3,7-cm PAK 36

3,7-cm Pak 36, deutsche Standard-Panzerabwehrkanone zu Beginn des 2. Weltkrieges.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

3,7-cm PAK 36 im Einsatz

3,7-cm PAK 36 im Einsatz während des Westfeldzug 1940.

3,7-cm PAK 36
Typ: leichte Panzerabwehrkanone.

Entwicklung

Die 3,7-cm PAK 36 war die deutsche Standard-Panzerabwehrkanone bei Beginn des Zweiten Weltkrieges. Die 3,7-cm PAK 36 war mehr oder weniger vergleichbar mit ihren Zeitgenossen und in der Lage mit den meisten Panzern dieser Tage fertig zu werden.

Die Ursprünge von dem, was zur Pak 36 (Pak = Panzerabwehrkanone) wurde, können bis in das Jahr 1925 zurück verfolgt werden, als die Firma Rheinmetall ernsthaft mit der Entwicklung einer Panzerabwehrkanone für die Reichswehr begann.
Eigentlich verbot der Versailler Vertrag Deutschland eine solche Waffe über dem Kaliber von 1,7 cm. Aber nach dem das besetzte Rheinland im Jahr 1925 geräumt wurde und die alliierte Kontrollkommission ihre Arbeit nicht mehr so ernst nahm, stand dem Projekt nicht mehr viel im Weg.

Die Produktion der neuen Panzerabwehrkanone begann daher schon 1928 und da zu diesem Zeitpunkt das deutsche Heer noch nahezu vollständig vom Pferd als Zugmittel abhängig war, hatten diese Panzerabwehrkanonen Speichenräder.
Zu seiner Zeit war es ein moderner Entwurf, welcher einen gut geformten Schutzschild für die Mannschaft hatte sowie ein röhrenförmiges, spreizbares Fahrgestell und einen langen und schlanken Geschützlauf.
Zu Beginn war die Herstellung ziemlich begrenzt und nur 200 Stück wurden unter dem Namen TAK (Tank-Abwehrkanone) gebaut, aber nachdem Hitler 1933 an die Macht kam, kräftig erweitert. 1934 wurden auch die ersten Panzerabwehr-Einheiten des deutschen Heeres gebildet.
Zur Waffenfarbe dieser neuen Einheiten wurde Pink, genauso wie bei der ebenfalls neuen Panzertruppe. Um die Angehörigen von dieser zu unterscheiden, trugen diejenigen der Panzerabwehr-Einheiten auf den Schulterstücken ein großes ‘P’. Bei den später aufgestellten 14. Kompanien (Panzerabwehr) der Infanterie-Regimenter blieb die weiße Waffenfarbe der Infanterie bestehen.

Im Jahr 1934 wurde eine Version mit Stahlrädern und pneumatische Reifen zum Transport angehängt an Kraftfahrzeugen von der Firma Rheinmetall in Düsseldorf entwickelt und die ersten Exemplare wurden nun als 3,7-cm Pak 35 bezeichnet.
Dieses Modell konnte einfach und ohne große Probleme von der vierköpfigen Bedienungsmannschaft sogar über Gräben und Hügel gezogen werden und war daher sehr mobil. Allerdings konnte die Kanone noch weiter optimiert werden und dies geschah mit Hilfe von Waffenoffizieren des Heeres. Dieses Modell wurde zur eigentlichen 3,7-cm Pak 36.

Pak 36 mit heruntergeklappten Schild

Pak 36 mit heruntergeklappten Schild in einer kleinen Stellung über einem Fluß in Russland im Jahr 1943.

Die geringe Höhe und kurze Länge der Panzerabwehrkanone ermöglichte es auch, diese fast unsichtbar in kleinsten Stellungen einzugraben. Dazu konnte die obere Hälfte des Schutzschildes heruntergeklappt werden und die Kanone war praktisch nicht mehr vor dem ersten Schuß auszumachen.

Die Mannschaft der Pak 36, welche einer Gruppe in einer Infanterie-Kompanie entsprach, bestand aus einem Unteroffizier als Gruppenführer, einem Kanonier (1), Ladekanonier (Kanonier Nr. 2) sowie den Kanonieren Nr. 3 und 4, welche für das Heranbringen der Munition verantwortlich waren. Dazu kamen zwei Fahrer, von welchen einer das Zugfahrzeug fuhr, während der andere für den angehängten Munitionswagen zuständig war.
Die neuen Kanone konnte drei verschiedene Granaten verschießen: panzerbrechende Munition, Explosivgeschosse gegen Infanterie und 1940 wurden noch Hartkerngeschosse gegen Panzer eingeführt.

Im selben Jahr sah die Pak 36 auch erstmals bei Kampfhandlungen im Spanischen Bürgerkrieg, wo sich die kleine Kanone als großartig geeignet gegen die dortigen, nur relativ leicht gepanzerten Fahrzeuge herausstellte.
Der Entwurf auf einem zweirädrigen und spreizbaren Fahrgestell war sehr effizient und höchst mobil, und so wurde das Konzept weitverbreitet kopiert, insbesondere in den USA und Japan. Die Durchschlagskraft der Granaten hätte besser sein können, aber sie war ausreichend zu ihrer Zeit und dies wurde durch die große Mobilität mehr als ausgeglichen.
Allerdings war schon in den letzten Monaten in Spanien auch festzustellen, daß die 37-mm-Pak nicht mehr die zu diesem Zeitpunkt auftretenden schweren Panzer bekämpfen konnte.

Die Panzerabwehrkanone wurde bis 1939 in großen Zahlen exportiert und die Japaner kopierten sie als ihren Typ 97. Die japanische Firma Kyuyon Shiki Sanjuananana Miro Ho erwarb die deutsche Lizenz und baute sie für das japanische Heer nach.
Bei den Italiener wurde sie als Cannone contracarro da 37/45 verwendet und auch an Holland, Estland, Finnland, Griechenland, Spanien, Tschechoslowakei und Türkei verkauft.

russische Pak 36

Erbeutete russische Pak 36 im Einsatz mit deutschen Truppen.

Die Rote Armee verwendete die Pak 36 ebenfalls, da es zwischen der Firma Rheinmetall-Borsig AG und den Russen ein Lizenzabkommen gab auf der Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und der Sowjetunion aus den Zwanziger Jahren. Während des Russland-Feldzuges wurden erbeutete russische Modelle sofort von der Wehrmacht weiter verwendet, da diese auch die deutschen 37-mm-Granaten verschießen konnten. Das russische Modell kann man an den Speichenrädern erkennen, welche besser für den Schlamm geeignet sind.
Auch hielt der Entwurf als Vorlage für die amerikanische 37-mm M3 Gun her.

Organisation

Im letzten Friedensjahr verfügte die Wehrmacht über 51 Panzerabwehr-Einheiten, ohne die Ausbildungseinheiten in Wünsdorf und Berlin. Diese Panzerabwehr-Einheiten waren auf die verschiedenen Divisionen verteilt.
Die Anzahl der Pak-Geschütze bei den Divisionen belief sich auf 75 bei Infanterie-Divisionen, 48 bei Panzer- und Gebirgs-Divisionen, 72 bei motorisierten Infanterie-Divisionen, 54 bei den Leichten Divisionen und 21 bei der Kavallerie-Brigade.

Die Panzerabwehr-Einheit bestand in der Regel aus einem Stab, drei Kompanien und einer Ersatz-Kompanie mit 22 Offizieren, drei Beamten, 132 Unteroffizieren und 551 Mannschaften. Sie verfügten über 45 Personen-Kraftfahrzeuge, 91 Lastkraftwagen und 78 Motorräder, wovon 46 einen Seitenwagen hatten.

Als der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 ausbrach und neue Divisionen aufgestellt wurden, bestanden diese Panzerabwehr-Einheiten aus 23.029 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften und in dem Ersatzheer gab es weitere 16.353 Mann.
Im Winter 1939/1940 steig das Personal auf 2.250 Offiziere, 363 Beamte, 13.713 Unteroffiziere und 56.783 Mannschaften im Feldheer und auf 333 Offiziere, 66 Beamte, 2.284 Unteroffiziere und 13.670 Mannschaften im Ersatzheer an.

Der Bestand an 37-mm-Pak stieg von 11.200 Stück am 1. September 1939 auf 12.830 am 1. April 1940 an. Am 1. Juni 1941, kurz vor dem Angriff auf Russland, gab es 14.459 Pak 36 bei der Truppe.
Die Verluste waren ebenso hoch. Nur im Westfeldzug vom 10. Mai bis 20. Juni 1940 gingen 636 Stück verloren. Während der Winterschlacht im Osten vom 1. Dezember 1941 bis zum 28. Februar 1942 mußten 1.502 Pak 36 abgeschrieben werden.

Am 16. März 1940 befahl das Oberkommando der Wehrmacht, die Panzerabwehr-Einheiten ab sofort als Panzerjäger-Einheiten zu bezeichnen und die bisherigen Panzerabwehrkanonen wurden zur Panzerjägerkanone. Trotzdem wurde der Begriff Pak den ganzen Krieg über verwendet.

Im Einsatz

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939 war die Pak 36 das Standard-Panzerabwehrgeschütz der Wehrmacht und war erfolgreich im Einsatz gegen die schlecht ausgerüsteten Polen.
Aber schon mit Beginn des Westfeldzug im Mai 1940 traf die Pak auf weit besser gepanzerte französische und britische Panzer und machte erstmals die Erfahrung, daß ihre panzerbrechenden Geschosse deren Panzerung nicht durchschlagen konnten.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Tage der Pak 36 als Standard-Panzerabwehrgeschütz eigentlich schon gezählt. Jedoch war das von der Heeresleitung auch vorausgesehen und von daher befand sich die stärkere 5-cm PAK 38 bereits seit 1938 in der Entwicklung und wurde nach dem Auftauchen der englischen Matilda-Panzer und der besser gepanzerten französischen Panzer im Westfeldzug von 1940 an eingeführt.

Aber diese konnte nicht schnell genug in ausreichenden Mengen hergestellt werden und so waren noch viele Tausende Pak 36 bei Beginn des Unternehmen Barbarossa, dem Angriff auf Russland im Juni 1941, in den deutschen Verbänden vorhanden.

Für über 90% der im Sommer 1941 vorhandenen russischen Panzer war die Leistung der Pak 36 zwar immer noch ausreichend, aber von den neuen Modellen wie dem T-34 und KW-1, welche in immer größeren Stückzahlen an der Front erschienen, wurde sie vollständig deklassiert. Sie wurde von den Landsern nur noch als Panzeranklopfgerät verspottet.

Trotzdem gab es niemals genügend der neueren Panzerabwehrgeschütze und so blieb die 3,7-cm PAK 36 praktisch den ganzen Krieg über im Truppengebrauch.
Von 1942 wurde dann in einem Versuch noch etwas nützliches mit der großen Anzahl der 3,7-cm PAK 36 anzufangen, die Kanonen demontiert und die Fahrgestelle für andere oder neue Waffen verwendet.

Pak 36 mit geladener Stielgranate

Pak 36 mit geladener Stielgranate

Da aber über zehntausend Stück der 3,7-cm PAK 36 gebaut und davon immer noch viele bei der Truppe waren, wurde die Stielgranate 41 entwickelt, in der Hoffnung so eine ausreichende Durchschlagskraft für die Kanone zu erzielen. Diese Granate bestand aus einer großen Hohlladungsbombe mit 8,6 kg Gewicht, befestigt auf einem Stiel an dessem hinteren Ende sich Stabilisierungsflossen befanden. Der Stiel wurde bis zur Hohlladungsbombe in das Rohr geschoben. Eine spezielle, leere Kartusche wurde dann geladen und gezündet, welche die Stielgranate bis zu 800 Meter verschießen konnte. Da das Geschoss jedoch nur sehr langsam flog, wurde die effektive Einsatzreichweite auf 200 bis 300 Meter begrenzt. Die massive Hohhladung konnte jedoch eine Panzerung bis zu 180 mm durchschlagen.
Allerdings mußte die Kanone vor dem Abschuß einer weiteren Stielgranate – wie noch zu Zeiten Napoleons – von vorne nachgeladen werden, was unter Beschuß ein selbstmörderisches Unterfangen war.

Es wird vermutet, daß große Mengen dieser Granaten mit gutem Resultat gegen russische Panzer verwendet wurden, wenn auch die offene russische Steppe kein geeignetes Einsatzgebiet bei der geringen Reichweite war. In der Normandie im Jahre 1944 gegen britische und amerikanische Panzer begünstigte das Gelände jedoch den Einsatz dieser Waffe.

Die normalerweise verwendete Munition bestand aus zwei Typen: ein aus Stahl bestehendes Panzerabwehrgeschoss mit einer kleinen Sprengladung, welche nach dem Durchschlagen der Panzerung detonierte, und einer Granate mit einem Wolfram-Kerngehäuse, welche höher beschleunigt werden konnte und damit besser eine Panzerung durchschlug.

Benutzer: Deutsche Wehrmacht, Italien, Niederlande, Russland (Sowjetunion), Japan, China, Estland, Finnland, Griechenland, Spanien, Tschechoslowakei, Türkei.


Animation 3D-Modell 3,7-cm PAK 36


Spezifikationen 3,7-cm PAK 36

Spezifikationen
3,7-cm PAK 36 Spezifikation
Typ leichte Panzerabwehrkanone
Bedienung 2
Länge 1,665 m
Gewicht Transport 440 kg, Gefecht 328 kg
Kaliber 37 mm
Rohrlänge 1,664 m
Lauflänge 1,308 m
Schwenkbereich 30° nach rechts und links, Höhe -5° bis +25°
Geschossgeschwindigkeit Panzer-Granate 771 m/s, Wolfram-Granate 1042 m/s
maximale Schussweite 4.000 m
Schuss je Minute 12-15
Lebensdauer Rohr ca. 4.000-5.000 Schuss
Granatgewicht Panzergrante 0,7 kg; Wolfram-Granate 0,35 kg; Sprenggranate 0,6 kg
Durchschlagskraft mm auf 30° Panzerplatte
Entfernung Durchschlag Panzergranate Durchschlag Wolframgranate
100 m 42 mm 65 mm
500 m 36 mm 40 mm
Einsatzstatistik
3,7-cm PAK 36 Angaben
Serienproduktion 1936 – November 1941
Stückzahl mindestens 15.014
Stückpreis 5.730 Reichsmark
Bestand 1. September 1939 11.200
Bestand 1. April 1940 12.830
Bestand 1. Juni 1941 14.459
Produktion Juni 1941 183
Produktion Juli 1941 100
Produktion August 1941 135
Produktion September 1941 95
Produktion Oktober 1941 39
Produktion November 1941 3
Verluste 10.5-20.6.1940 636
Verluste 1.12.41-28.2.42 1.502
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