13-Norwegen 1942-1944

Wehrmachts-Bilder aus Norwegen im 2. Weltkrieg von 1942 bis 1944.

Bilder aus Norwegen zwischen 1942 und 1944. Die Fotos stammen aus der Besatzungszeit und von den Vorbereitungen der 214. Infanterie-Division zur Umgliederung als Eingreif-Reserve des OKW (Oberkommandos der Wehrmacht) seit Sommer 1943.

Noch eine interessante Anmerkung, welche dem Wehrmachtbefehlshaber Norwegen am 31.10.1943 vom OKW übermittelt wurde: ‘Es wird in steigendem Maße Klage über das zu enge Verhältnis der deutschen Wehrmachtsangehörigen zur Bevölkerung geführt, insbesondere die Zunahme der Anträge auf Heiratserlaubnis bzw entsprechende Scheidungsanträge. Zweckdienliche Gegenmaßnahmen werden vorgeschrieben.’

Zur Vergrößerung oder Dia-Show bitte auf eines der Fotos klicken.

 

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Die deutsche Besatzung in Nordeuropa

Im von Deutschland besetzten Europa begannen die Besatzer mit der Einrichtung eines neuen Verwaltungssystems, dessen Konturen nur während des laufenden Krieges errichtet werden konnten und welches zusammenbrach, als die deutschen Streitkräfte zurückgedrängt wurden.

dänische König beim Ausritt

Der dänische König beim Ausritt im deutsch-besetzten Kopenhagen.

In Nordeuropa blieben Dänemark und Norwegen von April 1940 bis zur Kapitulation im Mai 1945 unter deutscher Kontrolle. Im Falle Dänemarks kam die deutsche Invasion so schnell, dass es keinen Widerstand und keine Möglichkeit für die Regierung und insbesondere den König gab, zu fliehen. Angesichts der Duldung des Verwaltungsapparates war es für die Deutschen offensichtlich am einfachsten, das noch voll funktionsfähige Land nur unter Aufsicht zu führen, anstatt es direkt zu kontrollieren.
Es gab dann tatsächlich eine vorübergehende Übereinkunft zwischen den Einwohner und den Besatzer. Im Rahmen dieser stillschweigenden, aber wirksamen Regelung stellten die Deutschen hier nicht die Grenzziehung in Frage, welche sich aus der Friedensregelung von Versailles des Ersten Weltkriegs ergeben hatte, was viele unter der deutschen Minderheit in der betroffenen Region sehr bestürzte.

Andererseits stellten die Dänen nicht nur wichtige Militärstützpunkte für die deutsche Kriegsführung zur Verfügung, sondern lieferten auch erhebliche Mengen an Nahrungsmitteln, was etwa ein Zwölftel des gesamten Jahresbedarfs von Deutschland deckte, einschließlich aller sonstigen an das Reich angeschlossenen Gebiete.

 

Als aber der Krieg und die Besatzung weiter andauerten, wurden einige Dänen unruhig und erhebliche Veränderungen der Situation wurden von den Deutschen erzwungen. Im Oktober 1942 wechselte Adolf Hitler zu einem härteren Kurs und wies seinen neuen Militärbevollmächtigten an, dass Dänemark an Deutschland angeschlossen werden würde und ihre Monarchie und ihre demokratischen Institutionen nicht beibehalten werden können.
Eine Zeitlang wurden diese Absichten verschleiert, aber Eskapaden der dänischen Nazis führten den Dänen vor die Augen, was kommen wird. Im August 1943 riefen die Deutschen einen militärischen Notstand aus und die dänische Regierung wurde praktisch entfernt. Ironischerweise stimulierte dies eher den Widerstand als diesen erlahmen zu lassen. Dies zeigte sich bald darauf deutlich als die deutschen Aktionen, die dänischen Juden zusammenzutreiben, scheiterten, als die Dänen ihnen halfen, nach Schweden zu fliehen. Unterdrückung und Widerstand standen sich für den Rest des Krieges feindselig gegenüber und alle Hoffnungen der Deutschen, das ‘nordisch-germanische’ Volk Dänemarks in loyale Deutsche umzuwandeln, waren längst verschwunden. Gleichzeitig hatten die Dänen alle Illusionen, welche sie einst über die Ziele ihres mächtigen Nachbarn hatten, verloren.

Josef Terboven

Der Gauleiter von Essen, Josef Terboven, wird als Reichskommissar in Norwegen der Chef der Zivilverwaltung.

Die Situation im besetzten Norwegen war noch verwirrender, da es von Beginn an bei Unternehmen Weserübung zu erheblichen Kämpfe und einer Phase der Verhandlungen über die Möglichkeit einer Einigung zwischen Teilen der Regierung und Deutschland gab. Als diese scheiterten, wurde die Situation durch die Ernennung eines Reichskommissars, Josef Terboven, der Gauleiter von Essen war und auch blieb, weiter getrübt.
Als langjähriges Mitglied der NSDAP wollte Terboven Norwegen so führen, wie er es für richtig hielt. Dies tat er vorbehaltlich der wiederholt angekündigten Absicht Hitlers, Norwegen für immer zu einem Teil des Deutschen Reiches zu machen. Bei der Umsetzung seiner Politik wurde Terboven im Allgemeinen vom Wehrmachts-Befehlshaber Norwegen, General Nikolaus von Falkenhorst, unterstützt. Gelegentlich wurde dieser nur durch den Vertreter der deutschen Marine, Admiral Hermann Boehm, behindert und es kam auch häufig zu Problemen mit Vidkun Quisling, dem Führer der norwegischen Nazi-Partei.

Vidkun Quisling

Vidkun Quisling, der ‘Prototyp’ des Nazi-Kollaborateurs in Hitlers besetzten Europa. Von 1940-1945 war er norwegischer Ministerpräsident, nach dem er zuvor als ehemaliger Verteidigungsminister die norwegischen Abwehrmaßnahmen beim Unternehmen Weserübung untergraben hatte.

Obwohl Quisling bereit war, den Deutschen zu helfen, Norwegen zu erobern und dann Norweger für die Waffen-SS zu rekrutieren, wollte er das Land als eng an Deutschland angelehnter Verbündeter führen. Die deutschen Repressionen im Land standen unter dem Deckmantel des Kriegsbedarfs, was ihn und seine Anhänger vor den Augen der Norweger automatisch zu Verrätern machte.

Trotz der innerhalb oder ausserhalb der von den Deutschen im besetzten Norwegen geschaffenen Regierungsstruktur forderte er daher immer einen Friedensvertrag, den die Deutschen jedoch immer ablehnten. Hitler hatte nicht die Absicht, das Land jemals wieder in die Unabhängigkeit zu entlassen.
Bis April 1943 hatte sogar Quisling erkannt, dass er nur dazu benutzt wurde, die Annexion durch Deutschland zu erleichtern und war verbittert über diese Entwicklung. Wenn dies nun die Einstellung des Mannes war, der einst die Deutschen zur Besetzung des Landes ermutigt hatte, kann man sich leicht vorstellen, was der gewöhnliche patriotische Norweger darüber dachte.

Die Besetzung war für die Norweger eine unangenehme Zeit. Die Wehrmacht beschlagnahmte Häuser, Ladengeschäfte und anderes Eigentum, Schulen und verbreitete dabei überall Nazi-Symbole und Fahnen und deren Ideologien.
Obwohl den Soldaten befohlen wurde, sich gegenüber der Zivilbevölkerung in Norwegen korrekt zu verhalten, hatten sie doch die polizeiliche Befugnis zu Kontrollen und das Recht, Personen zu verhaften, die sie für verdächtig hielten.
Die ständig neuen Vorschriften, Gesetze und deutschen Ansprüche machten es den Norwegern daher schwer, sich in Sicherheit zu fühlen.

Den Norwegern war es nicht erlaubt, sich frei zu bewegen oder Patriotismus in irgendeiner Weise öffentlich zu zeigen. In diesen Jahren wurde das Singen der Nationalhymne und das hissen der norwegischen Flagge verboten.
Die Todesstrafe drohte für Vergehen, wie das Hören von alliierten Radiosendern, die neben propagandistisch auch als kulturell verwerflich erachtet wurden, oder für das Lesen einer der vielen illegalen oder in der Grauzone erscheinenden Zeitungen und Flugblätter.

Die städtischen Gebiete waren von der Besetzung am stärksten betroffen, da hier auch die Rationierung eingeführt wurde. Alles, von Lebensmitteln und Kleidung bis hin zu Spielzeug und Möbeln, wurde rationiert und war nur gegen Bezugsscheine zu erhalten.
Zucker, Kaffee und Mehl waren die ersten Produkte, welche rationiert wurden. Es folgten dann vor allem importierten Lebensmitteln und schließlich sogar Brot, Butter, Fleisch, Eier und Milchprodukte. Im Sommer 1942 wurden sogar Gemüse und Kartoffeln rationiert.

Norwegerinnen in Berlin

Bild aus einer Fotoserie aus ‘Signal’ über zwei junge norwegische Frauen, welche freiwillig nach Berlin zum Arbeiten gekommen sind und im Winter 1941/42 mit ihren Skiern in den Schnee wollen.

Jeder Haushalt erhielt ein Rationsbuch pro Familienmitglied, mit Bezugsscheinen, welche das Recht gaben, eine bestimmte Menge eines Lebensmittels zu kaufen. Um den Nahrungsmangel zu bekämpfen, wandten sich die Menschen dem zu, was sie schon immer getan hatten: sie fischten, jagten oder bewirtschafteten Felder und Äcker, wo sie nur konnten.
Der Anbau von Kartoffeln, schwedischen Rüben und Karotten wurde zu einer üblichen Gewohnheit für jeden, der einen kleinen Garten oder geeignetes Grundstück zur Verfügung hatte.
Die örtlichen Verwaltungen gingen sogar so weit, Kleingärten in Parks und abgelegene Felder an die Einwohner zu verteilen und so wurden auch mache schönen Blumenbeete und Parks in Kartoffelfelder verwandelt.

 

Der jedoch gefährlichste und bedrückenste Teil der Besatzungszeit mit dem immer heftiger tobenden Weltkrieg für die Norweger waren jedoch die alliierten Bombenangriffe. Schutzräume und Verdunkelungsvorschriften wurden auch zu ihrem Alltag.
Sowohl Anfangs das deutsche als auch anschließend zunehmend die alliierten Luftwaffen flogen umfangreiche Bombenangriffe, so dass viele Städte, Dörfer und Gemeinden völlig zerstört wurden. Tausende von Menschen wurden vertrieben, was sie zur Flucht in die Städte veranlasste und das dort ohnehin schon knappe Rationierungssystem und den verfügbaren Wohnraum weiter belastete.

Der Widerstand gegenüber den Deutschen wuchs langsam, aber stetig und wurde durch die rücksichtslosen Maßnahmen zu seiner Unterdrückung eher gefördert als gestoppt. Norwegen, eigentlich ein sehr armes Land mit nur rund 3 Millionen Einwohnern, konnte nicht viel zur deutschen Kriegswirtschaft beitragen, denn der wertvollste Teil seiner Wirtschaftskraft, seine große Handelsflotte, war geflohen, um den Krieg auf alliierter Seite fortzusetzen.
Die Deutschen nahmen, was sie konnten, und ließen die Norweger große Not erleiden, was nicht die beste Art war, sie davon zu überzeugen, dass sie als Nordländer eine Schicksalsgemeinschaft mit den Deutschen teilten.

Trotz der Härten der Besatzung kämpften viele norwegische Soldaten und Zivilisten weiter für ihre Freiheit. Hitlers erfolgreiche Invasion von Norwegen verursachte zwar Chaos und Tod, aber keine Niedergeschlagenheit. Schon fast unmittelbar nach den deutschen Landungen entstanden im ganzen Land Widerstandsbewegungen. Tausende von Männern und Frauen waren schließlich im Untergrund aktiv.
Viele dieser verdeckten Operationen waren so erfolgreich und geheim, dass auch enge Familienangehörige bis nach Kriegsende nichts von der Beteiligung des anderen wussten.

Die Aktivitäten der Widerstandsbewegungen waren vielfältig: Schreiben und Verteilen von Untergrund-Zeitungen, Schmuggeln von Menschen und Waren nach und von Schweden oder Großbritannien und sogar Sprengen von Schiffen, Zerstören von Eisenbahngleisen und Fabriken, um die deutschen Transport- und Versorgungswege zu unterbrechen.

Während Hitler offensichtlich daran dachte, sowohl in Dänemark als auch Norwegen in einer Art und Weise zu verfahren, wie er es mit dem Anschluß Österreichs durchgeführt hatte, hing ein solcher Plan aber ganz und gar von einem deutschen Sieg in dem Krieg ab. Die Menschen in den beiden nordischen Ländern würden davon keinen Vorteil haben, und alles, was sie von den Deutschen und ihren Kollaborateuren sahen, verstärkte diese Zurückhaltung nur.
Sie warteten auf die Befreiung durch eine deutsche Niederlage um dann zu dem unabhängigen, demokratischen und politischen Leben zurückzukehren, das sie vor dem Krieg geführt hatten.

Frauengruppe der 'Nasjonal Samling'

Eine Frauengruppe der ‘Nasjonal Samling’ auf dem Marsch durch Oslo.

Am 8. Mai 1945 gab die Regierung Dönitz nach Hitlers Selbstmord den Kampf auf und Norwegen war wieder ein freies Land. Rund 50.000 Norweger wurden nach dem Krieg des Verrats und der Kollaboration für schuldig befunden. Sie waren Mitglieder der norwegischen nationalsozialistischen Partei Nasjonal Samling (‘Nationale Sammlung’), die mit den Nazis sympathisierte und mit ihnen zusammenarbeitete. Fünfundzwanzig dieser Personen wurden wegen Verrats hingerichtet.
Dazu wurden etwa 40.000 norwegische Frauen, welche während der Besatzungszeit Beziehungen mit deutschen Soldaten hatten, was zu etwa 10.000 bis 12.000 Kindern führte, mit dem Spitznamen ‘Deutsche Mädchen’ und aus Vergeltungssucht angeklagt, weil sie das Land verraten hatten. Zu ihren Strafen gehörten die Entziehung von Bürgerrechten, die Inhaftierung oder die Ausweisung aus dem Land nach Deutschland, zusammen mit ihren Kindern.
Während des Zweiten Weltkriegs hatte Norwegen nur etwa 3 Millionen Einwohner, während selbst bei Kriegsende noch 400.000 Mann deutscher Truppen im Land standen.


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