Wehrmacht


Wehrmacht – die deutschen Streitkräfte im Dritten Reich 1935 bis 1945.
Geschichte, Entwicklung und Aufstellung, Vergleich des Rüstungsstandes vor Hitlers Machtergreifung und Status und Zuverlässigkeit im Dritten Reich.

Wehrpflichtige der Wehrmacht bei der Grundausbildung bei München.

Bei der Volksabstimmung im Saarland am 13. Januar 1935 stimmen über 90 % der Wahlberechtigten für die Rückkehr zu Deutschland. Daraufhin kehrt das Saarland am 1. März 1935 wieder zum Deutschen Reich zurück.

Als Reaktion setzt die französische Regierung am 6. März das Alter der Wehrpflichtigen herab und verdoppelt die bisherige Wehrpflichtzeit von ein auf zwei Jahre. Die bedeutete praktisch die Verdoppelung der französischen Streitkräfte. Das französische Parlament stimmt dem am 15. März zu, nachdem Großbritannien bereits am 4. März in seinem Weißbuch erstmals seit dem Ende des 1. Weltkrieg Aufrüstungspläne verkündet hat.

So fällt es der deutschen Regierung am Samstag, dem 16. März 1935 – nahezu immer gibt Hitler seine Überraschungen am Wochenende bekannt, da er mutmaßt, dass die ausländischen Regierungen zu diesem Zeitpunkt nicht sofort reagieren können – nicht schwer, die Wiedereinführung der Wehrpflicht über Rundfunk zu verkünden und zu begründen. Damit wird der Vertrag von Versailles eindeutig gebrochen und es wird eine Stärke von 36 Divisionen mit rund 500.000 Mann für die neue Wehrmacht bekannt gegeben.

Diese Meldungen sind sowohl im Ausland als auch in Deutschland eine Sensation. Selbst hohe Offiziere und Wehrkreisleiter der Reichswehr erfahren von der Gründung der Wehrmacht erst über den Rundfunk. Nur das ‘Truppenamt‘ weiß Bescheid und wird nun wieder zum Generalstab – ebenfalls eigentlich im Versailler Vertrag verboten.
Bei den Unterzeichnern des Versailler Vertrages bleibt es letztlich bei Protesten und Empörung, da Hitler nicht den ersten offiziellen Schritt zur Wiederaufrüstung unternommen hat und auch glaubhaft machen kann, dass Deutschland als einziger Staat bereits 14 Jahre abgerüstet hat, während die anderen Mächte trotz ihrer Versicherungen im Versailler Vertrag dies niemals getan hätten.

Göring hatte bereits am 10. März 1935 bei den verblüfften Militärattachés durchblicken lassen, dass es nun eine deutsche Luftwaffe gibt, welche sogar größer als die Royal Air Force wäre – was allerdings glatt gelogen war.

Der Rüstungsstand der Land- und Luftstreitkräfte 1932. Während nur Deutschland auf 100.000 Mann und ohne Panzer und Flugzeuge abgerüstet hatte, hatten die anderen Staaten ihre Versprechen aus dem Versailler Vertrag, ebenfalls abzurüsten, gebrochen.

Es ist überflüssig darauf hinzuweisen, dass beide Bekanntmachungen für die Beschränkungen im Umfang und in der Ausrüstung der deutschen Streitkräfte ein abruptes Ende bedeutete. Die nächsten vier Jahre sahen einen raschen Ausbau des deutschen Heeres und die Umwandlung aus General von Seeckts Reichswehr der Weimarer Republik in die Wehrmacht des Dritten Reich.

Im September 1939 zog die Wehrmacht mit Streitkräften in den Zweiten Weltkrieg, die zwar hervorragend ausgebildet waren und über moderne Doktrinen für die mechanisierte Kriegsführung verfügten, jedoch nur wenig Kampferfahrung besaßen. Lediglich im Spanischen Bürgerkrieg konnte eine sehr begrenzte Kampferfahrung gewonnen werden.
Dazu war ein Großteil der geplanten Ausstattung mit militärischen Kraftfahrzeugen noch nicht erfolgt und so mussten – bis auf die Panzer-Divisionen und motorisierten Infanterie-Divisionen – alle Soldaten zu Fuß marschieren und der Nachschub und die Artillerie durch Pferdefuhrwerke gezogen werden.


Was auch immer an Mängeln bei der Quantität und Qualität der Ausrüstung bestanden haben mochte, das deutsche ‘Menschenmaterial’ war vom besten. Der Versailler Vertrag, der nur eine 100.000 Mann starke Reichswehr zugestanden hatte, wurde zum Vorteil genutzt, in dem nur das beste Personal in einer hochprofessionellen Armee diente. Es gab sogar einen Überschuss an Soldaten, wenn man die bewaffneten Polizeikräfte der verschiedenen deutschen Staaten (Landespolizei) ebenfalls berücksichtigt. Diese Männer der Landespolizei wurden nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht in die Wehrmacht übernommen. Dazu gab es noch ein großes Reservoir aus den teilweise militärisch ausgebildeten Mitgliedern der paramilitärischen SA-Formationen der NSDAP.

Diese Wehrpflichtigen sehnen 1938 das Ende ihrer Dienstzeit herbei (Foto des Großvaters des Autors).

Abgesehen von den Wehrpflichtigen, war es für die Wehrmacht wichtig, attraktive Arbeitsbedingungen für freiwillige Berufssoldaten, welche dort eine Karriere machen wollten, anzubieten. Um dies zu erreichen, wurden die Dienst- und Beförderungsvorschriften attraktiver gestaltet, elegante und zweckmäßige Uniformen eingeführt und gut ausgestattete, moderne Unterkünfte gebaut.
Zur gleichen Zeit wurde der Versuch unternommen, den traditionellen, preußisch-autoritären Stil der Armee zu brechen, welcher sowieso überhaupt nicht in die Ideologie der Nationalsozialisten passte. Allerdings sollte die privilegierte Stellung der deutschen Soldaten und Offiziere in der Gesellschaft nicht angetastet werden – denn nur eine in ihrem jeweiligen Land auch angesehene Armee erzielt eine hohe Kampfkraft.

Die Streitkräfte der Wehrmacht stellten einen sehr hohen und professionellen Standard dar, sodass sie, als sie 1939 in den Krieg zogen, dies nicht mit übergroßer Begeisterung taten, aber mit der starken und berechtigten Überzeugung, dass sie die besten Soldaten der Welt waren.

Hitlers Hauptproblem mit der Wehrmacht waren einige ihrer höheren Offiziere, mit alt-preußischen Tugenden und Moralvorstellungen sowie konservativen Ansichten über die Durchführung von Militäroperationen. Diese standen seiner aggressiven Außenpolitik ablehnend gegenüber, hatten aber nicht genügend Einfluss.
Ihr Widerstand war immer zurückhaltend und verzögerte auch das Modernisierungsprogramm der Wehrmacht. Sie wurden aber zunehmend immer mehr umgangen oder ersetzt, wenn sie sich als zu lästig erwiesen. Im Allgemeinen war die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ein treues, gehorsames und vertrauensvolles Instrument der NS-Diktatur.


hier zu Teil II: Organisation der Wehrmacht, Dritten Reich und NSDAP und Kräftebilanz des Großdeutschen Reich

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