britische FahneDie britische Armee in Südost-Asien 1941 bis 1945.
Organisation, Divisionen, Kriegsgliederung 1941/42 und 1945 und Uniformen.

Gruppe britischer Soldaten von Slims 14. Armee in Burma
Eine Gruppe britischer Soldaten von Slims 14. Armee in Burma werden durch ihren Kompanieführer instruiert. Eine Vielzahl an Waffen ist sichtbar, darunter die Sten-MPi, das leichte Bren-MG und das Enfield-Gewehr. Das zerfledderte Aussehen der Soldaten spiegelt die Härte des birmanesischen Terrains wieder.

Britische Armee in Südost-Asien

Die in Burma kämpfenden britischen Truppen sahen sich selbst als die ‘Vergessene Armee’ bei den alliierten Kriegsanstrengungen an. Gleichzeitig war ihr Feldzug wohl der härteste, dem britische Truppen irgendwo ausgesetzt waren, was vor allem in Bezug auf das Gelände und dem Klima, aber auch auf den fanatisch kämpfenden Gegner, zutraf.
Deshalb nahmen Versorgungs- und medizinische Probleme eine Bedeutung an, welche zeitweise den eigentlichen Kampfauftrag in den Hintergrund drängten. Der Feind, welchen sie auch noch bekämpften, machte dagegen seine unzulängliche Logistik mit einer Grausamkeit und Zähigkeit wett, welche bei Militäroperationen nur selten vorgekommen war.

Der Feldzug im Fernen Osten gliederte sich in drei Hauptphasen:

  • Erstens der Verlust von Hongkong und Malaysia und der Rückzug aus Burma;
  • Zweitens eine Periode der defensiven Konsolidierung mit kleineren offensiven Operationen im Arakan und dem Einsatz von Chindit-Unternehmungen;
  • Drittens ein siegreicher Vormarsch durch Burma.

Die anfängliche Niederlage war vor allem auf den Einsatz ungeeigneter Streitkräfte, auf eine Unterschätzung des Feindes und der noch unbekannten Problemen der Dschungelkriegsführung zurückzuführen. Zugleich wirkte sich negativ aus, dass viele Einheiten ihre erfahrenen Offiziere und Unteroffiziere abgegeben mussten, um als Kader für neue Formationen zu dienen.

Als die Japaner im Dezember 1941 angriffen, rumorte der lange Streit zwischen den drei britischen Waffengattungen über den strategischen Einsatz ihrer jeweiligen Streitkräfte immer noch weiter im Hintergrund.
Trotz der Schaffung eines Oberkommandos und der neuen Ernennung eines Oberbefehlshabers im Fernen Osten im November 1940 war die Verteidigung noch lange nicht ausreichend koordiniert.

So gab es zwei Oberbefehlshaber in Singapur, das General Officers Commanding in Burma, Malaysia und Hongkong, welche dem Kriegsministerium gegenüber verantwortlich waren. Dazu kamen die Gouverneure von Hongkong, Burma und den Straits Settlements, die dem Kolonialbüro unterstellt waren.
Die Truppen in Indien unterstanden ihrem eigenen Oberbefehlshaber und erhielten erst am 12. Dezember 1941 den Auftrag, Burma zu verteidigen.
Die Kommandoverhältnisse über den Kriegsschauplatz in Südost-Asien wurden die Schaffung des ABDA (American-British-Dutch-Australian, also Amerikanisch-Britisch-Holländisch-Australisches) Oberkommandos für den südwestpazifischen Raum am 4. Januar 1942 weiter verkompliziert.

Organisation

Die Schwerpunkte der britischen Truppenkonzentrationen in Südost-Asien außerhalb von Indien lagen in Malaysia, Singapur, Ceylon, Burma und Hongkong. Die zwei Bataillone, welche die Nordchina-Garnison in der Stadt Schanghai bildeten, waren bereits im August 1940 abgezogen worden.

General Percival führt seine Delegation zur Kapitulation ins japanische Hauptquartier
General Percival (rechts) führt seine Delegation zur Kapitulation ins japanische Hauptquartier von Yamashita bei Bukit Timah, 6 km vor Singapur. Dies war die größte britische Kapitulation in der Geschichte.

Die Streitkräfte in Malaysia beinhalteten drei britische Infanterie-Bataillone in der Festung Singapur und ein Bataillon in jeder der drei indischen Infanterie-Brigaden (6., 12. und 15.).
Weiterhin gab es zwei Infanterie-Bataillone bei der Garnison von Hongkong, jeweils bei der Festlands-Infanterie-Brigade und Insel-Infanterie-Brigade unter dem Hauptquartier des ‘China-Kommandos’.
Die zwei britischen Bataillone in Burma verfügten im Dezember 1941 nur jeweils über zwei Infanterie-Kompanien und diese wurden daher im Rahmen der 1. Burma-Brigade und der Garnison von Rangun eingesetzt.

Verstärkungen mit weiteren britischen Truppen trafen noch in Malaysia und Burma ein, vor allem die 18. Infanterie-Division und die 7. Panzer-Brigade, letztere allerdings mit nur zwei ihrer drei Regimentern.
Von den 38 Bataillonen, welche Singapur bis zu seiner Kapitulation verteidigten, waren 13 vollständig britisch.

Ölfeld Yenangyuang in Flammen
Ausrüstungsmaterial steht auf dem Ölfeld Yenangyuang nördlich von Rangun (Burma) in Flammen, während die Briten den Rückzug vorbereiten.
Die Truppen, welche nahezu 1.600 Kilometer durch die gesamte Länge Burmas sich zurückzogen, waren im Bur-Korps organisiert. Dieses bestand aus zwei Divisionen, der 1. Burma-Division und der 17. indischen Infanterie-Division. Im April 1942 gehörten dazu etwa 13.700 Mann britischer Soldaten, zusammen mit Abteilungen aus dem britischen Empire und der Dominions.

Die Verteidigung von Indien und Ceylon und insbesondere Maßnahmen zur Sicherstellung der inneren Ordnung dort, banden eine große Menge der verfügbaren Truppen im Fernen Osten. Im August 1942 wurden zum Beispiel 57 Bataillone eingesetzt, um innere Unruhen in Indien einzudämmen.
Die Gefahr politischer Unruhen in der Kronkolonie wurde schon seit dem Ausbruch des Krieges in Europa immer alarmierender, nachdem viele reguläre Einheiten, welche in Indien stationiert waren, nach Großbritannien oder in den Nahen Osten verlegt worden waren. Diese wurden durch Territorialtruppen ersetzt, welche natürlich mit dem indischen Subkontinent und seiner Bevölkerung unvertraut waren.

Britische Kriegsgliederung Südost-Asien Dezember 1941 bis Februar 1942 und Indien am
21. April 1942:

OberkommandoArmee/KommandoKorpsDivisionen
ABDA Commando (ab 25.12.1941)Malaya Command Reserven12. ind. Inf.Brigade (dazu im Januar 1942: 18. brit. Inf.Div., 44. und 45. ind. Inf.Brigade der 17. ind. Inf.Div.)
III. ind.9., 11. ind. Inf.Div., 28. ind. Inf.Brigade
Festung Singapur1., 2. malaysische Inf.Brigade
A.I.F.8. austral. Inf.Div.
Hongkong GarnisonFestlands-Brigade, Insel-Brigade (insg. 2 britische, 2 indische und 2 kanad. Bataillone)
Burma-ArmeeReserven16. ind. Inf.Brigade (dazu im Jan. und Feb. 1942: HQ 17. ind. Inf.Div., 46., 48., 63. ind. Inf.Brigade, 7. Panzer-Brigade)
Garnison von Rangun, 1. Burma-Div.
Oberbefehlshaber IndienÖstliche ArmeeReservenAssam Inf.Div., 1. brit. Inf.Brigade
XV. ind.14., 26. ind. Inf.Div.
IV. ind.23., 70. ind. Inf.Div.
Südliche Armee19., 20. ind. Inf.Div., 50. Tank-Brigade, 251. ind. Panzer-Brigade


Die Armee in Indien war in drei Kommandobereiche unterteilt: das Nord-, Ost- und Süd-Kommando. Am 21. April 1942 wurde das indische Kommando aber neu organisiert und es waren ihm die Masse der Trainingslager und Einrichtungen unterstellt, sowie drei Armeen. Diese waren die Süd-, Ost- und Nordwest-Armeen.
Zum hauptsächlich aktiven Kommando wurde natürlich die Ost-Armee, welche für die Verteidigung von Assam, Bengalen, Bihar und Orissa verantwortlich war und hauptsächlich aus den dortigen Einheiten wurde die 14. Armee im Oktober 1943 gebildet.

britischer Soldat in Burma überwacht Anmarschwege
Ein britischer Soldat in Burma überwacht die Annäherung von Japanern während des Unternehmens U-Go.
Die Leitung der Operationen, welche Indien oder Ceylon betrafen, wurden von dem Oberbefehlshaber Indien, General Sir C. Auchinleck, zur neuen Dienststelle des handelnden Admirals Lord Louis Mountbatten übertragen, welcher alliierter Oberbefehlshaber Südost-Asien (SEAC) wurde.
Die Landstreitkräfte des SEAC bestanden aus der 14. Armee und dem Armee-Kommando Ceylon und wurden unter dem neuen Hauptquartier der 11. Armee-Gruppe (Heeresgruppe) zusammengefasst.
Die 14. Armee bestand aus dem XV. Korps (5., 7. indische Divisionen und 81. Westafrikanische Division) und IV. Korps (17., 20., 23. und 26. indische Infanterie-Division und die 254. indische Panzer-Brigade).
Das XXXIII. Korps (2. britische und 36. indische Infanterie-Division) war zwar auch dem Südostasien-Kommando zugeteilt, blieb aber dem Indien-Kommando unterstellt, ebenso wie die 19. und 25. indische Division und die 50. Panzer-Brigade.
Die wichtigsten Formationen des Ceylon-Armee-Kommandos waren die 11. Ostafrikanische Division und die 99. indische Infanterie-Brigade.

Chindits sprengen Eisenbahngleise in Burma
Wingates Chindits sprengen Eisenbahnbrücken der Bahnverbindung von Mandalay nach Indwa, hinter den japanischen Linien in Burma. Jedoch sind 1/3 Verluste der Chindits zu hoch, um die geringen Schäden zu rechtfertigen. Aber das Unternehmen ist ein propagandistischer und moralischer Erfolg.

Eine Reihe von Sonderverbänden waren dem SEAC angeschlossen, darunter das 44. Royal Marine Kommando, das 5. Kommando und die 3. Special Service (SS) Brigade.
Die wichtigste Sondereinheit war die 3. indische Division, zu der die Tiefen-Eindring-Gruppen der Chindits unter Generalmajor Orde Wingate gehörten.
Die ersten dieser LRP-Gruppen (Long Range Penetration) wurden im Juli 1942 als die 77. indische Infanterie-Brigade aufgestellt. Diese wurden aber auf eine Stärke von sechs Infanterie-Brigaden (14., 16., 23., 77., 111. und 3. westafrikanische) durch die Auflösung der 70. britischen Division und einer geeigneten Brigade der 81. westafrikanischen Division gebracht.
Jede dieser Sonderkommando-Brigaden bestand aus einer Anzahl von Kolonnen, entweder aus Briten oder Gurkhas zusammengesetzt. Die britischen Kolonnen waren 306 Mann und die Gurkhas 369 Mann aller Ränge stark.
Jede Kolonne hatte eine RAF-Abteilung, eine Sanitätsabteilung, Fernmelder, Sabotage-Gruppe, ein Zug Burma-Schützen, eine Infanterie-Kompanie und eine Unterstützungs-Gruppe.
Auf voller Sollstärke und einschließlich Divisionsdienste und angeschlossener Truppenteile waren die Chindits zusammengenommen etwa zwei Divisionen stark.

M3A5 in Burma
Ein M3A5 im Einsatz mit britischen Truppen in Burma 1945. Dieses Model wurde von den Briten als Grant II bezeichnet.

Im Frühjahr 1945 bestanden die alliierten Bodentruppen in Südost-Asien aus einem Gruppenkommando-Hauptquartier, einem Armee-Hauptquartier, drei Korps-Hauptquartieren, einem Kampfzonen-Kommando mit zwei chinesischen Armeen, zwei britischen, zwei westafrikanischen, einer ostafrikanischen und sieben indischen Divisionen.

Kriegsgliederung Südost-Asien-Kommando im April 1945:

KommandoArmeeKorpsDivisionen
Indisches Armee-Kommando14., 23.. 39. ind. Inf.Div., 44. ind. Luftlande-Div. (alles Ausbildungsverbände)
Alliierte Landstreitkräfte Südost-AsienXV.81., 82. westafrikan. Div., 3. Kommando-Brigade
Kommando nördliches Kampfgebietin Verlegung nach Indochina2. brit. Inf.Div.
36. brit. Inf.Div., US 'Mars' Force
neue 1. chin. Armee30., 38. chin. Inf.Div.
neue 6. chin. Armee14., 22., 50. chin. Inf.Div.
14. ArmeeReserven25., 26. ind. Inf.Div., 11. ostafrikan. Inf.Div.
IV. 5., 17., 19. ind. Inf.Div., 255. ind. Tank-Brigade
XXXIII.7., 20. ind. Inf.Div., 254. ind. Tank-Brigade
Indisch-Burmesischer Kriegsschauplatzinsg. 12 chinesische Infanterie-Divisionen in Yunnan
Chinesischer Kriegsschauplatz(nicht relevant für diese Kriegsgliederung)

Truppen der Britischen 14. Armee durchkämmen eine Ortschaft
Truppen der Britischen 14. Armee durchkämmen eine Ortschaft in Burma nach zurückgebliebenen Japanern.

Die erfolgreichen Operationen in Süd-Burma und die Anforderungen für die geplante amphibische Unternehmung gegen Malaysia erforderten im Mai und Juni 1945 eine notwendige Umstrukturierung des Kommandos.
So wurde das Hauptquartier der 14. Armee von Burma zurück nach Indien verlegt, um die Invasion von Malaysia zu leiten und in Burma übernahm die neue 12. Armee, welche am 28. Mai 1945 aktiviert wurde, den Befehl.

Die 14. Armee, welche fast 1 Million Mann in den Jahren 1944 und Anfang 1945 stark war, war die größte einzelne Armee des Zweiten Weltkriegs und wurde schließlich am 1. Dezember 1945 aufgelöst.
Zu verschieden Zeitpunkten unterstanden der Armee bis zu vier Korps (IV., XV., XXXIII. und XXXIV.) und insgesamt 13 Divisionen wurden in ihrem Rahmen eingesetzt. Dies waren die 2. und 36. britische, die 5., 7., 17., 19., 20., 23., 25. und 26. indische, die 11. ostafrikanische sowie die 81. und 82. westafrikanische Division.

Die britischen Verluste in Burma zwischen dem 11. Dezember 1941 und dem 15. September 1945 beliefen sich auf 25.170 Offiziere und Mannschaften. Davon sind 6.921 Gefallene, 15.585 Verwundete und 2.664 Vermisste oder Kriegsgefangene.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die gesamte Britische Armee 569.5091 Mann Verluste. Von diesen wurden 144.079 getötet, 239.575 verwundet, 33.771 vermisst und 152.076 gerieten in Kriegsgefangenschaft.

Uniformen

Britischer Soldat Burma 1945
Gefreiter (Lance-Corporal) der britischen Armee in Burma 1945. Der Soldat trägt die Abzeichen der 19. indischen Division.

Zu Beginn des Krieges im Fernen Osten trugen britische Soldaten die gleiche Khaki-Drilluniform, die im Nahen Osten getragen wurde. Aber Sandgelb war eher eine ungeeignete Farbe für den Dschungelkrieg und dazu war diese Uniform sowohl unbequem als auch unpraktisch.

1942 wurde eine neue Dschungel-grüne Uniform eingeführt, die bis zu den Feldzügen von 1943 und 1944 zum Standard geworden war.
Diese Basisuniform wurde aus einem Dschungel-grünen Zellmaterial gefertigt und bestand aus einer Buschjacke und einem Hemd mit langen und kurzen Ärmeln sowie langen und kurzen Hosen. Verschiedene Arten von Regiments-Kopfbedeckungen wurden getragen, wenn man sich nicht im Einsatz befand. An der Front
jedoch war die häufigste Kopfbedeckung der Stahlhelm oder der Schlapphut.

Die gewobenen Ausrüstungsgegenstände wurde oft dunkelgrün oder schwarz bemalt, um die Tarnung der Kleidung zu verbessern und sie unempfindlicher gegen die Feuchtigkeit im Dschungel zu machen.
Wie die australischen Dschungelkämpfer trugen auch die britischen Soldaten und diejenigen aus den Dominions in Burma ihre Ausrüstungsgegenstände in einer für den Urwald geeigneten Weise.

Rangabzeichen wurden wie bei den gewöhnlichen, europäischen Uniformen getragen, mit der Ausnahme, dass metallene Abzeichen oft schwarz angemalt wurden. Die Chevrons für Unteroffiziere wurden mit normalem Klebeband angezeigt. Formations- oder Rangabzeichen wurden nur manchmal in besonderer Weise getragen (wie bei dem Soldaten im Bild rechts).

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