Japanisches Heer 1939-1940

Stärke und Organisation der kaiserlich-japanischen Armee zu Beginn des 2. Weltkrieg

japanische Soldaten beim Überqueren einer Pontoon-Brücke in China

Schwer beladene japanische Soldaten beim Überqueren einer Pontoon-Brücke in China. Sie tragen M98 Felddienst-Uniformen und 6,5mm Ariska-Gewehre. Die enormen Entfernungen, welche die Kriegsführung in China erforderte, waren nur schwer zu bewältigen, insbesondere für eine so unmechanisierte Armee wie die Japans. Nachschub und Logistik waren ein ständiges Problem.

Die japanische Armee war ein Spiegelbild der japanischen Gesellschaft vor 1945. Dieses enthielt eine eigentümliche Mischung aus mittelalterlichen Traditionen und modernen Ansichten. Für die Armee bedeutete dies, daß sie immer noch dem Bushido-Code folgte, welcher die Tugenden des Kampfes Mann gegen Mann im Maschinenzeitalter lehrte und von japanischen Soldaten erwartete, daß sie eher sterben sollten als sich zu ergeben.
Der politische Einfluß der Armee hatte sich im wesentlichen zwischen den beiden Weltkriegen vergrößert. Die Armee sah die Zukunft von Japan in China. Japan sollte sich die immensen Resourcen des asiatischen Festlandes durch die Schaffung eines kontinentales Reichs sichern. Die Armee betrachtete von daher Russland als den gefährlichsten Feind Japans – eine Macht, welche traditionell starke Interessen in Nord-China hatte.
Die Marine jedoch sah den Pazifischen Ozean, vor allem jedoch das reiche Malaya und Niederländisch-Ostindien, als Beute an, mit dessen Ressourcen das Bestehen Japans als Großmacht gesichert werden könnte. Die Marine sah daher die weltweit stärksten Seemächte, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, als die größten Todfeinde Japans.
Es war also kein Zufall, daß diese nicht vereinbaren Ansichten der zwei Teilstreitkräfte die japanische Strategie entweder ausschließlich zugunsten der Armee oder der Marine entscheiden würden. Bis 1941 hatte der Weg der Armee größtenteils Japans Strategie bestimmt.

Japan besetzte 1931 die Mandschurei und 1934 die Provinz Jehol. Drei Jahre später befand sich die Armee in einem niemals erklärten, umfassenden Krieg gegen China. Die Japaner zielten darauf ab, die chinesische Armee im Felde zu vernichten und das Land schnell in die Knie zu zwingen, um die gewaltige Aufgabe zu vermeiden, die enormen Flächen Chinas erobern und besetzen zu müssen. Jedoch scheiterten die japanischen Generale an dieser Aufgabe. Die chinesische Armee war standfester als angenommen und blieb intakt, sodaß Japan ständig gezwungen war, starke Kräfte auf dem chinesischen Festland einzusetzen – ein Faktor der für seine Strategie im 2. Weltkrieg hemmend war.

Die Friedensstärke der japanischen Armee belief sich auf 17 Divisionen.
Bis 1940 hatte die Armee 2 Divisionen in Japan und Korea, 12 in der Mandschurei und 27 in China (insgesamt 41 Divisionen).

Die eigentliche Armee der Mandschurei hatte im Jahre 1939 zusätzlich eine Stärke von etwa 75.000 Mann in Infanterie- und Kavallerie-Einheiten.


Japanische Kampfverbände 1939

Grundsätzliche japanische Kampfverbände
Infanterie Division Panzer Division Amphibische Brigade (Armee) Marine-Landungs-Verband
Verbände insgesamt 40 1 ? ?
Infanterie Regimenter 3 (ca. je 2.500 Offiziere und Mannschaften) 1 Brigade (3.800 Offiziere und Mannschaften) 3 Bataillone mit 3.200 Offizieren und Mannschaften 2.000 Offiziere und Mannschaften
Kavallerie Regimenter 1 (950 Offiziere und Mannschaften) - -
Gesamtstärke ? 10.500 4.000 ca. 3.500
Maschinengewehre 120 (nur alleine in den MG-Kompanien) +? ? ? ?
Haubitzen und Feldgeschütze 66 (48 x 75mm, 18 x 70mm + unabhängige Artillerie-Kompanien zugeteilt) 12 (8 x 105mm, 4 x 155mm) ? 8 (4 x 76,2mm, 2 x 75mm, 2 x 70mm)
Panzerabwehrkanonen 18 (37mm) 18 (47mm) ? ?
Flugabwehrkanonen ? 20 (4 x 75mm 16 x 20mm) ? ?
Panzer 10-17 (leichte Tanketten) 270
Fahrzeuge ca. 300 1.580

Japanische Heeres-Luftwaffe

Es gab keine unabhängige japanische Luftwaffe. Die Armee und die Marine hatten jeweils ihre eigenen Flieger-Verbände. Beide wurden nominell durch den Kaiser kommandiert. Die tatsächliche Kontrolle wurde jedoch dem Generalstab, den Ministerien der Armee und Marine und dem Generalinspekteur der Luftfahrt übertragen.
Die Aufgabe der Heeres-Luftwaffe war die Unterstützung der Armee und das Abfangen feindlicher Luftangriffe. Es wurde nicht erwartet, daß sie eigenständige strategische Angriffe flog, wie es zum Beispiel bei der englischen RAF der Fall war.
Die Luftwaffe der Armee war relativ klein bei Beginn des Zweiten Weltkrieges und Japans hervorragend ausgebildete Piloten waren bald gefallen. Dem Ersatz fehlten die fliegerischen Fähigkeiten es mit der wachsenden technischen und zahlenmäßigen Überlegenheit der Amerikaner aufzunehmen. Zum Teil als Reaktion auf diese Mängel wurden Kamikaze-Einsätze eingeführt. Ein Kamikaze-Flugzeug war eigentlich nicht mehr als eine fliegende Bombe, in dem ein Pilot saß, der das Flugzeug auf sein Ziel stürzte. Zuerst verwendet während der Schlacht im Leyte Golf, verursachten diese Flugzeuge zu Beginn einige Bestürzung bei den US-Streitkräften, aber ihre Wirkung war insgesamt zu gering, um den endgültigen Ausgang des Konfliktes zu beeinflußen.

Die Luftwaffe der Armee war in fünf Luftarmeen organisiert, mit eindeutig festgelegten Operationszonen. Die Koordination zwischen der Armee und der Luftwaffe wurde erreicht, indem die Luftstreitkräfte in jedem Operationsgebiet immer dem jeweiligen Oberbefehlshaber dieses Bereiches unterstellt wurden.

Die größte taktische Einheit war die Luft-Division, zwei oder mehr davon bildeten eine Luft-Armee. Darunter war die Luft-Brigade, wobei zwei Brigaden eine Luft-Division bildeten. Die Zusammensetzung der Brigade war unterschiedlich. Ihr Hauptquartier war klein und befaßte sich vor allem mit der taktischen Planung. Die Brigade bestand in der Regel aus drei oder vier Luft-Regimenter, wobei jedes Regiment mit der gleichen Kategorie von Flugzeugen (Jäger, leichte oder mittlere Bomber) ausgestattet war und in drei oder vier Kompanien unterteilt war. Die Kompanie war die wichtigste operative Einheit und bestand in der Regel aus neun Flugzeugen, unterteilt in drei Abteilungen zu jeweils drei Flugzeugen.

Die Gesamtstärke der japanischen Luftstreitkräfte der Armee im Jahre 1940 bestanden aus 36 Jäger- (324 Flugzeuge), 28 leichten (252 Flugzeuge) und 22 mittleren Bomber- (198 Flugzeuge) sowie 29 Aufklärungs-Kompanien (261 Flugzeuge) mit 33.000 Offizieren und Mannschaften.

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