Finnische Streitkräfte im Winterkrieg 1939/40

Fahne FinnlandStreitkräfte von Finnland im Winterkrieg von 1939/40.

Finnische Soldate mit Rentieren

Skier und Rentiere machen die finnischen Soldaten bewglich.

Finnische Armee im Winterkrieg

Bereits 1938 und wieder im Jahr 1939 hatte die Sowjetunion mehrmals mit der finnischen Regierung die Möglichkeit von Grenzveränderungen zu ihren Gunsten diskutiert, welche die Verteidigung von Leningrad vereinfachen würde. Dabei kam es zu keiner Einigung.
Durch den Hitler-Stalin-Pakt hatten die Sowjets dann das Zugeständnis erhalten, daß Finnland, ebenso wie Ost-Polen und die Baltischen Staaten zu ihrer Einflußsphäre gehörten. So begannen die sowjetischen Diplomaten mit Finnland und den baltischen Staaten zeitgleich über einen Pakt zur gegenseitigen Unterstützung zu verhandeln. Im Gegensatz zu den baltischen Staaten wurde darüber hinaus von Finnland lediglich ein Stützpunkt verlangt und der Austausch von Gebieten in Karelien nördlich von Leningrad gegen sowjetisches Territorium in Ost-Karelien. Die Verhandlungen dauerten den Oktober bis Anfang November 1939 an und beide Seiten sahen die Möglichkeit einer Einigung als wahrscheinlich.

Am 9. November 1939 wurden die Verhandlungen jedoch abgebrochen und die Finnen erwarteten eigentlich ihre Fortsetzung. In der sowjetischen Regierung war aber schon seit Sommer 1939 über einen Krieg mit Finnland nachgedacht worden und am 13. November wurde in Moskau eine finnische Exil-Regierung aus Kommunisten gebildet. Zur gleichen Zeit begannen militärische Vorbereitungen der Roten Armee an der finnischen Grenze.

In einem umsichtig vorbereiteten Ablauf wurde von den Russen ein Zwischenfall arrangiert und die Finnen am 26. November dafür verantwortlich gemacht. Am 29. November wurden die diplomatischen Beziehungen zu Finnland abgebrochen und die Rote Armee griff am 30. November an.

Die Finnische Armee war eine der kleinsten in Europa und die Rote Armee erwartete von daher wenig Widerstand. Jedoch fanden die sowjetischen Invasoren die Finnen gut vorbereitet vor und hinzu kam der extrem kalte Winter von 1939/40 mit seinen Temperaturen von weit unter dem Gefrierpunkt und tiefem Schnee, welcher in jedem Fall den Verteidiger bevorzugte.

Die wichtigste finnische Verteidigung war die Mannerheim-Linie, welche bis zum 12. Februar 1940 gehalten werden konnte. Aber nachdem sie erst einmal an einigen Stellen durchbrochen war, gab es keine Alternative mehr, als um Frieden zu bitten.
Für eine Armee, welche niemals mehr als 200.000 Mann stark war, waren die finnischen Verluste sehr hoch: 25.000 wurden getötet und 45.000 Soldaten verwundet.

Es war die Rede davon, daß die Alliierten in Finnland intervenieren würden, da die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Hitler-Deutschland unterzeichnet hatte, aber das einzige Land welches einen beachtlichen Beitrag zur Verteidigung Finnlands leiste, war Schweden. Die Schweden schickten Waffen, eine Flugzeug-Staffel und zwei Bataillone Infanterie. Freiwillige aus einer Reihe von Ländern, darunter Norwegen, Italien, England und den Vereinigten Staaten von Amerika wurden zu einem Freiwilligen-Bataillon zusammengefaßt, das aber nicht mehr rechtzeitig einsatzbereit war, um noch an den Kämpfen teilzunehmen.


Organisation der finnischen Armee

Finnischer Ausbilder an Suomi MPi

Ein Ausbilder an einer Militärschule bei der Übung mit der Suomi Maschinenpistole im Herbst 1939 in Finnland.

Obwohl Finnland in der Lage war, 12 Divisionen ins Feld zu führen, waren nur neun bei Ausbruch des Krieges vorhanden. Dazu hatten diese einen großen Mangel an Kraftfahrzeugen, Nachrichtenmitteln, Panzerabwehr-Kanonen und automatischen Waffen.
Die bewaffneten Streitkräfte wurden durch einen kleinen, regulären Kader zusammengehalten, welcher auf die jährlichen Wehrpflichtigen angewiesen war, um den Mannschaftsbestand zu vervollständigen. In Friedenszeiten dienten die Wehrpflichtigen 12 oder 18 Monate, abhängig von der Waffengattung. Nach dem Abschluß ihrer Wehrpflichtzeit wurden die finnischen Soldaten in die Reserve überführt, wo sie bis zum Alter von 60 Jahren verblieben. Anschließend traten sie der Miliz bei.

Das Land war in neun Militärbezirke unterteilt, wovon jeder eine Division stellte, sowie Depots, Einrichtungen und Anlagen, um die Armee schnell mobilisieren zu können.

Die Organisation einer Division bestand aus dem Divisionsstab, drei Infanterie-Regimenter, einem Artillerie-Regiment und Nachrichten- und Pionier-Kompanien.
Das Artillerie-Regiment verfügte über 36 Geschütze verschiedener Kaliber, welches alle Modelle aus der Zeit vor 1918 waren und viele davon nicht für einen modernen Krieg mehr geeignet waren.
Obwohl eine Anzahl von 120-mm-Granatwerfern bestellt wurde, war noch keiner bei Kriegsausbruch geliefert worden und so verblieben der Division nur achtzehn 81-mm-Granatwerfer. Dies war eindeutig ungenügend, wenn man dies zu den hunderten von Granatwerfern in einer einzigen sowjetischen Division betrachtet.
Die Versorgung mit automatischen Waffen war etwas besser, denn es gab 250 Suomi-Maschinenpistolen und 116 Maschinengewehre je Division. Bei voller Sollstärke hatte die Division 14.200 Mann.

Finnische Divisionen
Infanterie-Division
Verbände insgesamt 3 im Frieden, 8-9 bei Kriegsbeginn, 12 später
Infanterie-Regimenter je 3
Gesamtstärke 14.200
Maschinengewehre 116 (plus 250 Suomi-Maschinenpistolen)
Granatwerfer 18 (81mm)
Haubitzen und Feldgeschütze 36 (alle aus dem Ersten Weltkrieg)
Panzerabwehrkanonen ca. 10 (37mm Bofors)

Darüber hinaus gab es eine unabhängige Kavallerie-Brigade, welche aus einem Stab, zwei Kavallerie-Regimenter, einem Jäger-Bataillon mit Fahrrädern und einer mit Pferden bespannten Artillerie-Batterie bestand.

finnische 75-mm-Gebirgskanone

Eine finnische 75-mm-Gebirgskanone beschießt russische Stellungen in Karelien. Kanonen und Granaten sind jedoch knapp.

Es gab nur wenige Artilleriegeschütze in der Reserve und die gesamte Armee verfügte nur über insgesamt 100 37-mm-Bofors-Panzerabwehrgeschütze und überhaupt keine Flugabwehrkanonen.

Die Armee hatte nur wenig Erfahrungen im Panzerkampf, aber das dicht bewaldete Gelände Finnlands reduzierte die Rolle des Panzers auf die Unterstützung der Infanterie. Die finnische Panzerwaffe bestand aus den unabhängigen Panzerkompanien 1 bis 5 mit 59 veralteten Vickers E und Renault-Panzern, von denen aber nur die 4. Kompanie Einsätze sah.

Es gab nur wenige medizinische Vorräte und die Nachrichtenverbindung war bestenfalls rudimentär. Es gab kein Funksystem und die Armee war abhängig von Feldtelefonen, und wenn dieses ausgefallen waren, von Meldern. Dieser Mangel war besonders schwerwiegend unter Berücksichtigung der großen Entfernungen im Land, wo die finnische Armee eine riesige Grenze zur Sowjetunion decken mußte. Auch die effektive Unterstützung der Infanterie durch die Artillerie war ohne Funkgeräte nicht möglich.
Finnland verfügte nur über 100 Bofors-Flak , welche aber der Heimatverteidigung vorbehalten waren.

Finnische Ski-Truppen

Finnische Ski-Truppen erweisen sich als überlegener Gegner für die von Straßen abhängigen und schlecht getarnten russischen Invasoren.

Trotz dieser Probleme hatte die finnische Armee zwei große Vorteile: Erstens, die gründliche Kenntnis des eigenen Landes in der winterlichen Witterung, und zweitens weit überlegenes Menschenmaterial, welches sich in der wilden Entschlossenheit ausdrückte, dem Angreifer zu widerstehen.
Diese zwei Eigenschaften vereinigten sich in den Elite-Bataillonen der Skitruppen, bestehend aus Männern mit großer Erfahrung im Skifahren durch das wilde Gelände, welche große Entfernungen geräuschlos überwinden konnten – und das schneller, als Truppen, welche mit irgend einer anderen Form von Transportmitteln ausgerüstet waren.
Insbesondere die Sissi-Joukeet, welche Guerillakämpfer auf Skiern waren, operierten hinter den feindlichen Linien und stellten einen unangenehmen Dorn im Fleisch der Roten Armee dar.

Die Strategie von Feldmarschall Mannerheim, dem Oberbefehlshaber der finnischen Armee, war es, seine Karelische Armee aus dem II. Korps (4., 5., 6. und 11. Division) und III. Korps (8. und 9. Division) an der Mannerheim-Linie zu konzentrieren, welche die wichtige Karelische Landenge abschloss. Das IV. Korps (12. und 13. Division) befand sich nördlich des Ladoga-Sees, während sich das V. Korps etwa in der Mitte der langen Ostgrenze zu Russland und die Lappland-Streitkräfte im nördlichen Sektor befanden.


Finnische Luftwaffe

Fokker C.X.

Die finnische staatliche Flugzeugfabrik in Tampere begann 1938 mit dem Lizenzbau des holländischen zweisitzigen Bombers und Aufklärers Fokker C.X. Diese Flugzeuge waren bis zum Ende des 2. Weltkrieges im Einsatz.

Die finnische Luftwaffe war keine unabhängige Streitmacht, sondern bildete einen Teil der Armee unter einem eigenen Oberbefehlshaber. Die Luftwaffe basierte auf dem britischen Modell mit vielen englischen Ausbildern sowie auch einigen Flugzeugen, welche aus Großbritannien geliefert waren. Zu Beginn des Krieges war die Luftwaffe jedoch weit unter der Sollstärke und hatte praktisch auch keine Reserven. Die Frontstärke belief sich auf 200 Flugzeuge, von denen aber nur 108 einsatzbereit waren. Das Personal bestand aus rund 2.500 Mann.

Die Luftwaffe war wie folgt organisiert:
1. Flieger-Regiment (Unterstützung der Bodentruppen, Sturzkampfangriffe, Aufklärung) mit 4 Staffeln zu je 3 Schwärmen aus 4 Flugzeugen (insgesamt 48 Flugzeuge).
2. Flieger-Regiment (Jagdabwehr) mit 2 Staffeln zu je 3 Schwärmen (insgesamt 46 Flugzeuge, darunter einige Hawker Hurricane).
3. Flieger-Regiment (Bombardierungen und Langstreckenaufklärung) mit 2 Staffeln zu je 3 Schwärmen (insgesamt 16 Flugzeuge, darunter Bristol Blenheim).

Trotz ihrer Schwäche kämpfte die finnische Luftwaffe bravourös und brachte der Roten Luftwaffe schwere Verluste bei. Die finnische Luftwaffe vermeldete 208 Luftsiege bei einem Verlust von 62 eigenen Flugzeugen mit 72 Mann Besatzungen


Finnische Marine

Finnische Küstenbatterie

Finnische Küstenbatterie bei Hangö.

Der Präsident von Finnland war nominell Oberbefehlshaber der finnischen Streitkräfte, während einer seiner Stellvertreter der Befehlshaber der Marine war. Unter diesem stand der Kommandeur der Küstenverteidigungs-Flotte, welcher in Kriegszeiten dem Oberbefehlshaber der finnischen Armee unterstellt wurde. Die Stärke der finnischen Marine im Jahr 1939 belief sich auf 396 Offiziere und 3.613 Mannschaften.

Das größte Problem, mit dem die finnische Marine konfrontiert war, war der Mangel an eisfreien Häfen. Mit Ausnahme von drei Häfen an der Nord-Küste bei Murmansk waren alle anderen im Winter selten eisfrei und oft völlig zugefroren.
Zur Erfüllung ihrer Hauptaufgabe, dem Küstenschutz, verfügte die finnische Marine über 3 Kanonenboote, 30 Minenleger und Minensucher und einer Reihe von Hilfs- und Motorbooten. Es gab auch sieben Motortorpedoboote englischer und italienischer Entwürfe sowie fünf moderne U-Boote. Die größten Einheiten der Flotte waren zwei schwer bewaffnete und gepanzerte Küstenpanzerschiffe, jedes mit einer Besatzung von 300 Mann.

Die Flottille auf dem Ladoga-See bestand aus 20 Booten verschiedener Typen, aber die meisten von ihnen wurden von den Finnen selbst versenkt oder an die Russen nach dem Friedensschluß von 1940 übergeben.

Die Marine-Luftwaffe verfügte über vier Staffeln, wovon eine aus Torpedo-Bomber bestand.

Die ungünstigen winterlichen Bedingungen behinderten Marineaktivitäten während des Winterkriegs, wenn auch einige finnische U-Boote ansatzweise Operationen im Bottnischen Meerbusen durchführten.
Küsten-Batterien, von denen es zwei Regimenter gab, spielten jedoch eine wichtige Rolle bei der Verteidigung des finnischen Hoheitsgebietes.


Gesamtstärke der finnischen Streitkräfte bei Beginn des Winterkrieg:
400.000 Mann, 9 Divisionen
145 Flugzeuge
2 Küstenpanzerschiffe, 5 U-Boote

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