Griechische Streitkräfte 1940-41

flag-greeceStärke und Organisation der Streitkräfte von Griechenland 1940-1941.

Griechische Soldaten 1940/41

Griechische Soldaten (v.l.n.r.): Unterfeldwebel (1940) mit britischen Mk I Stahlhelm, Leutnant (1941), Generalleutnant (1941), Schütze der Evzones (1941)

Von 1938 bis zum deutschen Angriff 1941 war Griechenland eine konstitutionelle Monarchie unter König Georg II., aber die tatsächliche Macht lag in den Händen des faschistischen Diktators General Metaxas.
Die griechischen Streitkräfte litten – wie übrigens auch die der meisten der kleineren Nationen – an einem Mangel an modernen Waffen und Kraftfahrzeugen. Allerdings war die gebirgige Grenze zu Albanien ideal für jeden Abwehrkampf und die traditionelle Zähigkeit der Griechen war zu viel für die italienischen Angreifer.

Die zu Beginn des italienischen Angriffs am 28. Oktober 1940 zahlenmäßig unterlegene griechische Armee war nicht nur in der Lage diesen aufzuhalten, sondern konnte die Invasoren sogar bis nach Albanien hinein zurückdrängen, wo sie mit englischer Materialhilfe und Unterstützung durch die RAF die Front bis April 1941 halten konnte.
Am 6. April 1941 erfolgte jedoch der deutsche Angriff von Bulgarien und über Jugoslawien aus, und dieser Offensive von der besten Armee in Europa konnte die griechische Armee nicht mehr standhalten. Trotz erbitterten Widerstandes zwang die Wehrmacht die griechische Armee in Ost-Mazedonien zur Kapitulation und die Briten zum Rückzug. Am 20. April kapitulierte auch die griechische Epirus-Armee und am 22. April begannen die verbliebenen britischen Einheiten mit der Evakuierung von Griechenland.

Der Oberbefehlshaber über dei griechischen Streitkräfte hatte General Papagos und die direkte Operationsführung der Armee wurde von einem Oberkommando und fünf Armeekorps ausgeübt.

Kurz vor dem italienischen Angriff am 28. Oktober 1940 mobilisierten die Griechen ihre Streitkräfte. Das Feldheer war in zwei Heeresgruppen, sechs Hauptquartiere, sechs Infanterie- und 9 Gebirgsjäger-Divisionen, vier Gebirgsjäger-Brigaden und eine Kavallerie-Division gegliedert.

Bei Kriegsbeginn zählte die griechische Armee 430.000 Mann, jedoch waren die Verluste schwer und rund 60.000 Mann waren nach den Winterkämpfen gefallen, verwundet oder vermisst.


Griechische Armee

Divisionen der griechischen Armee
Gebirgsjäger Infanterie Motorisierte Infanterie Kavallerie
Anzahl der Verbände 14 5 + 1 Brigade 1 1
Infanterie-Regimenter 3 (je 1.100 Mannschaften und 58 Offiziere, bewaffnet mit Mannlicher M1903/14 Gewehren) 3 (je 1.100 Mannschaften und 58 Offiziere, bewaffnet mit Mannlicher M1903/14 Gewehren) 3 (theoretisch – im März 1941 nur insgesamt 2.000 Mann) 2 Kavallerie ( + 1 motorisiertes Infanterie-Regiment in Aufstellung )
Gesamt- stärke 12.000 12.000 ca.12.000 (theoretisch – im März 1941 nur 2.000 eingezogene KfZ-Mechaniker) ?
Maschinen- gewehre 264 (216 leichte 8mm Hotchkiss, 48 schwere St.Etienne M07 MGs) 264 (216 leichte 8mm Hotchkiss, 48 schwere St.Etienne M07 MGs) ca. 264 (theoretisch) ca. 144
Granat- werfer 24 (81mm) 24 (81mm) 24 (theoretisch) ca. 24
Artillerie 36 (16 x 75mm Gebirgskanonen, 8 x 105mm-Kanonen, 12 x 65mm Gebirgskanonen) 48 (36 x 75mm Feldgeschütze, 12 x 65mm Gebirgskanonen) ca. 36-48 (theoretisch) 4 (75mm Gebirgskanonen)
Panzer 24 leichte italienische CV33 und holländische Tanketten und ein paar Bren Gun Carrier" 4 Schwadronen Panzerspähwagen

griechische Kriegsgefangene

Verwundete griechische Kriegsgefangene.

Im März 1941 bestanden die griechischen Streitkräfte aus insgesamt 540.000 Mann, zu den jedoch auch 50.000 Rekruten mit nur einem Monat Ausbildungszeit zählten.
Diese waren unter 4 Armee-Kommandos und drei General-Hauptquartiere verteilt und bestanden aus
3 Infaterie-Divisionen,
14 Gebirgs-Divisionen,
1 Infanterie-Brigade,
1 motorisierte Division und
1 Kavallerie-Division.

Der deutsche Angriff kostete Griechenland 15.700 Mann Verluste auf dem Schlachtfeld und 220.000 Soldaten wurden gefangengenommen, jedoch kurz danach wieder freigelassen.

griechisches Flak-Geschütz

Ein griechisches Flak-Geschütz in Abwehrbereitschaft.

Die Armee-Korps bestanden aus zwei bis vier Infanterie- oder Gebirgsjäger-Divisionen. Das I., II., III. und IV. Korps wurden jeweils zusätzlich von einem Artillerie-Regiment aus 7 Batterien (8 x 85mm, 8 x 105mm und 12 x 155mm Geschütze) unterstützt, während das V. Korps über zusätzlich 4 x 85mm, 4 x 105mm und 4 fest eingebaute 152-mm-Kanonen verfügte. Jedes Korps hatte auch seine eigene Flak-Abteilung aus 88mm, 37mm und 20mm-Geschützen.

Eine Infanterie-Division bestand aus drei Infanterie-Regimentern, ein Regiment aus Divisions-Artillerie und Unterstützungseinheiten.
Die Gebirgs-Divisonen waren von besonderer Bedeutung, da die griechische Armee einen großen Mangel an modernen Waffen hatte und sie es daher bevorzugte, in den Bergen zu kämpfen. Die Gebirgs-Divisionen waren auf der gleichen Grundlage wie die Infanterie-Divisionen organisiert, aber mit weniger Artillerie.
Gebirgs- und Infanterie-Divisionen waren beide 12.000 Mann stark.

Die 56 Infanterie-Regimenter bestanden jeweils aus dem Regiments-Stab, einem Aufklärungszug, Hauptquartier-Zug, Stabskompanie und zwei Bataillonen. Jedes Bataillon hatte einen Bataillonsstab, drei Schützen-Kompanien und einer Maschinengewehr-Kompanie.
Die Bataillonsstärke waren 58 Offiziere und 1.100 Mannschaften. Die Hauptbewaffnung bestand aus dem Mannlicher-Schönuaer M1903/14 Gewehr und die Unterstützungswaffen waren 36 leiche Maschinengewehre Hotchikss 8mm, acht schwere Maschinengewehre St.Etienne M07, vier 81-mm-Granatwerfer und zwei 65-mm-Gebirgsgeschütze.

Die Elite-Soldaten der griechischen Armee waren die Evzones. Ursprünglich während des Unabhängigkeitskrieges zu Beginn des 19. Jahrhundert als Leichte Infanterie aufgestellt, wurden diese Hochländer 1833 Teil der regulären Streitkräfte. Im Jahr 1940 dienten sie in den Leichten Infanterie-Regimentern und mit der Königlichen Garde.

griechischer Hauptamnn treibt seine Männer an

Ein griechischer Hauptmann treibt seine Männer an, ein Feldgeschütz im Epirus zu vorwärts zu ziehen.

Die Divisions-Artillerie der Gebirgs-Divisionen berstand aus vier Batterien – wobei in der griechischen Armee eine Batterie aus 4 Geschützen bestand – mit 75-mm-Gebirgskanonen, sowie zwei Batterien aus 105-mm-Geschützen.
Infanterie-Divisionen hatten neun Batterien aus 75-mm-Feldgeschützen.
Jedes Armee-Korps hatte seinen eigenen Bestand an schwerer Artillerie und es gab 12 Batterien an schwerer Artillerie zum Einsatz bei dem Feldheer.

Da alle Artillerie-Geschütze entweder aus Frankreich, Deutschland oder der Tschechien stammten, war England nicht in der Lage, die Griechen mit Munition dafür zu versorgen. Die noch vorhandenen Lagerbestände in den USA waren bald erschöpft, sodaß die Engländer damit begannen die griechische Armee mit italienischen Beutebeständen aus Nordafrika auszurüsten und zu versorgen.

Tee und Brot für griechische Soldaten

Britische Artilleristen (links) geben Tee und Brot in der Nähe von Chania auf Kreta an griechische Soldaten im November 1940 aus. Rechts im Bild schauen ein griechischer Offizier und ein Gendarm zu.

Neben den Armeetruppen gab es noch eine Reihe von Bataillonen und Kompanien für die Verteidigung der Inseln und als Grenztruppen, sowie eine Anzahl von beweglichen und stationären Maschinengewehr-Einheiten.
Als die Engländer im März 1941 auf dem griechischen Festland selbst mit Kampftruppen an Land gingen, mußten sie bestürzt feststellen, daß es einige Divisionen nur auf dem Papier gab. So hatte eine Division aus kürzlich neu aufgestellten Truppen gerade mal eine Stärke von sechs Bataillonen und als Transportmittel stand nur das Auto des Kommandanten und fünf Lastkraftwagen zur Verfügung.
Die ‘motorisierte Division’ bestand aus 2.000 gerade eingezogenen KfZ-Mechanikern. Sie hatte nur 24 leichte italienische und holländische Tanketten, einige italienischen Lastkraftwagen, einige wenige britische Bren Gun Carrier und dazu noch ein paar Motorräder und Personenkraftwagen.

Es gab zwei Regimenter von Kavallerie, jedes mit vier Schwadronen aus mit Säbeln bewaffneten Kavalleristen, einer Maschinengewehr-Einheit mit 12 MGs und eine Schwadron mit vier 81-mm-Granatwerfern.
Ein drittes Regiment, welche gerade motorisiert wurde, bestand aus vier Schwadronen ausgerüstet mit Panzerspähwagen, einer Maschinengewehr-Einheit, einer Schwadron mit 81-mm-Granatwerfern, einer berittenen Maschinengewehr-Einheit mit 12 MGs und einer Schwadron bewaffnet mit Säbeln.
Diese drei Regimenter, zusammen mit einer Batterie von Gebirgsartillerie, einer Pionier-Schwadron und einer Nachrichten-Schwadron wurden zu einer unabhängigen Brigade zusammengestellt und spielten eine wichtige Rolle bei der Abwehr des italienischen Angriffs.

Neben dieser größeren Formationen gab es noch berittene Truppen, welche als Aufklärungseinheiten der Armee-Korps und Infanterie-Divisionen eingesetzt wurden. Diese Aufklärungs-Bataillone bestanden aus zwei Schwadronen, einer Maschinengewehr-Kompanie oder Abteilung und bei den Korps-Einheiten noch einer Granatwerfer-Abteilung.

Die griechische Armee leistete einen starken Widerstand gegen die Achsentruppen und griechische Partisanen blieben ein unangenehmer Gegner in der nachfolgenden Zeit.


Griechische Luftwaffe

griechische PZL P24 F

Ein Jäger der königlich-griechischen Luftstreitkräfte vom Typ PZL P24 F (polnischer Bauart) mußte im April 1941 nach einem Luftkampf mit einer Bf 109 notlanden.

Das griechische Luftfahrtministerium war zuständig für die Unterhaltung der Luftstreitkräfte der Armee und Marine. Es gab somit keine eigentliche, unabhängige Luftwaffe. Die Luftstreitkräfte der Armee verfügten nur über 250 Offiziere und 3.000 Mannschaften. Viele der Piloten hatten ihre Ausbildung in England erhalten, und obwohl sie erst zahlenmäßig den Italienern und später noch mehr der deutschen Luftwaffe unterlegen waren, leisteten sie einen hartnäckigen Widerstand 1940-41.

Im Jahre 1940 war die Gesamtstärke der Luftstreitkräfte von Armee und Marine wie folgt:

  • 44 Jagdflugzeuge (einschließlich polnischer PLZ 24, englischer Gloster Gladiator und ein paar Hawker Hurricane),
  • 46 Bomber und Aufklärungsflugzeuge,
  • 16 Mehrzweckflugzeuge,
  • 20 Flugboote (englische Fairey III und deutsche Dornier Do22).

Als der deutsche Angriff im April 1941 begann waren davon nur noch 41 Flugzeuge einsatzbereit.

Die Luftstreitkräfte der Armee waren in drei Regimenter zu je zwei Staffeln eingeteilt und waren auf den eher primitiv ausgerüsteten Flugfeldern von Athen, Chania, Dramea, Joannina, Larissa, Saloniki und Tanagra stationiert.
Ihre vorrangige Aufgabe war die Luftunterstützung der Bodentruppen, jedoch führten Verluste und der Mangel an Ersatzteilen dazu, daß diese Einheiten von Januar 1941 an praktisch kaum noch einsatzbereit waren. So mußten die Griechen die englische RAF bitten, welche zuvor zumeist nur die italienischen Versorgungslinien bombardiert hatte, stattdessen die Unterstützung der griechischen Bodentruppen zu übernehmen.


Griechische Marine

Linienschiff Kilkis

Das Vor-Dreadnought Linienschiff Kilkis (ex USS Mississippi) wurde 1914 von der US Regierung zusammen mit ihrem Schwesterschiff Lemnos (ex USS Idahoa) an Griechenland verkauft. Beide wurden am 23. April 1941 durch Junkers Ju 87 Sturzkampfbomber im Hafen von Piräus versenkt.

Der Oberbefehlshaber der griechischen Admiralität war Admiral A.Sakellariou.
Unter ihm gab es 6.300 reguläre Marineoffiziere und Mannschaften sowie 11.000 Reservisten auf folgenden Schiffen:

  • 2 alte Schlachtschiffe (Linienschiffe vom Vor-Dreadnought-Typ) gebaut 1905/06,
  • 2 alte Leichte Kreuzer,
  • 4 alte Zerstörer,
  • 4 Hirda-Klasse-Zerstörer (italienischer Bauart),
  • 13 alte Torpedoboote,
  • 2 Motor-Torped-Boote (S-Boote),
  • 6 U-Boote.

Die griechische Marine erlitt ihren ersten Verlust bereits vor Ausbruch der Feindseligkeit am 15. August 1940, als der mit einer Minenlege-Operation beauftragte Kreuzer Helli offensichtlich durch ein italienisches U-Boot versenkt wurde.

Bei Ausbruch des Krieges zwei Monate später war es die erste Aufgabe der Marine, den sicheren Transport von tausenden Armee-Reservisten von den zahlreichen griechischen Inseln zum Festland zu gewährleisten. Zur selben Zeit patrouillierten auch griechische Schiffe vor der Küste Albaniens und Norwest-Griechenlands und unterstützten die Armee durch Artilleriebeschuss.

Das deutsche Eingreifen in den Griechisch-Italienischen Konflikt begann mit Luftangriffen, welche eine Reihe von griechischen Kriegsschiffen zerstörten. Am 21. April 1941 beschloß die griechische Regierung das Festland zu evakuieren und der Hafen von Salamis wurde in die Luft gesprengt, nachdem das letzte alliierte Evakuierungsschiff ausgelaufen war.

Insgesamt 29 Kriegsschiffe und Hilfsschiffe der griechischen Marine wurden versenkt, was einen sehr hohen Verlustanteil an der Marinestärke vor dem Krieg bedeutete.

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