Belgische Streitkräfte

Belgien FlaggeBelgische Armee, Luftwaffe und Marine 1940.

Belgische Soldaten machen im Mai 1940 eine Rast am Strassenrand

Belgische Soldaten machen im Mai 1940 eine Rast am Strassenrand, während ein englischer LKW des BEF vorbeifährt. Die Soldaten tragen alle ihre Ausrüstung bei sich, welche sie im Einsatz benötigen.

Belgische Armee

Im Jahre 1914 wurde das neutrale Belgien von den deutschen Armeen überrollt und mußte vier Jahre Stellungskrieg über sich ergehen lassen. Nachdem Hitler 1936 das Rheinland wieder militärisch besetzt hat lassen, rückte diese Gefahr erneut in das Bewusstsein der Belgier. Der Wehrdienst wurde von 8 auf 12 Monate verlängert, der Verteidigungshaushalt stieg um 15 Prozenz und neue Verteidigungsanlagen wurden errichtet. Aber all dies konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß das militärische Denken sich seit den Tagen des Stellungskrieges des Ersten Weltkriegs nicht weiterentwickelt hatte. Zum Beispiel wurden Panzerkampfwagen ausschließlich als eine offensive Waffe angesehen, und da die Armee Belgiens eine rein defensive Rolle hatte, gab es auch keine Panzereinheiten.

Belgien stellte 22 Divisionen gegen die einfallenden Truppen der deutschen Heeresgruppe B im Mai 1940, und die Hartnäckigkeit der belgischen Infanterie überraschte die Deutschen anfangs. Dennoch befand sich die belgische Armee binnen zwei Wochen an einem Punkt, an dem der Zusammenbruch abzusehen war und am 28. Mai kapitulierten die letzten Einheiten. Nach 18 Tagen des Kampfes hatten die belgischen Streitkräfte 23.350 Gefallene und Verwundete zu beklagen.

Organisation der belgischen Armee

Die in Friedenszeiten 100.000 Mann starke belgische Armee, unter dem Oberbefehl ihres Königs Leopold, war zwar im Grunde zwar ein ‘stehendes Heer’, aber eines welches von den jährlichen Wehrpflichtigen getragen wurde. Die Gesamtstärke bei der Mobilisation lag in der Größenordnung von etwa 550.000 Soldaten, was für ein kleines Land mit acht Millionen Einwohner eine bemerkenswerte Leistung war.

Das Land war unterteilt in drei Armeekorps, welche in Brüssel, Antwerpen und Liege stationiert waren, sowie ein Kavallerie-Korps in Brüssel, eine Heeres-Artillerie-Brigade in Antwerpen, die Ardennen-Schützen in Namur, sowie drei Grenzzschutz-Bataillone auf Fahrrädern, sechs unabhängige Infanterie- und zwei Kavallerie-Divisionen.

Jedes Armeekorps bestand aus dem Stab, zwei Infanterie-Divisionen, einem Korpsartillerie-Regiment und einem Pionier-Regiment.

Eine Infanterie-Division hatte einen Stab und drei Infanterie-Regimenter. Jedes Regiment verfügte über 3.000 Mann, bewaffnet mit dem belgischen Mauser M35 Gewehr.
Die Unterstützungwaffen des Regiments bestanden aus

  • 108 leichte Maschinengewehre Browning M30,
  • 52 schwere Maschinengewehre Maxim M08,
  • 108 leichte Granatwerfer,
  • 9 schwere Granatwerfer und Infanteriegeschütze,
  • 6 Panzerabwehr-Kanonen.

Das Korps-Artillerie-Regiment hatte vier Bataillone, jedes mit zwei Batterien. Der Transport erfolgte teilweise mit Pferdefuhrwerken und teilweise motorisiert. Die Korpsgeschütze bestanden aus 16 Schneider 155mm M7 Feldhaubitzen, 8 Schneider 105mm M13 Kanonen und 8 Cockerill 120-mm-M32-Feldkanonen.

Kurz vor dem Krieg gab es einen eiligen Versuch, die Beweglichkeit zu erhöhen und eine der beiden Ardennen-Schützen-Divisionen und die beiden Divisionen des Kavallerie-Korps erhielten Kraftfahrzeuge. Das motorisierte Kavallerie-Korps bestand dann aus dem Stab, zwei Kavallerie-Divisionen, einem Korps-Artillerie-Regiment und einem Fahrrad-Pionier-Bataillon.
Eine Kavallerie-Division hatte drei gemischte Regimenter, jedes mit einem Bataillon aus Kavallerie, ein Bataillon von Kradschützen, eine Panzerwagen-Schwadron und eine Trainings-Schwadron.

Die gesamte belgische Armee verfügte nur über 42 Panzer.


Divisionen der belgischen Armee 1940
Gliederung Infanterie-Division Kavallerie-Division
Anzahl Verbände 12 + 2 Ardennen-Schützen (1 motorisiert) + 4 Reserve 2 + 2 motorisierte
Infanterie-Regimenter 3 (je 3.000 Mann, bewaffnet mit Mauser M35 = Kar98k Gewehren) 3 aus Kavallerie (Regimenter motorisierter Divisionen sind gemischt: 1 Bataillon aus Kavallerie, 1 Bataillon Kradschützen, 1 Abteilung Panzerspähwagen)
Gesamtstärke ? ?
Maschinengewehre 480 (324 leichte Browning M30, 156 schwere Maxim M08) ?
Granatwerfer 351 (108 leichte, 9 schwere Granatwerfer oder Infanterie-Geschütze) ?
Panzerabwehrkanonen 18 ?
Artillerie ca. 16 (8 Schneider 155mm M17 Feldhaubitzen, 4 Schneider 105mm M13 Kanonen, 4 Cockerill 120mm M32 Feldhaubitzen, teilweise bespannt und teilweise motorisiert) 16 bei motorisierten Divisionen (8 Schneider 155mm M17 Feldhaubitzen, 4 Schneider 105mm M13 Kanonen, 4 Cockerill 120mm M32 Feldhaubitzen)

Uniformen der belgischen Armee

Belgische Soldaten 1940

Oberst und Unterfeldwebel der belgischen Armee 1940. Der Soldat rechts trägt das belgische 7,65mm Mauser M1889 Gewehr.

Während des Ersten Weltkrieges übernahm die belgische Armee Khaki-farbene Uniformen, hauptsächlich deswegen, weil die Briten genug ihrer Uniformteile liefern konnten, um die veralteten farbigen Uniformstücke der Belgier zu ersetzen.
Die belgischen Soldaten von 1939 hatten aber zwischenzeitlich eher das Aussehen von Franzosen, welches vor allem durch den französischen Adrian-Stahlhelm und der Gewohnheit, die Mantelröcke zurückgeklappt zu tragen, betont wurde. In vollständigen Kontrast sahen die Offiziere dafür wie Briten aus, insbesondere nach 1935, als eine offenen Tunika mit Kragen und Krawatte eingeführt wurde.

Das Ardennen-Schützen-Korps trugen eine Variante der Basis-Uniform mit einem grünen Barrett mit Eberkopfabzeichen, eine kürze Version des Mantels und lange Leder-Gamaschen.
Mechanisierte Truppen erhielten entweder einen Faserhelm belgischer Art oder den französischen Stahlhelm für motorisierte Truppen, welche beide vorne mit einem Löwenkopf geschmückt waren. Zusätzlich erhielten die mechanisierten Truppen eine Lederjacke und eine Hose mit langen Leggings, oder einen einteiligen Lederüberzug.

Rangabzeichen:
Rangabzeichen waren auf der Schirmmütze, Seitenkappe und auf den Kragenstücken und Schulterstücken vorhanden. Andere Ränge trugen ihre Rangabzeichen auch als Ärmelabzeichen.
Das hauptsächliche Verfahren, die Waffengattung zu identifizieren, war die Waffenfarbe auf den Kragenstücken und Kordeln an diesen. Zusätzlich gab es eine umfangreiche Serie von gelben Metallabzeichen, welche an der Kopfbedeckung, Kragenstücken und an den Schulterstücken angebracht waren.
Schließlich wurden eine Reihe von Stabs- oder administrativen Funktionen durch gestickte Abzeichen auf den Kragenstücken und manchmal auch auf der Vorderseite der Schirmmütze angezeigt.


Belgische Luftwaffe

Fairey Fox VI der L'Aeronautique Militaire Belge.

Fairey Fox VI der L’Aeronautique Militaire Belge.

Am 1. März 1920 wurde die belgische Luftwaffe als Teil des Heeres aufgestellt. Von Anfang an bis zum Ausbruch des Krieges war die Luftwaffe durch einen Mangel von modernen Flugzeugen geplagt. Während das Land ein eigenes Jagdflugzeug entwickelte (die Renard R-36), mußte es Flugzeuge aus England und den USA importieren.

Als die deutsche Wehrmacht angriff, waren nur 180 der 234 belgischen Flugzeuge einsatzbereit. Die meisten von diesen waren veraltet, und nur eine der wenigen modernen Hawker Hurricane überstand den ersten Luftangriff auf den Flugplatz Schaffen, bevor die Flugzeuge verteilt werden konnten.

Im Mai 1940 wurde die L’Aeronautique Militaire Belge mit dem Luftbeobachtungsdienst und der Flak zur Heimatluftverteidigung (Defense Aeronautique du Territoire, oder kurz DAT) zusammengelegt.

Die belgische Luftwaffe bestand aus drei Regimentern: das 1. Regiment war die Beobachtungs- und Verbindungseinheit für die Armee, das 2. das Jagdflieger-Regiment und das 3. ein Aufklärer- und Bomber-Regiment. Zusätzlich gab es ein Unterstützungs-Regiment mit Hilfs- und Betankungs-Kompanien.

Das 1. Luftwaffen-Regiment bestand aus sechs Staffeln mit zusammen 62 einsatzbereiten Maschinen. Das 2. Luftwaffen-Regiment hatte sechs Staffeln mit insgesamt 79 Flugzeugen. Das 3. Luftwaffen-Regiment verfügte über 41 Flugzeuge in vier Staffeln.
Jede Flugzeug-Staffel hatte eine zusätzliche Flugabwehrkanonen-Einheit (Escadrille de Parc).

Uniformen der belgischen Luftwaffe

Es gab zwei grundlegende Uniformen in der belgischen Luftwaffe. Die erste war die der Armee, da die Luftwaffe nur eine Waffengattung von dieser war. Die zweite Uniform war eine blau-graue Luftwaffen-Uniform, welche für das reguläre Flugpersonal eingeführt worden war.
Die Situation wurde dadurch komplizierter gemacht, daß eine Reihe von Luftwaffen-Offizieren weiterhin eine Regimentsuniform trugen.

Zusätzlich gab es eine Schirmmütze mit einem schwarzen Band und schwarzer Spitze, sowie einen zweireihigen, blau-grauen Übermantel. Üblicher als Kniehosen und Stiefel waren lange, blau-graue Hosen mit schwarzen Schuhen.

Rangabzeichen:
Die Rangabzeichen auf den grau-blauen Fliegeruniformen waren die gleichen, wie auf den Khaki-Armeeuniformen.
Die Waffenfarbe erschien auf den Kragenstücken der Khaki-Uniform und war hellblau mit roten Kordeln. Emaillierte Staffel-Abzeichen wurden auf der rechten Brusttasche getragen.


Belgische Marine

Belgische Matrosen im Jahr 1940

Belgische Matrosen im Jahr 1940. Auf der linken Seite ist ein Leutnant zu sehen und rechts ein schwer beladener Unteroffizier der 2. Klasse – ein deutliches Zeichen dafür, daß der deutsche Sieg zu diesem Zeitpunkt unvermeidbar war und die Männer evakuiert werden sollen.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte die belgische Marine praktisch aufgehört zu existieren, und es dauerte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges bevor Versuche unternommen wurden, diese wieder aufzubauen. Während der Jahre zwischen den Weltkriegen wurde diese winzige Streitmacht aus Geldmangel wiederum aufgelöst und erst am 15. September 1939 wurde das Marine-Korps (Corps de Marine) wieder aufgestellt.

Im November 1939 wurden Wehrpflichtige mit vorausgegangenen Erfahrungen in der Seefahrt von der Armee an das Marine-Korps überstellt. Dieses hatte zu diesem Zeitpunkt eine Sollstärke von 30 Offizieren (vor allem Armee-Reservisten mit vorausgegangenen Dienst in der Handelsmarine), 98 Unteroffiziere sowie 513 Unteroffiziere der 2. Klasse und Mannschaften. Damit wurde das Hauptquartier, die 1. Abteilung in Ostende, die 2. Abteilung in Zeebrügge und die 3. Abteilung in Antwerpen sowie eine Ersatz- und Ausbildungsabteilung aufgestellt.

Die Schiffe der belgischen Marine bestanden nur aus einer Schaluppe, welche mit einer 47-mm-Kanone und zwei Maschinengewehren bewaffnet war, sowie anderen, von zivilen Eigentümern beschlagnahmten Schiffen. Einige größere hölzerne Trawler wurden als Minensucher eingesetzt.
Es gab lediglich zwei Küstengeschütze (eines in Antwerpen und das andere in Zebrügge), welche mit Mannschaften der Armee besetzt waren.

Während des deutschen Angriffs verlor die Marine etwa ein Viertel ihres Personals, während eine Reihe anderer Angehöriger sich nach England absetzen konnten. Bis Mai 1943 umfasste die belgische Abteilung der englischen Royal Navy sieben Schiffe mit rund 350 Mann Besatzung.

Uniformen der belgischen Marine

Im Januar 1940 wurden neue Uniformvorschriften für die belgische Marine herausgegeben. Als der deutsche Angriff erfolgte, wurde gerade erst mit ihrer Einführung begonnen.
Die belgische Marine-Uniform folgte internationalen Standards, hatte aber auch deutliche Ähnlichkeiten zu denjenigen in der französischen Marine.
Offiziere und Unteroffiziere trugen eine Schirmmütze und dicke, verschlossene, zweireihige Jacken mit einem weißen Hemd und schwarzer Krawatte, langen Hosen mit schwarzen Schuhen und einen zweireihigen Mantel.
Quartiermeister und andere Ränge trugen eine blaue Kappe mit hellblauen Wollpompon auf der Spitze und einer Mützenbeschriftung mit ‘Marinekorps’ in goldener Farbe.
Der blaue Pullover hatte ein blaues Denim-Kragenende mit drei weißen Linien. Der Erbsenmantel war zweireihig mit zwei Streifen und fünf Messingknöpfen.

Rangabzeichen:
Bei den Rangabzeichen wich die belgische Marine von der üblichen Konvention in zwei Fällen ab. Da das Marinekorps eigentlich nur eine Waffengattung der Armee war, trugen Offiziere und Oberfeldwebel schwarze Kragenstücke mit hellblauen Kordeln, auf welchem sich die Rangabzeichen der Armee befanden. Die Offiziere und Oberfeldwebel trugen auch eine Rangabzeichen-Spitze auf ihrer Schirmmütze im französischen Stil. Im Jahr 1940 wurde die Seemanns-Kappenbeschriftung auf lediglich ‘Marine’ verkürzt.


Gesamstärke der belgischen Streitkräfte:

  • 650.000 Mann (in 22 Divisionen), 42 Panzer,
  • 179 einsatzbereite Flugzeuge,
  • 1 Schaluppe

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