4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division

Aufstellung und Einsätze der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division.

Apell eines Bataillons der Polizei-Division

Apell eines Bataillons der Polizei-Division vor Leningrad.

Bezeichnung

Polizei-Division (1. Oktober 1939)
SS-Polizei-Division (10. Februar 1942)
4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division (September 1943)

Kommandeure

  • Generalleutnant Konrad Hitschler (September 1940)
  • SS-Gruppenführer Karl Pfeffer-Wildbruch (September bis November 1940)
  • SS-Gruppenführer Arthur Mülverstedt (November 1940 bis August 1941)
  • SS-Obergruppenführer Walter Krüger (August bis Dezember 1941)
  • Generaloberst Alfred Wünnenberg (Dezember 1941 bis April 1943)
  • SS-Brigadeführer Fritz Freitag (April bis Juni 1943)
  • SS-Brigadeführer Fritz Schmedes (Juni bis August 1943)
  • SS-Brigadeführer Fritz Freitag (August bis Oktober 1943)
  • SS-Oberführer Friedrich Bock (Oktober 1943 bis April 1944)
  • SS-Brigadeführer Jürgen Wagner (April bis Mai 1944)
  • SS-Oberführer Friedrich Bock (Mai bis Juli 1944)
  • SS-Brigadeführer Herbert Ernst Vahl (Juli 1944)
  • SS-Brigadeführer Karl Schümers (Juli bis August 1944)
  • SS-Oberführer Helmut Dörnder (August 1944)
  • SS-Brigadeführer Fritz Schmedes (August bis November 1944)
  • SS-Standartenführer Walter Harzer (November 1944 bis März 1945)
  • SS-Standartenführer Fritz Göhler (März 1945)
  • SS-Standartenführer Walter Harzer (März bis Mai 1945)

Aufstellung

Die Polizei-Division wurde im Oktober 1939 durch die Einberufung von etwa 15.000 Mitgliedern der Ordnungspolizei gebildet, welchen Artillerie- und Nachrichteneinheiten des Heeres beigegeben wurden. Sie unterlag intensivem Training im Schwarzwald bis zum Frühjahr 1940 und während dieses Zeitraumes waren Teile der Division auch als Besatzungstruppe in Polen im Einsatz.
Obwohl die deutsche Polizei der SS unterstellt war, so war die Formation doch nicht als gleichwertige bewaffnete SS-Division vorgesehen, was sich in der Qualität der Ausrüstung widerspiegelte.

Die Division sah erstmals Kampfeinsätze während des Westfeldzugs von 1940. Zuerst wurde die Division als Reserve der Heeresgruppe C im Rheinland zurückgehalten und hatte erst am 9. Juni 1940 ihren ersten Kampfeinsatz bei der Überquerung des Fußes Aisne.
Sie kämpfte im Argonner Wald gegen die französische Nachhut und nahm die kleine Ortschaft von Les Islettes. Der Feldzug war nur kurz und die Division wurde am 20. Juni von der Front abgezogen.
Gleich anschließend wurde die Polizei-Division nach Ostpreußen verlegt, wo sie die Truppenausbildung fortsetzte. Im Januar 1941 ging schließlich die Verantwortung über die Division von der deutschen Polizei an die SS über.

Russland 1941-1943

Am 27. Juni 1941 trat die Polizei-Division den deutschen Streitkräften als Reserve der Heeresgruppe Nord bei, welche für das Unternehmen Barbarossa – dem Überfall auf Sowjet-Russland – zusammengezogen worden waren.

Polizei-Division bei Luga

Soldaten der Polizei-Division bei den Kämpfen in den Wäldern um Luga.

Die Division geriet erstmals in schwere Kämpfe in der Gegend um Luga, wo sie über 2.000 Mann blutige Verluste in schwierigem Gelände aus dichten Wäldern und Moskito-verseuchten Sümpfen einbüßte. Bis August hatte die Polizei-Division es zusammen mit einigen Heeres-Divisionen geschafft, die sowjetischen Truppen bei Luga einzuschließen und die Stadt unter erheblichen Verlusten zu erobern. Unter den Opfern war auch der Divisions-Kommandeur, SS-Gruppenführer Mülverstedt, der im Kampf gefallen ist.

Die Polizei-Division nahm anschließend an der Belagerung von Leningrad teil und im Januar 1942 wurde sie entlang des Flusses Wolchow eingesetzt. Im folgenden Monat wurde sie offiziell zu einem Teil der Waffen-SS gemacht, wobei anschließend die Polizei-Abzeichen gegen reguläre Waffen-SS-Abzeichen ausgetauscht wurden.
Zwischen Januar und März 1942 war die SS-Polizei-Division in heftige Kämpfe verwickelt, welche mit der Niederlage der sowjetischen 2. Stoss-Armee endeten. Der Rest des Jahres 1942 verbrachte die Division an der Front vor Leningrad. Dabei erarbeitete sich die Division ein Ruf für Zuverlässigkeit, wenn sie auch in keinster Weise den Status eines Elite-Verbandes erreicht hatte. Verluste in den Kämpfen führten zu einer ständigen Abnahme der Truppenstärke der Division.

Im Januar 1943 geriet die SS-Polizei-Division unter sowjetische Angriffe südlich vom Ladoga-See, wobei der Gegner schließlich die deutsche Abwehrlinie im Februar durchbrach und die SS-Leute zu einem Rückzug nach Westen auf neue Stellungen bei Kolpino zwang. Diese wurden zwar erfolgreich gehalten, aber die Verluste waren schwer gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt wurde beschlossen, Teile der Division nach Schlesien abzuziehen, als Stammmannschaft für die neuformierte SS-Polizei-Panzergrenadier-Division. Die anderen Soldaten wurden in eine kleinere Kampfgruppe zusammengefasst und blieben vor Leningrad.
Während des nachfolgenden Monats wurden die holländischen Soldaten der ‘Freiwilligen Legion Niederlande’ der Kampfgruppe angeschlossen, um die SS-Polizisten zu verstärken. Diese Kampfgruppe blieb im ständigen Einsatz an der Ostfront bis zum Mai 1944, als sie schließlich aufgelöst wurde.

Aufstellung der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division auf dem Balkan

SS-Tropenuniform

Angehöriger der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division in Tropenuniform auf dem Balkan.

Im Mai 1943 wurden die von der Ostfront abgezogenen Teile der SS-Polizei-Division auf den Balkan verlegt. Aus diesen Soldaten sowie Stammmannschaft der SS-Panzer- und SS-Panzergrenadier-Ersatzeinheiten, Waffen-Schulen und jungen Freiwilligen der Ordnungspolizei aus dem Wehrkreis XXI in Böhmen-Mähren wurde auf dem Truppenübungsplatz Debica die 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division gebildet.
Teile nahmen an Einsätzen gegen Partisanen in Nordgriechenland während des Sommers und Herbst teil. In diesem Zeitraum meldete die Geheime Feldpolizei Fälle mit Zeugen von Greueltaten gegenüber Zivilisten durch Angehörige der Division in der Gegend von Klissura.
Während des Abschluß der Aufstellung im Frühjahr 1944 Sicherungseinsätze in Mittelgriechenland gegen starke kommunistische Partisanen-Verbände mit verlustreichen Kämpfen in West-Mazedonien. Dabei im März 1944 weitere Greueltaten in der Gegend von Larissa.

Gliederung 1944
4. SS-Polizei-Panzergrandier-Division Einheiten
Stab/SS-Polizei-Pz.Gren.Div mit Begleit-Kompanie/motorisiert
SS-Polizei-Pz.Gren.Rgt. 7 3 Pz.Gren.Btl./mot. je Regiment
SS-Polizei-Pz.Gren.Rgt. 8 plus Rgt.Pi./Pz.Jg.,IG-,Kradschützen-Kompanie
SS-Polizei-Panzer-Abteilung 4 vier Panzer-Kompanien (PzKpfw IV und StuG IV; ab Okt.1944 auch PzKpfw V Panther mit Werkstatt-Zug)
SS-Polizei-Pz.Art.Rgt. 4 I.+II Abt (je 3 Batterien zu je 4 le.FHb), III. gemischte schwere Abteilung (12 sFHb mit Zugfahrzeugen)
SS-Polizei-Flak-Abt.(m.) 4 2 schwere, 1 gemischte Flak-Batterie)
SS-Polizei-Pz.Aufkl.Abt.4 2 Panzerspähwagen und 2 Aufklärungs-Kompanien (leichte Schützenpanzer), dazu Aufklärungs-Züge mit VW Schwimmkübel
SS-Polizei-Fla-Kompanie (mot.) 4 3 gemischte Fla-Züge mit Zugkraftwagen
SS-Polizei-Pz.Jg.Abt (SF) 4 2 Panzerjäger bzw StuG-Kompanien, 1 Panzerjäger-Konpanie mit 12 schweren Pak, 1 Fla-Zug)
SS-Polizei-Pionier-Bataillon (mot.) 4 2 motorisierte Pionier-, 1 Panzerpionier-Kompanie auf leichten Schützenpanzern)
SS-Polizei-Nachrichten-Abteilung 4 Funk- und Fernsprech-Kompanie/Na.Kol.)
SS-Versorg./Naschsch./Inst./San.-Truppen Nr.4 Versorgungs-, Nachschubs-, Instandsetzung und Sanitätsdienste

Die Division blieb in Griechenland bis Juli und August 1944, bevor sie Mitte September nach Norden zur Heeresgruppe F an die herangekommene Ostfront gegen die Rote Armee verlegt wurde.

Ostfront 1944/45

Die neue 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division wurde der Armeegruppe Felber im trotzdem langwierigen Eilmarsch durch Partisanen-Gebiete zugeführt und sollte das ‘Eiserne Tor’ an der Donau nach Rumänien sichern. Erste Kämpfe gegen die durch das zusammengebrochene Rumänien hindurch stossende Rote Armee bei Temesvar. Die Division verstärkte nach dem Rückzug zusammen mit anderen deutsche Verbänden den südlichen Abschnitt der Ostfront auf dem Balkan um Belgrad in Jugoslawien herum. Von Mitte September bis in den Oktober 1944 bei der Heeresgruppe Süd Rückzugskämpfe bis hinter den Theiß-Abschnitt. Dabei erlitt sie wieder schwere Verluste und verfügte bis September 1944 nur noch über die halbe Stärke.

Im Oktober 1944 Gegenangriffe im Rahmen der ungarischen 3. Armee an der Theiß und anschließend vom 12. bis 28. Oktober von Szolnok nach Nordosten in Richtung Debrecen und dann Übergang zur Verteidigung. Einsatz in der Abwehrschlacht vor Budapest bis Ende Dezember 1944, wobei die Division zusammen mit der Kampfgruppe der SS-Panzergrenadier-Division Horst Wessel bei Szolnok eingeschlossen wird, aber ausbrechen kann.

Die Division wurde bis Januar 1945 in die westliche Slowakei abgedrängt, von wo die Masse nach Norden nach Pommern und dann nach Danzig abtransportiert wurde. Einzelne Kampfgruppen der Division blieben als Sperrverband noch bis Mitte Januar 1945 bei Alt-Sohl in der Slowakei im Einsatz.

Während des Halts in Magdeburg und Berlin wurden der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division Verstärkungen durch Ersatzmannschaften, Genesene und Führerpersonal sowie neues Material für die in Ungarn zurückgelassene oder verlorene Ausrüstung zugeteilt.

Während der nachfolgenden Abwehrkämpfe ab dem 4. Februar 1945 hielt die SS-Polizei-Panzergrenadier-Division die Rote Armee erfolgreich bei Arnswalde auf und führte einen Gegenangriff als Flankenschutz der 11. SS-Panzergrenadier-Division Nordland bis zum 22. Februar, was die eingeschlossene 1. Gebirgsjäger-Division und Flüchtlingstrecks vor der Vernichtung bewahrte.

Ab dem 28. Februar 1945 Abwehrkämpfe gegen die bei Danzig und Kolberg vordringenden Verbände der Roten Armee. Verteidigung in Hinterpommern bei Neustadt bis zum 12. März. Eingeschlossen in den Verteidigungsring von Danzig und anschließend auf der Halbinsel Hela, waren die überlebenden 5.000 Mann der Division unter den Glücklichen, welche ab dem 10. April 1945 über See und nur mit ihren Infanterie-Waffen auf dem schnellen Frachtdampfer Goya nach Swinemünde evakuiert werden konnten. Die Goya wurde dann auf ihrer nächsten Fahrt versenkt.

Nach einer kurzen Zeit der Ruhe und geringer Neuausrüstung mit Infanterie-Waffen, nötigsten schweren Waffen und Fahrzeugen und Auffrischung durch SS-Panzergrenadier-Ersatz und Ausbildungs-Regiment 193 sowie der Zuführung des Luftwaffen-Flak-Sturm-Regiment 6 als Artillerie erfolgte ab dem 20. April die Sicherung des Finow-Hohenzoller-Kanals bei Eberswalde bei der Gruppe Steiner der 3. Panzer-Armee. Da keine Panzer mehr verfügbar waren, mußten die Soldaten der Panzer-Abteilung 4 als Infanterie-Bataillon kämpfen. Einige zerstreute Restkampfgruppen waren auch an der Verteidigung von Berlin beteiligt.

Ab 27. April kämpften sich die Reste der Kampfgruppe der 4. SS-Polizei-Grenadier-Division über die Elbe zurück, wo die Division am 4. Mai offiziell von ihrem Kommandeur Harzer aufgelöst und ihre Angehörigen entlassen wurden. Viele gerieten in amerikanische Kriegsgefangenschaft bei Wittenberg-Lenzen.

Die SS-Polizei-Division war nie eine Elite-Einheit, aber von ihrem Ursprung als zweitklassiger Reserveverband wurde sie schließlich doch eine verhältnismäßig effektive Frontdivision.
Insgesamt 19 Angehörige der Polizei-Division wurden mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Besondere Abzeichen

Vor 1942 wurden bei der Polizei-Division dem Heer ähnliche Kragenspiegel in silbergrauer Kunstseide auf polizei-grünen Untergrund mit hellgrünen ‘Lichtern’ in der Mitte jedes Balkens der Spitze getragen. Offiziere im Generalsrang trugen auch Heeresabzeichen, welche jedoch mit Goldschnüren auf grünem statt auf rotem Hintergrund wie beim Heer angebracht waren.

Im Jahr 1942 wurden diese Polzei-Abzeichen durch die standardmäßigen SS-Runen und Abzeichen der Waffen-SS ersetzt.
In diesem Jahr wurden auch spezielle Kragenspiegel für Offiziere im Generalsrang bei der Polizei eingeführt, welche auf denen der Generale der Waffen-SS beruhten, aber mit der variierenden Kombination aus Eichenlaub und Kerne in Goldschnüren auf grün gestickt, anstatt in Silber auf Schwarz. Es ist aber anzunehmen, daß die Verwendung dieser Abzeichen innerhalb der Division selten war und die Offiziere im Generalsrang vornehmlich die standardmäßigen SS-Rangabzeichen verwendeten.

Die Schulterriemen und der linke Manschetten-Adler waren vom regulären SS-Muster, mit Ausnahme bei Offizieren im Generalsrang, deren Riemen ursprünglich auf grünen Untergrund aufgearbeitet waren, später aber zu der blassgrauen Unterlage der SS-Generale geändert wurde.

Manschettenbänder der SS-Polizei-Division

Manschettenbänder der SS-Polizei-Division

Ein Manschettenband wurde in geringer Zahl hergestellt und ausgegeben, welches einen Polizei-Adler innerhalb eines Kranzes aus Eichenlaub zeigte.
Ab 1942 wurde jedoch der Titel ‘SS-Polizei-Division’ in drei unterschiedlichen Formen (maschinell bestickt in silbergrau, maschinell gewebt in flachen Aluminium-Draht und maschinell gewebt im BeVo-Format) als Manschettenband hergestellt. Alle drei Arten wurden innerhalb der Division weit verbreitet verwendet.

Zu Beginn des Krieges war es noch üblich, gewöhnliche Polizei-Mützen oder SS-Kopfbedeckungen mit Polizei-Abzeichen zu tragen. Es gab sogar Stahlhelme mit dem Polizei- anstatt dem SS-Symbol.

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