Wehrmacht Organisation und Generalstab

Die Organisation der Wehrmacht, des Generalstabes, des Dritten Reich und der NSDAP sowie Kräftebilanz des Großdeutschen Reich im Zweiten Weltkrieg.

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Organisation der Wehrmacht

Im März 1939 wurde die operative Führung der deutschen Streitkräfte unter dem Dach des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) vereinigt, deren Chef Generaloberst Keitel war. Die Leitung des Heeres unterlag dem Oberkommando des Heeres (OKH), welches ebenfalls über einen Generalstab verfügte. Während der Krise in der Schlacht um Moskau im Dezember 1941 übernahm Hitler auch persönlich dieses Oberkommando von dessen bisherigen Oberbefehlshaber von Brauchitsch und griff zunehmend in den Tagesablauf des Krieges – bis teilweise in die kleinsten Details – ein.

Spitzengliederung der wichtigsten Bereiche der Wehrmacht und im Dritten Reich

Spitzengliederung
Heer Luftwaffe Kriegsmarine Reichs-Ministerien Staatliche Funktionäre NSDAP
Führer (Reichs-kanzler, Reichs-präsident, Kriegs-minister und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht): Hitler
OKW (Wehrmacht): Hitler, General-stabschef: Keitel (Bild hinten), Chef des Operations-stabes: Jodl (Bild vorn), Chef Planungsamt: Warlimont, Chef Abwehr (Auslands- und Gegen-spionage): Canaris (bis Februar 1944)
OKH: von Brauchitsch (Bild links) bis Dezember 1941, Hitler OKL: Göring (Bild) bis April 1945, von Greim OKM: Raeder (erstes Bild) bis Januar 1943, Dönitz (zweites Bild) bis Mai 1945, von Friedeburg (drittes Bild) von Friedeburg Auswärtiges: von Ribbentrop bis Mai 1945, von Krosigk Inspektorat Straßen-system: Tod Kanzleramt: Hess (erstes Bild) bis Mai 1941, Bormann (zweites Bild)
Chef des Generalstab: Halder (erstes Bild) bis Sept. 1942, Zeitzler (im zweiten Bild rechts) bis Juli 1944, Guderian (drittes Bild) bis März 1945, Krebs Chef des Generalstab: Jeschonnek bis August 1943, Korten (Bild) bis Juli 1944, Kreipe bis Oktober 1944, Koller Inneres: Frick (erstes Bild) bis August 1943, Himmler (zweites Bild) DAF (Deutsche Arbeits-front): Ley Schatzmeister: Schwarz
Rüstung: Todt bis Februar 1942, Speer (Bild) Arbeits-einsatz (incl. Zwangs-arbeiter): Sauckel Partei-Organisation: Ley
Propaganda: Goebbels (Bild) bis Mai 1945, Naumann Vier-Jahres-Pläne: Göring Jugend: von Schirach (erstes Bild) bis August 1940, Axmann (zweites Bild)
Besetzte Ostgebiete: Rosenberg Presse: Dietrich bis März 1945, Ausland: Rosenberg (Bild)
SS: Himmler (erstes Bild), RSHA mit Gestapo, SD und Polizei: Heydrich (zweites Bild) bis Juni 1942, Kaltenbrunner (drittes Bild) Kaltenbrunner

Der Generalstab im Dritten Reich

Tag von Potsdam

Reichskanzler Hitler mit Vizekanzler von Papen und Wehrminister von Blomberg am ‘Tag von Potsdam’, der Reichstagseröffnung am 21. März 1933.

Die Beziehungen zwischen dem deutschen Generalstab zur Zeit des Dritten Reich von 1933 bis 1945 und Hitler sind äußerst komplex und widersprüchlich.
Nach einigen Meinungen verdankte Hitler seinen Aufstieg und die Machtergreifung im wesentlichen den deutschen Generalen und dem Generalstab, welche zynisch unter Schleicher hofften, ihn kontrollieren und auszunutzen zu können.
Auf der anderen Seite entstand der einzige, ernsthafte Widerstand gegen das Nazi-Regime aus Kreisen der deutschen Streitkräfte, dessen Höhepunkt das Stauffenberg-Attentat mit dem nachfolgenden Putschversuch am 20. Juli 1944 war.

Im deutschen Heer gab es die bedeutendste Opposition gegen Hitler und seine Pläne als in jedem anderen Teil der Gesellschaft. Der Generalstab war in erster Linie mit Hitler nur in der Frage der Aufhebung der Beschränkungen des Versailler Vertrages und der Wiederbewaffnung vereint, stand aber in fast allen Fragen der Militärpolitik und Strategie in ständiger Opposition zu ihm seit 1933.

Auf der anderen Seite haben in kritischen Momenten Generale wie Blomberg, Reichenau und Jodl die entscheidende Unterstützung für Hitler gegeben. Und der Generalstabsoffizier Kurt von Schleicher eröffnete, wenn auch unbeabsichtigt, Hitler erst den Weg zur Machtergreifung.

Nachdem Hitler von Hindenburg am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, setzte er Generalleutnant Werner von Blomberg zum Reichswehrminister ein. Blomberg wurde gleichzeitig zum General der Infanterie befördert und der ebenfalls den Nationalsozialisten zugetane Generalstabsoffizier Walther von Reichenau wurde zum Chef des Ministeramtes ernannt.

Es folgte der Reichstagsbrand, die Ausschaltung der Kommunistischen Partei und das Ermächtigungsgesetz, welches die Grundlage der zwölfjährigen Nazi-Herrschaft über Deutschland legte und Hitler den Titel ‘Führer’ einbrachte.
Anschließend wandte er sich der Reichswehr zu, um sich ihrer Treue und Unterstützung zu versichern. Dies war sehr erfolgreich, da die Mehrheit der Offiziere Hitlers öffentlich publizierte Ziele unterstützten, die Beschränkungen des Versailler Vertrages aufzuheben, obwohl sie weiterhin die Nazi-SA-Schlägertruppe und den ‘Gefreiten aus dem Weltkrieg’ verachteten. Dafür wurde er allerdings gerade von der Mehrzahl der jüngeren Offiziere im Leutnants- oder Hauptmanns-Rang umso mehr bewundert.

Hitler genehmigte einen Plan zur heimlichen Erweiterung der Reichswehr auf bis zu 21 Divisionen innerhalb von drei Jahren und als die ehemaligen Alliierten des Ersten Weltkriegs Deutschlands Forderung auf militärische Gleichberechtigung zurückwiesen, trat Deutschland am 14. Oktober 1933 aus dem Völkerbund aus.

Ludwig Beck

Ludwig Beck (1880-1944 hingerichtet), seit 1933 Chef des Truppenamtes und ab 1935 Chef des Generalstabs des Heeres.

Etwa zur gleichen Zeit wurden mit der Zustimmung von Hitler durch Blomberg zwei wichtige Personalentscheidungen gefällt. So wurden zum einen am 1. Oktober 1933 Generalleutnant Ludwig Beck zum neuen Chef des Truppenamtes ernannt. Das Truppenamt erfüllte bei der Reichswehr die Funktion der von den Alliierten nach dem Ersten Weltkrieg erzwungen Auflösung des großen Generalstabs.
Kurze Zeit später wurde zum Zweiten der noch ziemlich junge Oberst Friedrich Fritz Fromm im Alter von 45 Jahren zum Chef des neuen ‘Allgemeinen Heeresamt’ ernannt.
Beck und Fromm wurden zu denjenigen, welche die Entstehung der neuen Wehrmacht in den nächsten Jahren leiteten

Am 1. Februar 1934 wurde Generalleutnant Werner Freiherr von Fritsch neuer Chef der Heeresleitung, welcher ein brillanter und geistig gebildeter Generalstabsoffizier war. Allerdings hatte er keinen starken Charakter, was zu entschlossener Führung in Krisen notwendig gewesen wäre. Er unterstütze Hitlers Ziele der Wiederbewaffnung und dachte, die Generale hätten die Macht, Hitlers Herrschaft im Notfall ein Ende setzen zu können.
Auch war er hauptsächlich damit beschäftigt, zu verhindern, daß Röhm die Pläne verwirklichen konnte, Reichswehr und SA zu einer neuen, gemeinsamen Streitmacht zu vereinigen. Selbst den Nazis zugeneigte Spitzengenerale wie Blomberg und Reichenau konnten sich nicht vorstellen, in einer gemeinsamen Streitmacht mit den SA-Schlägertrupps und homosexuellen Genossen von Röhm zusammenzuarbeiten.

Hitler kannte dies ausgeprägte Gegnerschaft der Reichswehr zur SA und wollte es sich nicht mit den Generalen verderben und so beschloß er die SA zu opfern.
Es ist nicht bekannt, inwieweit die führenden deutschen Generale davon Kenntnis hatten, was geschehen würde. Sicher ist aber, daß Fritsch etwas ahnte, da er bereits am 25. Juni 1934 das Heer in Alarmzustand versetzte. Am 30. Juni begann das zweitägige Morden, dem neben Röhm auch der General von Schleicher und dessen Frau zum Opfer vielen. Die genaue Anzahl de Ermordeten ist nur schwer festzustellen, aber im Prozeß von 1957 gegen die SS-Mörder wurde von mehr als Eintausend Opfern ausgegangen.
Während der ganzen zwei Tage der amtlichen Vogelfreiheit blieben die alarmierten Truppen in den Kasernen und Reichswehrminister von Blomberg gratulierte dem Führer am 2. Juli in einem Tagesbefehl zu der Aktion. Nur der alte, kaiserliche Feldmarschall von Mackensen und der ehemalige Chef der Heeresleitung, General Hammerstein-Equord, protestierten offen, daß das Heer öffentlichen Massenmord duldete.

Am 2. August 1934 starb der schon kranke Reichspräsident von Hindenburg und am nächsten Tag ließ Blomberg alle Offiziere der Wehrmacht einen Treueid persönlich auf Hitler schwören, und nicht wie üblich, auf das Amt des Reichspräsidenten oder auf das Deutsche Reich.

Blomberg, Fritsch, Hitler (1935)

Chef der Heeresleitung Fritsch, Reichskriegsminister v. Blomberg und Hitler bei Manövern in Munsterlager 1935

Nun war die beginnende Wiederbewaffnung Deutschlands zum Fakt geworden und die Alliierten beließen es bei Protesten. Am 16. März 1935 kündigte Hitler die militärischen Beschränkungen des Versailler Vertrages auf und das Truppenamt wurde wieder zum deutschen Generalstab, mit Beck als Chef.
Das neue Heer sollte laut Hitler 550.000 Soldaten in 36 Divisionen umfassen. Dagegen hatte Beck jedoch bedenken und nahm an, daß dieses Ziel erst Anfang der 1940er Jahre erreicht werden könnte, da es nicht genügend ausgebildete Offiziere für ein so großes Heer aus Wehrpflichtigen geben würde und die Männer dann nur Kanonenfutter wären. Hitler schob diese Bedenken erstmals mit später immer öfter auftretenden Bemerkungen beiseite, daß es genügend Männer geben würde, diese nur bewaffnet werden müßten und durch ihren nationalsozialistischen und patriotischen Eifer von selbst gute Kämpfer werden würden.

1935 wurde auch die Kriegsakademie wieder eingerichtet und unter Oberst Hesse wurden erstmals die Feldzüge des Amerikanischen Bürgerkriegs 1861 bis 1865 ausgewertet. Besonders die ‘Blitz-Feldzüge’ von Stonwell Jackson und Ulysses Grant in dieser Zeit traten dabei hervor.

Die wichtigsten Grundsteine des neuen deutschen Heeres schuf jedoch der verkannte – und beim Stauffenberg-Putschversuch von 1944 in ein schlechtes Licht gerückte – Oberst Friedrich Fromm. Hinter Fritsch und Beck bekleidete er den wichtigsten Posten. Er zeigte außerordentliches Talent und Organisationsfähigkeit, da er für die Neuaufstellungen und Personalzugang des neuen Heeres verantwortlich war. Er verfügte nicht nur über eine außergewöhnliche Intelligenz, sondern hatte Fronterfahrung aus dem Weltkrieg und Truppenerfahrung im Frieden sowie bei den untersten bis zu den höchsten Stäben. Seine Erfahrungen aus dem Blutbad des Weltkriegs brachten ihn dazu, die überlieferten Methoden der Kriegsführung kritisch zu beachten und jede neue Idee in Betracht zu ziehen, welche einen Stellungskrieg verhindern würde.

Guderian hatte ebenfalls kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs noch die neue Kriegsakademie mit ihren ‘Blitzkrieg’-Theorien besucht. Guderian arbeitete eng mit Beck, Fromm und Oberst von Sodernstern zusammen und gemeinsam entwickelten sie die Spezifikationen für Panzer, leichte Artillerie, Paks, LKW, Waffenträger, Funkgeräte und sonstige Ausrüstung für die neue Panzertruppe.
Im Spätsommer 1935 war die erste Panzer-Division für Versuchszwecke einsatzbereit. Nach den ersten erfolgreichen Manövern wurde kurze Zeit später, am 15. Oktober 1935, die Aufstellung drei weiterer Panzer-Divisionen befohlen. Guderian, obwohl zu diesem Zeitpunkt nur Oberst, wurde zu einer ihrer Kommandeure.

Einmarsch deutscher Soldaten in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes

Einmarsch deutscher Soldaten in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes am 7. März 1936.

Am 7. März 1936 ließ Hitler deutsche Truppen in das Rheinland einmarschieren, gegen den Widerstand von Fritsch und Beck, welche die deutschen Streitkräfte für eine Auseinandersetzung mit Frankreich für zu schwach hielten. Doch Frankreich und Großbritannien protestierten nur und 13 zur Grenze geschickte französische Divisionen sollten diese nur sichern.
Hitler sagte später, diese 48 Stunden seien die nervenzerreißendsten seines Lebens gewesen, da er militärisch nur Bluffen konnte. Aber danach war für ihn klar, daß die psychologische Schwäche und Unentschlossenheit von Frankreich und Großbritannien die zahlenmäßige Überlegenheit ihrer Streitkräfte wertlos werden ließ.

Um seinen Triumph zu feiern, ernannte Hitler am 20. April 1936 Blomberg zum Feldmarschall und Fritsch zum Generalobersten, während Göring Generaloberst der nun offiziellen deutschen Luftwaffe und Raeder Generaladmiral der Kriegsmarine wurde.
Beck und andere Generale des Heeres hatten geplant, Hitler zu verhaften, wenn Frankreich eingeschritten wäre. Aber der vollständige Erfolg Hitlers beim Einmarsch in das Rheinland wurde nun überall in Deutschland bejubelt.

Hossbach-Protokoll

Das ‘Hoßbach-Protokoll’ vom 5. November 1937, in dem Hitler erstmals ankündigte, einen Krieg zu beginnen.

Am 5. November 1937 gab Hitler dann dem Reichsaußenminister Neurath, dem Reichskriegsminister Blomberg und den Befehlshabern der drei Wehrmachtsteile, Fritsch, Raeder und Göring, Pläne bekannt, die Grenzen des Deutschen Reichs dramatisch zu erweitern. Polen oder Russland wurden offensichtlich nicht erwähnt, jedoch Österreich und die Tschechoslowakei, um im ersten Schritt Deutschlands strategische Grenzen besser zu schützen. Später, etwa 1943 bis 1945, mußte nach Meinung Hitlers auch mit einem Einschreiten Frankreichs oder Englands gerechnet werden.
Nach dieser Ankündigung stellten sich Reichsaußenminister Neurath, Blomberg und Fisch nach einer Besprechung mit Beck gegen diese Pläne.

Blomberg verlor als erster sein Amt, da er eine Frau mit ‘fragwürdigen moralischen Ruf’ heiraten wollte, worauf ein Skandal folgte. Kurz danach wurde Reichsaußenminister Neurath durch Ribbentrop ersetzt. Frisch erwischte es noch schlimmer, als ihm Homosexualität unterstellt wurde und er aus dem Amt entfernt wurde. Manstein, als Freund von Blomberg und Fritsch und wohl fähigster deutscher Feldmarschall im Zweiten Weltkrieg, wurde zu einer Infanterie-Division in die Provinz versetzt.

Anschließend übernahm Hitler den Oberbefehl über die Wehrmacht persönlich und es gab auch keinen neuen Reichskriegsminister mehr. Diese Funktion übernahm praktisch General Wilhelm Keitel als Leiter der Wehrmachtsstab, und damit der Leiter des Stabs von Hitler.
Sobald diese Änderungen vollzogen worden waren, wurden konservative, hohe Generale aus der Wehrmacht entfernt, darunter auch zunächst von Leeb, von Kluge, von Weichs und von Witzleben. Deren Fähigkeiten wurden später aber noch gebraucht, und so mußte Hitler sie wieder zurückrufen.

Durch die Maßnahmen wurde die effektive Zusammenarbeit zwischen Generalstab und Heeresamt zerstört und Keitel war nicht in der Lage, die drei Teilstreitkräfte zu koordinieren und vermied es auch, Hitler mit derartigen Problemen zu belästigen.

Anschluss von Österreich

Der bejubelte Anschluss von Österreich.

Der Anschluß von Österreich 1938 wurde so erfolgreich von Hitler durchgeführt und von der Bevölkerung bejubelt, daß niemand mehr wagte, zu opponieren.

Münchener Konferenz

Münchener Konferenz am 29. September 1938. Von links: Chamberlain (England), Daladier (Frankreich), Hitler und Mussolini (Italien).

Erst mit der Zerschlagung der Tschechoslowakei, welche mit Gewalt erfolgen sollte, planten einige Militärs unter dem Einfluss von Beck, einen Staatsstreich, obwohl sie das Schicksal früherer Oppositionellen fürchteten. Der Widerstand erforderte aber das Vorausgehen von General von Brauchitsch als ranghöchster Offizier. Dieser erwies sich aber als neuer Oberbefehlshaber des Heeres mit noch größerer Führungsschwäche, als es zuvor Fritsch schon gewesen war.
Beck trat zurück, um von außerhalb der Streitkräfte einen Umsturz anzuführen. Brauchitsch weigerte sich jedoch, ebenfalls zurückzutreten und ihn zu unterstützen und dann durchkreuzten die Westmächte den Plan. In der Viermächte-Konferenz von München am 29. und 30. September 1938 akzeptierten Chamberlain und Daladier unter Vermittlung von Mussolini alle Forderungen Hitlers und der Krieg war vom Tisch.

Einmarsch der deutschen Truppen in Prag

Einmarsch der deutschen Truppen in Prag. Die Tschechen ballten die Fäuste.

Am 15. März 1939 marschierten dann deutsche Truppen ohne Widerstand der Tschechen oder eines deutschen Militärs in der Tschechoslowakei ein und die Westmächte erkannten endlich Hitlers wahren Charakter. Nun gab es Garantien für Polen und andere Länder von ihnen, aber Hitler kümmert dies nicht mehr viel. Innerhalb von 17 Monaten hatte er die ersten Schritte seines Eroberungsprogramms abgeschlossen, ohne einen einzigen Schuß abzugeben oder einen Mann zu verlieren.

Nachdem Beck am 18. August 1938 zurückgetreten war, wurde General der Artillerie, Franz Halder, zum deutsche Generalstabschef. Seine erste Aufgabe war die Planung des Polen-Feldzuges.
Schon bei der Rheinland-Besetzung hatte Halder mit einer Kriegserklärung durch die Westmächte gerechnet und daß dies in einer Katastrophe enden würde, und er war Mitglied der Gruppe zum Sturz von Hitler. Doch auch im Falle von Österreich und der Tschechoslowakei hatte es keinen Krieg gegeben, aber dennoch waren Halder und seine höheren Mitarbeiter überzeugt, daß es beim Angriff auf Polen zu einer Kriegserklärung durch Frankreich und Großbritannien kommen würde. Sie nahmen sogar im Gegensatz zu Hitler an, daß die Alliierten diesen mit voller Entschlossenheit führen würden und daß ein deutscher Sieg ziemlich unwahrscheinlich sei.

Aber sie hatten ihre Befehle, sie wussten, daß die Mehrzahl der Deutschen hinter Hitlers bisherigen Erfolgen stand und die Gelegenheiten erfolgreicher Staatsstreiche waren vorüber. So wurde der Plan für Fall Weiß, mit dem den Generalstab auszeichnenden hervorragenden Können entworfen, ebenso wie der Sprung nach Skandinavien, der Westfeldzug und der Balkanfeldzug. Halder bewieß hierbei, daß er der letzte große deutsche Generalstabschef war.

Der eigentliche Niedergang des deutschen Generalstabs begann erst im Dezember 1941, als Hitler den Oberbefehlshaber des Heeres, Brauchitsch, und die wichtigsten Oberbefehlshaber der Heeresgruppen und Armeen an der Ostfront ablösen ließ. Dabei übernahm er selbst auch noch den Posten des Oberbefehlshaber des Heeres.
Auch das Verhältnis zwischen Generalstabschef Halder und Hitler verschlechterte sich fortwährend. Im Sommer 1942 protestierte Halder energisch gegen gleichzeitig in drei Richtungen geplante Offensive in Süd-Rußland und gegen Leningrad. Es erschien ihm sinnlos, die sowieso zahlenmäßig unterlegenen deutschen Truppen für gleichzeitig in verschiedene Richtungen laufenden Offensiven zu zersplittern.
Als dann bis zum 25. September 1942 die Flanken des deutschen Vorstoßes auf Stalingrad und gegen den Kaukasus nahezu ungeschützt waren, protestierte Halder wiederum heftig. An diesem Tag konnte Hitler ihn und wohl auch die Lage nicht mehr ertragen und warf ihn kurz und brutal hinaus. Halder wurde durch Generalmajor Kurt Zeitzler ersetzt, dem aber die Brillanz seiner Vorgänger im deutschen Generalstab fehlte.

Stauffenberg

Claus Graf Schenk von Stauffenberg

Schließlich folgte nach mehreren vorausgegangenen und fehlgeschlagenen Versuchen noch am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler durch Oberst von Stauffenberg, dem sich auch viele der ehemaligen und zwischenzeitlich abgesetzten, hohen Militärs wie Beck u.a. anschlossen.
Eine entscheidende und ebenso tragische Rolle spielte hierbei Generaloberst Fromm, der fähige Befehlshaber des Ersatzheeres. Er wußte vom Putschversuch und die Verschwörer waren sich sicher, wenn Hitler erst einmal tot war, wäre er auf ihrer Seite. Fromm erkannte jedoch bald, daß Hitler nicht tot war und versuchte die Verschwörer festnehmen zu lassen und wurde von diesen weggeschlossen.
Nach dem Zusammenbruch des Putsches konnte Fromm entkommen und ordnete eigenmächtig die Hinrichtung der greifbaren Verschwörer an, um gefährliche Zeugen loszuwerden. Hitler bezweifelte jedoch, daß Fromm nichts von den Handlungen seiner Untergebenen – wie dessen Chef des Stabes Stauffenberg – gewußt haben sollte und diese nicht angezeigt hatte.
So wurde er verhaftet und schließlich doch noch im März 1945 hingerichtet, ohne der Geschichtsschreibung vom Widerstand am 20. Juli 1944 seinen womöglich wichtigen Einfluß als Oberbefehlshaber des in Deutschland befindlichen, zahlenmäßig starken Ersatzheeres den Stempel aufgedrückt zu haben.



Kräftebilanz der Wehrmacht

Es ist nicht sicher, welcher Prozentsatz einer jeden Altersgruppe der Wehrpflichtigen nun tatsächlich in die Wehrmacht einberufen wurden. Er wurde für Planungszwecke bei 75% festgesetzt, mußte jedoch im Verlauf des Krieges und bei Herabsetzung der Anforderungen höher geworden sein.
Von September 1939 bis April 1945 durchliefen 17.893.200 Mann Wehrmacht und Waffen-SS; wenn man einmal eine Bevölkerungsbasis von 90 Millionen voraussetzt (einschließlich Österreich, Sudetenland, Elsaß und Teile Polens), dann müssen etwa 3,6 Prozent der gesamten Bevölkerung jährlich die Wehrmacht durchlaufen haben. Zur Zeit ihrer Spitzenstärke 1943 machte der Anteil der Wehrmacht mehr als 10% dieser Basis aus.

Kräftebilanz der Wehrmacht (Zahlen in 1000 Mann)
Jahr: 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
Feldheer 2.741 3.650 3.800 4.000 4.250 4.000 3.800
Ersatzheer 996 900 1.200 1.800 2.300 2.510 1.500
Heer insg. 3.737 4.550 5.000 5.800 6.550 6.510 5.300
Luftwaffe 400 1.200 1.680 1.700 1.700 1.500 1.000
Kriegsmarine 50 250 404 580 780 810 700
Waffen-SS 35 50 150 230 450 600 830
Insgesamt 4.222 6.050 7.234 8.310 9.480 9.420 7.830
US Army (zum Vergleich) 5.575
gesamte US-Streitkräfte 11.484
Kräftebilanz des Großdeutschen Reich 1939-1944 (in Millionen)
Zeit (Ende Mai): 1939 1940 1941 1942 1943 1944 30.9.44
Zivile Arbeitskräfte:
Deutsche Männer 24,5 20,4 19,0 16,9 15,5 14,2 13,5
Deutsche Frauen 14,6 14,4 14,1 14,4 14,8 14,8 14,9
Deutsche insgesamt 39,1 34,8 33,1 31,3 30,3 29,0 28,4
Ausländer, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene 0,3 1,2 3,0 4,2 6,3 7,1 7,5
Wehrmacht:
insg. Einberufen 1,4 5,7 7,4 9,4 11,2 12,4 13,0
kommulierte Verluste 0 0,1 0,2 0,8 1,7 3,3 3,9
Aktivbestand 1,4 5,6 7,2 8,6 9,5 9,1 9,1
Gesamtzahl erfaßte Deutsche 40,5 40,5 40,5 40,7 41,5 41,4 41,4
Zivile Arbeitskräfte insg. 39,4 36,0 36,1 35,5 36,6 36,1 35,9
Gesamte aktive Kräfte 40,8 41,6 43,3 44,1 46,1 45,2 45,0

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