M3 Lee, Grant


US-FlaggeMittlere US-Kampfpanzer M3 Lee und Grant im Zweiten Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

3D-Modell M3 Grant

3d-Modell M3 Grant.

M3 Lee, Grant
Typ: mittlerer US-Kampfpanzer.

Geschichte:

Die Geschwindigkeit, mit welcher der amerikanische mittlere Kampfpanzer M3 Lee oder Grant entworfen, entwickelt und in Produktion gebracht wurde, sucht seines gleichen in der Geschichte der Panzerkampfwagen. Entscheidend für den Bau in großen Stückzahlen war die Errichtung des Detroit Tank-Arsenals in Center Line in Michigan, welches ausschließlich für den Bau von mittleren Kampfpanzern geplant wurde.
Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg in Europa ausbrach, hatte das US Ordnance Department bereits Pläne für eine umfangreiche Panzerproduktion erstellt, welche von der Schwerindustrie hergestellt werden sollten. Und tatsächlich wurde der erste in Auftrag gegebene US-Panzer, der leichte M2A4, auch von einer dieser Firmen, der American Car&Foundry, produziert.

Die Ereignisse in Europa im Mai und Juni 1940, welche auch den Anlass zur Verabschiedung eines neuen US-Rüstungsprogramms gaben, hatten gezeigt, daß Kampfpanzer – und vor allem mittlere Panzer – in weit größerer Anzahl benötigt werden würden, als noch im Oktober des Vorjahres bei Beginn des Panzerbauprogrammes vorausgesehen. Tatsächlich wurden nun nach den Plänen der US Army nahezu 2.000 mittlere Kampfpanzer in den nächsten 18 Monaten benötigt, was den ursprünglichen Auftrag von 400 leichten Panzern dagegen als mickrig erscheinen ließ.

William S. Knudsen, der Vorsitzende von GMC, war Mitglied des nationalen Verteidigungsrates und zuständig für die Koordinierung der amerikanischen Industrie für Rüstungsproduktionen. Er erkannte, dass die Schwerindustrie, welche bisher langsam und vergleichsweise nur geringe Zahlen von Lokomotiven, Kränen u.ä. hergestellt hatte, nicht die notwendige Kapazität und Erfahrung besaß, Panzer in der nun seit Juni 1940 gewaltig angestiegenen Menge zu produzieren. Nach Knudsens Ansicht bestand zwischen dem Panzerbau und dem Automobilbau, mit Ausnahme der Herstellung der Panzerplatten, kein Unterschied und weshalb sollte nicht von Beginn an die Automobilindustrie statt der Schwerindustrie der Hauptproduzent von Panzern werden ? Dies würde bedeuten, dass alles von Grund auf unter einem Dach gemacht werden könnte.
Während das Ordnance Department auch nicht vollständig diesen Ansichten zustimmte, musste es jedoch einräumen, dass in Zukunft weitere Werke zur Panzerproduktion notwendig wären und das die Automobilmänner die notwendige Expertise für die Massenproduktion hätten.

M3 im Detroit Arsenal

Mittlere M3 Panzer werden im Detroit Arsenal im Juli 1941 gebaut.

Da es beim Panzerbau trotzdem einige Probleme gab, die in der Automobilindustrie nicht vorkamen, schlug Knudsen vor, dass zu diesem Zweck ein neues Panzerwerk von der Regierung in Detroit errichtet werden sollte, aber Chrysler den Aufbau und den Betrieb der Fertigungsanlage im Namen der US-Regierung betreiben würde. Das war der Beginn des Panzer-Arsenals von Warren in Michigan.
Am 15. August 1940 wurde der Vertrag mit Chrysler für einen ersten Auftrag über 1.000 mittlere Panzer vom Typ M2A1 unterzeichnet, welcher allerdings schon dreizehn Tage später zugunsten des neuen mittleren Kampfpanzers M3 mit der zusätzlich starr eingebauten 75-mm-Kanone storniert wurde. Der Bau der Panzerfabrik auf einem 46 Hektar großen Gelände begann im September 1940. Das Gebäude war 420 m lang und 150 m breit.

Pilotmodel M3

Das Pilotmodel des mittleren Pasnzer M3.

Gleichzeitig wurden im Rock Island-Arsenal die Arbeiten am Entwurf des mittleren M3-Kampfpanzers zusammen mit Ingenieuren von Chrysler durchgeführt, um die notwendigen Produktionsmaschinen entwerfen und bauen zu können. Die Arbeiten am M3 waren im März 1941 abgeschlossen und auch das riesige Fabrik-Gelände in Detroit war zu diesem Zeitpunkt fast fertig, sodass die ganze Operation in unter sechs Monaten abgeschlossen war.
Zwischenzeitlich beauftragte das Ordnance Department die zwei großen Schwermaschinenbau-Unternehmen American Locomotive und Baldwin Locomotive, 685 bzw. 533 mittlere Kampfpanzer M3 zu bauen. Während der gesamten Entwicklungsphase beriet sich das Rock Island Arsenal mit den Technikern und Konstrukteuren der Auftragnehmern und es gab auch informative Gespräche mit der britischen Panzer-Beschaffungs-Kommission, welche im Juni 1940 in den USA eingetroffen war, um Aufträge für amerikanische Panzer für die britische Armee zu erteilen. Dabei waren die Briten aufgrund ihrer aktuellen Kampferfahrungen in Europa und Nordafrika in der Lage, wertvolle Detailverbesserungen vorzuschlagen.

Die drei Auftragsfirmen bauten im April 1941 jeweils alle Vorserienmodelle vom M3 und im August lief die Produktion in allen drei Werken (American Lokomotive, Baldwin und das neue Detroit Panzer-Arsenal) auf vollen Touren.
Die Produktion des M3-Panzers und seiner verschiedenen Versionen wurde bis zum Dezember 1942 fortgesetzt. In dieser Zeit wurden insgesamt 6.258 M3 Panzer ausgeliefert.

Im August 1941 erhielten auch die Firmen Pressed Steel und Pullmann Aufträge zum Bau von 500 mittleren Kampfpanzern M3 durch die britische Beschaffungskommission.
Im Oktober 1941, als der neue mittlere Kampfpanzer M4 Sherman als Standardpanzer bestimmt wurde, erhielt der M3 die Klassifizierung ‘eingeschränkter Standard’ und wurde schließlich im April 1944 als veraltet erklärt.

Testfahrt mit dem M3

Testfahrt mit dem M3 in schwierigem Gelände.

Der mittlere Kampfpanzer M3 hatte ähnliche Abmessungen wie der ursprüngliche mittlere M2A1 und den gleichen Wright-Sternmotor mit Luftkühlung und Vergaserkraftstoff sowie vertikale Spiralaufhängungen. Die 75-mm M2-Kanone (M3 in späteren Modellen) hatte nur einen begrenzten Richtbereich in der rechten Ausbuchtung, während sich eine 37-mm-Kanone in einem voll drehbaren und nach links versetzten Turm befand.

Die maximale Panzerung belief sich auf 56 mm. Turm und Kanonen-Ausbuchtung wurden gegossen und der Rest des Rumpfes war vernietet, wobei allerdings Veränderungen bei nachfolgenden Varianten vorgenommen wurden.
Ursprünglich hatte der M3 Seitentüren und eine Kommandanten-Kuppel, aber auch hier gab es spätere Veränderungen.

Wichtigste Neuerung beim M3-Panzer war vor allem die Installation von Stabilisierungskreiseln, sowohl für die 75-mm als auch die 37-mm-Kanone, welche dem Fahrzeug auch das Feuern bei Fahrt mit einer bestimmten Treffergenauigkeit erlaubten. Die gleiche Ausrüstung wurde auch in die leichten M3 Stuart-Panzer ab Mitte 1941 eingebaut.

Der Turm konnte per Hand oder Kraftübertragung gedreht werden und es gab Zielperiskope für jeweils beide Kanonen. Das Gesamtgewicht des mittleren Kampfpanzers M3 belief sich auf rund 27,2 Tonnen.

M3 Grant
M3 Grant I

Der M3 Grant I war ein mittlerer Panzer M3 mit einem neuen Turm entsprechend britischer Anforderungen.

Nachdem die englische Armee einen Großteil ihrer Panzer nach der Evakuierung aus Dünkirchen eingebüßt hatte und die heimische Rüstungsindustrie nicht in der Lage war, die Ausfälle schnell zu ersetzen, wurde im Juni 1940 eine englische Panzer-Kommission in die Vereinigten Staaten entsendet. Im Oktober 1940 schloss diese Verträge mit den US-Firmen Baldwin, Lima und Pullman zur Herstellung des M3-Panzers für Großbritannien ab. Diese ursprünglich von Großbritannien in Auftrag gegebenen und auch bezahlten Panzer hatten einen neuen Gussturm nach englischen Anforderungen, sodass die Funkeinrichtung im hinteren Teil des Turmes untergebracht werden konnte, im Gegensatz zur ursprünglichen Anordnung im Rumpf. Dieser Turm war länger als der Original-Turm des M3 und hatte einen deutlichen Überhang nach hinten und zu den Seiten. Die Kommandanten-Kuppel wurde weggelassen und der neue Turm selbst war auch flacher, sodass sich die Silhouette des Fahrzeuges um mehr als 30 cm verringerte. Diese Version wurde von den Engländern als M3 Grant (nach Ulysses S. Grant, dem legendären Südstaaten-General aus dem US-Bürgerkrieg) bezeichnet und die 200 bestellten Panzer wurden Anfang 1942 alle zur 8. Armee nach Nordafrika verschifft.

Für die große Gazala-Schlacht am 27. Mai 1942 bildeten 167 M3 Grant Panzer den Hauptteil der Streitmacht der 4. Panzer-Brigade und gaben den Briten erstmals einen Panzer mit überlegener Feuerkraft gegenüber dem Deutschen Afrikakorps (DAK). Zum ersten Mal hatten die Engländer mit dem M3 Grant einen Panzer, mit dem sie die deutschen Panzer aus größerer Entfernung bekämpfen konnten und dazu noch die Fähigkeit mit der 75-mm-Kanone auch Sprenggranaten gegen feindliche Infanterie, Artillerie und vor allem die gefürchteten 8,8-cm-Flak Stellungen zu verschießen.


Neu und am meisten gesucht:



Der M3 Grant gab den englischen Panzermännern einen dringend benötigten Moralschub, der half die schweren Rückschläge, welche das DAK ihnen zufügte, aufzufangen und ließ das Pendel der qualitativen und quantitativen Überlegenheit langsam zugunsten der Briten auswandern. Dazu wurde es den Briten erspart eine ähnliche 75-mm-Mehrzweck-Kanone selbst entwickeln zu müssen. Zu diesem Zeitpunkt war der M3 Grant die wichtigste militärische Neuerung der britischen Armee.

M3 Lee
Waffen M3 Lee

Dieses Bild zeigt deutlich die Vielfalt der in drei Ebenen angeordneten Waffen des M3 Lee. Der Kommandant konnte aus der unabhängig schwenkbaren Kuppel sein MG einsetzen, während der Turmschütze mit der 37-mm-PAK Panzer oder mit dem koaxialen MG Infanterie bekämpfte. Aus der starren 75-mm-Kanone wurden Sprengladungen verschossen.

Am 11. März 1941 wurde das Lend-Lease-Abkommen ratifiziert, welches den Engländern und anderen amerikanischen Verbündeten US-Waffen aller Art verfügbar machte. Serien-M3-Panzer wurden dann auch an die englische Armee geliefert, welche diesen den Namen M3 Lee (nach Robert E. Lee, dem US-Bürgerkriegsgeneral) gab. Bis Juni 1942 waren weitere 250 mittlere M3 Lee Panzer in Ägypten angekommen und zur Zeit der Schlacht von El Alamein im Oktober 1942 hatten nahezu 600 M3 Grant und M3 Lee die britische 8. Armee erreicht.

 

Im Juni 1942 wurde auch ein amerikanisches Wartungszentrum in der Nähe von Kairo eingerichtet, wo Angehörige der US Army die britischen Panzermänner auf den M3 Grant und Lee und später den M4 Sherman einwiesen.
Eine geringe Anzahl von mittleren M3-Panzern wurde auch nach Großbritannien verschifft, wo sie zur Ausbildung und zum Umbau für Sonderaufgaben verwendet wurden, aber die Masse der britischen Panzer des Typs wurde im Nahen Osten eingesetzt.

Als der M4 Sherman die M3 Grant und Lee auf diesem Kriegsschauplatz ersetzt hatte, wurden die verbliebenen M3 Grant und M3 Lee Panzer nach Burma verschifft, wo sie die zuvor von den britischen Einheiten verwendeten veralteten Typen Matilda, Stuart und Valentine ersetzen. Einige gingen zu dieser Zeit auch an Australien.
Im April 1943 lief die M4-Produktion auf vollen Touren und der M3 Lee wurde schließlich am 16. März 1944 für veraltet erklärt.

Benutzer: Großbritannien, USA, Russland (Sowjetunion), Kanada, Australien (Angaben für alle Versionen).

button go Hier zum Nachfolger: Sherman-Panzer


Animation 3d-Modell M3 Grant

 


Spezifikationen M3 Grant

Spezifikationen:

M3 GrantSpezifikation
TypMittlerer Kampfpanzer
Antrieb Wright Continental R-975-EC2, luftgekühlter 9-Zylinder-Sternmotor mit 340 PS bei 2400 U/min
Getriebe?
Besatzung insgesamt6
Turm-Besatzung 3 (Lee mit 360°-Kommandanten-Kuppel)
Länge 5,64 m
Breite 2,72 m
Höhe 2,85 m (Lee 3,12 m)
Gewicht 27,24 t
Straßengeschwindigkeit42 km/h
Geländegeschwindigkeit26 km/h
Verbrauch/100 km?
Kraftstoffvorrat?
Straßen-Fahrbereich193 km
Gelände-Fahrbereich?
Kletterfähigkeit 0,60 m
Grabenüberschreitung 1,90 m
Watfähigkeit 1,02 m
Wendekreis?
Steigfähigkeit60 °

Panzerung:

M3 Lee ImmWinkel
Turm Vorn50?
Turm Seite50?
Turm Hinten50?
Turm Oben25?
Wanne Vorn50?
Wanne Seite38?
Wanne Hinten25-50?
Wanne Oben13?
M3 Grantmax. 37 mm (an einigen Stellen bis zu 57 mm), min. 12 mm?

Bewaffnung und Ausrüstung:

M3 GrantSpezifikation
Hauptbewaffnung 75-mm-Kanone M2
Schuss46
Schwenkbereich 15° nach links bzw rechts
Höhenbereich 0° bis + 20° (mit Stabilisierungskreisel)
Mündungsgeschwindigkeit APCBC633 m/s
Granatgewicht APCBC 6,5 kg
Maximale Schußweite ?
Sekundärbewaffnung 37-mm-Kanone M5 (mit Stabilisierungskreisel)
Schuss178
Schwenkbereich 360° (Motor oder manuell)
Höhenbereich -7° bis +60°
Mündungsgeschwindigkeit APC951 m/s
Granatgewicht APC 0,9 kg
Maximale Schußweite ?
Maschinengewehre ein 7,62-mm-MG M1919A4 koaxial zur 37-mm-Kanone, zwei 7,62-mm-MG im Bug (Lee dazu noch ein 7,62-mm-MG in der Kommandantenkuppel auf dem Turm), zusammen 9.200 Schuss
Funkgerät englische Funkausrüstung im Turm (Lee: US-Funkausrüstung im Rumpf)
Zieloptik Periskop-Zielfernrohre für beide Kanonen

Durchschlagskraft mm der Kanonen auf 30° Panzerplatte:

EntfernungAPCBC (75mm)APC (37mm)
100 mca. 70 mmca. 50 mm
500 m60 mm46 mm
1.000 m52 mm42 mm
1.500 m48 mm40 mm
2.000 m40 mm37 mm

Herstellung:

M3 Grant, M3 LeeAngaben
Produktionvon August 1941 bis Dezember 1942
ErsteinsatzFebruar 1942
Stückpreis 55.244 $ (M3 Lee) = ca. 116.100 Reichsmark
Stückzahl 6.258 (davon 200 als Grant I, 1.386 an Rußland geliefert plus 487 während der Transporte dorthin verloren)

Einsatzstatistik für alle M3 Grant und M3 Lee Versionen:

JahrBestandProduktionVerluste
vor 1939---
1939---
1940---
1941-6.258 (1941-42)-
1942167 (27.5. brit. 8. Armee)??
1943?-?
1944?-?
1945?-?
Insg.-6.258?

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  • Im Blickpunkt:

    • deutsche Infanterie marschiert nach Russland hinein Wehrmacht Kriegsgliederung Unternehmen Barbarossa

      Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht kurz nach Beginn des Unternehmens Barbarossa vom 27. Juni 1941 abends. Kriegsgliederung der deutschen Wehrmacht fünf Tage nach Beginn von Unternehmen Barbarossa. Der angegebene Panzerbestand in […]

    • La-5 Winter 1942/43 La-5

      Russisches Jagdflugzeug Lawotschkin La-5. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder. Lawotschkin La-5 Typ: russisches Jagdflugzeug. Geschichte Die hölzernen, mit einem Sternmotor angetriebenen Jagdflugzeuge des Typs La-5 vom Lawotschkin-Entwicklungsbüro spielten […]

    • US-Infanterie von XX. Korps, unterstützt von einem M10 Jagdpanzer, Leistungsfähigkeit an der Westfront

      Deutsche militärische Leistungsfähigkeit gegen die westlichen Alliierten an der Westfront 1944. hier zu Militärische Leistungsfähigkeit in Italien 1943/44 Wie Rommel zuvor prognostiziert hatte, wurden die folgenden drei Monate nach der […]

    • Österreich-ungarische Armee

      Die österreichisch-ungarische Armee im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918. Uniformen, Stärke, Organisation, Befehlshaber und Verluste. Österreich-Ungarn wurde von den Franzosen 1859 besiegt und 1866 von Preußen vernichtend geschlagen. Seitdem […]