Legionen Roms

Organisation, Gliederung und Bewaffnung römischer Armeen zur Zeit der Punischen Kriege.

Tribun, Signifer und Legat bzw Konsul

von links nach rechts: Tribun, Signifer und Legat bzw Konsul

Während der frühen römischen Geschichte bestand die römische Armee aus Bürger-Milizen, welche die Stadt im Kriege schützten und lokale Fürsten unterwerfen sollten. Diese Aufgebot nannte sich im Lateinischen ‘Legio’, was später den Legionen ihren Namen gab, und wurde nur in Zeiten der Gefahr einberufen und anschließend wieder aufgelöst. Die Männer waren vorwiegend Bauern und Händler und dienten für einige Wochen oder ein bis zwei Monate im Jahr. Sie stellten ihre eigenen Waffen, Rüstungen und Zubehör, wenn auch der Staat ihnen eine geringe Kompensation zahlte. Sie kämpften, weil sie römische Bürger waren und an der Sicherheit und Expansion des Staates interessiert waren.

Diese Miliz war aufgeteilt in Klassen nach dem Vermögen, und von 200 Zenturien (ca. 20.000 Mann) waren die ersten 18 reich genug um ein eigenes Pferd aufzubringen. Dies waren die ‘Equites’ oder Ritter, welche als Kavallerie dienten, während der Rest sich in fünf Klassen einteilte und die Infanterie stellte. Die Einteilung in Klassen nach Reichtum bedeutet, dass die reicheren Klassen besser bewaffnet und ausgerüstet waren, während die ärmeren Klassen schlecht ausgerüstet waren. Diese Klassifizierung bestimmte auch die jeweilige Rolle auf dem Schlachtfeld: Die ärmsten Klassen stellten die leichten Truppen, die anderen die schwere Infanterie, während die stärksten und am besten bewaffneten Männer die Frontlinie und Kavallerie bildeten.

Bis zur Eroberung Roms durch die Kelten im Jahre 390 vor Christi marschierte die Armee in Phalanx-Formationen auf. Diese schwere Niederlage und die Erfahrungen im späteren Kampf gegen die Samniten, ein Bergvolk in Mittelitalien, ließ diese schwerfällige Formation Vergangenheit werden. Etwa im Jahre 300 v.Chr. wurde die flexible Formation der unabhängigen Dreier-Linien eingeführt, jede eingeteilt in Manipel (Herkunft von ‘Eine Handvoll’) und auf der ursprünglichen Zenturie basierend, nun jedoch nur noch mit 70 bis 80 Mann.

Zur Zeit des Ausbruches des Ersten Punischen Krieges (265 v.Chr.) wurde ein neues Wehrsystem eingeführt auf der Grundlage der vier alten römischen Sippen und sechszehn ländlichen Sippen. Zu Beginn jedes Jahres, wenn die beiden römischen Konsule gewählt waren, war es ihre erste Aufgabe 24 Militär-Tribune zu bestimmen – sechs für jede der vier stehenden Legionen von Rom.

An einem bestimmten Tag hatten sich dann alle männlichen Mitglieder im Alter von 17 bis 46 Jahren der 20 römischen Sippen, welche ein Vermögen über 11.000 Assen hatten, auf dem Kapitol-Hügel zu versammeln, wo sie sich in Gruppen nach Größe und Alter aufzustellen hatten. Diese Männer hatten dann jeweils viermal vor den Tribunen der Legionen aufzumarschieren, wobei die Erfahrensten und Stärksten ausgewählt wurden. Anschließend hatten die Rekruten einen Eid zu schwören und wurden nach Bekanntgabe eines Zeitpunktes und Ortes zum Einrücken entlassen.

Männer im Alter von 47 bis 60 Jahren hatten in Kriegszeiten für Garnisonstruppen bereitzustehen, während die ärmeren Bevölkerungskreise, genannt Proletarii, keine Verpflichtung zum Kriegsdienst hatten. Jedoch kam es während der Punischen Kriege aufgrund der zeitweiligen Krisensituationen vor, dass auch diese Dienst taten.

Triarius, Hastatus oder Princeps, Veles

von links nach rechts: Triarius, Hastatus oder Princeps, Veles

Die Männer jeder Legion wurden aufgeteilt in vier Klassen unter Berücksichtigung ihres Alters und Erfahrung: TRIARII, bestehend aus den ältesten Männern mit der meisten Erfahrung oder Veteranen-Truppen (wenn Rom in einem ständigen Kriegszustand war, wie während der Punischen Kriege), welche die Reserve und das Rückrat bildeten. PRINCIPES und HASTITI, Männer im besten Kämpferalter, welche schon über eine gewisse Erfahrung verfügten, bildeten den Hauptteil der Legionäre. Letztlich blieben noch VELITES, leichte Truppen und Plänkler, welche aus den ärmsten und jüngsten Bürgern bestanden und nur geringe oder gar keine Kampferfahrung hatten.

Obwohl, theoretisch, die Legionäre sich selbst zu bewaffnen hatten, ging man während der Punischen Kriege dazu über die Ausrüstung vom Staat zu stellen. Hierdurch ergab sich eine einheitliche Uniformierung und Bewaffnung, welche für die taktischen Formationen unerlässlich war.

Die Legion war aufgeteilt in 10 Manipel von HASTITI, 10 Manipel von PRINCIPES und 10 Manipel von TRIARII. Ein Manipel bestand aus zwei Zenturien mit je 70 bis 80 Mann. Die HASTITI bildeten die Frontlinie, bewaffnet mit zwei PILUM (Wurfspeere), einem großen ovalen Schild und einem Kurzschwert (das berühmte GLADIUS kam erst nach der Eroberung Spaniens hundert Jahre später auf). Die PRINCIPES waren genauso ausgerüstet und bildeten die zweite Linie. Die VELITES kämpften als Plänkler mit Speeren vor der Schlachtlinie und gingen beim Zusammenstoß mit dem Gegner zu den TRIARII zurück, mit denen sie dann die Reserve bildeten.

Eine Legion hatte während der Punischen Kriege eine Stärke von etwa 4200 bis 4800 Mann. Zusätzlich hatte sie eine Kavallerie oder EQUITES aus zehn TURMAE mit je 30 Mann. Zumeist wurde jedoch eine römische Legion zusammen mit einer ‘Legion’ der verbündeten Städte eingesetzt, welche ähnlich zusammengestellt waren, sodass eine sogenannte DOPPEL-LEGION entstand.

Numidischer Reiter und römischer Equites

Numidischer Reiter und römischer Equites

Die ‘Stehende Armee’ Roms bestand in Friedenszeiten aus vier Legionen und Kavallerie – etwa 20.000 Mann. Ohne die Proletarii hatte Rom im Jahre 225 vor Christ etwa 250.000 Männer im wehrfähigen Alter. Selbst in den gefährlichsten und schwierigsten Zeiten des Zweiten Punischen Krieges wurden hiervon nicht mehr als 120.000 Mann in 25 Legionen mobilisiert.
Ursache hiervon war die politische Struktur Roms (Senat, gewählte Senatoren auf ein Jahr, demokratische Grundtendenzen), die oft genutzte Möglichkeit Proletarii zwar nicht für die Armee, sehr wohl aber für die große Flotte verwenden zu können, und die große Zahl der unterworfenen und verbündeten Städte in Italien.
Alleine die römischen Kolonien (gegründete Schwesterstädte Roms in Italien) konnten im Jahre 218 v.Chr. 80.000 Mann Infanterie und 5000 Reiter stellen, während die griechischen und italienischen Verbündeten in Süditalien weitere 250.000 Mann Infanterie und 26.000 Mann Kavallerie stellten. Dies ergab ein Wehrpotential von über 600.000 Soldaten, was selbst fürchterlichste Niederlagen gegen die Soldaten des Karthagers Hannibal ausgleichen konnte.

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