Belgische Armee 1914-18

flag-belgiumUniformen, Stärke, und Organisation der Armee von Belgien im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918.

Belgische Soldaten 1914

Belgische Soldaten 1914 auf dem Marsch zur Front.

Belgische Armee im Jahr 1914

Belgien lag 1914 direkt im Weg des deutschen Hauptschlags und verfügte über eine Armee aus 6 Infanterie-Divisionen mit insgesamt rund 117.000 Soldaten sowie 3 Festungsgarnisonen in Antwerpen, Lüttich und Namur. Da Belgien neutral war, standen zwei Infanterie-Divisionen an der französischen Grenze, eine in Antwerpen gegen eine womögliche britische Landung gerichtet und eine bei Lüttich gegen Deutschland. Der Rest befand sich in der zentralen Reserve.

Unter Berufung auf seine Neutralität hatte Belgien seine Armee vernachlässigt. Der Dienst in ihr war unpopulär, die Ausbildung stark eingeschränkt, die Moral niedrig und das Offizierskorps war ernstlich zerstritten.
Die Festungen waren veraltet und Verbesserungen, welche bereits im Jahr 1882 geplant waren, immer noch unvollständig umgesetzt und waren sowieso schon durch die Waffenentwicklung wieder überholt.

Es gab nur einen Lichtblick: König Albert, 39 Jahre alt, intelligent und mutig. Er hatte eine große persönliche Integrität und wenn er auch nicht die Armee in Friedenszeiten kontrollierte, sah die Verfassung vor, daß er sie im Kriegsfalle zu befehligen habe.

Uniformen der belgischen Armee

Belgische Armee 1914

Belgische Armee 1914 (v.ln.nr.): Karabinier-Radfahrer, Infanterie-Offizier, Infanterist.

Im Jahr 1914 befanden sich die belgischen Uniformen in einem Prozess von Veränderungen. Der Königliche Erlass vom 19. September 1911 veränderte die Uniformen der Offiziere sowie die Rangabzeichen für die unteren Ränge. Ein Rundschreiben vom 26. März 1913 ersetzt die steife Tunika und Dolman mit einer praktischeren Tunika (Vareuse) und veränderte die Abzeichenfarbe der Infanterie von Scharlach zu Grau-blau.

Das typische Aussehen von Offizieren während eines Feldzugs wird in dem rechten Bild gezeigt. An der Stelle des Kepi trugen Offiziere entweder ihre unverwechselbare Kopfbedeckung oder die Seitenmütze. Sowohl die Doppel-Tunika als auch der M.1863 Dolman wurden im Jahr 1913 durch ein neues Muster der Tunika ersetzt, aber die alten Modelle wurden auch weiterhin benutzt, bis sie abgenutzt waren. Die M.1913 Tunika war ein Einreiher mit Stehkragen (Passants), neun vergoldeten Metall-Knöpfen auf der Vorderseite, schrägen Brusttaschen mit rechteckigen Klappen und Knopf sowie schrägen Seitentaschen auf der Rundung mit Klappen, runde oder spitze Bündchen mit einem rechteckigen Schnitt und drei Knöpfen auf der Außenseite, sowie angedeutete Taschen auf der Rückseite mit zwei ‘blinden’ Klappen mit je zwei Knöpfen. Die vordere und die obere Kante des Kragens und der Vorderseite wurden durch Bündchen und Taschenklappen in Abzeichenfarbe markiert.
Der Mantel war das Modell aus der Friedenszeit, ein Zweireiher mit Fallkragen und zwei Reihen zu je fünf vergoldeten Metallknöpfe, Seitentaschen mit Patte, Halbgürtel und Schlitz auf der Rückseite, der durch zwei Knöpfe befestigt war. Berittene Offiziere trug einen ellbogenlangen Umhang. Reithosen waren grau-blau, Streifen oder Lampassen und wurden mit Reitstiefel und Ledergamaschen oder Gamaschen getragen.
Andere Ränge trugen die ebenfalls in dem ersten Bild dargestellten Uniformen.
Grenadiere trugen eine deutsche Musterfeldmütze mit scharlachroten Band, während die Radfahrer-Karabinier die kegelförmige Feldmütze mit Kinnriemen und Spitze trugen.

Belgische Armee 1915

Belgische Armee 1915 (v.l.n.r.): Infanterist, Infanterist, Unteroffizier.

Diese Friedenszeiten-Uniformen waren völlig ungeeignet für die moderne Kriegsführung und fast sofort wurde damit begonnen, praktischer Uniformen zur Verfügung zu stellen. Diese wurde als ‘Yser‘-Uniformen bekannt, da sie vor allem von den 58.000 Männer, welche am Fluss Yser kämpften, getragen wurden.
Die markante Kopfbedeckung und farbige Feldmützen wurden durch Käppis in weichen blauen oder grünen Farben ersetzt. Die Tunika war entweder dunkelblau oder grau und war ein Einreiher mit Standplatzkragen und sieben grauen Metall-Knöpfen auf der Vorderseite. Sie hatte aufgesetzte Brustfalten und Seitentaschen mit rechteckigen Klappe und wies Bündchen in den Waffenfarben auf, sowie angedeutete Taschenklappen auf der Rückseite mit jeweils mit zwei Knöpfen. Die blau-graue Hosen wurden von weinroten Cord-Hosen (Satin) ersetzt, welche mit blauen Gamaschen und Stiefeletten getragen wurden. Knappheit bei den belgischen Uniformen wurden durch die zusätzliche Verwendung von französischen Uniformteilen wettgemacht.

Im Frühjahr 1915 führte die belgische Armee das Khaki ein – nicht so sehr, weil es die Farbe ihrer Wahl war, sondern weil Großbritannien genügend Material davon liefern konnte. Die Offiziers-Uniform war eng nach dem britischen Muster modelliert, während die Uniform der anderen Ränge mehr den französischen Soldaten ähnelte. Fehlbestände an richtigen belgischen Uniformteilen wurden durch die Verwendung von britischen und amerikanischen Beständen ausgeglichen.

Belgische Armee 1916-1918

Belgische Armee 1916-1918 (v.l.n.r.): Radfahrer, Artillerie-Offizier, Infanterist.

Die Schirmmütze war Khaki mit einem passendem Tuch darauf, braunem Leder (vergoldet für Generäle), Kinnriemen und Reihen von Abzeichen in der Waffenfarbe um die Krone herum. Generäle hatten ein karminroten Kappenband. Auf der Vorderseite wurde die Einheit oder Rangabzeichen getragen; in Metall oder als Stickerei, mit der kreisförmigen Kokarde in den belgischen Farben darüber – rot, gelb und schwarz.
Der Seitendeckel hatte eine Quaste und Abzeichen in der Farbe der Waffengattung für Mannschaften und Quaste und Trimmen entsprechend dem Rang für Offiziere. Typische Uniformen für Offiziere und Mannschaften sind auf dem rechten Bild dargestellt.
Die anderen Ränge hatten einen Mantel mit zwei Reihen von fünf bronzenen Knöpfen, schräge Brusttaschen und Seitentaschen mit Patte. Schulterstücke wurden auf der Schulter mit einem Knopf an jedem Ende befestigt und zeigte die Farbe der Waffengattung an. Offiziersmäntel kamen in einer Vielzahl von Schnitten mit vielen detaillierten Unterschiede zwischen dem einem und dem anderen vor, aber sie waren in der Regel vom gleichen Schnitt wie der Mantel aus der Friedenszeit.
Breite Hosen gab es für Offiziere, während nicht-berittene Mannschaften nur Khaki-Hosen passend mit Stiefeletten, entweder aus Leder oder Gamaschen hatten. Berittene Soldaten und Radfahrer hatten Hosen und Ledergamaschen.

Gegen Ende des Jahres 1915 wurde der französische Adrian-Helm mit Löwenkopf auf der Vorderseite bei den belgischen Truppen nach und nach eingeführt. Im August 1918 wurde der italienische Farina-Helm mit Körper- und Armschutz Tests unterzogen, aber nicht angenommen. Im Dezember 1918 wurde ein belgischer gestalteter Helm, nach seinem Designer Weekers benannt, in begrenzten Stückzahlen eingeführt. Dieser war ungewöhnlich, da er ein Visier und eine kreisförmige gestanzter Metall-Kokarde in den Nationalfarben auf der linken Seite hatten.

Zu Beginn des 1. Weltkrieg bestand die belgische Infanterieausrüstung aus einem schwarzen Leder-Gürtel, an der eine einzelne Patronentasche vorne hing, sowie Bajonett und Linnemann-Schanzwerkzeug an der linken Hüfte befestigt waren. Brotbeutel und eine mit Tuch bedeckten Aluminium-Wasserflasche wurden von der rechten Schulter befestigt. Die Ausrüstung hatte eine Kuhhaut-Klappe auf dem das schwarz lackierte Aluminium-Kochgeschirr geschnallt wurde.
Im Jahr 1915 wurde begonnen, Ausrüstung in braunem Leder herzustellen und eine neue Leder-Hüftgurt mit integrierter Munitionstaschen wurde an die berittene Truppen und Radfahrer ausgegeben. Gegen Ende des Krieges wurde die neue Netz-Ausrüstung für die belgische Armee in England hergestellt.


BELGIEN (4. August 1914 – 11. November 1918)

  • Truppenstärke bei Kriegsbeginn = 340.000
  • Heeresstärke im Verlauf des Krieges = 385.000
  • Tote Militär = 45.000
  • Verwundete Militär = 45.000
  • Ziviltote = 30.000

Die Invasion von Belgien 1914

Maschinengewehre von Hunden gezogen

Belgische Soldaten auf dem Marsch. Die Maschinengewehre werden von Hunden gezogen.

Am 2. August 1914 überreichte das Deutsche Reich an Belgien eine Note, in welcher das Durchmarschrecht gefordert wurde. Dies wurde deutlich abgelehnt und am nächsten Tag erklärte das Deutsche Reich den Krieg an Frankreich.
Früh am Morgen des 4. August 1914 überschritten dann deutsche Truppen die Grenze nach Belgien. Die Stärke der deutschen Armeen an dieser Flanke war überwältigend. Klucks Erste Armee am äußersten rechten Flügel verfügte über 320.000 Mann Truppen. Die benachbarte Zweite Armee unter von Bülow hatte 260.000 und die Dritte Armee unter von Hausen 180.000 Mann.

Der deutsche Einmarsch nach Belgien führte zum Kriegseintritt Großbritanniens. Es gab zwar keine formale britische Vereinbarung mit Frankreich, Russland oder Belgien, aber der Vertrag von 1839 garantierte die Neutralität und Unabhängigkeit von Belgien.

Die Abänderung des Schlieffen-Plans durch Moltke erforderte, daß die deutschen Armeen am rechten Flügel durch dan schmalen Spalt an der Maas zwischen Holland und den Ardennen vorrücken mußten. Dieser enge Korridor wurde durch Liege beherrscht.
Ein Scheitern, Liege und seinen Ring aus zwölft Festungswerken zu nehmen, würde den komplexen deutschen Zeitplan von Beginn an durcheinander bringen.

Eine Streitmacht aus sechs Brigaden war mit der Aufgabe betraut, Liege zu neutralisieren. Zu dieser Streitmacht gehörte auch Erich Ludendorff, welcher als Leiter der Mobilisations- und Einsatzplanung des Generalstabes von 1908 bis 1913 zu einem großen Teil an der Planung dieser Operation beteiligt war.
Die Festungen konnten 21-cm-Granaten widerstehen, aber die österreich-ungarischen Skoda-Mörser und Krupps Dicke Berta konnten 30,5-cm bzw 42-cm panzerbrechende Granaten aus einer Entfernung von über 11 km verschießen.

Eine fehlerhafte Verteilung der belgischen Truppen beeinträchtigte auch deren Verteidigungsstrategie. König Albert, belgischer Oberbefehlshaber nur im Krieg, befürwortete eine Konzentration der Truppen an der Maas zwischen Naumr und Liege, sodaß die belgische Armee den deutschen Vormarsch verzögern konnte, bis britische und französische Hilfe eintrifft.
Der Generalstabschef General de Selliers de Moranville positionierte aber die meisten seiner Truppen vorsichtig zentral hinter dem Fluß Gette, wo sie Brüssel schützen und sich im Notfall auf Antwerpen zurückziehen konnten.

Als dann der Krieg kurz bevor stand, hatte König Albert bei Amtsantritt gerade nur noch Zeit, eine Division nach Namur und eine weitere Brigade zur Verstärkung von Liege zu schicken.

Der Sturmangriff am 5. August verlief mit einem schlechten Auftakt für die Deutschen. Als die Verluste zunahmen, übernahm Ludendorff persönlich das Kommando über den Angriff im Zentrum. Bis zum 7. August hatten die deutschen Truppen den Ring der Forts durchbrochen und drangen in Liege ein, wo Ludendorff kühn die Übergabe der Zitadelle sicherstellte.
Die belgischen Forts außen herum hielten noch aus, bis die schweren Haubitzen am 12. August voll einsatzbereit waren. Innerhalb von vier Tagen wurden alle zusammengeschossen und dies erlaubte den deutschen Armeen am rechten Flügel den Vormarsch.
Ludendorff, nun ein Nationalheld in Deutschland, wurde anschließend zur Ostfront als Stabschef von General von Hindenburgs Achter Armee in das von den Russen bedrohten Ostpreußen geschickt.

 zerschlagene Forts bei Namur.

Von schweren deutschen Granaten zerschlagene Forts bei Namur.

Da weder britische noch französische Truppen zur Unterstützung Belgiens eingetroffen waren, mußte sich die belgische Feldarmee am 18. August in Richtung Antwerpen zurückziehen. Zwei Tage später marschierten die deutschen Truppen in Brüssel ein.
Unter dem Beschuß der schweren Haubitzen fiel die Stadt Namur am 23. August und kurz danach das letzte ihrer Forts.

Deutsche Soldaten durchsuchen verdächtige belgische Zivilisten

Deutsche Soldaten durchsuchen verdächtige belgische Zivilisten.

Um ihren Zeitplan einzuhalten und möglichst wenige Truppen im Hinterland zurücklassen zu müssen, führten die Deutschen die Methode der ‘Abschreckung’ ein, bei der jeder zivile Widerstand durch die Hinrichtung von Zivilisten oder das Niederbrennen von Häusern beantwortet wurde. Widerstand von Zivilisten gegen rückwärtige Truppen der deutschen Ersten Armee führten unter anderem zum Niederbrennen von Louvrain, zusammen mit seiner Bibliothek mit zahlreichen, unersetzlichen Schriften aus dem Mittelalter.

Es ist fraglich, ob die Verteidigung von Liege und der nachfolgende Widerstand irgendetwas dazu beigetragen haben, den deutschen Vormarsch wesentlich zu verlangsamen. Mehr als vier oder fünf Tage hätten die deutschen Armeen auch nicht bei einem schwächeren belgischen Widerstand eingespart und sie durchquerten Belgien mehr oder weniger innerhalb des geplanten Zeitraums.

Was aber den deutschen Angriffsplan durchaus schädigte, war die Notwendigkeit, anschließend ganze fünf Korps vom rechten Flügel zur Belagerung von Namur, Maubeuge und Antwerpen abzustellen.


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