Finnische Streitkräfte im Winterkrieg 1939/40

Finnische Armee

Finnischer Ausbilder an Suomi MPi

Ein Ausbilder an einer Militärschule bei der Übung mit der Suomi Maschinenpistole im Herbst 1939 in Finnland.

Die Finnische Armee war eine der kleinsten in Europa und die Rote Armee erwartete von daher wenig Widerstand. Jedoch fanden die sowjetischen Invasoren die Finnen gut vorbereitet vor und hinzu kam der extrem kalte Winter von 1939/40 mit seinen Temperaturen von weit unter dem Gefrierpunkt und tiefem Schnee, welcher in jedem Fall den Verteidiger bevorzugte.

Die wichtigste finnische Verteidigung war die Mannerheim-Linie, welche bis zum 12. Februar 1940 gehalten werden konnte. Aber nachdem sie erst einmal an einigen Stellen durchbrochen war, gab es keine Alternative mehr, als um Frieden zu bitten.
Für eine Armee, welche niemals mehr als 200.000 Mann stark war, waren die finnischen Verluste sehr hoch: 25.000 wurden getötet und 45.000 Soldaten verwundet.
Es war die Rede davon, daß die Alliierten in Finnland intervenieren würden, da die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Hitler-Deutschland unterzeichnet hatte, aber das einzige Land welches einen beachtlichen Beitrag zur Verteidigung Finnlands leiste, war Schweden. Die Schweden schickten Waffen, eine Flugzeug-Staffel und zwei Bataillone Infanterie. Freiwillige aus einer Reihe von Ländern, darunter Norwegen, Italien, England und den Vereinigten Staaten von Amerika wurden zu einem Freiwilligen-Bataillon zusammengefaßt, das aber nicht mehr rechtzeitig einsatzbereit war, um noch an den Kämpfen teilzunehmen.


Finnische Divisionen
Infanterie-Division
Verbände insgesamt 3 im Frieden, 8-9 bei Kriegsbeginn, 12 später
Infanterie-Regimenter je 3
Gesamtstärke 14.200
Maschinengewehre 116 (plus 250 Suomi-Maschinenpistolen)
Granatwerfer 18 (81mm)
Haubitzen und Feldgeschütze 36 (alle aus dem Ersten Weltkrieg)
Panzerabwehrkanonen ca. 10 (37mm Bofors)

Darüber hinaus gab es eine unabhängige Kavallerie-Brigade, welche aus einem Stab, zwei Kavallerie-Regimenter, einem Jägerbatallion mit Fahrrädern und einer mit Pferden bespannten Artillerie-Batterie bestand.
Die ganze Armee verfügte nur über 100 Bofors-Flak , welche aber der Heimatverteidigung vorbehalten waren.

Die Armee hatte nur wenig Erfahrungen im Panzerkampf, aber das dicht bewaldete Gelände Finnlands reduzierte die Rolle des Panzers auf die Unterstützung der Infanterie. Die finnische Panzerwaffe bestand aus den unabhängigen Panzerkompanien 1 bis 5 mit 59 veralteten Vickers E und Renault-Panzern, von denen aber nur die 4. Kompanie Einsätze sah.

Trotz dieser Probleme hatte die finnische Armee zwei große Vorteile: Erstens, die gründliche Kenntnis des eigenen Landes in der winterlichen Witterung, und zweitens weit überlegenes Menschenmaterial, welches sich in der wilden Entschlossenheit ausdrückte, dem Angreifer zu widerstehen.

Die Strategie von Feldmarschall Mannerheim, dem Oberbefehlshaber der finnischen Armee, war es, seine Karelische Armee aus dem 2.Korps (4., 5., 6. und 11.Division) und 3.Korps (8. und 9.Division) an der Mannerheim-Linie zu konzentrieren, welche die wichtige Karelische Landenge abschloß. Das 4.Korps (12. und 13. Division) befand sich nördlich des Ladoga-Sees, während sich das 5.Korps etwa in der Mitte der langen Ostgrenze zu Russland und die Lappland-Streitkräfte im nördlichen Sektor befanden.


Finnische Luftwaffe

Fokker C.X.

Die finnische staatliche Flugzeugfabrik in Tampere begann 1938 mit dem Lizenzbau des holländischen zweisitzigen Bombers und Aufklärers Fokker C.X. Diese Flugzeuge waren bis zum Ende des 2. Weltkrieges im Einsatz.

Die finnische Luftwaffe war keine unabhängige Streitmacht sondern bildete einen Teil der Armee unter einem eigenen Oberbefehlshaber. Die Luftwaffe basierte auf dem britischen Modell mit vielen englischen Ausbildern sowie auch einigen Flugzeugen, welche aus Großbritannien geliefert waren. Zu Beginn des Krieges war die Luftwaffe jedoch weit unter der Sollstärke und hatte praktisch auch keine Reserven. Die Frontstärke belief sich auf 200 Flugzeuge, von denen aber nur 108 einsatzbereit waren. Das Personal bestand aus rund 2500 Mann.

Die Luftwaffe war wie folgt organisiert:
1.Flug-Regiment (Unterstützung der Bodentruppen, Sturzkampfangriffe, Aufklärung) mit 4 Staffeln zu je 3 Schwärmen aus 4 Flugzeugen (insgesamt 48 Flugzeuge).
2.Flug-Regiment (Jagdabwehr) mit 2 Staffeln zu je 3 Schwärmen (insgesamt 46 Flugzeuge, darunter einige Hawker Hurricane ).
3.Flug-Regiment (Bombardierungen und Langstreckenaufklärung) mit 2 Staffeln zu je 3 Schwärmen (insgesamt 16 Flugzeuge, darunter Bristol Blenheim).

Trotz ihrer Schwäche kämpfte die finnische Luftwaffe bravorös und brachte der Roten Luftwaffe schwere Verluste bei. Die finnische Luftwaffe vermeldete 208 Luftsiege bei einem Verlust von 62 eigenen Flugzeugen mit 72 Mann Besatzungen


Finnische Marine

Finnische Küstenbatterie

Finnische Küstenbatterie bei Hangö.

Das größte Problem, mit dem die finnische Marine konfrontiert war, war der Mangel an eisfreien Häfen. Mit Ausnahme von drei Häfen an der Nord-Küste bei Murmansk waren alle anderen im Winter selten eisfrei und oft völlig zugefrohren.
Zur Erfüllung ihrer Hauptaufgabe, dem Küstenschutz, verfügte die finnische Marine über 3 Kanonenboote, 30 Minenleger und Minensucher und einer Reihe von Hilfs- und Motorbooten. Es gab auch sieben Motortorpedoboote englischer und italienischer Entwürfe sowie fünf moderne U-Boote. Die größten Einheiten der Flotte waren zwei schwer bewaffnete und gepanzerte Küstenpanzerschiffe, jedes mit einer Besatzung von 300 Mann.

Die Marine-Luftwaffe bestand aus vier Staffeln, wovon eine aus Torpedo-Bomber bestand.

Die ungünstigen winterlichen Bedingungen behinderten Marineaktivitäten während des Winterkrieges, wenn auch einige finnische U-Boote ansatzweise Operationen im Bottnischen Meerbusen durchführten.
Küsten-Batterien, von denen es zwei Regimenter gab, spielten jedoch eine wichtige Rolle bei der Verteidigung des finnischen Hoheitsgebietes.


Gesamtstärke der finnischen Streitkräfte bei Beginn des Winterkrieg:
400.000 Mann, 9 Divisionen
145 Flugzeuge
2 Küstenpanzerschiffe, 5 U-Boote

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