Attentat von Sarajewo


Das Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914.

Attenat von Sarajewo

Das Attentat von Sarajewo auf Erzherzog Ferdinand und seine Gattin Sophie durch Gavrilo Princip.

Die Ermordung einer bedeutenden politischen Persönlichkeit hat oft wichtige Folgen, aber das Erschießen des Erben der österreich-ungarischen Doppelmonarchie im Jahr 1914 führte zum Ersten Weltkrieg.
Die österreich-ungarische Vergeltung durch den Angriff auf Serbien und das Netzwerk der internationalen Militärbündnisse ließ die Welt in einen schrecklichen Konflikt gleiten. Vier große Reiche sollten untergehen und die Welt ist bis heute von den Folgen gezeichnet.

Bereits im Dezember 1913 schrieb eine serbische Zeitung aus Chicago in den USA, daß der österreichische Thronfolger für das kommende Frühjahr 1914 seinen Besuch in Sarajewo angekündigt hat. ‘Jeder Serbe solle sich vorbereiten, denn wenn der Thronfolger Bosnien besucht, bestreiten wir die Kosten – mit Messern, Gewehren, Bomben und Dynamit. Nehmt heilige Rache und Tod der Habsburger Dynastie’, stand dort geschrieben.

Die einzige Person, welche den zukünftigen Bestand von Österreich-Ungarn und damit ein ‘Groß-serbisches Reich’ auf dem Balkan verhindern konnte, war jener Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand. Er plante, nach seiner Thronbesteigung Österreich-Ungarn zu reformieren, wobei die beiden südslawischen Provinzen Bosnien und Herzegowina einen autonomen Staat bilden sollten. Dies hätte womöglich die dort lebenden Serben besänftigt und ihnen genug Autonomie gegeben, um ihre nationalistischen Bestrebungen einschlafen zu lassen. Deshalb war Franz Ferdinand der größte Feind der serbischen Ultra-Nationalisten.

Am 24. Juni 1914 reisten Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie nach Bosnien zu den dort vorgesehenen Manövern ab. Während die Erzherzogin Waisenhäuser, Schulen und Kirchen besuchte, nahm Franz Ferdinand als Generalinspekteur der Österreich-ungarische Armee an den Manövern teil, wobei es keine Zwischenfälle gab.
Noch am Abend des 27. Juni meinte Sophie, daß alle Befürchtungen umsonst gewesen waren und sie überall mit großer Herzlichkeit Empfangen wurden. Für den nächsten Tag war die Rückreise geplant, wobei unterwegs der Bürgermeister von Sarajewo zu einem Festessen eingeladen hatte.

Student Gavrilo Princip

Der Attentäter von Sarajewo, der Student Gavrilo Princip, der eine ganze Ära auslöschte. Zur Tatzeit 18 Jahre alt, was ein Todesurteil gegen ihn ausschloss, stirbt er 1918 im Gefängnis an Tuberkulose.

Die Schwarze Hand

Die jungen Verschwörer trafen sich kurz nach Morgengrauen am Sonntag dem 28. Juni 1914. Die warme Sonne hatte bereits den Morgennebel verdrängt und versprach einen strahlenden Sommertag. Diese sieben, alle junge Studenten, waren vom Geist des politischen Idealismus durchdrungen und überzeugt, dass sie irgendetwas – ja eigentlich alles tun mussten – um die Gesellschaft zu verändern. Dabei dachten sie nicht an die möglichen Folgen ihrer Tat. Die Mitglieder der Gruppe der ‘Jungen Bosnier’ waren Mohammed Mehmedbasic, Vaso Cubrilovic, Nedeljko Cabrinovic, Cvijetko Popovic, Gavrilo Princip, Trifko Grabez als ‘Soldaten’ und ‘Killer’, während Danilo Ilic der Organisator war.

 

Sie hatten sich bereits mit Waffen versorgt. Dazu gehörten Pistolen und Bomben, welche sie vom serbischen Major Tankosic erhalten hatten, einer der Führer der ‘Schwarzen Hand’. Die ‘Schwarze Hand’ stand unter dem allumfassenden Kommando von Oberst Dimitrijevoc-Apis und die Waffen waren über die Grenze aus Belgrad kommend geschmuggelt worden.
Der Terroristenbund ‘Schwarze Hand’ wurde auch von der Regierung des Zaren gefördert, die sich davon erhoffte, daß alle Gruppierungen des ‘Panslawismus’ unter russische Schirmherrschaft kommen, um den Balkan zu kontrollieren und vielleicht sogar den ersehnten Zugang zum Mittelmeer und über Konstantinopel und die Dardanellen zu erlangen.

Königsmord von Serbien

Ermordung des serbischen Königs Alexander Obrenovic und seiner Gemahlin aus einer zeitgenössischen Zeitung. Der Königsmord richtete sich vor allem gegen Österreich-Ungarn und wurde von der ‘Schwarzen Hand’ durchgeführt.

‘Apis’ mit seiner ‘Schwarzen Hand’ hatte jedoch anderes im Sinn und träumte von einem ‘Großserbischen Reich’, was den Balkan für sich beherrschen würde. Er war Chef des Nachrichtendienstes der Serbischen Armee und weder zimperlich, noch mangelte es ihm an Erfahrenheit bei Verschwörungen. Schon 1903 war der Urheber und Königsmörder bei der serbischen Palastrevolution gewesen. Und als Nächstes sollte nun Erzherzog Franz Ferdinand, der Neffe des Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn Franz Joseph und dessen Thronfolger sterben.

 

Alle Verschwörer kannten ihre Aufgaben und nun bezogen sie ihre Posten. Fünf von ihnen bezogen Positionen entlang des Flusses Miljacka, welcher nun im Frühsommer nur noch ein kleiner Strom auf dem Grunde eines breiten Flussbettes war. Mehmedbasic, Cabrinovic und Cubrilovic standen an der Kreuzung vom Appel-Kai und der Cumuria-Brücke, während gegenüber Popovic, welcher zuerst mit IIlic zusammen war, zu ihnen herübersah. An dieser Stelle dachten sie, würde ihre Aufgabe am ehesten gelingen.

Weiter dem Flussufer entlang, an seiner Kreuzung mit der Lateinischen Brücke, stand Princip und noch weiter dem Fluss entlang in der Nähe des Rathauses wartete Grabez als ‘letzte Hoffnung’, falls seine Freunde zuvor kein Glück hätten.

Ankunft des Erzherzogs

Sie waren alle gegen 9 Uhr auf ihren Posten und mussten noch nahezu eine Stunde auf das Eintreffen ihres beabsichtigten Opfers warten.
Erzherzog Franz Ferdinand, Erbe der Habsburger Monarchie von Österreich-Ungarn, hatte während seines Lebens schon so viele, allgemeine Warnungen vor der Möglichkeit eines Attentats erhalten, daß er nun im Alter von 51 Jahren selbst den genauesten Warnungen nur noch mit einem müden Fatalismus zuhörte.
‘Ich bin sicher, daß ihre Warnung gerechtfertigt ist’, seufzte er, als ihm angedeutete wurde, daß er sein Ende in Sarajewo finden werde, ‘aber ich stelle mich nicht unter eine Glaskuppel. Unser Leben ist ständig in Gefahr. Man muss sich auf Gott verlassen können.’ Er wies daher an, dass das Programm für seinen Besuch in der bosnischen Hauptstadt nicht eingeschränkt werden sollte.

Erzherzog Ferdinand Ankunft in Sarajewo

Am Morgen des 28. Juni verlassen Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gattin ihren Zug, um Sarajewo zu besuchen.

Als Generalinspekteur der Streitkräfte des Reiches hatte gerade die großen Sommermanövern hinter sich gebracht, die in den Provinzen von Bosnien und Herzegowina stattfanden und sein gewünschter Besuch in Sarajewo war bereits im März des Vorjahres angekündigt worden.
Jetzt würde das Programm nicht mehr geändert werden, nur weil noch mehr Gerüchte über einen weiteren Attentatsversuch im Umlauf waren, welche sich ohne Zweifel wieder als unbegründet herausstellen würden.
Mit dieser Einstellung beauftragte er die Polizei in Sarajewo nur mit extrem dürftigen Sicherheitsmaßnahmen. Dabei scheint die lokale Polizei den Umstand völlig ignoriert zu haben, daß der Besuch am Tag des größten serbischen Festes, dem Veitstag, stattfand. Dies würden serbische Patrioten, welche immer eine leidenschaftliche Volksgruppe waren, mit ziemlicher Sicherheit als ein übermäßiges Ärgernis und eine unnötige Belästigung ansehen.

 

Der Zug des Erzherzog kam pünktlich um 10 Uhr im Bahnhof von Sarajewo an und zehn Minuten später befand sich eine Kolonne von vier Autos auf dem Weg zum offiziellen Empfang im Rathaus. Im führenden Wagen befanden sich der Bürgermeister und der Polizeichef, im zweiten befand sich der Erzherzog in voller Uniform mit seiner geliebten Frau, der Herzogin Sophie von Hohenberg, neben ihm. Gegenüber saß der Gouverneur von Bosnien, General Potiorek, während auf dem Vordersitz neben dem Fahrer der Besitzer des Wagens saß, Graf Harrach.
Danach folgten zwei Wagen mit Offizieren und Begleitpersonen der erzherzogliche Gemächer.

Erster Attentatsversuch

Die Autos fuhren schnell über den Appel-Kai, zwischen den Häuser auf der Linken und der kleinen Damm-Mauer auf ihrer Rechten. Als sie sich der Cumuria-Brücke näherten, drehte sich General Potiorek herum und zeigte seinen wenig interessierten Gästen die neuen Kasernen, denen sie sich näherten.
Im selben Moment fragte ein hochgewachsener junger Mann in einem langen, schwarzen Mantel und mit schwarzem Hut einen Polizisten, in welchem Auto der Erzherzog sitzt. In dem Augenblick, als er eine Antwort erhalten hatte, brach er die Schutzkappe einer Handgranate ab und warf sie mit bewundernswerte Genauigkeit, aber mit viel Pech, auf sein Ziel. Anschließend sprang er über die Ufermauer und floh entlang des Flussbettes.

Bombenanschlag der 'Schwarzen Hand'

Nach einem Bombenanschlag der ‘Schwarzen Hand’. Sie war die erste moderne Terror-Organisation.

Als die Granate durch die Luft flog, sah sie der Chauffeur des Wagens vom Erzherzog und beschleunigte, sodass diese nicht im Auto, sondern im zusammengeklappten Verdeck am Ende landete. Auch der Erzherzog sah sie und warf seine Arme hoch, um seine Frau zu schützen. Als das Auto nach vorne schoss, fiel die Handgranate auf die Straße und explodierte ausreichend stark genug, um das direkt hinter dem Erzherzog fahrende Fahrzeug zu zerstören und dabei weitere 20 Zuschauer zu verwunden; einige davon schwer, einschließlich Oberst Merizzi, Potioreks Adjutanten.
Mit einem Mut und Mitgefühl, welche Bewunderung verdient, befahl der Erzherzog dem Fahrer das Auto anzuhalten, um sich über die Schäden und Verlusten zu informieren. Daraufhin setzte die auf drei Autos reduzierte Kolonne ihre Fahrt zum Empfang am Rathaus fort.
Die Strecke wurde wegen des Zwischenfalls und dessen Auswirkungen auf die Gelassenheit des Erzherzogs abgekürzt, welche durch die Feststellung nicht verbessert wurde, daß ein Stück der Granate den Nacken seiner Frau gestreift hatte.
‘Ich komme zu einem Besuch hierher und ich bekomme Bomben auf mich geworfen, es ist unerhört!’ beschwerte sich der Erzherzog wütend kommentierte später zu Graf Harrach ‘Ich glaube, wir werden noch ein paar Kugeln abbekommen’.



Im Rathaus angekommen, beruhigte er sich aber wieder, nachdem gemeldet wurde, daß der Attentäter festgenommen worden war. Die nachfolgende Rede des Bürgermeisters war dagegen peinlich, da er sie Auswendig gelernt hatte und dem Attentatsversuch nicht mehr anpasste. Nun wollte Franz Ferdinand, daß ihn seine Frau in Sicherheit verlässt, welche sich aber weigerte und bei ihm bleiben wollte.

Feldzugmeister Oskar Potiorek war jedoch davon überzeugt, daß es in Sarajewo nicht noch mehr Mörder gab, welche es auf das Thronfolgerpaar abgesehen haben. Um aber weitere Gefahr zu vermeiden, schlug der General nun vor, das Programm des Tages leicht zu ändern.
Anstatt wie geplant das Stadtmuseum zu besuchen, was bedeuten würde, dass sie über den Appel-Kai nur bis zur Lateinische Brücke fahren, dann am Schiller-Kaufhaus nach rechts abbiegen und die Franz-Josef-Straße weiterfahren müssten, sollte besser darauf verzichtet werden.
Die Kolonne sollte stattdessen direkt zum Gouverneurs-Sitz am Konak oder zurück nach Illidze fahren. Beide Alternativen erforderten nicht mehr, als den gesamten Appel-Kai mit voller Geschwindigkeit zurückzufahren. Der Erzherzog erklärte sich damit einverstanden und bestand nur auf einer kleinen Abstecher an einer Stelle der Strecke. Sie wollten das Krankenhaus zu besuchen, in dem Oberst Merizzi wegen seiner Wunden behandelt wurde, damit sowohl der Erzherzog als auch Herzogin ihr Mitgefühl und ihr Beileid zum Ausdruck bringen können.
So wurde es beschlossen, aber keiner dachte daran, die Fahrer über den geänderten Plan zu informieren.

Die Schüsse des Gavrilo Princip

Von seinem Posten am Ende der Lateinischen Brücke hatte Princip die Explosion von Cabrinovics Bombe gehört und erkannte bald, daß ihr Ziel unverletzt entkommen war. Auch sah er, wie Cabrinovic versuchte, entlang des Flussbetts zu fliehen und von der Polizei verfolgt wurde, die ihn bald erwischte.
Princip spielte erst mit dem Gedanken, sie zu verfolgen und Cabrinovic mit seiner Pistole zu erschießen, um ihr Geheimnis und die Mitverschwörer zu bewahren und sich dann selbst zu richten.
Princip verwarf aber bald diese Gefühle, tauchte satt dessen in der Menge unter und bezog schließlich Posten auf der anderen Seite des Appel-Kais, an der Ecke vom Schiller-Kaufhaus. An dieser Stelle nahm die Menge und er an, würde die Kolonne letztendlich langsamer werden, um in die Franz-Josef-Straße einzubiegen.

Schließlich kam es aus Sicht von Princip noch besser. Die drei Autos näherten sich wie vorgesehen der Kreuzung und die Fahrer, die immer noch nicht über die Änderungen der Route informiert waren, bogen um die Ecke. Aber als das erste Auto abbog, erkannte Potiorek den Fehler und schrie, um ihn zu korrigieren. Das erste Auto nahm Fahrt auf, aber das vom Erzherzog wurde in der Kurve langsamer und hielt an. Der Fahrer begann zurückzusetzen und zu drehen, um die Strecke über Appel-Kai weiterzufahren. Ganz langsam fuhr das Auto mit seinen Insassen in einem Abstand von nur etwa 1,5 Metern an Princip vorbei.

Verhaftung Gavrilo Princips

Verhaftung Gavrilo Princips nach dem Attentat in Sarajewo.

Sein Arm wurde von einem Polizisten gepackt, der sah, wie der junge Mann eine Pistole hervorzog. Jedoch wurde der Polizist anschließend niedergeschlagen; wahrscheinlich von einem anderen der Verschwörer oder einem Sympathisanten.
Princip drückte dann zweimal ab. Die erste Kugel durchdrang die Seite des Autos, das Korsett der Erzherzogin und drang direkt in ihre rechte Seite ein. Die zweite Kugel ging durch des Erzherzogs Mantelkragen, durchtrennte seine Halsvene und drang in die Wirbelsäule ein. Beide waren schon tot, als sie im Krankenhaus ankamen.

Es war 11.30 Uhr am Morgen des 28. Juni 1914 und die Auswirkungen dieser beiden Schüsse verspüren wir noch immer.

Die Nachricht vom Attentat von Sarajewo war in Kürze über die Telegrafenleitungen um die ganze Welt verbreitet und schockierte die meisten Europäer. Den meisten von ihnen war klar, daß unter Berücksichtigung der Bündnislage, dies einen Krieg bedeutete. Nur in Serbien wurde der Mord in den Zeitungen verherrlicht, während auf den Straßen Wiens Empörung und Hass auf die Serben regierte und Rache verlangt wurde.

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