7,5-cm Schnellfeuer-Geschütz M 1897

French-flagLegendäres französisches Schnellfeuer-Feldgeschütz Canon de 75 mle 1897
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3D-Modell.

M 1897 Feldgeschütz

Ein Vorkriegsbild einer ‘M 1897’, als die französische Armee noch dachte, mit beweglichen Batterien in offenen Feldschlachten kämpfen zu können.

Canon de 75 mle 1897
Typ: Feldgeschütz.

Geschichte

Der Anspruch auf eine der berühmtesten Kanonen aller Zeiten zu sein, kann wirklich der französischen ’75’, der bekannten ‘Soixante-Quinze’ oder ‘Canon de 75 mle 1897’ zugesprochen werden. Im Laufe der Jahre hat diese Waffe für sich einen fast schon legendären Ruf erworben, aber im historischen Vergleich ist es der verdiente Ruhm, eines der ersten echten Schnellfeuergeschütze gewesen zu sein.

Dies wurde durch die Einführung eines neuen hydraulischen Rücklaufsystem möglich gemacht, welches zeitgenössischen Mechanismen, welche alleine auf der Verwendung von Federn basierten, über Nacht zum alten Eisen werden ließen. Dieser Mechanismus, kombiniert mit der etwa zeitgleichen Einführung des Nordenfeldt-Verschlußmechanismus, welcher durch das Umlegen eines Hebels geöffnet und geschlossen werden konnte, ermöglichte es der ‘M 1897’, bis zu 28 Granaten per Minute zu verschießen, was zu dieser Zeit eine wirklich revolutionäre Feuergeschwindigkeit war.

Die ‘M 1897’ war ein staatlicher Entwurf und wurde zunächst im Atelier de Bourges hergestellt. Aber nach kurzer Zeit wurde das Modell in vielen Fabriken gebaut, darunter vor allem durch Schneider & Cie in Le Creusot. Die Produktion dort war so zahlreich, daß der Entwurf manchmal als ‘Schneider’ bezeichnet wurde.

Die ersten Modelle erschienen im Jahre 1897 (daher mle 1897) und wurden für eine beträchtliche Zeit unter Verschluss gehalten, da sie als Geheimwaffen betrachtet wurden. Viel wurde von ihnen erwartet, denn sie wurden als die wichtigste Unterstützungswaffe für die französische Angriffsdoktrin angesehen, in welcher der Offensivgeist jeden Widerstand überwinden sollte. Die hohe Feuerrate der ‘M 1897’ sollte das relativ geringe Geschossgewicht der Explosivgranate von 6,195 kg überwinden helfen.
Diese Doktrin war es jedoch, welche der französischen Armee im Jahr 1914 teuer zu stehen kam, aber trotzdem blieb die ‘M 1897’ den ganzen Krieg über das Standard-Feldgeschütz des französischen Heeres.

Das Hydraulikrücklaufsystem der ‘M 1897’ erzeugte eine relativ lange Rückstoßwirkung, welche so enorm war, daß zwei Führungsrollen unter der Mündung angebracht wurden, um dem Zerren des Rücklaufsystems bei voller Kraft zu begegnen und eine Tonnenlast aus dem Kolben zu nehmen. Diese zwei Führungsrollen sind ein eindeutiges Erkennungszeichen der ‘M 1897’.
Der Verschlußmechanismus verwendete einen einfachen Hebel mit einer Unterbrechungsaktion, die schnell und einfach ausgeführt werden konnte, damit die einteilige Munition in die Kammer eingeführt werden konnte. Ein kastenartiger Pfostenanhänger wurde verwendet, welcher den maximalen Höhenwinkel und damit die Reichweite begrenzte, aber diese später eigentlich unerwünschte Eigenschaft wurde erst nach dem 1. Weltkrieg entfernt.
Viele ‘M 1897’ hatten ein Sicherungssystem gegen das Verrücken beim Feuern, welches an der Lafette angebracht war.

75-mm M1897 als mobiles Fla-Geschütz

75-mm M1897 als mobiles Fla-Geschütz auf einem LKW montiert. Dieses Exemplar wird von US-Soldaten verwendet.

Von der ‘M 1897’ waren bei Kriegsausbruch 1914 etwa 4.000 bei der französischen Armee vorhanden und weitere 17.000 wurden während des 1. Weltkrieg hergestellt. Das Feldgeschütz wurde auch von vielen anderen Armeen verwendet und die US-Armee übernahm die ‘M 1897’ im Jahr 1917 und begann später mit der Produktion ihrer eigenen Version (ca. 1000 Stück).
Es wurden so viele ‘M 1897’ hergestellt, daß sie auch für eine Vielzahl von anderen Zwecken verwendet wurden. So bestand die Bewaffnung der ersten französischen Panzer aus der ‘M 1897’. Sie wurde auch als Flugabwehrkanone eingesetzt, entweder auf einem schrecklich anmutenden Gestell mit Metallrahmen oder als eine Selbstfahrlafetten auf einen Dion-LKW montiert. Einige wurden auch als Küstenverteidigungs-Geschütze verwendet, und als eine 37-mm-Grabenkanone 1916 benötigt wurde, war das Ergebnis eine ‘halbierte M 1897’.

Die ‘M 1897’ blickte nach 1918 noch eine auf eine lange Nachkriegskarriere und wurde auch später noch in einigen seltsamen Formen produziert, aber es ist der Einsatz als eines der meist verwendeten Geschütze des 1. Weltkrieges, welches in Erinnerung bleibt. Die deutsche Wehrmacht setzte erbeutete Exemplare als 7,S-cm Feldkanone 231 (f) – oder häufiger kurz als 7,5-cm-FK 97 (f) – noch während des 2. Weltkrieg ein.

Benutzer: Frankreich, USA, Großbritannien, Belgien, Rumnänien, Serbien, Portugal, Spanien, Polen, Finnland, Deutsches Reich (Wehrmacht).


Animation 7,5-cm Geschütz M 1897


Spezifikationen 7,5-cm Geschütz M 1897

Spezifikationen
Canon de 75 mle 1897 Spezifikation
Typ Feldgeschütz
Bedienung 4
Länge über alles ?
Gewicht 1.140 kg (Gefecht), 1.970 kg (Transport)
Kaliber 75 mm
Lauflänge 2,587 m
Höhenbereich -11° bis +18°
Schwenkbereich 6° nach rechts und links
Geschossgeschwindigkeit 575 m/s
maximale Schussweite 11.000 m
Feuergeschwindigkeit 28 Schuss/Minute
Granatgewicht 6,195 kg
Einsatzstatistik
Canon de 75 mle 1897 Angaben
Serienproduktion 1897 – 1939
Stückpreis unbekannt, aber teuer, da aufwändig
Stückzahl ca. 17.000 (1914-1918) in Frankreich, ca. 1.000 nach 1918 in USA
Bestand August 1914 ca. 4.000
Bestand September 1939 ca. 4.500 (Frankreich), 1.374 (Polen)

Die Legende

Die Waffe, welche international als die ’75’ bekannt wurde, hatte ihren Ursprung in einem französischen Armeeprojekt der 1890er Jahre. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Hinterladerkanonen an der Tagesordnung, aber diese litt unter dem Problem, von welchem alle Artilleriewaffen seit den Tagen des Schwarzpulvers betroffen waren: wenn die Kanone abgefeuert war, führten die Rückstoßkräfte dazu, daß Lauf und Lafette aus ihrer Position sprangen. Vor dem nächsten Schuß mußte die Kanonen erst wieder in ihre Stellung gerückt werden.
Wenn ein Verfahren zur Absorbierung dieses Rückstoßes gefunden wurde, wäre eine schnellere Feuerrate möglich, da es für die Bedienungsmannschaft nicht notwendig wäre, das Geschütz nach jedem Schuss in seine Feuerstellung zurecht zu rücken.

Die Lösung schien auf dem Gebiet der Hydraulik zu liegen, für welche eine deutsche Firma einen Weg gefunden hatte durch die Herstellung eines Kolbens mit einem beweglichen Zylinder, welcher sich durch eine dickflüssige Flüssigkeit bewegte. Bei einer sorgfältigen Konstruktion könnte dies die Rückstoßkräfte absorbieren. Dieses Prinzip wurden bei einigen großen, statischen Küstenverteidigungsgeschützen angewendet, aber das gleiche bei einem viel kleineren und leichten Feldgeschütz zu erreichen, war eine andere Sache.
Die meisten europäischen Großmächte ließen ihre Artillerie-Ingenieure an diesem Problem arbeiten, aber die Franzosen fanden die Lösung als erstes.

Die französische Lösung war eine einfache Verlängerung der ursprünglichen deutschen Kolben- und Flüssigkeits-Idee. Sie machten es nur einfach kleiner und mit Öffnungen im Kolben, sodaß eine Mischung aus Wasser und Glycerin in niedriger Geschwindigkeit durch die Löcher fliessen konnte. Dies konnte die Rückstoßkräfte praktisch vollständig absorbieren und keine Kräfte würden auf die Lafette der Kanone einwirken. So wurde die ‘M 1897’ geboren, und die französische Armee stellte sie sofort unter größte Geheimhaltung in Dienst. Niemand außerhalb des unmittelbaren Kreises der Benutzer, der Kanoniere, durfte die Waffe sogar nur sehen – und noch nicht einmal die Kanoniere hatten eine Vorstellung davon, wie das Rückstoß-System überhaupt funktionierte.

Zum Leidwesen der Franzosen zog diese schon verzweifelte Geheimhaltung nun große Aufmerksamkeit auf sich und es dauerte nicht lange, bis die Arbeitsweise des Rückstoßsystem bekannt wurde. Zu dieser Zeit hatten die anderen europäischen Großmächte schon entschieden, dass, wenn die Franzosen ein neues Schnellfeuergeschütz mit einem effizienten Rückstoß-System hatten, daß sie dann ebenso eines benötigen würden. So kamen ihre Ingenieure mit anderen, aber im Grunde ähnlichen Lösungen, hervor. Einige dieser Lösungen waren sogar noch besser als die der ‘M 1897’, da dort zur Sicherstellung, damit das System effizient arbeiten kann, der Lauf die beträchtliche Distanz von 1,22 m zurücklaufen mußte. Dies machte die Laufbewegungen so weit, daß sich das Zentrum der Schwerkraft und damit die Stabilität der Lafette beeinträchtigte. Auch die Belastungen auf die Rückstoßzylinder-Kolbenstangen waren so beträchtlich, dass Führungsrollen darunter angebracht wurden, um einen Teil dieser Belastungen aufzufangen.
Dies hatte jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf die Feuerrate der ‘M 1897’, die sich bis auf 28 Schuss pro Minute bei einer geschulten Bedienungsmannschaft belaufen konnte. Der Nordenfeld-Verschlußmechanismus, der schnell mit einem einfachen Hebel und einen leichten Schlag aus einem trainierten Handgelenk geöffnet werden konnte, und die Munition wurde in einem Stück geladen, da Sprengladung und Treibmittel miteinander verbunden waren.

Zur Zeit des Kriegsausbruchs im Jahr 1914 waren die allgemeine Funktion der ‘M 1897′ wohl bekannt und kein Geheimnis mehr, obwohl die Franzosen noch einige Sicherheitsbeschränkungen über interne Details aufrecht erhielten. Die französische Armee erwarte große Dinge von der ’75’, weil sie genau zu der Philosophie des Angriffs passte. In dieser Welt würde ein Feind einfach von massierten Infanterie-Angriffen mit massiven Unterstützungsfeuer aus Batterien von ’75ern’ weggefegt werden. Das relativ leichte Granatgewicht wurde nicht als Problem angesehen, da die hohe Feuerrate dies ausgleichen sollte. So wie die französische Infanterie in die Grenzschlachten vom August 1914 zog, rückten die massierten Batterien aus ‘M 1897′ über das offene Feld gegen den deutschen Feind.

Die Grenzschlachten zeigten jedoch bald, daß die französischen Vorstellungen von der Stärke des Angriffs im Angesicht von Maschinengewehren, Magazinladegewehren und gut aufgestellter Artillerie wenig erfolgreich waren. Die ’75er’ erwiesen sich zwar als nützliche und handliche Geschütze, aber ihr mangelndes Granatgewicht machte sie zu keinem Gegner für schwere deutsche Haubitzen und sie erlitten fast so viele Verluste wie die Infanterie in der Anfangsphase des 1. Weltkrieg.
Die aus dem Gleichgewicht gekommenen gegnerischen Heere taumelten schließlich auseinander und begannen sich für den eigentümlichen Zustand des Belagerungskrieges zu verschanzen, welcher vier bittere Jahre dauern sollte.
Dabei konnte die ’75’ nicht glänzen, da ihre Geschosse nur in einer geringen Flugbahn verschossen werden können und gegen Schützengräben oder sogar nur leicht befestigte Feldstellungen von nur geringem Wert waren. Alles, was sie tun konnten, waren kleine Vertiefungen in das Gelände zu kratzen, welches zur Halbwüstenlandschaft an der Westfront wurde.


Öffentliche Hysterie

Aber vor 1914 war die ’75’ schon berühmt. Um das Maß ihrer Niederlagen an den Grenzen ein wenig zu verschleiern, kamen französische Propagandisten auf die Idee, dass die ’75’ die Waffe war, welche Frankreich ‘gerettet’ haben soll. Die französische Öffentlichkeit fuhr auf die Vorstellung ab, und so wurde die ’75’ fast über Nacht zum Symbol der öffentlichen Begeisterung. Lieder wurden veröffentlicht, welche die Waffe verherrlichten, und die Medien nutzten jede Methode, um die Idee zu fördern. Auch auf Schmuck und Schildabzeichen wurde die ’75’ abgebildet und eine Legende war geboren.

Die Truppe auf den Schlachtfeldern hatte zweifellos andere Vorstellungen davon. Der einzige Weg, wie die ’75’ entlang der Westfront eingesetzt werden konnte, war sie richtig weit nach vorne zu bringen, direkt hinter der Front und auch somit im feindlichen Artillerie-Bereich. Um das geringe Geschossgewicht auszugleichen, wurde immer eine große Anzahl der Geschütze zusammengezogen. In den Kämpfen von Verdun im Jahr 1916 wurde ein ganzes Tal mit ’75-er’ gefüllt, Rad an Rad und ständig feuernd. Die schiere Zahl mußte den Mangel an Feuerkraft wettmachen, bis endlich schwerere Waffen verfügbar waren. Und es war kein Trost für die französischen Kanoniere zu wissen, daß ihre verschossenen Granaten kaum Auswirkungen auf die feindlichen Schützengräben und Schanzwerke haben werden.

Batterie aus M 1897 im Einsatz

Britische Kanoniere beobachten eine französische Batterie aus ‘M 1897’ im April 1918 bei Domart beim Einsatz.

Während dieser Zeit blieb die Legende um die ‘M 1897’ weiter bestehen, und als die US Army 1917 in Frankreich ohne Artillerie ankam, baten sie um Batterien der populären ‘M 1897’ für ihre Truppen. Die Amerikaner waren von den Nachrichten über sie so beeinflußt, daß sie umgehend beschlossen, eine eigene Version als Standard-Feldgeschütz zu produzieren. Das einzige Problem für sie war, daß die französischen Hersteller ihnen nicht die Baupläne geben wollten.
In typisch amerikanischen Stil (heute vielleicht als ‘chinesischer’, davor ‘japanischer’ Stil bekannt) wurde eine ‘M 1897’ in die USA verschifft und bis auf die kleinste Komponente zerlegt. Die Amerikaner waren bald bestürzt, als sie feststellten, daß die ‘M 1897′ praktisch nur mit großem Aufwand an Material und Arbeitskraft per Hand hergestellt werden konnte. Doch sie wollten unbedingt eine Massenproduktion der ’75er’, sodaß sie den Entwurf grundlegend überarbeiteten, um ihre Produktionsmethoden damit in Einklang zu bringen und so machten sie die ‘M 1897’ zu einer viel billiger herzustellenden (und auch besseren) Waffe.

Die legendäre ‘M 1897’ beendete den 1. Weltkrieg wie sie ihn begonnen hatte und in den Jahren nach dem Krieg gab es auch nicht die geringste Hoffnung für die französische Armee, sie ersetzen zu können, da sie viel zu sehr zu einem Symbol für den französischen Sieg von 1918 geworden war.
Aber einige kleine Detailverbesserungen konnten trotzdem vorgenommen werden. So wurde ein neues System zur Rohrerhöhung eingeführt, welches die Schussweite erhöhte, aber nur wenige davon wurden hergestellt. Der Grund hierfür schien gewesen zu sein, daß die ‘M 1897’ gut genug im 1. Weltkrieg war und somit auch gut genug für den nächsten Krieg war, und keine Mittel für eine derartige teure Modifikation aufgewendet werden sollten.
Eine weitere Änderung war die Einführung von Luftreifen, damit das Geschütz hinter einem LKW hergezogen werden konnte, aber das war in den späten 1930er Jahren, kurz bevor ein weiterer Krieg drohte. Und noch einmal sollte die ‘M 1897’ bereit stehen, um Frankreich zu retten.


Einsatz im 2. Weltkrieg

'M 1897' 2. Weltkrieg

Französische Kanoniere bei einer Feuerübung vor dem 2. Weltkrieg. Diese ‘M 1897’ wurden mit Gummireifen für den LKW-Transport ausgerüstet, haben aber immer noch die gleiche Lafette und das Schild des Orginials von 1897.

Nachdem dann der 2. Weltkrieg im September 1939 begann, waren etwa 4.500 ‘M 1897′ bereit, oft noch auf ihren ursprüngliche Lafetten, komplett mit Holzspeichenräder. Die alten Flak-Geschütze standen immer noch auf ihren erhöhten Rahmen oder waren mit ihren Original-Weltkrieg-LKWs eingelagert. Einige, wenn auch nicht viel, neue Ausrüstungen ist produziert worden. Eine neue Version der ’75’ wurde verwendet, um einige Festungen der Maginot-Linie auszurüsten, und immer noch verwendeten einige der französischen Panzer die kurzläufige ‘M 1897′ als ihre Hauptbewaffnung.

Aber es war alles umsonst, nicht einmal die legendäre ’75’ konnte den deutschen Panzer-Horden, welche im Mai 1940 über ganz Frankreich hinwegfegten, widerstehen. Riesige Mengen an Waffen fielen als Kriegsbeute in die Hände der Wehrmacht, und darunter auch zahlreiche ‘M 1897’.

7,5-cm Pak 97/38

Deutsche 7,5-cm Pak 97/38

So wurde die ‘M 1897’ zu einer deutschen Kanone, verwendet im Atlantikwall, bei Garnisonseinheiten in Frankreich und ganz Europa. 1942 wurde sie sogar zur Panzerabwehrkanone, als die zunehmende Anzahl russischer T-34 die bestehende Pak-Ausstattung der Wehrmacht veralten ließ. Es wurden etwa 600 ’75er’ aus den Lagern mit Beutebeständen mit neuen Mündungsbremsen und Verstärkungen am Lauf ausgestattet. Es wurde eine neue panzerbrechende Munition dafür hergestellt und die Waffe wurde als 7,5-cm Pak 37/38 (’38’ steht für das verwendete Fahrgestell der Pak 38) an der Ostfront eingesetzt.

Aber auch als das passiert war, kämpfte die ’75er’ auf der anderen Seite des Atlantiks immer noch für die Alliierten. Die Amerikaner hatten die Produktion des ‘M 1897′ gerade zum laufen gebracht, als der 1. Weltkrieg zu Ende ging, aber in den Folgejahren verwendeten sie die Waffe als Standardfeldgeschütz. Sie benutzen sie auch als Ausgangspunkt für andere Projekte. Als zum Beispiel in den späten 1930 Jahren ein Geschütz für einen Panzer gesucht wurde, wurde die ’75er’ nahezu unverändert übernommen. Sie wurde zur Hauptbewaffnung der folgenden mittleren US-Panzer vom Typ M3 Lee und Grant sowie M4 Sherman.
Der gewagteste Entwurf war der jedoch der Einbau in einen North American B-25 Mitchell-Bomber der US Army Air Force. Dabei wurde das Gewicht der Kanone nach und nach so weit reduziert, bis die Waffe in der B-25 als Schiffsbekämpfungskanone im Pazifik eingesetzt werden konnte.
Nun war das Gewicht der Kanone auch niedrig genug, um sie als Hauptbewaffnung im leichten US-Panzer M24 Chaffee verwenden zu können.
Und das alles geschah zu einer Zeit, wo die alten amerikanischen ’75er’ zur Ausbildung der neuen US-Armee für den Kriegseinsatz verwendet wurden. Einige sahen aber auch tatsächliche Kampfhandlungen in der ersten Phase des Pazifikkrieges und in den düsteren Tagen von 1940/41, als zahlreiche an die britischen Streitkräfte abgegeben wurden.

So tat die alte ‘M 1897′ noch ihren Teil daran, Frankreich erneut zu retten, aber dieses Mal in den Händen anderer Armeen. Heute können ’75er’ noch in vielen französischen Städten als Schmuck bei den Kriegerdenkmäler als Erinnerung an den Glanz ihrer vergangenen Tage gefunden werden. Sie bleibt eines der berühmtesten Geschütze, welches jemals hergestellt wurde.

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