Osterwoche 1916 in Irland

Osteraufstand – die Osterwoche 1916 in Irland.
Teil III vom Osteraufstand. Zu Teil II hier !

zerstörtes Dublin

Das zerstörte Dublin nach dem Osteraufstand.

Irischer Aufstand am Ostermontag

Das Ziel des irischen Plans war es, bestimmte wichtige Punkte in der Stadt zu besetzen und diese so lange wie möglich halten, um die britische Kontrolle über die Hauptstadt zu unterbinden. Es war dann zu hoffen, dass eines von drei Dinge passieren könnte: das gesamte Land erhebt sich in einer Welle der Sympathie und Patriotismus – oder die Briten erkennen, daß es ihnen unmöglich ist, Irland zu beherrschen und ziehen ab – oder als letzte und unwahrscheinlichste Möglichkeit, daß die Deutschen den Rebellen irgendwie zu Hilfe kommen können.

Da die Rebellen über keinerlei Kanonen verfügten, konnten sie ihre wichtigsten Stützpunkte nur unter der Voraussetzung halten, daß die Briten nicht ihre Artillerie einsetzten. Conolly und die Sozialisten bauten darauf, daß die Briten – aus kapitalistischen Gründen – nicht Dublin beschießen werden, um nicht ihre hauptsächlich eigenen Besitztümer zu zerstören. Aber auch dies war eine Illusion.

Der Osteraufstand sollte um 12 Uhr beginnen. Da Ostermontag ein Feiertag war, befanden sich große Menschenmassen auf den Straßen, welchen den kleinen Einheiten der Volunteers und der Bürgerarmee zuschauten, als diese bewaffnet durch die Stadt zu ihren verschiedenen Einsatzorten marschierten. Dies lief im Großen und Ganzen bemerkenswert glatt. Fünf große Gebäudekomplexe oder Gebäudegruppen wurden nördlich des Flusses Liffey besetzt, neun südlich davon sowie auch einige Bahnhöfe.

Das Hauptquartier wurde im mächtigen Zentralgebäude der Post in der Sackville Street (heute O’Connel Street) eingerichtet, von dem die irische Fahne wehte und von wo Patrick Pearse aus die Gründung der provisorischen Regierung der neuen Republik Irland verkündete.
Bei ihm im Postgebäude befanden sich der militärische Befehlshaber Connolly, der schon sehr kranke Joseph Plunkett, The O’Rahilly, Tom Clark, Sean MacDermott und weitere Anführer. Es war auch ein junger Mann namens Michael Collins dabei.
Die Rebellen begannen sofort damit, die Post gegen einen Angriff vorbereitet, den sie fast sofort erwarteten.

Eamon de Valera

Eamon de Valera bildete nach dem Osteraufstand 1919 ein illegales irisches Parlament. Er setzte danach die Unabhängigkeit Irlands durch.

Die vier anderen Hauptstützpunkte waren die South Dublin Union, eine Ansammlung von ärmlichen Häusern und dergleichen unter dem Kommando von Eammonnn Ceannt. Dann The Four Courts (Vier Gerichte), dem Sitz der Rechtsberufe , wo schwere Gesetztesbücher als Kugelfang verwendet wurden, befohlen von Eammonn Daly. Unter dem Befehl von Michael Mallin und der Gräfin Markievicz stand St. Stephens’s Green, wo Schützengräben ausgehoben wurden und Barrikaden aus Automobilen errichtet wurden. Und letztlich Eamonn de Valera in Bolands’s Flour Mill, welche die Zufahrtsstrassen von Kingston (heute Dun Laoghaire) deckten, wo mit ziemlicher Sicherheit jede aus Großbritannnien eintreffende Verstärkung an Land gehen würde.

Ein Versuch, Dublin Castle zu besetzen, scheiterte jedoch. Auch ein Versuch, eine größere Menge von Waffen aus dem Arsenal von Fort Phoennix Park zu erbeuten, war nur teilweise erfolgreich und es konnten nur einige Gewehre mitgenommen werden. Dafür gelang es den Rebellen aber, erfolgreich Telefonleitungen zu durchtrennen, und so war Dublin Castle eine Zeit lang fast vollständig isoliert.
Ein weiterer Erfolg bestand darin, daß ein Trupp britischer Ulanen, welcher durch die Sackville Street eine Attacke reiten wollte, mit Verlusten zurückgeschlagen wurde.

Die Briten waren überrascht worden und tappten nun fast vollständig im Dunkeln der Ereignisse. Dublin Castle forderte sofort Truppen aus Curragh und anderen Kasernen außerhalb von Dublin an und bat London um Verstärkungen.
Dort war Lord French, der ehemalige Befehlshaber des BEF in Frankreich, nun der Oberbefehlshaber. Er war selbst Ire und ein glühender Verfechter der Union mit Großbritannien. Er befahl sofort, daß nicht weniger als 4 britische Divisionen für die Verlegung nach Irland vorbereitet werden.
Nun wendete sich auch die britische Politik gegenüber Irland um 180 Grad. Mit der Beschwichtigung der Iren war es nun vorbei und die Rebellen sollten zerschlagen werden, rasch und mit aller Macht.

Ebenso wie die Briten in Dublin sich im Dunkeln befanden, traf dies auch für die Rebellen zu. Sie hatten keine Telefonleitungen zwischen ihren besetzten Stützpunkten oder um mit der Außenwelt zu kommunizieren. Die Verbindungen mußten durch Boten aufrecht erhalten werden, was immer schwieriger wurde und schließlich völlig unmöglich wurde, als die Kämpfe auf ihren Höhepunkt zusteuerten.

Aus militärischer Sicht war der nachfolgende Dienstag vergleichsweise ruhig. Die Briten rückten vorsichtig in die Stadt vor. Ihre Strategie war es eine Postenkette um die Gegenden von Dublin zu ziehen, wo sich die Stützpunkte der Rebellen befanden. Dann spalteten sie diesen Bereich in zwei Teile auf und erst dann begannen sie damit der Säuberungsaktion.
Sie zogen Artillerie und Truppen im Trinity College zusammen, welches eine natürliche Festung war. Die Rebellen waren daran gescheitert, dieses zu besetzen, obwohl sie es geplant hatten. Der Grund für ihr Scheitern war die zu geringe Anzahl der zur Verfügung stehenden Bewaffneten.

Gleichzeitig begannen der Pöbel mit Plünderungen, sodaß das Kriegsrecht erklärt wurde. Britische Verstärkungen trafen in Kingstown ein. Ein physisch gestörter britischer Offizier Namens Hauptmann Bowen-Colthurst, erschoß drei harmlose Journalisten ‘auf der Flucht’ – ein Begriff, welcher noch weitverbreitet sein Unwesen treiben sollte – und nicht nur in Irland. Die Greueltaten hatten begonnen.

Dublin brennt und hungert

Am Mittwoch Morgen befanden sich die Rebellen in der Unterzahl von zwanzig zu eins. Nun begannen die Briten mit ernsthaften Angriffen. Ihre erste größere Aktion war es, die Liberty Hall, das Hauptquartier der Labour Party und der Gewerkschaften, mit Granaten vom Kanonenboot Helga zu zerstören. Als dies geschah, hatten die Rebellen das Gebäude vorsorglich schon geräumt und es stand völlig leer. Aber das britische Geschützfeuer war ungenau, und so wurden viele andere Gebäude getroffen und viele Zivilisten getötet.
Auch die britische Armee setzte Kanonen ein. So wurde zum Beispiel mit einer 9-Pfünder-Kanonen auf einen einzelnen Scharfschützen gefeuert.
Dublin brannte und die Einwohner hungerten, da keine Nahrungsmittel mehr in die Stadt gelangten.

Britische Infanteristen nehmen den 'Four Courts' unter Feuer

Britische Infanteristen nehmen den ‘Four Courts’ unter Feuer, eines der Widerstandszentren der irischen Rebellen in Dublin.

Nun war es nicht mehr eine bloße Polizeiaktion, sondern ein richtiger Krieg, in dem kein Versuch gemacht wurde, Zivilisten zu schonen. Zwischenzeitlich war die von Kingstown einmarschierende britische Verstärkung von de Valeras Männern überfallen worden und hatte schwere Verluste erlitten. Jedoch erzwang die schiere Anzahl der britischen Soldaten den Durchbruch in die Stadt.
St. Stepehn’s Green wurde von Rebellen gesäubert, welche sich in das Royal College of Surgeons zurückziehen mußten, wo sie eine neue Verteidigungsstellung bezogen.

Am Donnerstag kam der neue britische Oberbefehlshaber an. Da Irland unter Kriegsrecht stand, hatte er dort alle Vollmachten. Es war General Sir John Maxwell, ein Soldat mit einer gewissen Erfahrung, welcher einen Monat zuvor aus Ägypten zurückgekehrt war, wo er Befehlshaber der anglo-ägyptischen Armeen gewesen war.
Obwohl er die Gräfin Markievicz zu seinen Beziehungen zählte, hatte er keine Ahnung von der aktuellen politischen Lage in Irland. Und wie die späteren Ereignisse beweisen werden, hat er mehr zur Untergrabung der britischen Herrschaft in Irland beigetragen, als die Rebellen es jemals hätten tun können. Der britische Premierminister Asquith hatte verlangt, den Aufstand so schnell wie möglich und mit allen Mitteln niederzuschlagen – und das tat General Maxwell auch, unabhängig von allen politischen Konsequenzen.

Die Verstärkungen aus England befanden sich jetzt im Einsatz. Diese bestanden zumeist aus noch frischen, untrainierten Rekruten. Und als sie feststellten, daß viele Rebellen der – wie sie sich jetzt und fortan selbst nannten – Irisch-Rerpublikanischen Armee keine Uniformen besaßen, begannen sie auf alle Männer – einschließlich Zivilisten – sofort zu schießen.

An diesem Donnerstag wurden Angriffe auf Boland’s Mill gemacht und die Rebellen in der South Dublin Union waren gezwungen, Gelände aufzugeben. Das Hauptpostamt wurde beschossen, daß es von oben nach unten zu brennen begann. Connolly wurde zweimal verwundet, wobei er die erste Verwundung noch vor seinen Männern verbarg. Die zweite war jedoch so ernst, daß sein Fuß zerstrümmert war und er unter großen Schmerzen litt. Mit Hilfe von Morphium konnte er den Kampf mehr recht als schlecht weiter leiten.

Dublin brennt

Dublin brennt.

Die Feuer in Dublin waren zwischenzeitlich zu unkontrollierten Feuersbrünsten angeschwollen. Mit Straßen unter Feuer von Handfeuerwaffen und Wasserleitungen oft durchtrennt, konnten diese nicht bekämpft werden. Trotzdem ergab sich noch kein Widerstandsnest der Rebellen.

Am Freitag befahl Connolly den Frauen, die so tapfer gekämpft hatte, das Hauptpostamt zu verlassen, welches jetzt abgeschnitten war und brannte. Später am Tag entkamen er und Pearse sowie die verbleibenden Rebellen auch aus dem Gebäude, das mittlerweile fast rotglühenden aussah und kurz vor dem Zusammenbruch stand. Sie fanden vorübergehend Zuflucht in der Nähe, während die Briten das leere Gebäude weiterhin beschossen. Alle wussten, dass das Ende nahe war.

Eine letzte Schlacht wurde in der King Street geschlagen, in der Nähe der Four Courts. 5.000 britische Soldaten mit der Unterstützung von Panzerwagen und Artillerie benötigten 28 Stunden, um die etwa 150 Meter gegen etwa 200 Rebellen zu überwinden. An dieser Stelle töten die Soldaten des britischen South Staffordshire Regiments mit Bajonetten und Kugeln Zivilisten, welche sich in Kellern versteckten.

Dann war alles vorbei. Pearse und Connolly kapitulierten am Samstag morgen bedingungslos.

Wie so vieles andere des Osteraufstand sind auch die Opfer schwer abzuschätzen. Es scheint, dass die der Briten etwa 500 Soldaten und die Iren – einschließlich der Zivilisten – etwa doppelt soviel Opfer zu beklagen hatten. Die Sachschäden wurden (damals) auf 2,5 Millionen Britische Pfund geschätzt und große Teile von Dublin lagen in Trümmern.

Repressalien und Folgen

Irische Rebellen in britischen Gefängnis

Irische Rebellen nach ihrer Aufgabe in einem britischen Gefängnis.

Als am Sonntag die verhafteten Rebellen durch Dublin von einem Gefängnis zu einem anderen eskortiert wurden, verspottete und buhte sie die Menge aus, vor allem in den armen Gegenden. Die Mehrheit der öffentlichen Meinung war gegen die Rebellen, wie es schon zuvor war, und das blieb so, bis die Repressalien begannen.

Auf direkten Befehl des Kabinetts in London, erfolgten Repressalien: schnell, geheim und brutal.
Die irischen Anführer wurden vor Kriegsgerichte gestellt und erschossen. Und erst wenn sie tot waren, wurden ihr Tod bekannt gemacht.
Darunter waren auch Willie Pearse, der kein Führer war und er wurde – wie man in Irland allgemein glaubte – nur deshalb getötet, weil er seinem berühmten Bruder gefolgt war. Der Invalide Plunkett viel dem ebenso zum Opfer, wie der unruhigsten aller irischen Geister, Connolly, welcher im Sterben lag und der in seinem Krankenzimmer im Bett aufgerichtet werden mußte, als ihn das dort zusammengekommene Kriegsgericht verurteilte. Er wurde auf einen Stuhl gebunden und erschossen, da er nicht stehen konnte.

Eine Welle der Empörung zog über Irland. Diese Welle ließ auch nicht nach, als der britische Premierminister Asquithn die Maßnahmen im House of Commons verteidigte. Und auch nicht, als er seine Fehler einsah und General Maxwell entließ.

Als London endlich zu verstehen begann, daß seine Methoden alle Irländer gegen Großbritannien vereinigen würden, gab es eine weitere Kehrtwende in der britischen Politik. Viele der dreitausend Männer, welche während und nach dem Osteraufstand verhaftet wurden, werden wieder aus den britischen Gefängnissen entlassen.
Sie kehrten nach Irland zurück und begannen sofort, eine neue und noch gefährlichere Organisation zu gründen: die IRA, welche nun auch noch von der Bevölkerung unterstützt wurde.

Ursprünglich sollten die Freilassungen eine Geste der Beschwichtigung des neuen Premierministers Lloyd George sein, welcher einen irischen Konvent einberief, um das ‘irische Problem’ zu lösen. Aber da der Sinn Fein den Konvent boykottierte, war dieser ein Totalausfall.

General Frenchs Siegesparade in Dublin

Britische Whippet-Panzer bei General Frenchs Siegesparade in Dublin 1919.

Wieder drehte sich die britische Politik in das Gegenteil, und die Führer der neuen Unabhängigkeitsbewegung wurden im Frühjahr 1918 verhaftet. Michael Collins entkam jedoch der Verhaftung, obwohl ein Kopfgeld ‘Lebend oder Tod’ ausgesetzt wurde, daß schließlich die Summe von 10.000 Britischen Pfund erreichte. Er wurde zum großen Guerillaführer in der nächsten Runde des Freiheitskampfes.
Die irischen Führer begannen mit viel finanzieller und moralischer Unterstützung von Iren aus den Vereinigten Staaten eine tragfähige provisorische Regierung zu bilden, welche die Regierungsgeschäfte von den Briten übernehmen konnte, wenn diese eingesehen hatten, daß sie in Irland nicht gewinnen konnten. Und wie es letztlich auch kam.

Sinn Fein triumphierte und gewann die meisten der irischen Sitze in der Wahl von 1918. Die gewählten Mitglieder hielten jedoch ihr eigenes ‘Parlament’ ab, genannt Dail Eireann, anstatt in Westminster zu sitzen.

Collins hatte eine neue Strategie des Widerstands. Zunächst passiv, dann Behinderung und schließlich aktiv. Genauso wird es noch an anderen Orten des britischen Imperialismus – und des Imperialismus anderer Staaten – ablaufen.
Im Januar 1919 wurden die ersten Schüsse der neuen Rebellion in County Tipperary abgefeuert.

Der Osteraufstand war ein vollständiger Fehlschlag. Und doch war er ein voller Erfolg. Nach der Osterwoche 1916 wurde die dauerhafte englische Herrschaft über Irland zu einem Ding der Unmöglichkeit. Eine Tragödie wurde zum Triumph. Andere Tragödien würden folgen.

Aber die Iren erreichten ihr Ziel, und zwar allein – Sinn Fein.


t_arrow2 Hier zu Teil II: Sinn Fein – David gegen Goliath

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