Fokker Dr.I Dreidecker

Deutsches Fokker Dr. I Dreidecker Jagdflugzeug aus dem Ersten Weltkrieg.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Fokker Dr.I

Fokker Dr.I

Fokker Dr.I Dreidecker
Typ: Einsitziges Jagdflugzeug.

Vorgeschichte: Dreidecker-Wahn

Im Frühjahr 1917 war die neue Sopwith Triplane das einzige alliierte Jagdflugzeug, welches die Albatros-Jäger schlagen konnte, was zu einem einjährigen Dreidecker-Wahn in Deutschland führte.

zurück Hier zu den ersten Fokker-Jägern: Eindecker und D.I bis D.V.

Eine Sackgasse in der Entwicklung von Jagdflugzeugen, welche einer besonderen Erwähnung bedarf, kann am besten mit ‘Dreidecker-Wahn’ beschrieben werden. Als die Luftfahrt noch in den Kinderschuhen steckte war es üblich, verschiedene Konfigurationen zu erproben, wenn die beste Konstruktion nicht offensichtlich war. Aus strukturellen und aerodynamischen Gründen waren die meisten Flugzeuge vor und während des Ersten Weltkriegs entweder Eindecker oder Doppeldecker.

Anafng 1917 führte der englische Flugzeughersteller Sopwith jedoch einen Dreidecker ein, welcher aus der kleinen, beweglichen Sopwith Pup entwickelt worden war. Diese Sopwith Triplane übernahm das einzelne Maschinengewehr und die allgemeinen Linien der Pup, hatte jedoch einen stärkeren 110-PS-Umlaufmotor zusammen mit einer neuen Dreidecker-Flügelzelle.

Sopwith Triplane

Nur 150 Sopwith Triplane wurden gebaut und dienten nur mit Einheiten des Royal Navy Air Service als Gegenmaßnahme gegen die Albatros-Jäger. Im Sommer 1917 zerstörte der berühmte kanadische Pilot Collishaw 18 deutsche Flugzeuge alleine im Juni.

Zwar war das Flugzeug etwas zerbrechlich und nur in geringen Zahlen verfügbar, trotzdem war die Sopwith Triplane eine unangenehme Überraschung für die zu diesem Zeitpunkt dominierenden Albatros-Piloten. Dies hatte die Ursache darin, daß das neue britische Jagdflugzeug als einziges aller alliierten Flugzeuge den Albatros-Jäger in Steigleistung und Beweglichkeit überlegen war und dabei etwa die gleiche Höchstgeschwindigkeit erreichte.

Trotz der allgemeinen deutschen Luftüberlegenheit im Frühjahr 1917, führte das Auftreten der Sopwith Triplane bei ihren deutschen Gegnern dazu, daß diese dem Dreidecker eine angeborene Überlegenheit gegenüber dem Zweidecker-Konzept nachsagten.
Tatsächlich ist es aber so, daß die Zweidecker-Konfiguration ein natürlicher und besserer Kompromiss aus Stabilität, Stärke, Gewicht und Aerodynamik ist als der Dreidecker, welcher zuviel Luftwiderstand bietet.

Die leichte, bewegliche Sopwith Triplane hatte letztlich nur einen zufälligen Höhepunkt des Dreidecker-Potentials erreicht, was zum ‘Dreidecker-Wahn’ in ganz Deutschland und auch Österreich-Ungarn führte. So verlangten die deutschen Verantwortlichen, gefolgt von ihren Kollegen in Österreich-Ungarn, von ihren Flugzeugherstellern Dreidecker-Jagdflugzeuge zu entwickeln. Dies führte zu einem Überfluß von neuen Flugzeugentwürfen, von denen fast alle niemals an der Front eingesetzt wurden, was eine erhebliche Verschwendung an Arbeitszeit der Flugzeug-Ingenieure bedeutete.

Richthofens Fokker Dr I

Richthofen landet mit seiner Fokker Dr.I.

Letztlich sind nur zwei deutsche Dreiddecker-Jagdflugzeuge gebaut worden. Einer davon war die Pfalz Dr.I, wobei das ‘Dr’ immer für Dreidecker steht, von der nur zehn Stück gebaut wurden und von denen es einige Fotografien beim Jasta 73 gibt. Allerdings kann ein Kampfeinsatz nicht nachgewiesen werden.
Das andere Flugzeug war der Fokker-Dreidecker, welches vor allem durch den Roten Baron, Manfred von Richthofen, berühmt wurde – und der auch in einem dieser Flugzeuge abgeschossen wurde und ums Leben kam.

In vielen Bereichen ist der Fokker-Dreiddecker ein Paradox. Das Flugzeug erschien genau zu einer Zeit, als die deutschen Albatros-, Roland- und Pfalz-Jäger den alliierten Typen unterlegen waren und so wurde der neue Jäger von den deutschen Piloten herzlich begrüßt.
Anfangs gab es zwar strukturelle Fehler, aber die Probleme wurden schnell behoben. Obwohl das Flugzeug langsam war, wurde der Fokker-Dreidecker das bevorzugte Flugzeug vieler deutscher Jagdflieger. Dies lag an seiner hervorragenden Steigleistung und Manövrierfähigkeit, die es Ideal für enge Kurvenkämpfe mit deftigen Fliehkräften machten. Dazu hatte es die standardmäßigen zwei synchronisierten Maschinengewehre und nach Überwindung der Probleme bei der Qualitätskontrolle war es ein robustes Flugzeug.

Obwohl dies manchmal behauptet wurde war die Fokker Dr.I keine Kopie der Sopwith Triplane und hatte – abgesehen von den drei Flügeln – keine Gemeinsamkeiten mit dem britischen Entwurf.
Zwar hatte der Fokker-Dreidecker nicht genügend Geschwindigkeit, jedoch konnte er zumindest seine Gegner bei Steigleistung und Manövrierfähigkeit übertreffen, während zu diesem Zeitpunkt die Albatros-Jäger nirgends mehr einen Vorteil hatten.

Letztlich führte der höhere Luftwiderstand dazu, daß sich die Flugzeugkonstrukteure wieder von der Dreidecker-Konfiguration abwendeten. So wurde die Sopwith Triplane durch den Doppeldecker Sopwith Camel ersetzt, welche zwar keine bedeutend bessere Leistung hatte, jedoch viel robuster war und zwei Maschinengewehre hatte. Und auch die Fokker Dr.I wurde zum schnelleren Fokker D.VI-Doppeldecker weiterentwickelt. Jedoch stellte sich die Fokker D.VII mit den wassergekühlten Mercedes- oder BMW-Motoren als stärkeres Jagdflugzeug heraus, sodaß der Bau der Fokker D.VI nur sehr begrenzt war.

Angriff deutscher Jagdflugzeuge

Angriff deutscher Jagdflugzeuge vom Typ Fokker Dr.I und Fokker D.VII über der Westfront.

Geschichte der Fokker Dr.I

Wie schon erwähnt, was der Eindruck, den der britische Sopwith Triplane Dreidecker bei den führenden Kreisen des deutschen Militärs und der Luftfahrt hinterließ, derartig gewaltig, daß nicht weniger als vierzehn deutsche und österreich-ungarische Flugzeughersteller ihren eigenen Entwurf eines Dreideckers entwickelten. Es hatte offensichtlich ganz den Anschein, als wenn die magische Formel für den Erfolg im Luftkampf nun bei den Dreideckern liegen würde.

Die meisten dieser Hersteller begannen mit ihren Entwürfen, nachdem einer der britischen Dreidecker im Juli 1917 erbeutet und inspiziert worden war. Damit begannen diese jedoch mit ihren Entwürfen ein gutes Stück nach Anthony Fokker, welcher eine Sopwith Triplane bereits im April 1917 an der Westfront in Aktion gesehen hatte.

Es wurde oft behauptet, daß die Fokker Dr.I eine Kopie der Sopwith Triplane gewesen wäre, aber Reinhold Platz, der die Fokker-Maschine auf Wunsch seines Arbeitgebers entwarf, hatte niemals das britische Flugzeug gesehen und war eigentlich auch nicht von dessen Vorzügen überzeugt.

Der Gerücht der Kopie hatte offensichtlich seinen Ursprung, als eine Fokker Dr.I von den Alliierten erbeutet werden konnte. Dazu schrieb ein gewisser M. Lagorgette in der ersten März-Ausgabe 1918 der französischen Zeitschrift L’Aerophile mehr oder weniger das folgende:
Der feindliche Dreidecker ist im Effekt eine Kopie der Sopwith Triplane. Die Ähnlichkeit der beiden Flugzeuge ist sehr groß und es gibt bei beiden die gleichen Unterschiede zu den gewöhnlichen Jagdflugzeugen, da die Flügel bei beiden in gleicher Weise angeordnet sind, jedoch die Form und Dimensionen sich erheblich unterscheiden …
Das besondere an der Maschine ist jedoch, daß es keine Kabel oder irgend eine andere Form der Verspannung der Flügel gibt … Die Kontrollen sind wie bei den üblichen Fokker-Typen … Der Motor ist ein Oberursel-Umlaufmotor mit 100 oder 110 PS, was praktisch ein nachgebauter französischer Le Rhone ist … Die Bewaffnung besteht aus zwei starren Spandau-Maschinengewehren, welche zusammen oder einzeln abgefeuert werden können. Sie werden durch den Motor angetrieben und werden durch Bowden-Kabel kontrolliert …

Trotz Bedenken über die Leistungsfähigkeit des Dreidecker-Konzepts baute Reinhold Platz einen Prototyp, der als V-3 mit drei Sätzen von freitragenden Flügeln bekannt wurde, wobei die einzigen Streben diejenigen waren, welche an die oberste Ebene montiert waren. Einzelne, dünne Zwischenwellenstreben und ausgeglichene Querruder, zusammen mit zwei 7,92-mm-Spandau-MGs, wurden nach dem erfolgreichen Testflug von Fokker dem V-3 hinzugefügt und wurde in dieser Form zum V-4.

In nahezu unveränderter Form wurden zwei weitere Prototypen gebaut und 318 Fokker Dr.I (‘Dr’ steht für Dreidecker) im Sommer 1917 bestellt.
Der zweite und dritte Prototyp wurden an Richthofens Jagdgeschwader I ausgeliefert. Das dritte Flugzeug wurde praktisch nur von Leutnant Werner Voss geflogen, welcher seinen ersten Luftsieg damit am 30. August 1917 erzielte.
In den nächsten 24 Tagen erzielte Voss mit dem Flugzeug 20 weitere Luftsiege, bevor er am 23. September von einer S.E.5a der 56. Squadron abgeschossen wurde und ums Leben kam.

Fokker Dr.I

Fokker Dr.I auf einem Flugfeld im Winter 1917/18.

Nach der Truppenerprobung begann Mitte Oktober die Auslieferung von Serienmaschinen an das JG I, aber bereits Anfang November zwangen eine Reihe tödlicher Unfälle die Flugzeuge dazu, auf dem Boden zu bleiben.
Ursache war eine fehlerhafte Verarbeitung bei der Flügelkonstruktion und für den Großteil vom verbleibenden Monat November war die Fokker-Fabrik mit der Reparatur oder dem Ersatz der defekten Flügel beschäftigt.
Die Fokker Dr.I Jagdflugzeuge waren also erst wieder Ende November 1917 einsatzfähig und die anschließende Frontverwendung nur kurz.

Manfred und Lothar von Richthofen

Manfred von Richthofen (rechts) und sein jüngerer Bruder Lothar vor einer Fokker Dr.I. Später begonnen, erreichte Lothar eindrucksvolle 40 Luftsiege. Lothars Kampfstil war viel emotionaler als der seines älterern Bruders und er brachte ihn oft in Schwierigkeiten und er wurde mehrmals im Einsatz verwundet – aber im Gegensatz zu Manfred überlebte er den Krieg.

Trotzdem erzielten die Flugzeuge ansehnliche Erfolge, vor allem aufgrund ihrer herausragenden Manövrierfähigkeit. Es war eine Fokker Dr.I, in welcher das legendäre Flieger-Ass Manfred von Richthofen am 21. April 1918 abgeschossen wurde und ums Leben kam.
Trotzdem war die Fokker Dr.I ein extrem wendiges Jagdflugzeug, dessen Vorzüge und Leistungen genau in den Stil der Luftkämpfe Ende des jahres 1917 passte. Deshalb flogen weitere deutsche aufsteigende Asse wie Hermann Göring, Ernst Udet und Adolf Ritter von Tutschek ebenfalls den Dreidecker.
Die Fokker Dr.I erreichte den Höhepunkt ihrer Einsätze Anfang Mai 1918, als 177 Stück im Fronteinsatz waren.

Zu diesem Zeitpunkt erschienen jedoch neue alliierte Flugzeugtypen an der Front und Luftkampf-Taktiken gingen mehr und mehr dazu über, überlegene Leistung, Fluggeschwindigkeiten und Flughöhen auszunutzen, anstatt auf Wendigkeit zu setzen.
So endete später im selben Monat auch die Produktion und die Fokker Dr.I wurden anschließend in die Heimatverteidigung verlegt, wo sie bis zum Waffenstillstand Dienst taten. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 69 im Einsatz.

Fokker Dr.I im Luftfahrtmuseum Hannover-Laatzen

Fokker Dr.I im Luftfahrtmuseum Hannover-Laatzen

Der Standard-Antrieb der Fokker Dr.I war der 110-PS-Oberursel DR.II oder der Goebel Goe.II-Motor. Einige Flugzeuge hatten auch den 200-PS-Goe.III oder IIIa Motor oder den erbeuteten bzw nachgebauten französischen 110-PS-Le-Rhone-Motor.
Experimentell wurden auch Sh.III und erbeutete 130-PS-Clergets-Motoren eingebaut.

Ebenfalls im Jahr 1917 baute der Entwickler Platz einen alternativen Prototyp eines Dreideckers, die V-6. Diese verwendete einen 120-PS-Mercedes-D.II Motor. Aber die V-6 erwies sich als noch unruhiger in der Luft als die bisherige Fokker Dr.I mit den Umlaufmotoren und so wurden keine weiteren Prototypen mehr gebaut.

Benutzer: Deutschland.

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Animation 3d-Modell Fokker Dr.I Dreidecker


Spezifikationen Fokker Dr.I Dreidecker

Spezifikationen
Spezifikationen Fokker Dr.I
Typ Jagdflugzeug (einsitziger Kampfaufklärer)
Besatzung 1
Antrieb110-PS Le Rhone 9-Zylinder Umlaufmotor, 110-PS Oberursel UR II, 110 PS Goebel Goe II, 145 PS Oberursel UR III, 160 PS Siemens und Halske Sh III oder 200 PS Goebel Goe IIIa
Spannweite7,17-7,19 m
Länge5,77 m
Höhe2,95 m
Flügelfläche18,66 m²
Leergewicht 410-430 kg
Startgewicht 585 kg (maximum 626 kg)
Höchstgeschwindigkeit165 km/h in 4.000m (185 km/h in 1.000m)
Steigleistung 220 m/min (3.000 m in 7min 6sec)
Dienstgipfelhöhe6.100 m
Reichweite1:30 h (ca. 210 km)
Bewaffnung2 x 7,92-mm-Spandau-MGs auf dem Bug
Zuladung
ErstflugJuni 1917
TruppenlieferungAugust 1917
Endlieferung Ende Mai 1918
Produktion329
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