18-Kriegsgefangenschaft

Endkampf, Kriegsgefangenschaft und Dokumente.

Bilder vom Endkampf sowie Dokumente aus der Kriegsgefangenschaft und NS-Zeit.
In der letzten Kriegsphase in Deutschland bestand der Rest der 214.Infanterie-Division aus einem Bataillon, was zur Wiederaufstellung verwendet werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht mehr und die Soldaten wurden in die letzten Kämpfe der Heeresgruppe Mitte verwickelt.


Aufgehängter Major

Aufgehängter Major der Wehrmacht in Wien.

Ein in der letzten Kriegsphase, vor allem bei der Heeresgruppe Mitte unter Schörner, ein übliches Bild. Wer nicht sinnlos weiterkämpfen wollte oder als Versprengter der Fahnenflucht verdächtigt wurde, konnte sofort aufgehängt oder erschossen werden. Hier ein Major der Wehrmacht am 8.April 1945 (Archivfoto).

Polnische Soldaten im April 1945

Polnische Soldaten im April 1945 in Deutschland.

Polnische Soldaten im April 1945 in Deutschland (Archivfoto). Die polnische 2.Armee deckte die südliche Flanke der auf Berlin vorstoßenden russischen Armeen. Zwischen dem 25.April und 6.Mai 1945 griff die Heeresgruppe Mitte aus dem Raum Bautzen in Richtung Cottbus-Berlin die Flanke der polnischen Armee an und zwang diese vorübergehend nach Norden auszuweichen. In diesen letzten Kämpfen ist der Großvater des Autors am 30.April 1945 mit seiner Einheit in polnische Kriegsgefangenschaft geraten.

Seiner Beschreibung nach haben sich die polnischen Soldaten zumeist anständig gegenüber den deutschen Kriegsgefangenen verhalten.


NS-Abmahnung

NS-Abmahnung

Eine NS-Abmahnung vom November 1943 oder 1944 an die Großmutter des Autors in Frankfurt: Nach Durchsicht der Sammellisten musste ich leider feststellen, dass Sie den Sinn des Opfersonntages immer noch nicht begriffen haben. Der gezeichnete Betrag von 30 oder 50 Pfennigen ist kein Opfer, sondern nur ein lächerliches Trinkgeld. Ich erinnere nur an die Stalingradkämpfer, sowie die Väter, Söhne und Brüder die an der Front stehen und ihr Leben opfern für uns in der Heimat sowie für Deutschlands Zukunft. Aus diesem Grunde richte ich an Sie, Volksgenossen, diese Mahnung und hoffe, daß auch Sie sich der Volksgemeinschaft nicht ausschliessen und am Opfersonntag auch wirklich ein Opfer geben – denn es geht um Sein oder Nicht sein.
Heil Hitler, gez. Becker, Zellenleiter

Erläuterung des Autors:
Eine Abmahnung als Volksgenosse konnte man bei sogenannten Verstössen gegen die Volksgemeinschaft erhalten. Dazu zählten der Einkauf in jüdischen Geschäften, zu geringe Spendenbereitschaft, als Vermieter zu wenig Wohnraum zur Verfügung zu stellen u.s.w.

Im nationalsozialistischen Staat stand das Recht der Gemeinschaft über dem Recht des Individuums.

Verstieß man nach der Abmahnung ein weiteres mal gegen die Volksgemeinschaft, so wurde der Fall an die Gestapo (Geheime Staatspolizei) abgegeben und konnte mit Gefängnis bestraft werden.


Tagebuchseite

Tagebuchseite aus der Kriegsgefangenschaft

In polnischer Kriegsgefangenschaft’ nennt sich das nur schwer leserliche Tagebuch des Großvaters des Autors von 1945 bis 1947.
Hier ein Auszug vom 7. Mai 1946 aus Warschau, abends 10-11 Uhr: Alarm Garage – Werkstatt Explosion. Hatte den Abend Ohrenschmerzen. Machte ein Dampfbad und legte mich hin, habe dabei geschwitzt. Konnte nicht aufstehen. Als Hans(?) wegging und die Stube dunkel war, kam der Posten an mein Bett und gab mir FÜNF (5!) Kolbenstösse auf die Brust. Zeuge ist Josef Haldesheim.

Anmerkung des Autors: Die Geschichte, welches das Tagebuch erzählt, ist auch ein ständiger Ärger mit polnischen Posten oder SS-Soldaten, welche ihre Entdeckung und Auslieferung an die Russen befürchteten, was zu einer unabsehbaren Kriegsgefangenschaft in Sibirien oder der Hinrichtung geführt hätte.


Entlassungspapiere aus der Kriegsgefangenschaft:


Deutsche Kriegsgefangene in alliierten Händen nach Kriegsende

Deutsche Kriegsgefangene in einem britischen Lager

Deutsche Kriegsgefangene in einem britischen Lager.

Während des Zweiten Weltkriegs waren deutsche Soldaten in einem Großteil Europas, der Sowjetunion, Nordafrika und auf den Weltmeeren im Einsatz. Nachdem sich das Kriegsglück mit der verlorenen Schlacht um Moskau im Dezember 1941 gegen Deutschland gewendet hatte, gerieten mehr und mehr deutsche Soldaten und schließlich auch Zivilisten in alliierte Kriegsgefangenschaft.

Zur Zeit der deutschen Kapitulation, am 8. Mai 1945, standen etwa zwanzig Nationen im Kampf gegen Nazi-Deutschland, welche deutsche Kriegsgefangene hielten. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion hielten die überwiegende Mehrheit der elf Millionen Soldaten, die sich ergeben hatten oder im Rahmen der Gesamtkapitulation in alliierte Hände fielen.
Ungefähr 5 Millionen wurden fast umgehend freigelassen, aber die letzten Kriegsgefangenen in der Sowjetunion sollten erst 1956 zurückkehren.
Sowohl die westlichen Alliierten als auch die Sowjets begingen Verbrechen an den Kriegsgefangenen. Tausende von Kriegsgefangenen starben in amerikanischen Sammellagern und französischen Arbeitslagern. Kriegsgefangene in der Sowjetunion und in sowjetisch beherrschten Staaten, wie Polen oder Jugoslawien, traf es am schlimmsten.
Sie wurden für verschiedene, harte Zwangsarbeiten mit nur wenig Verpflegung eingesetzt, dazu oft noch im rauhen Klima Sibiriens. Dabei sind Hunderttausende vermutlich ums Leben gekommen. Neben der UdSSR überschreiten nur Polen und Jugoslawien die Zahl von über 50.000 umgekommenen, deutschen Kriegsgefangenen.

Gräueltaten zwischen 1945 und 1953

Die Bedingungen für die Kriegsgefangenen waren in den einzelnen Staaten unterschiedlich. Gegen Kriegsende versuchten Millionen von deutschen Wehrmachtsangehörigen sich nach Westen abzusetzen, in der Hoffnung, sich den Amerikanern oder Briten und nicht der Roten Armee ergeben zu müssen.
Da die Sowjetunion niemals die Genfer Konvention unterzeichnet hatte, unterlagen deutsche Kriegsgefangene dort nicht den Kriegsgesetzen (wie übrigens umgekehrt auch). Die Regelungen der Konvention verboten übermäßig harte Zwangsarbeit und legte eine Mindestzahl von Kalorien pro Tag und Mann fest.
Auch die Amerikaner hebelten die Regelung für Kriegsgefangene vorübergehend aus, da sie nach der Kapitulation gefangen genommene deutsche Soldaten als ‘demobilisierte Truppen’ bezeichneten und nur mangelhaft versorgten.

In der Sowjetunion wurden die Gefangenen zum Wiederaufbau des durch den Krieg zerstörten Landes eingesetzt. Viele wurden in die Holzfällerlager in Sibirien oder in den Bergbau im Ural geschickt. Das Lagerleben war im Allgemeinen hart. Ein junger Kriegsgefangener erinnerte sich daran, dass er täglich ‘brutalen Angriffen, Hunger, Krankheit und Kälte ausgesetzt war’. Erst 1948 verbesserte sich die Lage.

Der deutsche Vernichtungskrieg hatte in Russland derartige Verwüstungen angerichtet, daß die sowjetische Propagandamaschinerie kaum Schwierigkeiten hatte, Hass auf die Deutschen zu schüren. Viele der Kriegsgefangenen, die in Gefangenschaft starben, waren mit ziemlicher Sicherheit Opfer von Racheakten, aber deren genaue Zahl kann nicht ohne weiteres ermittelt werden. Es ist jedoch eindeutig, dass die meisten Todesfälle nicht das Ergebnis irgend einer offizieller Politik waren.
Die meisten deutschen Kriegsgefangenen scheinen vor 1945 aufgrund ihrer schlechten Verfassung gestorben zu sein, in der sie in die Kriegsgefangenschaft geraten waren, z.B. nach den monatelangen Kämpfen um Stalingrad.

Viele andere starben an Überarbeitung und weil die Sowjets den Kriegsgefangenen nicht genügend Versorgungsgüter zuteilten, da dies die Kriegsanstrengungen beeinträchtigt hätte. Nach dem Krieg wurden die verfügbaren sowjetischen Ressourcen wiederum ihrer eigenen Bevölkerung zugeteilt und die schlechten Nachkriegsernten verschlimmerte noch zusätzlich die Lage der Kriegsgefangenen.
Bis 1947 war die häufigste Todesursache Dystrophie, eine Krankheit, die durch Unterernährung verursacht wurde. Darüber hinaus kam es bei Kriegsgefangene häufig vor, daß sie sich selbst schadeten, wie z.B. durch Hungerstreik oder die Aufnahme ungesunder Substanzen, um so Erleichterungen bei der Arbeit zu erhalten oder früher nach Deutschland geschickt zu werden. Die daraus resultierenden Todesfälle können ebenfalls nicht festgestellt werden.

Trotz allem waren die deutschen Kriegsgefangenen für die Russen von Nutzen, insbesondere nach den eigenen, hohen Personalverlusten während des Krieges. Sie sollten arbeiten, um das Land wieder aufzubauen.

Wehrmachtsangehörige als Kriegsgefangene der US-Armee

Wehrmachtsangehörige als Kriegsgefangene der US-Armee im Sommer 1945.

Jedoch waren die Russen nicht alleine für die schlechte Behandlung deutscher Kriegsgefangener verantwortlich. Schätzungsweise 40.000 ehemalige Wehrmachtsangehörige starben als ‘demobilisierte Truppen’ zwischen Mai und Juli 1945 in amerikanischen Sammellagern aufgrund von Vernachlässigung und Hunger.
Weitere 20.000 starben während des Wiederaufbaus des vom Krieg verwüsteten Frankreichs, wo sie oft für gefährliche Aufgaben, wie der Räumung von Minenfeldern, eingesetzt wurden.

Es handelte sich auch hierbei weniger um den bewußten Versuch, Menschen umzubringen. Anfangs standen natürlich Hass und Strafaktionen im Vordergrund, aber vieles hängt mit der schwierigen Situation der unmittelbaren Nachkriegszeit zusammen, wo es nur wenig, kalorienarme Nahrung, dafür aber viel Vernachlässigung und Überarbeitung gab, was zu vielen Todesopfern führte.
Trotzdem liegt die Verantwortung dafür bei den Nationen, welche derartige Lager und Einrichtungen betrieben haben.

Todesopfer

Es ist schwierig, die genaue Zahl der verstorbenen Kriegsgefangenen zu ermitteln und ob sie vor oder nach 1945 starben. Dies hängt mit den chaotischen Zuständen der unmittelbaren Nachkriegszeit und dem Unterschied zwischen offiziellen Todeszahlen und der Zahl der Vermissten zusammen.

Die geschätzten Zahlen sind am genauesten für die Todesfälle der Kriegsgefangenen außerhalb der Sowjetunion. Es werden 80.000 umgekommene deutsche Kriegsgefangene in Jugoslawien geschätzt. Fast 10.000 starben in polnischen Minen und Lagern.
Von den Kriegsgefangenen unter amerikanischer, britischer, französischer, belgischer, luxemburgischer und niederländischer Kontrolle sind es 63.815.
Auch muß darauf hingewiesen werden, daß die Amerikaner 1,75 Millionen Kriegsgefangenen an die Franzosen, Briten und Belgier überstellt haben, um Wiederaufbauarbeiten durchzuführen. 300.000 von ihnen mußten lange in belgischen Gruben arbeiten.

Diese Zahlen lassen sich aufschlüsseln in etwa 40.000 Tote unter amerikanischer und 1.254 unter britischer Verantwortung in Lagern in Deutschland. Dazu in Frankreich auf 21.886, in Belgien 450, in Holland 210 und in Luxemburg 15 tote Kriegsgefangene.
Trotzdem werden etwa 100.000 deutsche Soldaten im Westen noch vermisst, wobei es aber viele Überschneidungen zwischen ‘fehlenden’ Kriegsgefangenen und den ‘bestätigten’ Toten aufgrund unzuverlässiger Daten gibt.

Die offiziellen sowjetischen Zahlen geben an, dass 350.000 bis 400.000 deutsche Kriegsgefangene in Gefangenschaft umkamen, was aber viel zu niedrig sein dürfte. Es wird im allgemeinen angenommen, daß etwa 1,1 Millionen deutsche Kriegsgefangene in sowjetischer Gefangenschaft umkamen. Dies ist etwa ein Drittel aller deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion.
Während die Sterblichkeit im Jahr 1945 bei etwa 14,5% lag, war sie bis 1947 auf 1,7% gesunken. Da 1945 etwa 3 Millionen deutsche Kriegsgefangene unter sowjetischer Kontrolle standen, müssen nach 1945 noch mehr als 400.000 in sowjetischen Lagern gestorben sein, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Russen ein Interesse daran hatten, ihre Arbeitskraft noch weiter zu nutzen.
Insgesamt dürften unter Berücksichtigung der Vermisstenzahlen bis 1955 etwa mindestens 700.000 – aber womöglich auch bis über eine Million – der über 3 Millionen deutschen Soldaten, welche von der Roten Armee von 1941 bis 1945 gefangen genommen wurden, ums Leben gekommen sein.

Die Rückkehr der Kriegsgefangenen

entlassene Kriegsgefangene 1946

Von den Russen im August 1946 entlassene, mehrjährige Kriegsgefangene, bei ihrer Ankunft in Frankfurt an der Oder. Ende 1946 gab es trotzdem noch knapp 2 Millionen in der Sowjetunion.

In der westlichen Besatzungszone engagierten sich deutsche Politiker im gesamten politischen Spektrum und die große Mehrheit der Bevölkerung für die Freilassung der Kriegsgefangenen und drängten darauf bei den Alliierten. Da die Amerikaner und Briten deutsche Verbündete für ihrer aufkommenden Konfrontation mit der Sowjetunion benötigten, hatten sie dort recht schnelle Erfolge.

Bis zu Stalins Tod im Jahr 1953 war das westdeutsche Verhältnis zur Sowjetunion schwierig und die Russen weigerten sich, über die Frage der Kriegsgefangenen zu Reden. Aber arbeitsunfähige Gefangene wurden vor allem nach Ost-Deutschland abgeschoben.
Bis Ende 1948 befanden sich noch etwa eine halbe Million lebender, deutscher Kriegsgefangene in der Sowjetunion und bis 1950 waren es weniger als 100.000.

Es dauerte bis 1953 und dann 1956, bis die letzten überlebenden Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion zurückkehrten. Ausschlaggebend war der Tod Stalins 1953 und Moskaus Wunsch, die Zahl der ausländischen Gefangenen – darunter auch viele Japaner – im Land zu reduzieren. Darüber hinaus wollten sie der Regierung in Ostdeutschland nach dem Aufstand im Juni 1953 einen Erfolg zuspielen, indem sie Ost-Berlin die Erfolge bei der Rückführungen zu schrieben.

Ankunft Kriegsgefangene 1955

Nach zehnjähriger Zwangsarbeit treffen am 13. Dezember 1955 ehemalige Kriegsgefangene an der Grenzstation Herleshausen in der BRD ein.

Die Russen ließen im Jahr 1953 10.200 Kriegsgefangene frei. Die verbleibenden 9.262 waren hauptsächlich wegen Kriegsverbrechen angeklagt und zu langwierigen Haftstrafen verurteilt, die zum Teil bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts andauerten.
Aber die Sowjets wollten diplomatische Beziehungen mit Westdeutschland aufnehmen, was den Status quo in Osteuropa sicherstellen würde, da dadurch Deutschland in Ost und West praktisch geteilt bleiben würde.
Angesichts der Wichtigkeit der Frage der Kriegsgefangenen in Westdeutschland flog Bundeskanzler Konrad Adenauer 1955 nach Moskau und teilte Chruschtschow mit, dass die Kriegsgefangenen vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen freigelassen werden müßten. Dies erlaubte die Rückkehr der letzten Gefangenen nach Ost- und Westdeutschland.


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