BM-13 Katjuscha Stalinorgel

Sowjetische FlaggeSowjetischer Mehrfach-Raketenwerfer BM-13, BM-13N, BM-8-48, BM-31 Katjuscha oder Stalinorgel.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

3D-Modell BM-13N Katjuscha

3d-Modell BM-13N Katjuscha.

Mehrfach-Raketenwerfer BM-13, BM-13N, BM-8-48, BM-31 (Katjuscha oder Stalinorgel).
Typ: Artillerie-Selbstfahrlafette.

Geschichte

Die erste, in grösseren Mengen gebaute, selbstfahrende russische Artillerie-Waffe waren nicht eine konventionelle Kanone, sondern eine neuartige Raketen-Waffe.
Im Juni 1938 hatte das GAU die RNII (Wissenschaftliches Entwicklungs-Institut für Strahlantrieb) ermächtigt, einen Boden-Mehrfach-Raketenwerfer zum abfeuern der RS-132 Luft-Boden-Raketen zu entwickeln. Ein Design-Team unter I. Gvay entwickelte eine 24-Schienen-Raketenwerfer für modifizierte M-132-Raketen, zum abfeuern über die Seite eines ZiS-5 LKW.
Die Montage erwies sich während des Abfeuerns als instabil, was zu einem zweiten Prototyp namens MU-1 führte (Mechanisches Gerät-1). Dies war auch ein Fehlschlag, der V.N.Galkovskiy vorschlagen ließ, dass die Raketen in Längsrichtung des Fahrgestells abgefeuert werden sollten.

Dies führte zu dem BM-13 (Kampffahrzeug für M-13-Raketen), welches im August 1939 fertiggestellt wurde. Feldversuche mit einer Vielzahl von verschiedenen Arten Raketen fanden während des ganzen Jahres 1940 statt, als das GAU schließlich die Genehmigung für das Fahrzeug BM-13-16 (Kampffahrzeug für M-13-Raketen mit sechzehn Starter-Schienen) erteilte.

Jedoch wurden nur 40 fertig gestellt, bevor der Krieg begann. Die neue Waffe wurde unter größter Geheimhaltung bewacht und bei Ausbruch des Krieges wurde eine besondere Einheit unter NKWD-Leitung aufgestellt.
Die erste Batterie Katjuschas ging in der Nähe des Bahnhofs Orscha am 7. Juli 1941 in den Einsatz und erwies sich als ein sofortiger Erfolg.

Das GAU war dermaßen beeindruckt und ordnete die sofortige Massenproduktion auf provisorischer Basis an. Die Raketenwerfer waren als so geheim eingestuft, dass sie eine Vielzahl von Tarn-Namen wie Kostikow-Kanonen u.ä. erhielten. Schließlich wurden sie offiziell als Garde-Mörser benannt, aber ihr üblicher Name wurde Katjuscha, die verniedlichende Form des Namens Katherina, nach einer zu dieser Zeit in Russland populären Melodie mit gleichen Namen von Isakowskiy. Das Geheule der Katjuscha-Raketen brachte die Deutschen dazu, sie Stalinorgel zu nennen.

BM-13 uaf Artillerie-Traktor STZ-5

BM-13 auf Artillerie-Traktor STZ-5

Obwohl ursprünglich auf LKW montiert, wurden 1941 Versuche zur Entwicklung anderer Fahrgestelle für eine bessere Geländegängigkeit unternommen. Einige BM-13-Werfer wurden auf die STZ-5-Artillerie-Zugmaschine gesetzt und in kleinen Stückzahlen produziert. Es gab auch eine Version auf dem KW-Panzer, die aber nur in geringer Menge hergestellt wurde, da es eine völlige Verschwendung eines guten, schweren Panzers für eine Rolle war, die auch leicht zufriedenstellend von einem weniger teuren Fahrgestell erfüllt werden konnte.

BM-8-48 auf ZIS-LKW

BM-8-48 auf ZIS-LKW

Im August 1941 wurde eine zweite Art von Katjuscha-Raketen entwickelt, die M-8-82mm-Rakete. Sie war kleiner und hatte eine kürzere Reichweite. Diese wurden unter dem Namen BM-8-36 auf Lastwagen montiert, oder auf leichte Panzerfahrgestelle ohne Turm, wie die T-40 und T-60, als BM-8-24.

1942 entwickelten die Sowjets dann eine Version der M-13 Katjuscha-Rakete mit einem vergrösserten Sprengkopf, die M-30. Im Gegensatz zu den beiden anderen Arten wurde die M-30 nicht auf Selbstfahrlafetten montiert, sondern wurde von Schienen aus abgefeuert. Selbstfahrlafetten dieser schweren Version kamen nicht vor 1944 als BM-31 zur Truppe.

Die Hauptattraktion der Stalinorgel-Raketenwerfer war, dass sie billig zu produzieren waren und auch durch kleine Fabriken – ohne die aufwendigen Werkzeugmaschinen, welche für konventionelle Artillerie benötigt wird – herzustellen waren. Ein BM-13-Salve verschoss 4,35 t Raketen und hochexplosiven Sprengstoff auf einen 10 Hektar großen Fläche in einem schrecklichen, 7-10 Sekunden andauernden, Angriff. Obwohl nicht so genau und weit schießend wie konventionelle Artillerie, war die Katjuscha viel mehr von den deutschen Soldaten gefürchtet, als herkömmliche Artillerie.

Bis zum Ende des Krieges wurden ca. 10.000 Stalinorgel-Raketenwerfer hergestellt, vor allem für die Armee, aber auch einige für die Fluss-Kanonenboote der Marine. Die Mehrzahl der Raketenwerfer der Armee wurden auf Selbstfahrlafetten geliefert.
Die BM-8, BM-13 und BM-31 wurden zunächst alle auf den ZiS-6 LKW oder dessen Derivate, wie die ZiS-5 und ZIS-5V, montiert.

BM-13N Katjuscha

Eine BM-13N Katjuscha, auf einem Studebaker US6-LKW montiert, feuert ihre M-13-Raketen während der Schlacht um Berlin ab. Die Raketen konnten in einer Salve oder einzeln abgefeuert werden.

Als 1942 die ersten Lend-Lease-Lastwagen zur Verfügung standen, wurde der Raketenwerfer auf eine Vielzahl von amerikanischen, britischen und kanadischen Lastwagen, wie den Chevrolet I 1/2 Tonner, International K, Ford WOT-8, GMC 2 1/2 Tonner und Studebaker US6 2 1/2 Tonnen-LKW, montiert.
Die Lend-Lease-Typen wurden manchmal als BM-13S bezeichnet. Die überlegene Geländegängigkeit des Studebaker US6 brachte das GAU dazu, die Stalinorgel auf diesen Typ als BM-13N (N = Narmalizovanniy, in Deutsch ‘Standard’) zu standardisieren.

Die BM-8-Raketenwerfer konnten auch auf kleinere Chassis wie den GAZ-67 Jeep als BM-8-8 montiert werden. Er wurde jedoch auch auf größere Fahrzeuge mit mehr Schienen, als BM-8-48 auf den Studebaker US6, montiert.
Die großen BM-31 Raketenwerfer-Gestelle waren stets in größeren Lastkraftwagen, die erste auf ZiS-6, aber häufiger auf den Studebaker US6, montiert. Katjuscha-Raketen wurden auch auf gepanzerte Züge montiert.

Nach dem ersten Erfolg der BM-13 Katjuscha-Batterie in Orscha, beeilte sich die Rote Armee weitere Garde-Mörser-Einheiten aufzustellen.
Die ersten Garde-Mörser-Batterien hatten jeweils sieben BM-13, aber im Juli 1941 wurde deren Anzahl auf vier Raketenwerfer je Batterie standardisiert. Sie wurden meist eingesetzt zur Unterstützung der Infanterie (Schützen)-Divisionen und standen zunächst unter Kontrolle des NKWD (Sicherheitsdienst). Nachdem die Deutschen ihrerseits den Nebelwerfer weitverbreitet eingesetzt hatten, wurde dieses Sicherheitssystem gelockert.

Im August 1941 ordnete Stalin persönlich die Bildung von speziellen Garde-Mörser-Regimentern unter der Leitung des Oberkommandos der Heeresreserve an (STAVKA-VGK). Diese bestand aus drei Bataillonen zu jeweils drei Batterien, was eine Menge von 36 BM-13 oder BM-8 Raketenwerfer ergab.
Zur gleichen Zeit wurden unabhängige Garde-Mörser-Bataillone mit ebenfalls 36 Raketenwerfer aufgestellt. Bis Ende 1941 gab es 554 Raketenwerfer im Einsatz mit 8 Regimentern, 35 selbständigen Bataillonen und 2 unabhängigen Batterien.

BM-31 mit M-30-Raketen auf Studebacker-LKW

BM-31 mit M-30-Raketen auf Studebacker-LKW. Die Wirkung war zwar sechsmal so stark als bei der M13-Rakete, aber die Reichweite lag bei nur unter 3 km.

Mit der Ankunft der ersten schweren M-30-Raketen im Juni 1942 wurden schwere Garde-Mörser-Bataillone aufgestellt, aber diese hatten statische, nicht mobilen Raketenwerfer. Diese hatten auch drei Batterien, aber jede hatte 36 Raketenwerfer, während die späteren selbstfahrenden Einheiten nur zwölf Raketenwerfer pro Batterie hatten.
Als die mobilen BM-31 schließlich 1944 verfügbar wurden, hatten die motorisierten Garde-Mörser-Bataillone nur 48 Raketenwerfer im Vergleich zu den 96 Raketenwerfer der statischen Bataillone.

Es wurden 3.237 Raketenwerfer im Jahr 1942 hergestellt, so dass die Gesamtstärke auf bis zu 57 Regimenter anstieg. Zählt man noch die kleineren, unabhängigen Bataillonen, so war der Gegenwert von 216 Batterien im Dienst.
Von diesen waren 23 Prozent schwere M-30 Einheiten, 56 Prozent waren BM-13 Einheiten und 21 Prozent waren die leichten BM-8 Einheiten. 1943 wurden Garde-Mörser-Brigaden mit statischen Raketenwerfern formiert, und später sogar Divisionen.
Bis zum Ende des Krieges befand sich der Gegenwert von 518 Batterien im Einsatz.

Animation 3d-Modell BM-13 Katjuscha (Stalinorgel) auf ZIS-LKW

M-13 132-mm-Raketenwerfer

Der am weitesten verbreitete aller sowjetischen Raketenwerfer während des Zweiten war die M-13 132-mm-Ausführung, welche in den späten 1930er Jahren entworfen worden war. Bis zum Beginn des Unternehmen Barbarossa im Juni 1941 waren aber nur wenige Raketenwerfer produziert worden und es gab nur einen geringen Vorrat an Raketen.

In dem verzweifelten Bemühen, die deutschen Truppen aufzuhalten, mußten diese im Juli 1941 bei Smolensk erstmals eingesetzt werden und verursachten Panik unter den unter deren Feuer geratenen deutschen Truppen. Dies ist auch nicht besonders überraschend, da in einem Zeitraum von weniger als 10 Sekunden eine einzige Batterie mit M-13-Raketenwerfern einen großen Bereich mit hochexplosiven Sprengladungen eindecken konnte, wie es bisher in der Kriegführung noch nicht vorgekommen war.

Diese ersten M-13 Batterien waren sehr besondere Einheiten. Die Werfer für die Flossen-stabilisierten M-13-Raketen waren auf ZiS-6 6×6-LKW mit Schienen für 16 Raketen montiert. Diese Schienen waren bekannt als ‘Flöten’-Werfer bei den sowjetischen Truppen als Resultat ihrer durchlöcherten Erscheinung, aber bald erhielten sie den Namen Katjuscha.
Aus Gründen der Geheimhaltung waren die Raketenwerfer normalerweise unter Planen eingehüllt, wenn sie nicht im Einsatz standen und die Mannschaften wurden aus besonders ausgesuchten Parteimitglieder der Kommunisten ausgesucht. Aber es dauerte nicht lange, bis die Raketenwerfer M-13 weit verbreitet im Einsatz standen und ihr Geheimnisse offenbar wurden.

Die ursprüngliche M-13-Rakete hatte eine Reichweite von etwa 8000 bis 8500 Metern. Der üblicherweise verwendete Sprengkopf war vom hochexplosiven Fragmentierungstyp und wie immer bei Flossen-sabilisierten Raketen war die Genauigkeit nicht von allerhöchster Wichtigkeit. Aber da die M-13-Raketen normalerweise in Massen zum Sperrfeuer eingesetzt wurden, konnte dies verschmerzt werden.
Spätere Versionen der M-13 verwendeten eine Art von Efflux-Ablenkung, um mit mehr Drehungen die Genauigkeit zu verbessern, aber diese Maßnahme reduziert die Reichweite etwas.

Später wurde, wie schon erwähnt, der US-Studebaker-LKW vorwiegend als Fahrzeug für den Raketenwerfer verwendet. Diese BM-13-16 Raketenwerfer (-16 steht für 16 Raketen je Salve) konnten aber alle auf dem LKW nicht gedreht werden und nur begrenzt in die Höhe ausgerichtet werden. Daher mußten die Fahrzeuge in Richtung des Ziels aufgestellt werden.
Einige Fahrzeuge hatten Stahlrollläden zum Schutz des Fahrerhauses und der Besatzung während des Starts der Raketen.

Im Verlauf des Krieges wurden weitere Arten von Sprengköpfen für die M-13 eingeführt, einschließlich panzerbrechende Geschosse, um Panzerformationen aufzubrechen sowie Leuchtraketen um das Schlachtfeld bei Nacht zu beleuchten.
Eine Variante war die M-13-DD, welche zwei Raketenstufen hatte, die zusammen abbrannten und eine Reichweite von bis zu 11.800 Meter ermöglichten. Diese Rakete konnte aber nur von den oberen Seiten der Starterschienen abgeschossen werden, war aber diejenige mit der größten Reichweite aller während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten Artilerie-Raketen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verwendete die Rote Armee ihre Katjuscha-Werfer noch bis in die 1980er Jahre, bevor sie durch modernere Entwürfe ersetzt wurden. In anderen Armeen wurde sie noch länger verwendet und die Chinesen entwickeln sie sogar noch als ihren Typ 74 weiter.

Benutzer: Sowjetunion (Russland) während des Zweiten Weltkriegs.

Animation 3d-Modell BM-13N Katjuscha auf US-Studebaker-LKW


Spezifikationen für M-13 132mm Katjuscha-Rakete

Spezifikationen
M-13 132mm Katjuscha-Rakete Spezifikation
Typ Rakete
Länge 1,41 m
Durchmesser 132 mm
Gesamtgewicht 42,5 kg
Treibstoffgewicht 7,2 kg
Sprengstoffgewicht 4,9 kg
Mündungsgeschwindigkeit 355 m/s
Reichweite 8.500 m
Gesamtproduktion aller Raketenwerfer ca. 10.000

Animation 3d-Modell BM-8-48 auf Studebaker US6-LKW

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