Partisanen

Sowjetische FlaggePartisanen und Cetniks: Stärke und Organisation der irregulären Streitkräfte in Russland und Jugoslawien.

 Einheit von Partisanen

Eine Einheit von Partisanen im Weißrußland im Jahr 1942.

Partisanen in Russland

Das rasche Auseinanderbrechen der Roten Armee entlang der Westgrenze der Sowjetunion als Folge des Angriffs der Achsenstreitkräfte im Juni 1941 überraschte nicht nur die Wehrmacht, sondern im gleichen Maße auch die sowjetische Regierung. Die Wehrmacht nahm buchstäblich hundertausende Soldaten der Roten Armee gefangen, welche sie kaum bewachen und noch weniger versorgen oder unterbringen konnte. Unter diesen Umstände konnten Tausende sich der Gefangennahme entziehen oder fliehen und tauchten hinter der Front unter.

In vielen Gebieten, insbesondere in der Ukraine, wurden die deutschen Truppen Anfangs als Befreier begrüßt. Die russische Bevölkerung dagegen verhielt sich vorsichtig gegenüber ihren neuen Herren und blieb zurückhaltend, solange sie nicht direkt bedroht oder misshandelt wurden. Hinter der Front streiften Gruppen versprengter sowjetischer Soldaten und geflohener kommunistischer Parteifunktionäre durch das Hinterland oder versteckten sich in den großen Waldgebieten West-Rußlands.
Die verantwortliche Behörde für die Organisation des Widerstandes der Partisanen hinter den deutschen Linien war ein Teil des NKWD. Diese begann in Gebieten, wo die Anwesenheit großer Banden von Partisanen hinter der deutschen Front bekannt war, an leitende Funktionäre per Fallschirm abzusetzen. Allerdings bestand das Problem darin, daß einige dieser Banden anti-bolschewistisch, andere anti-deutsch ausgerichtet und wieder andere nur einfach kriminelle Banditen und Räuber waren.

Solange es so aussah, als daß Deutschland den Krieg gewinnen würde, gab es eine deutliche Zurückhaltung bei Aktionen gegen die Besatzungsmächte. Aber als dann die ersten Gerüchte über die Brutalitäten und Verbrechen der Eroberer sich herumsprechen begannen und die Wehrmacht ihre ersten Niederlagen erlitt, gab es jedoch einen dramatischen Anstieg der Partisanen-Aktivitäten.

Partisanen verminen Eisenbahngleise

Eines der wesentlichen Angriffsziele der Partisanen in Rußland waren vor allem die für den deutschen Nachschub wichtigen Eisenbahnverbindungen.

Im August 1943 gab es zum Beispiel schon 24.500 Partisanen alleine nur in der Ukraine, wovon 5.000 Mitglieder der kommunistischen Partei waren. Im gesamten besetzten Gebiet in der Sowjetunion wurde die Gesamtzahl der Partisanen, Widerstandskämpfer und Banditen auf etwa zwei Millionen geschätzt.

Die deutsche Besatzungsbehörden mußten gegen die Partisanen etwa 25 Divisionen (327.543 SS-, Sicherheitspolizei und gewöhnliche Polizeimänner sowie 500.000 Hilfspolizisten) einsetzen. Dies war eine ungeheure Belastung für die Kampfkraft der eigentlichen Front.

Die Opfer unter den Partisanen werden auf etwa 85.000 Mann geschätzt, wovon 70.000 erschossen wurden während 15.000 in Konzentrations- und Zwangsarbeiternlagern starben.

Es gab niemals so etwas wie eine Uniform für Partisanen. Bei dem akuten Mangel an Kleidungsstücken in der Sowjetunion während des Krieges wurde so ziemlich alles getragen, was zur Verfügung stand. Zunehmend wurde von den Partisanen auch erbeutete Ausrüstung und Kleidung verwendet, besonders nach den großen Niederlagen der verschiedenen Armeen der Achsenstaaten während der letzten Phase der Schlacht um Stalingrad.


Partisanen in Jugoslawien

weibliche jugoslawische Partisanin

Eine weibliche jugoslawische Partisanin auf einem Parteitag der Kommunistischen Partei. Sie trägt eine englische Sten MPi, aber alles andere an ihr stammt aus deutschen oder russischen Beständen.

Als die Achsenmächte im April 1941 Jugoslawien an griffen, war die Kommunistische Partei Jugoslawiens noch immer stark durch staatliche Repressionen eingeschränkt und ihre Mitgliederzahl überstieg nicht 12.000 Personen. Fast so schnell wie das Land überrant wurde, bildeten sich unter der Führung des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Joseph Broz – besser bekannt als Tito – aus kommunistischen Zellen und jugoslawischen Soldaten, welche die Kapitulation ablehnten, die erste Partisanenbewegung. Zu Anfang waren Titos Partisanen fast ausschließlich Serben und es war nicht vor 1943, daß sich Slowenen und Kroaten in nennenswerter Zahl anschlossen.

Zunächst waren Titos Partisanen-Operationen nicht sonderlich erfolgreich, und so begann er seiner Streitmacht als eine richtige Armee zu organisieren. Am 21. Dezember 1941 stellte er mit der 1. Proletarischen Brigade die erste reguläre Einheit auf und bis Mitte 1942 hatte er weitere drei Brigaden aufgestellt, welche nun Teil der sogenannten Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee wurden.

Bis zur Ankunft der ersten britischen Militärmission bei Tito Ende 1942 hatte er keine Hilfe von außen erhalten. Alle seine Waffen, Munition, Ausrüstung und Uniformen stammten entweder aus den Beständen der ehemaligen jugoslawischen Armee von vor dem Krieg – oder wurden von der Zivilbevölkerung oder den feindlichen Besatzungstruppen entnommen. Die erste Luftversorgung für Titos Partisanen wurde am 25. Juni 1943 durchgeführt und von da an war sein Nachschub gesichert. Tito war nun in der Lage seine Partisanen-Armee auf vier Arneekorps – eines für jeden Teil des Landes – mit 306.000 bewaffneten Männern und Frauen auszubauen.

Bis Mai 1944 erreichte die Volksbefreiungsarmee eine Stärke von einer halben Million Partisanen und es gab 21 Ausbildungslager für Offiziere und Unteroffiziere. Zur gleichen Zeit wurde das gesamte britische Personal von den Cetniks abgezogen und Tito wurde nun de facto als Herrscher über Jugoslawien von den Alliierten anerkannt.

Die militärische Organisation einer Partisanen-Armee mußte zwangsläufig sehr flexibel sein und in kleineren Verbänden als bei einer normalen Armee gegliedert werden. Mannschaftsstärke und Waffenausstattung änderten sich von Tag zu Tag, da es enorme Schwierigkeiten bereitete die weit verstreuten Einheiten, welche zudem bewußt unzugängliche Orte für ihre Stellungen ausgewählt hatten, zu versorgen.

Die kleinste Einheit der Partisanen war die Kompanie mit etwa 80 Soldaten. Neun Kompanien bildeten ein Bataillon, während drei Bataillone eine Brigade bildeten (ca. 2.160 Mann). Drei Brigaden, jede mit einem Bataillon aus Gebirgskanonen und schweren Waffen, bildeten eine Division (ca. 7.000 Mann).

Am 1. Januar 1945 formierte Tito seine 800.000 Mann starke Armee in vier Armeegruppen. Nachdem er den größten Teil Jugoslawiens von den deutschen Truppen und deren Verbündeten gesäubert hatte, befahl er seiner 4. Armeegruppe Triest vor den anrückenden westlichen Alliierten zu besetzen. Diese marschierte am 1. Mai 1945 in Triest ein und besetzte das italienische Staatsgebiet bis zum Fluß Isonzo.


Cetniks

Cetniks

Cetniks zeigen einige ihrer Ausrüstungsgegenstände und Waffen. Sie tragen grundsätzlich die Uniform der ehemaligen Königlich-jugoslawischen Armee, obwohl einige erhebliche Modifizierungen unter den Kriegsumständen stattfinden mußten.

Nachdem die deutschen Streitkräfte in kurzer Zeit die Königlich-Jugoslawische Armee geschlagen und Serbien besetzt hatten, wurden sie schleunigst abgezogen um für den vorgesehenen Angriff auf die Sowjetunion bereitgestellt zu werden. Dies bedeutete, daß die Säuberung des Landes und die Einsammlung und Entwaffnung der jugoslawischen Armee nur unvollständig durchgeführt werden konnte.

Etwa 15.000, meist serbische Soldaten, der 300.000 Mann starken jugoslawischen Armee wollten nicht kapitulieren und begannen sich, was als die Bewegung der Offiziere bekannt werden sollte, unter dem Oberst des Generalstabs der Königlich-jugoslawischen Armee ‘Draza’ Mihailowitsch zu organisieren. Die Bewegung wurde später besser bekannt als die Cetniks.

In der Zwischenzeit hatte der junge König Peter unter britischer Schirmherrschaft eine Exil-Regierung gebildet. Allerdings waren die ihm im Mittleren Osten verbliebenen jugoslawischen Truppenverbände so unbedeutend, daß er entschied Mihailowitsch zum General zu befördern und als Verteidigungsminister zu benennen. So wurden die Cetniks zur Königlich-Jugoslawischen Heimatarmee.

Zuerst gab es Versuche, kommunistische Partisanen und Cetniks zu vereinigen. Doch derartige Bemühungen scheiterten allesamt, denn tatsächlich bekämpften sich Cetniks und kommunistische Partisanen oft mit größerer Heftigkeit und Feindseligkeit, als daß sie dies gegen die Besatzer taten.

Cetniks mit deutschen Offizieren

Drei Cetniks posieren mit zwei deutschen Offizieren 1944 für die Kamera.

Gerüchte über Zusammenarbeit der Cetniks mit den Truppen der Achse und ein Mangel an Initiative führte dazu, daß die Briten Mihailowitsch im Mai 1944 fallen ließen und nicht mehr unterstützten. Er wurde 1946 von den Kommunisten erschossen.

Die Königlich-jugoslawische Heimtarmee war – zumindest in der Theorie – ebenso organisiert wie die ehemalige reguläre Armee. Ein Korps bestands aus einem Hauptquartier und zwei bis sechs Brigaden, was eine Stärke von etwa 1.200 bis 9.000 Mann ergab. Die Brigaden waren ebenfalls in der Größe unterschiedlich und bestanden aus vier bis sechs Bataillonen zusammen mit Nachrichten-, Sanitäts-, Pionier- und Nachschubseinheiten. Jedes Bataillon hatte ein Hauptquartier und drei bis fünf Kompanien, welche jeweils aus bis zu fünf Zügen zu 50 Soldaten bestanden.

Die besten Männer der Königlich-Jugoslawischen Heimtarmee wurden in Sturm-Brigaden zusammengefaßt, welche die gefährlichsten Aufträge durchführten. Der Ehrentitel ‘Sturm-Brigade’ wurde den besten Brigaden in Anerkennung für besonders mutiges und erfolgreiches Verhalten verliehen.

Die Garnisonsbataillone der Cetniks bestanden aus älteren Männern und Frauen, welche nicht außerhalb ihrer Heimatgebiete zum Einsatz kommen sollten. Sie waren verantwortlich für die Sicherheit ihrer Dörfer und traten dort als Polizei- und Verwaltungsbehörde auf. Sie enthielten auch Mitglieder der ehemaligen Grenztruppen und der Polizei. Im Falle eines Angriffes sollten die Garnisonsbataillone ihre Stellungen verteidigen, während die beweglichen Bataillone der Cetniks herangeführt werden und versuchen sollten, die feindlichen Truppen im Rücken oder in den Flanken anzugreifen.

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