F4 Corsair

US-FlaggeF4 Corsair, der US-Jagdbomber mit der höchsten Luftsieg-Quote aller Zeiten.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

F4 Corsair der Royal Navy

Eine F4 Corsair der Royal Navy. Die englische Marine war die erste, die Corsairs auf Flugzeugträgern verwendete.

Vought F4 Corsair
Typ: US bordgestützter Jagdbomber.

Geschichte:

Die Produktion der F4 Corsair hielt für mehr als zehn Jahre an und der Typ blieb bis 1965 in Dienst. Die Gesamtproduktion belief sich auf 12.571 F4 Corsair.
Die Vought F4 Corsair war der beste bordgestützte Jäger des 2.Weltkrieges und stach in mancher Hinsicht sogar die P-51 Mustang aus. Doch trotz dieser herausragenden Qualitäten unternahm die F4U Corsair fast die Hälfte ihrer operativen Einsätze von Landbasen aus. Nachdem die F4U Corsair in Dienst gestellt wurde, hielt die US Marine das Jagdflugzeug für fast ein Jahr als ungeeignet, um es von Flugzeugträgern aus einzusetzen.

Trotzdem errang das großartige Jagdflugzeug eine beeindruckende Siegesserie. Allein im Pazifik konnten die F4U 2.140 japanische Flugzeuge bei einem Verlust von lediglich 189 Corsairs in 64.051 Einsätzen abschießen. Diese Einsatzstatistik ist ohne Konkurrenz in der Geschichte des Luftkrieges. Von den Japanern wurde die Corsair deshalb als ‘pfeifender Tod’ bezeichnet.
Die Abschuss-Quote gegenüber der Zero betrug im letzten Kriegsjahr Zwölf zu Eins, während es gegenüber den neueren japanischen Jagdflugzeugen Ki-84 Hayate, J2M Raiden und N1K1-J Shiden lediglich Sieben zu Eins war.
Dabei muß allerdings für das ‘lediglich’ bei den moderneren japanischen Jägern berücksichtigt werden, daß zu diesem Zeitpunkt ein japanischer Pilot nur noch 100 Trainingsstunden erhielt mit praktisch keinerlei Ausbildung zum Luftkampf zwischen Jagdflugzeugen, während der Amerikaner 400 bis 500 Ausbildungsstunden hatte.

Die Corsair wurde Anfang 1938 aufgrund eines Auftrages der US-Marine entwickelt, die den Bau eines Prototyps am 30. Juni anordnete. Der Chefkonstrukteur der Firma Vought, Tex B. Beisel , entwarf die kleinste noch mögliche Zelle, welche mit dem stärksten verfügbaren Motor ausgerüstet werden konnte. Er entschied sich für den neuen 2.000 PS starken Pratt&Whitney XR-2800 Double Wasp 18-Zylinder-Motor, der sich gerade in der Entwicklung befand.
Ein Propeller mit großem Durchmesser war notwendig um die Kraft des starken Motors umzusetzen, was wiederum zu den Knick-Flügeln führte, welche die Corsair so sehr kennzeichneten. Diese hielten den großen Propeller – den größten der jemals in einen Jäger eingebaut wurde – davon ab, den Boden zu berühren und ermöglichten ein Fahrgestell einzubauen, daß den Belastungen von Decklandungen auf Flugzeugträgern standhalten konnte.

Der Prototyp, die XF4U-1, flog zum ersten Mal am 29. Mai 1940 und erwies sich gleich zu Beginn als herausragender Erfolg. Am 1. Oktober, während eines Überführungsfluges, erreichte die Corsair als erstes amerikanisches Flugzeug eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 400 Meilen (643 km/h) in der Stunde.

Der Feinschliff benötigte jedoch noch eine lange Zeit. Zunächst wurde die Bewaffnung verstärkt. Dies bedeutete, die Treibstofftanks neu zu platzieren und einen weiteren im Rumpf einzubauen. Danach mußte das Cockpit um fast einen Meter zurückversetzt werden, was zu Sichtproblemen für den Piloten auf dem Boden führte. Und es war die Frage der unzureichenden Sicht für den Piloten über die lange Nase hinweg, die offizielle Stellen von einer Verwendung der Corsair auf Flugzeugträgern so lange Zeit abhielten.
Dennoch wurde ein erster Auftrag über 584 F4U am 30. Juni 1941 erteilt, und das erste Serienmodell war ein Jahr später fertig.

Bis Ende 1942 hatte die US-Marine 178 Flugzeuge erhalten, wenn auch die Corsair nicht vor April 1944 von Flugzeugträgern aus eingesetzt wurde.
Die Corsair wurde erstmals von den US Marines am 13. Februar 1943 von Guadalcanal aus eingesetzt. Die US Navy setzte ihre F4U erst einmal nur von Landbasen aus ein.

F4U-7 Corsair

Einige Corsair sind immer noch flugfähig. Dies ist eine F4U-7 der letzten Produktionsserie mit vier 20-mm-Kanonen und einer Zuladung von bis zu 1.814 kg mit Markierung aus dem Suez-Konflikt.

Die F4U-1A Untertypen hatten unterschiedliche Cockpits, während die F4U-1D aus dem Jahr 1944 einen stärkeren Motor und schwerere Bewaffnung mit 20-mm-Maschinenkanonen erhielt.
Die F4U-1 Corsair war die zahlenmäßig stärkste Version: insgesamt wurden 4.102 von Vought, 4.014 von Goodyear und 735 von Brewster gebaut. Großbritannien erhielt 2.012 Corsair und Neuseeland 370.

Die letzte Version, welche während des Zweiten Weltkrieges gebaut wurde, war die F4U-4 mit einem 2.450-PS-Motor. Nur wenige davon kamen noch vor der japanischen Kapitulation zum Einsatz.
Die Produktion der Corsair lief noch bis 1952 und viele davon kamen im Korea-Krieg zum Einsatz.

Bewaffnung und Zuladung

Eine Bombenzuladung unter den Flügeln und Raketen waren für die Corsair von Beginn der Entwicklungsphase an vorgesehen gewesen. Jedoch bestand die grundsätzliche Bewaffnung aus Maschinengewehren, welche in die Flügel eingebaut waren.
Dies waren sechs 12,7-mm-Colt-Browning M2 zusammen mit Munition und einer Geschoßgeschwindigkeit von 865 m/s und 800 Schuss je Minute. Die Patronengurte hatten selbstabwerfende Metallbindungen. Um die Geschosskartuschen davon abzuhalten, in den Gurt des benachbarten Maschinengewehrs zu geraten, wurden die Browning-MGs wie in einem Treppenhaus angeordnet. Das Maschinengewehr am nächsten zur Flügelspitze wurde am weitesten zurückversetzt, während dasjenige am nächsten zum Rumpf am wenigsten versetzt war.

Jedes der zwei Maschinengewehre in jedem Flügel, welche am nächsten zur Flügelzelle platziert waren, hatte einen 200-Schuss-Maginzkasten. Die äußersten Maschinengewehre waren in einem dünneren Abschnitt des Flügels montiert und hatten einen kompakteren Munitionskasten mit nur jeweils 175 Schuss.
Die sechs Maschinengewehre waren so kalibriert, daß sie ein 1,80 Meter großes Ziel auf eine Entfernung von 305 Metern trafen.
Den Auslöser für etwa eine Sekunde niederzudrücken, führte zum Abschuß von etwa 8 Geschossen und die gesamte Feuerzeit betrug etwa 30 Sekunden.

Dies war nach den damaligen Standards eine Menge und ermöglichte sieben Piloten des US-Marine-Korps und zwei der US-Navy fünf Abschüssen innerhalb eines Tages zu erzielen und damit sofort zu einem Flieger-‘Ass’ zu werden.
Der Rekord wurde dabei von Alfred Lerch von der Trägereinheit VF-10 aufgestellt. Vom Flugzeugträger Interpid aus, schoss er am 6. April 1945 sieben feindliche Flugzeuge ab. Während des gleichen Luftkampfs schoss Lerchs Vorgesetzter, Leutnant Phillip Kirkwood, sechs japanische Flugzeuge ab.
Zwei Wochen später schoss Major Jefferson Dorroh von VMF-323 in der gleichen Gegend ebenfalls sechs feindliche Flugzeuge während eines Luftkampfs ab.

Drei verschiedene Arten von Munition wurden zumeist verwendet: Panzerbrechende Brandmunition (API), Vollkugeln und Leuchtspurgeschosse. Die Anordnung auf dem Munitionsgurt war in Abhängigkeit von dem Bedarf und Wünschen bei den einzelnen Staffeln oder Piloten. Der Einfluß des Gewichts der Geschoßtypen auf die Ballistik wurde dadurch minimiert, daß gewöhnlich nur auf kurze Entfernungen gefeuert wurde.

Diese Angaben gelten für die F4U-1, F4U-1A und F4U-2 von 1942 bis 1944, jedoch nicht für die F4U-1C, welche mit Maschinenkanonen bewaffnet war.
Hierbei widersprachen sich die zwei Ansichten, was besser sei: entweder auf kurze Entfernung eine Masse von kleineren Geschossen auf ein Ziel abzufeuern, oder einen tödlicheren Schlag mit weniger schnell feuernden Kanonen durchzuführen.
Die ursprüngliche Entscheidung, die F4 Corsair mit sechs Maschinengewehren zu bewaffnen, beruhte darauf, daß das 12,-7-mm-Maschinengewehr zu diesem Zeitpunkt die Standardbewaffnung aller amerikanischen Jagdflugzeug war. Und dieses Argument zusammen mit der einfacheren Versorgung war wichtiger, als eine schwerere Bewaffnung. Dazu waren die japanischen Flugzeuge dieser Zeit auch kaum gepanzert.

Die Bordbewaffnung der F4 Corsair wurde durch einen Auslöser an der Vorderseite des Steuerknüppels aktiviert, während Bomben oder Raketen durch einen Knopf auf dem oberen Ende abgeworfen bzw abgefeuert wurden.

Zwar war die Corsair als ein Jagdflugzeug konstruiert worden, das Haupteinsatzgebiet lag jedoch vor allem beim Angriff gegen Bodenziele. In der Jagdbomber-Rolle bestand die Hauptbewaffnung nicht aus den Bordwaffen, sondern in den Zuladungen unter den Flügeln.
Sie konnte 227-kg- und 453-kg-Sprengbomben tragen oder die gleiche Menge an panzerbrechenden oder Napalm-Bomben sowie ungelenkte Raketen.
Beginnend mit der F4U-1 konnte die Zuladung an drei unterschiedliche Stationen angebracht werden: zwei Unterflügel-Stationen und einer unter dem Rumpf. Dazu konnten Raketen in ‘Null-Längen’-Gehäusen in der Nähe der Flügelenden angebracht werden.

Die Weiterentwicklung bei der Anbringung von Zuladungen führten zu einer maximalen externen Kapazität von bis zu 1.359 kg, welche im letzten Jahr des Krieges im Pazifik transportiert wurde. Allerdings genügten für die meisten Einsätze zwei 227-kg oder eine 457-kg-Bomben.
An den universellen Stationen konnten auch Zusatztanks oder Napalm-Bomben getragen werden.

Corsair greift Stellung an

Eine F4U Corsair der US-Marine greift mit Luft-Boden-Raketen die japanischen Stellungen an.

Von den Raketen, welche üblicherweise mit der Corsair verwendet wurden, dominierten zwei Typen. Zum einen die 7,62-cm-Standard-Geschwindigkeits und die 12,7-cm-Hochgeschwindigkeits-Rakete.
Am meisten wurde die Hochgeschwindigkeits-Rakete, als HVAR bezeichnet, verwendet. Diese hatte die größte Reichweite, die stärkste Wirkung und war relativ leicht wegen ihrer geraden Flugbahn anzubringen. Der Haupteinsatz erfolgte gegen Erd- und Beton-Stellungen.

Es war zudem natürlich, daß F4U Corsair von Landstützpunkten auch eine wesentliche größere Zuladung mit sich führen konnten, als die später von Flugzeugträgern aus eingesetzten Einheiten.
Eine Corsair mit knapp 1.360 kg an Waffenzuladung benötigte eine Startbahn von über 1.600 Metern. Auf Flugzeugträgern war das Gewicht der Zuladung abhängig von Windrichtung, Geschwindigkeit des Schiffs und Länge des Flugdecks. Selbst unter den günstigsten Umständen und mit einem guten Katapult war selten die halbe Zuladung wie von einem Landstützpunkt aus möglich.

Dies war üblicherweise bei guten Windverhältnissen nur die volle Munitionsaussattung für die Bordwaffen und eine 453-kg-Bombe und bei wechselnden Windverhältnissen neben der Munition lediglich eine 227-kg-Bombe. Herrschte dagegen ständiger Rückenwind vor, wurde die volle Munition für die Bordwaffen und maximal vier, manchmal sogar nur zwei, Raketen mitgeführt.

Alle Corsair verfügten über eine Geschütz-Kamera in einem Außenflügel, welche auf den Konvergenzpunkt der Bordbewaffnung eingestellt waren. Die Kamera wurde zusammen mit der Bewaffnung ausgelöst und war mit einer durchsichtiger Plastikfolie geschützt sowie unabhängig beheizt, ebenso wie auch die Waffenbehälter für die Bordwaffen, um diese vor Vereisung zu schützen.


Animation 3D-Modell F4U-1 Corsair


Daten für Vought F4U-1 Corsair

Spezifikationen
Vought F4U-1 Corsair Spezifikation
Antrieb 1 x 2.000 PS Pratt & Whitney R-2800-8(B) Double Wasp 18-Zylinder-Doppelsternmotor
Besatzung 1
Spannweite 12,48 m
Länge über alles 10,18 m
Höhe über alles 4,91 m
Leer-Gewicht (F4U-1A) 4.025 kg
Höchstgewicht 5.950 kg
Höchstgeschwindigkeit 671 km/h
Steigleistung 880 m/min.
Dienstgipfelhöhe 11.250 m
Reichweite 1.635 km
Bewaffnung
Vought F4U-1 Corsair Spezifikation
in den äußeren Faltflügeln 6 x 12,7-mm Brownings-MG-53-2 [Geschossgewicht 48,5 g; Geschossgeschwindigkeit 865 m/s; Feuergeschwindigkeit 800 Schuss/min] (vier mit je 200, die beiden äußeren nur 175 Schuss)
Außenstationen maximal 727-Liter Abwurftank, zwei 454-kg (oder 227 kg)-Bomben oder bis zu acht Raketen
Einsatzstatistik
Vought F4U-1 Corsair Angaben
Erstflug XF4U 29. Mai 1940
Serienproduktion Juni 1942
Truppenlieferung Juli 1942
Erster Kampfeinsatz 13. Februar 1943
Endlieferung F4U-7 Dezember 1952
Stückzahl 178 F4U-1 bis Ende 1942; 8.673 F4U danach. Insgesamt: 12.681 (davon 2.012 für England und 370 für Neuseeland)
Einsätze Pazifik 1943-1945 (alle Modelle) 64.051
US Luftkampf-Verluste Pazifik 1943-1945 189
US Feindabschüsse Pazifik 1943-1945 2.140
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