Balkanfeldzug

Geschichte und Ursachen des Balkanfeldzuges 1940-41.

Flammenwerfer-Einsatz

Deutscher Flammenwerfer im Einsatz gegen die griechische Metaxas-Linie.

Karte deutscher Angriff auf dem Balkan

Der deutsche Angriff auf dem Balkan vom 6. April bis zur Eroberung Kretas am 1. Juni 1941.

Ende Oktober 1940 hatte Hitler seine Westreise beendet. Das Gespräch mit dem spanischen Staatschef Franco ist ­ergebnislos gewe­sen, ebenso wie ein Treffen mit dem neuen französischen Staatschef Marschall Petain und dessen listenreichen Minister­präsidenten Pierre Laval.

Was sich die französischen Politiker erhofft haben, ist ein erträglicher Friede für Frankreich, zumindest die baldige Entlassung der Ge­fangenen. Wahrscheinlich wäre dann der Flottenchef Admiral Darlan – im Hinblick auf den Überfall von Oran – bereit gewesen, die französische Kriegsmarine im Mittelmeer für die deutsch-italienische Kampfführung zu mobilisieren. Doch Hit­ler hat keine konkrete Vorstellung vom ‘Frieden in Europa’, macht keine Zuge­ständnisse. Später wird ihm Laval einmal sagen: ‘Sie wollen den Krieg gewinnen, um Europa zu schaffen. Warum schaffen Sie nicht Europa, um den Krieg zu gewin­nen ?’

Mussolinis griechisches Abenteuer

Auf der Rückreise erreicht Hitler die Meldung, Italien habe am 28. Oktober 1940 Griechenland angegriffen. Er ist au­ßer sich. Nichts kommt ihm weniger gele­gen, als dieser Schritt. Mussolini trium­phiert. Immer hat ihn Hitler vor vollendete Tatsachen gestellt, im Fall Österreichs, der Tschechoslowakei, Polens, Däne­marks und Norwegens, in Frankreich, Belgien und Holland. Jetzt zahlt er, der Duce dem Führer, mit gleicher Münze heim.

 griechische Dikatator Metaxas

Der griechische Diktator Metaxas, umringt von Anhängern mit dem ‘faschistischen Gruß’.

Die von Albanien aus, bei Anbruch des Winters, in den Bergen begonnene italie­nische Offensive gegen Epirus bleibt nach wenigen Tagen liegen. Die griechische Armee leistet erbitterten Widerstand.

Das von König Georg II. eingesetzte Mili­tärregime des Generals Metaxas hegt für die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland ausgesprochene Sympathie. Viele Griechen bewundern Hitler. Der Haß gegen die Italiener ist dagegen seit den Tagen der Herrschaft Venedigs am Ausgang des Mittelalters in weiten Teilen Griechenlands tief verwurzelt. Im November 1940 gehen die griechischen Truppen von Epirus aus zur Gegenoffen­sive über, die italienischen Truppen flüch­ten zum Teil. Koritza in Albanien wird von den Griechen erobert.

Eine Tragödie zeichnet sich ab. Noch am 29. Oktober 1940 beginnen britische Truppen von Ägypten aus vorsorglich mit der Besetzung der Insel Kreta , unter In­formierung der Athener Regierung. Vor­läufig lehnt General Metaxas, trotz aller Sympathien des Königs für England, ein Angebot britischer Truppenhilfe gegen Italien ab. Das kann den Zusammenstoß mit dem Dritten Reich zur Folge haben, und diesen will er vermeiden.
Der Duce ist im Augenblick voll Siegerstolz. Noch steht seine Armee an der Grenze Westägyptens, noch hält die Ba­stion Italienisch-Ostafrika unter dem Herzog von Savoyen-Aosta. Ein von Hit­ler hastig erbetenes Gespräch in Florenz bleibt ohne Ergebnis.

Britische Truppen in Chania

Britische motorisierte Truppenteile bei der Einfahrt nach Chania auf Kreta im Oktober 1940.

Angesichts der englischen Maßnahmen, der Besetzung Kretas, ordnet Hitler am 4. November 1940 Vorbereitungen für ei­nen deutschen Angriff auf Griechenland zur Entlastung der Italiener in Albanien an.

Im Südosten läuft sowieso alles nicht eben erfreulich. Stalin nutzt kaltblütig das En­gagement Hitlers im Westen, obwohl ihn der ungeheuer rasche Sieg über Frank­reich, das er für sehr viel stärker gehalten hat, mit dem er seit 1935 verbündet war, tief beeindruckt hat. Im Zug der Wieder­herstellung des zaristischen Territoriums, der schon die kleinen Republiken Est­land, Lettland und Litauen zum Opfer ge­fallen sind, zwingt Stalin das nach dem 1. Weltkrieg entstandene großrumäni­sche Königreich zur Abtretung von Bessa­rabien und der Nordbukowina.

Der Thron der Hohenzollern-Sigmarin­gen in Rumänien gerät in Gefahr. König Carol II. beruft am 4. September 1940 den General Antonescu, trotz französi­scher Generalstabsschulung ein Mann, der in dieser Lage entschieden auf Deutschland setzt, als Diktator, dankt zwei Tage später zugunsten seines jungen Sohnes Michael I. ab und verläßt mitsamt Hofschranzen das Land.

Inzwischen akzeptiert Griechenland, an­gesichts der neuen Entwicklung, britische Truppenhilfe. Anfang März 1941 landen britische Einheiten in Piräus, dem Hafen Athens, und in Volos, was eine fatale Schwächung der Kampfkraft der engli­schen Armee in Ägypten und Libyen nach sich zieht.

Serben feiern in Belgrad den Sturz der Regierung

Serben feiern in Belgrad den Sturz der Regierung nach dem Beitritt zum Dreimächtepakt.

Dann prasselt neues Unheil ganz uner­wartet auf Hitler hernieder. Am 25. März 1941 unterzeichnet die jugoslawische Re­gierung den Beitritt des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugosla­wiens) zum Dreimächtepakt.

Das serbische Offizierkorps, anti-deutsch seit den Habsburger Tagen, meutert unter Führung des Luftwaffenchefs General Simovic. Der Prinzregent und die Regie­rung werden verhaftet, der knapp 18-jäh­rige Peter zum König der Serben, Kroaten und Slowenen proklamiert. Der Prinz, nunmehr König Peter II., hat Tränen in den Augen. Die neue Regierung annul­liert den Beitritt zum Dreimächtepakt.
General Simovic und das serbische Offi­zierkorps, das sich als Traditionshüter ei­nes groß serbischen Nationalstaates ver­steht, kalkulieren falsch.

Der deutsche Angriff

Hitler reagiert blitzschnell, nun schon nervös, weil der Riesenaufmarsch für Unternehmen Barbarossa im Osten schon weit ge­diehen ist. Sein Generalstabschef, der ‘Studienrat’ Generaloberst Halder vollbringt ein Glanzstück, das ihn als letz­ten großen deutschen Generalstabschef ausweist: Die Improvisation des blitz­schnellen deutschen Aufmarsches gegen Jugoslawi­en und Griechenland, wie sie sein Führer verlangt.

Die militärische Ausgangslage ist für Ser­bien von vornherein prekär. In seiner tie­fen Ostflanke steht die 12. Armee unter Generalfeldmarschall Wilhelm List in Bulgarien. Von Norden her setzt Halder die 2. Ar­mee unter Generaloberst Maximilian Freiherr v. Weichs auf Kroatien an.

Stuka-Angriff auf Kaserne

Angriff durch Ju 87 Stukas auf die Kaserne der jugoslawischen Garde in Belgrad am Morgen des 6. April 1941.

Am 6. April trifft Belgrad ein verheeren­der Angriff der Luftflotte 4. Die Putsch­regierung Simovic gerät in Verwir­rung. Gleichzeitig setzt die Zangenopera­tion der 2. und der 12. Armee ein. Am 17. April 1941 kapituliert das Gros der jugoslawischen Armee mit rund 344.000 Mann. Nicht unerhebliche Teile freilich retten sich unter Führung des ehemaligen Kriegsministers General Mihailovic in die unwegsamen Bergwälder Südserbiens.

Kroatien hat sich schon vorher gegen die serbische Mobilmachung erhoben. Kroa­tische Truppenteile verweigern den Ge­horsam. Der Haß zwischen katholischen Kroaten und griechisch-orthodoxen Ser­ben ist tief eingefressen. Die Kroaten, re­präsentiert durch die Bauernpartei, hof­fen auf ihre Unabhängigkeit unter deut­scher Schirmherrschaft.
Der blutjunge serbische König Peter II. und die Regie­rung flüchten unter britischem Schutz.

Verluste im Feldzug gegen Jugoslawien
Kriegsgefangene Gefallene Vermisste Verwundete
Jugoslawische Streitkräfte 343.712 ? ? ?
Jugoslawische Zivilbevölkerung (nur für Belgrad) 17.000 20.000
Wehrmacht 151 15 392

Logischerweise folgt nun die deutsche Of­fensive mit der 12. Armee List gegen Nordgriechenland. Für Griechenland schlägt durch ein Volk, das bei den Grie­chen stets die größte Hochachtung genos­sen hat, die letzte Stunde. Im Januar 1941 ist zudem General Metaxas gestorben, der Leiter der Verteidigung gegen die Italie­ner. Deren 28 Divisionen an der albani­schen Front zeigen noch immer wenig Angriffslust.

Einmarsch in Saloniki

Bereits nach drei Tagen, am 9. April 1941, marschieren Panzer der 2. Panzer-Division in Saloniki ein.

Die Deutschen durchbre­chen die Metaxas-Linie in Nord­griechenland, trotz tapfersten Widerstan­des der in einen Zweifrontenkrieg verwickelten griechischen Armee. Bereits am 9. April 1941 fällt Saloniki, die zweitgrößte Stadt Griechenlands, in deutsche Hand.

Am 21. April vollzieht General Tsolako­glu, Oberbefehlshaber in Nordgriechen­land, die Übergabe seiner Verbände. Die 12. Armee stößt nach Süden vor. Zum ersten Mal treten hier Verbände der quasi als vierter Wehrmachtteil formierten Waffen-SS, der schwarzen Garde des Führers, mit außerordentlichen Lei­stungen hervor.

Am 24. April 1941 ge­lingt der Durchbruch durch die Auffang­stellung des britischen Expeditionskorps in Griechenland – zwei Infanterie-Divisio­nen und eine Panzer-Brigade – bei den hi­storisch-berühmten Thermopylen. Die Briten beginnen eilig mit der Evakuierung ihres Expeditionskorps über See, unter schweren Angriffen der Luftflotte 4.

Der griechische König und die Regierung flüchten, zunächst nach Kreta, das von britisch-neuseeländischen Einheiten ver­teidigt wird. Zuvor begeht der griechische Ministerpräsident Koritzis Selbstmord, weil er den Untergang des Königreiches der Hellenen nicht überleben will.

grierchische Bevölkerung begrüßt Truppen der Leibstandarte-Division

Die griechische Bevölkerung begrüßt Truppen der Leibstandarte-Division mit offensichtlicher Begeisterung.

Am 27. April 1941 marschieren Verbände des Generalfeldmarschalls List in Athen ein. Mussolini, Gewinner des deutschen Sie­ges, beharrt auf der Teilnahme italieni­scher Truppen an der Siegerparade.

Die Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler, welche die Thermopylen überwunden hat, übernimmt die Vorhut beim Vorstoß nach Süden bis zur Südspitze des Pelopon­nes.

Am 11. Mai sind die Deutschen, nicht etwa die Italiener, Herr über Griechenland und die griechischen Inseln – bis auf Kreta.

Verluste der Aliierten und Achsenmächte in Griechenland 1940-41
Gefallene Vermisste Verwundete Kriegsgefangene Flugzeuge
Griechische Streitkräfte 15.700 (incl. Vermisste) ? ? 218.000 ?
Britische Streitkräfte 900 1.612 1.200 9.000 209
Italienische Streitkräfte 13.755 25.065 50.874 - ?
Wehrmacht 1.518 3.360 ?

t_arrow1 Luftlandung auf Kreta

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