Balkanfeldzug Ursachen

Ursachen des Balkanfeldzug 1941 (Teil I).

Italienische Artillerie im Gefecht

Italienische Artillerie im Gefecht auf dem Balkan.

Der deutsche Plan nach dem Sieg im Westfeldzug und der ergebnislosen Schlacht um England, Frankreich, Spanien und Italien in eine Koalition gegen Großbritannien einzubinden, hatte nicht nur ein begrenztes Zeitfenster, da mit dem Truppenaufmarsch im Osten für das für 1941 vorgesehene Unternehmen Barbarossa begonnen werden mußte, sondern wurde auch durch neue italienische Schritte aufgrund deutscher Vorbereitungen für den Angriff auf die Sowjetunion durcheinander gebracht.

Die Deutschen hatten der italienischen Regierung im August 1940 deutlich mitgeteilt, daß es auf dem Balkan ruhig bleiben soll und sich die Italiener nicht gegen Jugoslawien oder Griechenland wenden sollten.

Kaum hatten die Italiener sich mit diesen Vorgaben abgefunden, erfuhren sie von der Verlegungen deutscher Truppen nach Rumänien. Da die Italiener aber nichts von den Agriffsplänen auf Russland und den dafür ebenso durchgeführten Waffenlieferungen an Finnland wußten, nahm man in Rom an, daß diese Vorbereitungsmaßnahme dazu diente, den Balkan unter alleinige deutsche Kontrolle zu bringen, während sie stillhalten sollten.

Dies war aber nicht der Grund, warum Mussolini als Deutschlands Verbündeter in den Krieg eingetreten war. Er mußte sich schon mit seinen Forderungen gegenüber Frankreich zurückhalten, damit dieses den Krieg beendete. Und nun sollte er auf dem Balkan ruhig bleiben, damit die Deutschen dort alles übernehmen könnten ?

griechische Dikatator Metaxas

Der griechische Dikatator Metaxas, umringt von Anhängern mit dem ‘faschistischen Gruß’.

Mussolini war nach der deutschen Truppenverlegung nach Rumänien und nach einem Treffen mit Hitler am 4. Oktober 1940 sehr wütend und äußerte gegenüber seinem Außenminister, Graf Ciano, am 12. Oktober: ‘Hitler stellt mich immer vor vollendete Tatsachen, aber diesmal zahle ich es ihm mit gleicher Münze heim. Er wird aus der Zeitung erfahren, daß ich Griechenland besetzt habe. Auf diese Weise wird das Gleichgewicht wieder hergestellt.’

Die Italiener hatten bereits das Angebot einer deutschen Panzer-Division für Nordafrika abgelehnt, welche bei dem Angriff auf Ägypten helfen sollte. Die italienischen Truppen würden dies schon aus eigener Kraft schaffen, sofern der dort zaudernde Oberbefehlshaber endlich Mussolinis Befehle ausführen würde.
Und nun würden die Italiener eine Invasion Griechenlands ohne ausreichende Vorbereitung oder zur Verfügung stehenden Kräften beginnen – und daß, nachdem gerade erst die italienischen Streitkräfte teilweise demobilisiert wurden.
Beide Operationen erschienen Mussolini als der geeignete Weg, um seine eigenen, spektakulären Siege zu erzielen, während sich die Deutschen in der Schlacht um England die Zähne ausbissen.

In einer Reihe von unglaublich chaotischen Konferenzen erfuhren die italienischen Spitzenmilitärs von Mussolinis Entscheidung, Griechenland am oder um den 26. Oktober 1940 anzugreifen. Zur selben Zeit wurde es auch klar, daß die italienische Armee in Nordafrika nicht bereit für einen Angriff auf Ägypten war.
Die Deutschen wurden über all das nicht unterrichtet und die widersprüchlichen Anzeichen, die von Zeit zu Zeit darüber aufkamen, wurden von Hitler totgeschwiegen, da er seinen italienischen Verbündeten nicht während der kritischen Verhandlungen mit Frankreich und Spanien beleidigen wollte.

Mussolini, Hitler, Ciano und von Ribbentrop

Mussolini, Hitler, Ciano und von Ribbentrop am Tag des italienischen Angriffs auf Griechenland im Palazzo Vecchio in Florenz. Die deutschen Gäste wurden von der italienischen Aktion völlig überrascht, was in Mussolinis Absicht lag.

Nach dem Treffen mit Mussolini vom 4. Oktober erreichte Hitler auf der Rückreise von seinen Gesprächen mit Franco und Petain die Nachricht, daß Italien an diesem Morgen des 28. Oktober 1940 Griechenland angegriffen habe. Bei seinem Treffen mit Mussolini am selben Tag in Florenz, bei dem ihm der stolze Duce die ‘Siegesnachricht’ selbst überbringen wollte, blieb ihm nur übrig, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Der Wutanfall kam später.

Italienischer Angriff auf Griechenland

Der italienische Angriff konzentrierte sich auf einen Vorstoß im Küstenstreifen der albanisch-griechischen Grenze, wo es die einzige bedeutende Ost-West-Querverbindung durch eine Straße nach Zentral-Griechenland gab. Dazu noch schwache Angriffe am Ende der mazedonischen Grenze.
Die Griechen war jedoch durch heftige Angriffe in der italienischen Presse und diplomatischen Druck gewarnt und hatten daher schon begonnen, ihre Streitkräfte dort zusammenzuziehen, um einen Angriff abwehren zu können.

iItalienische Infanterie an der griechisch-albanischen Grenze

Italienische Infanterie mit einem mittleren Maschinengewehr im Ortskampf an der griechisch-albanischen Grenze.

Nach anfänglichen Fortschritten wurden die italienischen Streitkräfte im Küstenabschnitt zum stehen gebracht und die Angreifer im Mittelabschnitt eingeschlossen und vernichtet. Die italienischen Truppen am nordwestlichsten Abschnitt wurden schnell zurückgedrängt.

Innerhalb einer Woche war es auf beiden Seiten klar, dass die italienischen Streitkräfte einen ernsthaften Rückschlag erlitten hatten, obwohl sie die Luftherrschaft und alleine über Panzerfahrzeuge verfügten.

Eine griechische Gegenoffensive begann am 14. November 1940 warf die italienischen Kräfte schnell nach Albanien zurück. Die Front stabilisierte dann etwa 50 km innerhalb von Albanien, wo es italienischen Gegenangriffen kam, welche aber von den Griechen abgeschlagen wurden. Die Kämpfe zogen sich ohne große Veränderungen der Frontlage über den Winter hin, bis beide Seiten erschöpft waren.

Die griechischen Streitkräfte hatten die bessere Artillerie und wurden nach einigen Tagen auch von einer britischen Luftwaffe unterstützt, welche zahlenmäßig aber sehr begrenzt war.
Auch erklärt sich das italienische Desaster nicht durch das schlechte Wetter und schwierige Gelände. Zwar beginnt genau zum Zeitpunkt des somit ziemlich unpassenden Termins des italienischen Angriffs alljährlich die Regenzeit in Griechenland, welche viele Wege unpassierbar und Flüsse unpassierbar macht, aber die Bedingungen waren für beide Gegner gleich.
Diese Bedingungen ließen zwangsläufig den italienischen Angriff früher zusammenbrechen, aber genauso hielten sie die Griechen davon ab, die Italiener aus ganz Albanien zu verjagen.
Der wirkliche Unterschied lag in dem entschlossenen und mutigen Kampf der Griechen auf der einen Seite gegen eine fast unglaubliche Inkompetenz bei der italienischen Planung, Vorbereitung und Durchführung des Angriffs.

We die Kämpfe des 1. Weltkrieg betrachtet, kann feststellen, daß die italienischen Truppen zu dieser Zeit in noch weit schwierigerem Gelände tapfer kämpften. Aber bei einer Armee, in der Ränge und Intelligenz genau umgekehrt verteilt waren, konnte nicht mehr als eine Katastrophe erwartet werden.
Zwar wurde zweimal der italienische Befehlshaber abgelöst, aber dies brachte nichts. Zwei Jahrzehnte faschistischer Herrschaft hatten die Armee bei Führung, Ausrüstung und Ausbildung abgewirtschaftet und sie war eindeutig viel schlechter als diejenige von 1915.

Italienische Niederlagen

Als ob diese Rückschläge nicht ausreichen würden, führte die britische Marine in der Nacht vom 12. zum 13. November einen zuvor geplanten Angriff durch Torpedoflugzeuge vom Typ Swordfish von einem Flugzeugträger auf der italienischen Flotte in Tarent durch. Drei Schlachtschiffe wurden getroffen, eines von ihnen konnte nicht mehr repariert werden.

Britische Truppen in Chania

Britische motorisierte Truppenteile bei der Einfahrt nach Chania auf Kreta im Oktober 1940.

Die Briten nutzen die Gelegenheit und setzten sich auch auf der strategisch wichtigen Mittelmeer-Insel Kreta fest, wo sie die griechischen Truppen für die Front in Albanien ablösten.
In der Zwischenzeit griffen die Briten auch in Nordafrika an und zertrümmerten die dortigen italienische Armee.

Die Reihe der italienischen Niederlagen bereiteten in Berlin ernste Sorgen. Die Niederlage in Griechenland könnte zur Entstehung einer wirklichen Balkanfront wie schon im 1. Weltkrieg führen. Und dies zu einem Zeitpunkt, wo Deutschland alle Boden- und Luftstreitkräfte zum Angriff auf Russland zusammenziehen wollte.
Womöglich würden britische Flugzeuge die lebenswichtigen rumänischen Erdölfelder von Stützpunkten in Griechenland aus angreifen.

Eine italienische Niederlage in Nordafrika, die zur britischen Besetzung von ganz Libyen führen würde, könnte das Mittelmeer für die britische Schifffahrt öffnen, Italien selbst vom Süden aus angreifbar machen und ganz wahrscheinlich zum Abfall der Vichy-kontrollierten französischen Kolonien in Nord- und Westafrika führen.
Darüber hinaus konnten diese Schläge, begleitet von dem scheinbar unvermeidlichen gewordenen Verlust von Italienisch-Ostafrika (Äthopien und Somalia), leicht zum vollständigen Zusammenbruch des ganzen faschistischen Systems führen, welches von Mussolini aufgebaut worden war.

Hitler rettet Mussolini

Hitler selbst war absolut entschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, um seinen italienischen Freund zu retten. Er zwang Mussolini hin und wieder Strategien und Prioritäten auf, aber er war immer darauf bedacht, das dieser sein Gesicht wahren konnte. Hitler hatte schon lange erkannt, daß nur Mussolini persönlich die Loyalität Italiens für die Achse garantierte.

So wurde ein Fliegerkorps aus Norwegen in den Mittelmeer-Raum zur Unterstützung der Italiener verlegt. Anschließend wurde mit dem Aufbau von Rommels Afrika Korps als ‘Sperrverband’ in Nordafrika begonnen. Die Briten hatten schon zuvor ihre Offensive in Nordafrika beendet, um zum einem Truppen nach Griechenland schicken zu können, und zum anderen, um nicht an der tunesischen Grenze in unvorhersehbare Schwierigkeiten mit Vichy-Frankreich zu geraten.
Diese bedeutende Fehlentscheidung ernöglichte die Aufstellung des Afrikakorps in West-Libyen und zwang den Alliierten einen mehr als zwei Jahre dauernden Wüstenkrieg auf.

Lager deutscher Kavallerie

Lager deutscher Kavallerie, welche in Bulgarien zusammengezogen worden ist.

Der wichtigste deutsche Entsatzvorstoß für Italien war es jedoch, Griechenland durch Bulgarien von Rumänien aus kommend anzugreifen. Das Wetter in den Bergen in der Nähe der griechisch-bulgarischen Grenze machte eine solche Offensive vor dem Frühjahr 1941 unmöglich, und die Italiener müßten in Albanien bis dahin so gut wie es eben geht durchhalten.
Die Bereitstellung ausreichend deutscher Kräfte für ein solches Unternehmen in der Region würde auch Monate dauern, da diese über Ungarn in Rumänien versammelt werden und anschließend durch Bulgarien auf Griechenland vorrücken müßten. Hilfreich war es, daß den Deutschen Flugplätze in Ungarn, Rumänien und Bulgarien zur Verfügung standen.
Eine Eroberung Griechenlands würde Jugoslawien völlig isolieren und der Türkei jegliche Initiative berauben, bei dem kommenden Ostfeldzug sich zuungunsten Deutschlands einzumischen. Diese Gelegenheit, um die Flanke für Unternehmen Barbarossa zu sichern, galt es also jetzt wahrzunehmen !

Am 4. November 1940 begann die jugoslawische Regierung Fühler zu den Deutschen auszustrecken, daß sie bereit wäre, sich dem Angriff auf Griechenland anzuschließen, wenn sie den ägäischen Hafen von Saloniki erhalten würde, was ihre Abhängigkeit von der italienisch beherrschten Adria verringern würde.
Gleichzeitig begann eine Reihe von Geheimgesprächen mit den Griechen, um eine deutsche Vermittlung für einen Waffenstillstand und einen Friedensvertrag zu ermöglichen, welcher diese davon abhalten könnte, sich den Alliierten anzuschließen.

Unterzeichnung des jugoslawischen Beitritts zum Dreimächtepakt

Unterzeichnung des jugoslawischen Beitritts zum Dreimächtepakt. Am Tisch sitzend von links nach rechts Jugoslawiens Außenminister Cincar-Markovic, Ministerpräsident Cvetkovic und Reichsaußenministervon Ribbentrop.

Die neuen Töne aus Jugoslawien wurden in Berlin begrüßt, führten aber zu langwierigen Verhandlungen. Erst am 23. März 1941 unterzeichnete Jugoslawien den Dreimächtepakt.

An den griechischen Friedensfühlern war Berlin dagegen nicht ernsthaft interessiert, da Athen keine Sicherheiten bieten konnte, daß das Land nicht zu einem Stützpunkt für britische Flugzeuge werden könnte. Die Flanke für Unternehmen Barbarossa durfte auch keinen Fall gefährdet werden.

Teil II: Der Balkanfeldzug

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