerstörer, mit denen er sich am nächsten Morgen um 7 Uhr etwa 30 Seemeilen nördlich der Doggerbank und 180 Seemeilen westlich von Helgoland treffen wollte. An dieser Stelle nahmen die Briten an, würde auch Hipper zu diesem Zeitpunkt eintreffen.

Das Schlachtkreuzer-Gefecht

 Schlacht auf der Doggerbank

Karte der Schlacht auf der Doggerbank vom 24. Januar 1915.

Etwas früher erreichten alle drei britischen Geschwader diese Stelle bei ruhiger See mit guter Sicht am frühen Morgen des 24. Januar 1915. Und wie auf Bestellung erschienen einige Minuten später tatsächlich Hippers Schiffe.
Als die Deutschen die Dreibein-Masten der britischen Schiffe erkannten, drehten sie schnell ab, um zu ihren Stützpunkten zurückzulaufen. Dabei Übernahm der Schlachtkreuzer Sedylitz, das Flaggschiff Hippers, die Spitze. Hinter ihm liefen die beiden anderen Schlachtkreuzer Moltke und Derfflinger.
Der ältere und langsamere Panzerkreuzer Blücher war das letzte der Schiffe in der Linie der deutschen Großkampfschiffe.

Schlachtkreuzer Lion

Die britischen Schlachtkreuzer ‘Lion’ und ‘Tiger’.

Die drei neueren britischen Schlachtkreuzer Lion, Tiger und Princess Royal fuhren bald seitlich nach Süden versetzt mit 29 Knoten hinter den deutschen Schiffen her, was ihnen die Möglichkeit gab, diese von ihren Stützpunkten abzuschneiden. Die älteren Schlachtkreuzer New Zealand und Indomitable konnten diese Geschwindigkeit nicht erreichen und fielen zurück.
Noch vor 9 Uhr eröffnete das Flaggschiff von Beatty, die Lion, die ersten Probeschüsse und erzielte kurz danach einen Treffer auf dem Panzerkreuzer Blücher.

 

Als die Entfernung zu den deutschen Schiffen weiter abnahm, konnte Lion den Schlachtkreuzer Derfflinger beschießen. Die gerade in Dienst gestellte Tiger, das einzige britische Schiff mit einem Feuerleitsystem auf der Doggerbank, übernahm nun das Feuer auf den Panzerkreuzer Blücher. Beatty beabsichtigte, so nahe heranzukommen, bis auch das deutsche Flaggschiff an der Spitze beschossen werden kann.

Nach britischer Gefechtsvorschrift sollte jedes Schiff das ihm gegenüber laufende Schiff bekämpfen. Da es allerdings fünf britische gegen nur vier deutsche Großkampfschiffe gab und noch nicht alle den Gegner beschießen konnten, entstand Konfusion.
So schossen nun Lion und Tiger auf die Seydlitz, während Princess Royal auf Derfflinger und New Zealand auf den Panzerkreuzer Blücher einschossen.
Dadurch lag Moltke nicht unter Feuer und die britische Indomitable war noch außerhalb der Feuerreichweite.

Schlachtkreuzer 'Seydlitz'

Der deutsche Schlachtkreuzer ‘Seydlitz’, das Flaggschiff von Hipper.

Die zurücklaufenden deutschen Schlachtkreuzer schossen nun alle gemeinsam auf das britische Flaggschiff Lion an der Spitze und standen kurz davor, sie außer Gefecht zu setzen. In diesem Moment traf Sedylitz jedoch eine 34,3-cm-Granate und durchschlug den hinteren Turm D. Dabei gerieten die Kartuschen in der Umladekammer in Brand und die Flammen erreichten durch die Aufzugsschächte auch Turm C.
Innerhalb weniger Minuten verbrannten 165 Besatzungsmitglieder und nur durch das umgehende Fluten der hinteren Munitionskammer konnte das Schiff gerettet werden.



Jetzt aber lag auch das Feuer der deutschen Schlachtkreuzer auf Beattys Lion genauer und eine Granate schlug in den vorderen Turm ein. Innerhalb der nächsten 60 Minuten erhielt das Schiff noch mehr Treffer.
Beatty gab dann um 11 Uhr an Indomitable den Befehl, den Panzerkreuzer Blücher zu verfolgen, der am Ende der deutschen Schlachtlinie nun nur noch ein brennendes Wrack war. Das Schiff scherte mit Schlagseite nach Norden aus.

Nun erhielt Beattys Flaggschiff rasch weitere deutsche Treffer, was die Geschwindigkeit auf 15 Knoten reduzierte und zu 10 Grad Schlagseite nach Backbord führte. Gleichzeitig meldete der Ausguck deutsche U-Boot, was jedoch ein Fehlalarm war.
Dadurch gab Beatty aber seinem ganzen Geschwader den Befehl den Kurs etwas nach Norden zu ändern. Da seine Lion nicht mehr in der Lage war, seine Schlachtlinie anzuführen, gab er den verbliebenen drei britischen Schlachtkreuzern den Befehl, Hipper weiter anzugreifen, südlich zu überholen und den Abstand zu verringern, um ihn von deutschen Häfen abzuschneiden.

Untergang des Panzerkreuzers 'Blücher'

Untergang des Panzerkreuzers ‘Blücher’ in der Schlacht auf der Doggerbank.

Da die britische Schlachtlinie aber gegen den Wind lief, waren die Signale nur schwer zu erkennen, sodass nur zwei der Schlachtkreuzer den Befehl erhielten. Die aber entscheidende, weiter hinten laufende, langsamere New Zealand mit Konteradmiral Moore an Bord, der nach Beatty nun das Kommando übernahm, verkannte die Anweisungen total.
Er führte nun die gesamte britische Schlachtlinie in Richtung des nach Norden ausgescherten Panzerkreuzers Blücher, um diesen zu versenken. Der Panzerkreuzer Blücher wurde nach einem heroischen, aber hoffnungslosen Kampf versenkt, aber der Rest von Hippers Geschwader konnte dadurch entkommen.

Ergebnis und Folgen

Im Gegensatz zu den Briten hatten die Deutschen ihr Feuer von Anfang an auf das britische Flaggschiff konzentriert, während die britischen Schlachtkreuzer es über die gesamte deutsche Linie verteilen wollten.
Dadurch gelang es, das britische Flaggschiff außer Gefecht zu setzen, worauf das Missverständnis entstand und die Briten alle ihre Kräfte gegen den sowieso schon zusammengeschossen Panzerkreuzer Blücher konzentrierten.
Dadurch konnte das deutsche Geschwader unter Einbüßen des Panzerkreuzers Blücher entkommen und die Briten hatten einen viel größeren Sieg verschenkt. Das britische Flaggschiff Lion wäre bei der Schlacht auf der Doggerbank durch die zu schwach gepanzerte Decke der Geschütztürme beinahe ebenso wie die unglückliche Blücher, verloren gegangen.
Der ebenfalls schwer getroffene deutsche Schlachtkreuzer Seydlitz konnte mit etwas geringerer Höchstgeschwindigkeit den Hafen erreichen und hatte nur noch 200 Schuss Munition übrig. Der Rest war alles verschossen worden.

Die deutsche Hochseeflotte lernte aus der Schlacht auf der Doggerbank ihre Lektion, die Royal Navy jedoch nicht. Auf den deutschen Schiffen wurde die Dicke der Panzerung der Decken der Türme vergrößert, das Magazinsystem verbessert und mehr Munition mitgeführt. Auch sollten nur noch schnelle Schiffe mit den Schlachtkreuzern laufen. Zwar hatte der Panzerkreuzer Blücher dem deutschen Geschwader das Entkommen ermöglicht, aber das Mitführen eines Schiffes, nur um das gegnerische Feuer auf sich zu ziehen, war kaum eine sinnvolle Taktik.
Die Briten bauten zwar überall Feuerleitsysteme ein, verbesserten aber nicht die Überlebensfähigkeit der Schlachtkreuzer und Zuverlässigkeit ihrer Granaten, was sich bei der Seeschlacht am Skagerrak deutlich zeigen sollte.

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