Wehrmacht-Uniformen Nordafrika, Ostfront und Kriegsende

Deutsche Uniformen der Wehrmacht (Teil II) in Nordafrika, an der Ostfront mit Winterausrüstung und im letzten Kriegsjahr 1944/1945 an Ost- und Westfront. Deutsche Uniformen in…


Deutsche Uniformen der Wehrmacht (Teil II) in Nordafrika, an der Ostfront mit Winterausrüstung und im letzten Kriegsjahr 1944/1945 an Ost- und Westfront.

Deutsche Wachmannschaft in Tropenuniform, hier vor dem Apollo-Tempel in Griechenland.

Deutsche Uniformen in Nordafrika

Hier zu Teil I: Heeres-Uniformen der Wehrmacht.

Stahlhelm der Wehrmacht (vorne) und deutscher Tropenhelm des Afrikakorps.
Im Gegensatz zu Großbritannien, Frankreich und Italien hatte Deutschland kein Kolonialreich mehr und als sich dann Ende 1940 herausstellte, dass die Wehrmacht bald in einen Wüstenkrieg verwickelt werden würde, musste eine ganze Palette von Tropenbekleidung und Ausrüstung praktisch über Nacht entworfen werden.
Ohne praktische Erfahrung und unter Zeitdruck, entschloss man sich, Uniformen von Nationen mit einem Kolonialreich zu kopieren.

Als im Februar 1941 dann die ersten deutschen Truppen in Tripolis anlandeten, tauschten sie ihre feldgrauen Uniformen gegen Tropenuniformen. Mit ihren großen Sonnenhelmen, gut geschnittenen Westen und Hosen sowie geschnürten Feldstiefeln konnte sie nicht verbergen, wie britische Soldaten in Indien während der Vorkriegszeit zu erscheinen.
Bald jedoch fanden die Deutschen heraus, dass ihre pseudo- funktionelle Uniform, welche nach nordeuropäischen Maßstäben eigentlich ganz gut gewählt war, wenig mit der leichten und etwas schlampig erscheinenden Kleidung der Einheimischen und Kolonialtruppen gemein hatte.

So dauerte es auch nicht lange, dass die deutschen Truppen die funktionalen Einschränkungen ihrer ziemlich restriktiven Kleidung erkannten und Sonnenhelme, die geschnürten Feldstiefel, die eng anliegenden Feldbluse und Hose wieder im Gepäck verschwanden.

Zwei Angehörige des deutschen Afrikakorps.

So begannen die deutschen Soldaten in der Wüste ihre eigenen Uniform-Stücke zusammenzustellen, wie diese für sie am praktischsten waren. Von nun an bestand das typische Erscheinungsbild eines deutschen Wüstenkämpfers aus einer Feldkappe mit einem großen Schirm, welcher die Augen vor der brennenden Sonne schützte. Dazu ein Hemd, lange Hosen bis zu den Knöcheln oder Shorts, Wollsocken, Segeltuch und Lederstiefeln.
Die deutsche Feldbluse wurde weiterhin getragen, aber diese war nicht so angenehm wie die italienischen Saharina, welche die deutschen Soldaten bald auch für sich selbst beschafften.

Die Besatzungen der Panzerfahrzeuge erhielten eine tropische Variante der Seitenkappe, welche für den Gebrauch innerhalb des Panzers besser geeignet war, als die Schirmmütze.

Da die Temperaturen in der Wüste während der Nacht schnell abfallen, trugen die Soldaten einen gestrickten Taillen-Schutz aus Wolle über ihrer Haut und Wollmäntel, welcher über der anderen Kleidung getragen wurde.
Die deutschen Versorgungsoffiziere bemühten sich vor allem um ausreichende Vorräte an Stahlhelmen und Wollpullovern, da beide für den Wüstenkrieg als wesentlich erachtet wurden.

Die Rangabzeichen waren die gleichen, wie bei den normalen Uniformen des Heeres, wenn auch bei Unteroffizieren die Aluminium-farbige Litze durch eine gelb-braune ersetzt wurde.
Offiziell sollten zwar alle Ränge und Offiziere die üblichen Rangabzeichen tragen, praktisch verwendeten aber viele Offiziere und selbst Generäle die Rangabzeichen weiterhin, welche gerade auf ihren temperierten Uniformen vorhanden waren.
Auch die Farbe der Waffengattung war die gleiche wie vorweg bei der feldgrauen Standard-Uniform der Wehrmacht beschrieben.

Uniformen an der Ostfront

Deutscher Truppenführer an der Ostfront 1942.
Bei Beginn des Unternehmen Barbarossa, dem Angriff auf Russland, war die deutsche Uniform grundsätzlich die gleiche wie zu Beginn des Krieges.
Allerdings erreichten nun auch einige Rationalisierungsmaßnahmen, welche bei Kriegsausbruch eingeführt wurden, die Truppe. Die wichtigsten Veränderungen waren, dass die Heeres-Uniformen begannen, das dunkle bläulich-grüne Abzeichen-Tuch zu verlieren, welches bisher auf Feldbluse und Mantelkragen sowie auf den Schulterriemen und bei den Rangabzeichen auf dem Ärmel getragen wurde. Stattdessen wurde Feldgrau nun als Abzeichen-Tuch verwendet.
Die grauen Hosen wurden immer seltener, da die neuen Exemplare aus feldgrauem Material hergestellt wurden und die weißen oder silbernen Faden, welche bei den Rangabzeichen und Erkennungssymbolen verwendet wurden, durch eine Farbe mit Namen Maus-grau ersetzt wurden.

Das extreme Klima, mit dem die deutschen Truppen in Russland konfrontiert wurden, dazu die fehlenden Reinigungsmittel oder Reparaturmöglichkeiten sowie die Schwierigkeiten beim Transport von Ersatzkleidung an die Front, ergaben eine deutliche und rasche Verschlechterung beim Erscheinungsbild des deutschen Soldaten an der Ostfront.
Offiziere waren gleichermaßen betroffen und gingen dazu über, Standard-Uniformen zu tragen und ihre maßgeschneiderten Feldblusen, grauen Hosen und hohe Stiefel im Gepäck zu belassen.

Der erste Winter war eine Katastrophe, welcher die deutschen Soldaten im offenen Gelände bei Temperaturen bis zu 35 Grad unter dem Gefrierpunkt heimsuchte, mit nur wenig mehr als ihren vorhandenen Standard-Felduniformen.
Es wurden keine Wintersachen ausgegeben und die Soldaten waren genötigt, sich Zeitungen unter ihrer Blusen zu stopfen und ihre Stiefel mit Stroh zu füllen.

Deutscher Soldat ab dem Winter 1942/43 im Kampfanzug mit der weißen Farbe nach außen.

Eine Winterausrüstung wurde aber rechtzeitig zum zweiten Winter in Russland entworfen und war dann eine Meisterleistung, sowohl bei ihrer rasanten Entwicklung als auch bei ihrer Massenproduktion.
Mit ihrer besonderen Unterwäsche, witterungsbeständigen Eigenschaften und zwei unterschiedlichen Tarnfarben auf der Ober- und Unterseite (eine Seite war immer in Weiß für den Winter, die andere in einer von zwei möglichen Tarnmustern oder feldgrau), wurde diese Uniform zum ersten modernen Kampfanzug, welcher heute weltweiter Standard ist.
Sein einziger Nachteil war das Gewicht, welcher nach heutigen Standards nicht akzeptabel wäre. Und aus einem unerklärlichen Grund erhielten die Soldaten der Waffen-SS erst im letzten Kriegswinter ihre eigene Ausführung des Kampfanzuges mit dem SS-Tarnmuster.

Im Sommer an der Ostfront trugen Offiziere leichte Feldblusen aus Leinen oder erbeutete Hemden der Roten Armee, während andere Ränge verschiedene Arten von Arbeitskleidung verwendeten.
Allmählich akzeptierte sogar das konservative deutsche Heer Hemden mit offenen Kragen als zulässige Sommeruniformen. Ab 1943 wurden die verschiedenen, kragenlosen Hemden, welche im deutschen Ostheer verwendet wurden, durch ein Standard-Modell in Feldgrau ersetzt.

Eine weitere Entwicklung war die zunehmende Verbreitung von Schutzkleidung, wie der einteilige Überzug, welcher an Panzerbesatzungen und Artilleristen ausgegeben wurde. Dann wurden Tarnüberzüge für Stahlhelme und Kittel ausgegeben, nach dem Vorbild in der Waffen-SS. Davon gab es aber niemals genug, um alle Wehrmachtssoldaten auszustatten.

An der Ostfront gab es eine Zunahme von besonderen Abzeichen für Elite-Einheiten. Besondere Metall-Abzeichen wurden an eine Reihe von Grenadier-Regimentern ausgegeben, welche an den Schulterriemen getragen wurden. Manschetten-Schriftzüge wurden am rechten Ärmel getragen und gegen Ende des Krieges schließlich noch kleine Metallauszeichnungen, welche an eine Reihe von Einheiten vergeben wurden und an der Kopfbedeckung getragen wurden.
Das einzige neue Abzeichen, welches für das gesamte deutsche Heer eingeführt wurde, waren spezielle Rangabzeichen für Uniformen ohne Schulterstücke (zumeist Tarnanzüge). Mit Ausnahme für die zwei Ränge der SS-Oberführer und Feldmarschälle des Heeres, waren diese Abzeichen identisch zu denen im Heer und der Waffen-SS.

Uniformen im letzten Kriegsjahr

Diese von alliierten Truppen gefangengenommen jugendlichen Soldaten tragen die Uniform mit dem etwas ‘sackförmigen’ Aussehen und Sitz.
Der deutsche Soldat in der Normandie 1944 hatte ein etwas anderes Aussehen als der typische Landser des Westfeldzugs von 1940.
Da waren zum einen die verschiedene Arten von Seiten- und Gebirgs-Kappen durch die Standard-Feldmütze M1943 ersetzt. Der Stahlhelm war nicht mehr glänzend und mit National-Emblem und Nationalfarben versehen, sondern war nun matt, körnig, feldgrau oder war im Tarnmuster gespritzt. Alternativ wurde er mit Tarnüberzug oder Netzgewebe zum Anbringen von Laub und Büschen zur Tarnung getragen.

Die Farbe der Felduniform war nicht mehr in Grün wie früher. Sie wurde nun zunehmend grau und da die Qualität des Materials immer schlechter wurde, zeigten die Uniformen sich nicht unähnlich einem Sack.
Die meisten Abzeichen wurden nun aus mausgrauem Garn hergestellt und die Farbe der Waffengattung erschien nur noch an den Schultergurten. Der teuren Marschstiefel war nun eine relative Rarität und die meisten Soldaten trugen Stiefeletten mit Leinen-Knöcheln, die abfällig als ‘Rückzugs-Gamaschen’ bezeichnet wurden.

Ein Panzer-Grenadier des Heeres 1944, welcher einen Tarnkittel über der Uniform trägt, welcher ursprünglich nur für Scharf-schützen vorgesehen war.
Als Ersatz für die früheren Sorten und Farben der Hemden wurde ein feldgraues Standardhemd eingeführt, das ohne Tunika getragen werden konnte. Auch eine neue Hose mit eingefertigten Stoffgürtel wurde hergestellt.
Die spezielle schwarze und feldgraue Kleidung für die Besatzungen der vollständig geschlossenen gepanzerten Kampffahrzeuge und der selbstfahrenden Artillerie wurde ebenfalls vereinfacht, während die feldgraue Uniform an das gesamte Personal der neu gebildeten Panzergrenadier-Divisionen ausgegeben wurde.

Die letzte Felduniform des deutschen Heeres im 2. Weltkrieg trägt dieser Unteroffizier. Sie war dem britischen Kampfanzug nicht unähnlich und der Mann gehört zu einer berittenen Einheit, wie die hohen Reitstiefel und der Lederschutz an den Innenbeinen anzeigt.
Zum Schutz der immer kostbarer werdenden Uniformen und zur Verbesserung der Schutzkleidung wurden verschiedene Arten von Overalls ausgegeben, welche teilweise getarnt waren. Siehe dazu die nebenstehende Abbildung. Diese waren jedoch nicht standardisiert und nicht so weit verbreitet wie bei den Uniformen der Waffen-SS.

Da es für die Offiziere aufgrund des weit verbreiteten Mangels an Textilien sehr schwierig war, Uniformen und Zubehör auf dem freien Markt zu bekommen, begannen sie, auch die ausgegebene Standarduniformen zu tragen. Ihre maßgeschneiderte Dienstkleidung wurde für formelle Anlässe aufbewahrt.
Die bisher eher starren Kleiderordnungen wurden gelockert, um all diesen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen. Einige Offiziere, welche den steife und geschlossenen Kragen unbequem fanden, begannen, ihre Feldbluse offen und am Hals mit Hemd und Krawatte zu tragen, während andere maßgeschneiderte Blusen hatten, die dazu bestimmt waren, offen um den Hals getragen zu werden.

Im letzten Winter des Krieges trug der typische deutsche Soldat entweder die zweiseitige, umlegbare Tarn-Kampfuniform (eine Seite Weiß für den Winter, die andere in Tarnmuster-Varianten) oder die Standardausgabe des feldgrauen Mantels mit großem, passendem Kragen und eingebauter Kapuze. Der Mantel wurde in einer gefütterten und ungefütterten Version ausgeliefert.

Da es unpraktisch war, auf vielen der Tarnuniformen und den verschiedenen Arten von Schutzkleidung Schulterabzeichen zu tragen, wurde bereits im August 1942 ein neues System von Rangabzeichen zum Tragen auf beiden Ärmeln eingeführt.

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