Sikorsky IIya Mouromets

Sikorsky Ilya Mouromets, russischer schwerer Bomber aus dem Ersten Weltkrieg und erstes viermotoriges Flugzeug der Geschichte.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Sikorsky Ilya Mouromets, spätes Modell im Winter 1916/17.

Sikorsky IIya Mouromets
Typ: Schwerer Bomber.

Geschichte

Der Mangel an Flugzeug-Triebwerken wirkte sich besonders problematisch auf die Herstellung der Sikorsky IIya Mouromets aus. Das Flugzeug war ein großer, viermotoriger Aufklärungsbomber und der einzige vollständig russische Entwurf dieser Zeit, welcher einer besonderen Erwähnung Wert ist.

Nach seinen ersten erfolglosen Experimenten mit Drehflüglern im Jahr 1909 bis 1910 konzentrierte sich der Russe Igor Sikorsky auf die Konstruktion und Entwicklung von Flugzeugen mit starren Flügeln. Seine Sikorsky S-1 bis S-5 waren kaum mehr als experimentelle Typen, aber mit dem Doppeldecker S-2 gelang ihm 1910 ein erster 12-Sekunden-Luftsprung. Wachsende Erfahrung und Fähigkeiten brachten ihm 1912 eine Berufung als Konstrukteur und Chefingenieur der Russisch-Baltischen Wagenfabrik (RBVZ) ein.

Die großen Entfernungen in Russland motivierten Igor Sikorsky und G.I. Lavrov, große Flugzeuge mit großer Reichweite zu konstruieren und das daraus resultierende Grand war das erste erfolgreiche viermotorige Flugzeug der Welt. Die Le Grand wurde am 2. März 1913 erstmals mit zwei Triebwerken geflogen. Da die Leistung der Le Grand unbefriedigend war, wurden zwei weitere Triebwerke hinzugenommen. Der Erstflug mit diesen vier Motoren fand am 13. Mai 1913 statt.
Im Juni wurden die beiden Schubtriebwerke an die Vorderseite der Tragflächen außenbords der ursprünglichen Triebwerke versetzt.
Das Flugzeug hatte ein Ski-Fahrgestell, eine Besatzung von 5 Mann und hatte für diese ein Abteil im hinteren Teil zum Schlafen und Essen.
In dieser endgültigen Konfiguration wurde die Grand in Russkiy Viryaz (Russischer Ritter) umbenannt.

Die nächste viermotorige Konstruktion stürzte bei ihrem Erstflug am 11. Dezember 1913 ab, glücklicherweise ohne schwere Folgen oder Verletzungen für die Besatzung. Im Januar 1914 wurde das Flugzeug modifiziert und repariert und die Flugversuche wurden wieder aufgenommen.
Am 12. Februar flog Sikorsky 16 Passagiere auf eine Höhe von 2.000 Metern und über eine Dauer von 5 Stunden, was für die damalige Zeit eine beeindruckende Leistung war. Im März wurde der neue Entwurf nach dem legendären russischen Ritter Ilya Mouromets umbenannt.

Die nächste Ilya Mouromets wurde im April fertiggestellt und war erheblich verbessert. Die Spannweite betrug 30 Meter und die Länge 19 Meter. Die Innenbordmotoren bestanden aus 140 PS (104 kW) starken Argus und die Außenbordmotoren aus 125 PS (93 kW) starken Argus. Die Verwendung von zwei verschiedenen Motortypen bei den Ilya Mouromets war typisch, denn der Mangel an geeigneten Motoren verhinderte häufig, dass alle vier vom gleichen Typ waren.

Am 5. Juni 1914 stellte Sikorsky einen neuen Weltrekord auf und beförderte fünf Passagiere über 650 Kilometer. Am 29. Juni machte das Flugzeug einen Hin- und Rückflug von St. Petersburg nach Kiew, eine Strecke von 1.290 Kilometern in jede Richtung. Während des Fluges, dessen Hin- und Rückflug drei Tage dauerte, gab es einige Herausforderungen. Trotzdem war es eine beeindruckende Leistung noch vor Kriegsbeginn und beeinflusste den zaristisch-russischen Flugdienst dazu, die Eskadra Vozdushnykh Korablei (Staffel der Flugschiffe, oder kurz ‘EVK’) aufzustellen, welche aus den bis dahin sieben verfügbaren IIya Mouromets bestand.

Eine Vorstellung der gewaltigen Größe der Sikorsky Ilya Mouromets erhält man, wenn man die Masse der Soldaten unter ihren Flügeln und Rumpf stehen sieht.

Herstellung

Bereits im Frühjahr 1914 hatte das russische Militär zehn Maschinen einer militärischen Version bestellt. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieg im August 1914 wurde der Auftrag nach und nach auf nahezu 80 Maschinen erhöht.

Vermutlich eine Sikorsky Ilya Mouromets Typ B
Der Bau der Bomber erfolgte bei der Russisch-Baltischen Waggon-Fabrik (R.B.V.Z.) und es erschienen insgesamt fünf Versionen, welche sich alle in Dimensionen, Gewichten und Triebwerken unterschieden.
Etwa vier Ilya Mouromets Typ B mit zwei 135-PS-Salmson und zwei 200-PS-Canton-Unne-Motoren wurden fertiggestellt.
Diesen folgten 33 Typ V. Alle, mit Ausnahme von drei dieser Flugzeuge, hatten vier 150-PS-Sunbeam-Motoren, welche höchst unzuverlässig waren. Die anderen hatten zwei 125-PS und zwei 140-PS-Argus-Motoren.
Die etwa zwanzig G-2 hatten vier 150-PS-RBVZ-6-Motoren, fünfzehn G-3 hatten ein Paar dieser Motoren zusammen mit zwei 220-PS-Renault.
Die größten und zugleich schnellsten Mouromets-Bomber waren die E-1 mit vier 220-PS-Renault-Motoren. Sie hatten ein Startgewicht von 7.000 kg und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 136,7 km/h.

Die operative Leistung des ersten Paares von Mouromets-Bomber war so enttäuschend, dass die Fabrik R.B.V.Z. aufgefordert wurde, die Produktion einzustellen. Glücklicherweise wurde die Herstellung des Typs nicht beendet und unter dem Kommando von Generalmajor M.V. Shidlovski (dem ehemaligen Vorsitzenden der R.B.V.Z.-Fabrik) wurde die Eskadra Vozdushnykh Korablei speziell für den Einsatz und Erprobung der schweren Bomber gebildet. Es handelte sich dabei um mehr als eine gewöhnliche Bomberstaffel, denn es war eine völlig eigenständige Einheit, die auch ihre eigenen Testflüge, Schulungen, Überholungen und andere Aktivitäten durchführte.

Aufgrund ihrer Größe brauchte die Ilya Mouromets viel Aufmerksamkeit am Boden und eine kräftige Handhabung in der Luft. Jedoch war sie ein gut gebautes Flugzeug, das in der Lage war, jede Art von Kampfschäden zu verkraften.
Es verfügte über hocheffiziente Bombenzielgeräte russischer Konstruktion und Herstellung, die es den Bombern ermöglichten, weit über 60 Prozent ihrer Ziele direkt zu treffen.


Vier Mann der Besatzung einer Sikorsky Ilya Mouromets (einer in der Kabine rechts), welche von einem weiteren Besatzungsmitglied fotografiert wurden.
Eine typische Bombenlast war die von der G-2 und G-3, die zwischen 450 bis 700 kg lag. Die normale Abwehrbewaffnung bestand aus drei oder vier Maschinengewehren, aber es konnten bis zu sieben eingebaut werden, einschließlich eines Heckturms.
Die Basismannschaft bestand wie beim Typ B aus vier Mann, konnte aber im Verhältnis zur Anzahl der eingebauten Maschinengewehre erhöht werden. Die Ilya Mouromets führten auch weitreichende Aufklärungsmissionen durch, für die sie in den Gebieten, in denen sie operierten, bestens geeignet war.
Im Dezember 1916 genehmigte Zar Nikolaus II. britische und französische Anträge, den Ilya Mouromets Bomber in diesen Ländern in Lizenz bauen zu lassen, aber diese Option wurde nicht umgesetzt.

Einsätze

Von ihrem Stützpunkt Jablonna in Polen aus unternahm die E.V.K. am 15. Februar 1915 ihren ersten Angriff auf Ostpreußen und von da an bis zur Revolution im November 1917 war diese Einheit für etwa vierhundert Bombenangriffe auf deutsches und litauisches Gebiet verantwortlich.

Die Ilya Mouromets waren hervorragend für die Langstreckenaufklärung und die Bombardierung von Zielen über die großen Entfernungen, welche an der Ostfront herrschten, geeignet.
Sie waren zwar langsam, aber in der Regel mit drei oder vier Maschinengewehren bewaffnet und erwiesen sich im Luftkampf als zähe Gegner. Die meisten Einsätze wurden von einzelnen Flugzeugen durchgeführt, die in einer Höhe von etwa 2.440 Metern mit einer Geschwindigkeit zwischen 100 und 112 km/h flogen.
Ihre Ziele waren in der Regel Bahnhöfe, Dampflokomotiven, Artilleriestellungen und Versorgungsdepots, Divisions-Hauptquartiere und Flugplätze.
Es gab aber nie genug Flugzeuge für größere Formationen und die anderen, kleineren russischen Flugzeuge hatten oft nicht die erforderliche Reichweite um Eskorte für sie zu fliegen.

Eine niedergegangene Sikorsky Ilya Mouromets.
Nur drei wurden von feindlichen Flugzeugen abgeschossen, darunter eines am 6. Juli 1915, als vier Zweisitzer der Feldfliegerabteilung 21 die Keivsky II angriffen und zum Absturz brachten, deren übermütige Besatzung nur ein Maschinengewehr und ein Gewehr zur Verteidigung mitgeführt hatte.
Am 23. September 1916 gelang es dem Prototyp des KDW-Schwimm-Kampfflugzeugs (Marine-Nummer 748) die IIya Mouromets mit dem Namen Schiff VI abzufangen und zur Notlandung zu zwingen.

Am 25. September 1916 wurde das Schiff XVI während eines für die Verhältnisse an der Ostfront größeren Luftkampfes durch eine Anzahl von Flugzeugen der Feldflieger-Abteilung 45 abgeschossen. Dieser Einsatz wurde von zwei Ilya Mouromets geflogen, die von mehreren Morane-Parasols und Voisin begleitet wurden, um das Hauptquartier der deutschen 89. Division in Boruny sowie den nahegelegenen Bahnhof und Flugplatz zu bombardieren. Einige der kleineren russischen Flugzeuge ließen ihre Maschinengewehre zurück, um mehr Bomben zu tragen, während andere als Eskorte flogen.
Über dem Ziel wurde die russische Formation durch schweres Flugabwehrfeuer zerstreut und das Schiff XVI wurde von vier deutschen Zweisitzern angegriffen. Schiff XVI vertrieb drei der angreifenden Flugzeuge, aber das vierte, die Aviatik C.I(Han) 2106/16 mit Leutnant Lode und Leutnant Wolf als Besatzung, näherte sich entschlossen und tauschte Maschinengewehrfeuer mit dem schweren russischen Bomber aus. Dabei wurde der rechte Außenbordmotor der IIya Mouromets außer Gefecht gesetzt.
Schiff XVI begann nun zu sinken, drehte sich und stürzte ab, wobei die Bomben beim Aufprall explodierten und alle vier Besatzungsmitglieder tötete. Die Aviatik CI erlitt ebenfalls große Schäden, darunter 70 Einschusslöcher und aufgerissene Öl- und Reservetreibstofftanks, aber die Besatzung blieb unverletzt.
Vier der kleineren russischen Flugzeuge wurden ebenfalls abgeschossen.

Daraufhin beschlossen die Russen, dass fortan nur noch die Ilya Mouromets Bomben bei diesen Einsätzen mitführen sollten, wobei alle kleineren Flugzeuge als Eskorte fungierten. Voisins und Morane Parasols galten nicht mehr als geeignete Eskorten und die schnelleren SPAD 7 und Nieuport XVII Jagdflugzeuge wurden benötigt. Der größte dieser Einsätze erfolgte 1917, als sieben Ilya Mouromets und 26 begleitende Jagdflugzeugen angriffen.

Zusätzlich zu den drei von Flugzeugen abgeschossenen Ilya Mouromets schoss die deutsche Flugabwehr am 28. November 1915 die IM-III ab.
Mindestens 17 feindliche Flugzeuge wurden jedoch im Kampf mit Ilya Mouromets abgeschossen und viele andere beschädigt, was zeigt, dass sie ein gefährlicher Gegner war.

Eine Sikorsky Ilya Mouromets im Schnee.
Bei Unfällen gingen jedoch viel mehr Ilya Mouromets verloren als im Kampf. Im Februar 1918 mussten dreißig der Flugzeuge auf dem Flugplatz bei Winniza zerstört werden, um die Erbeutung durch die vordringenden deutschen Truppen zu verhindern.

Das Flugzeug entwickelte sich durch eine Reihe verschiedener Versionen weiter und 1916 führte die G-2-Variante als erstes Flugzeug der Welt eine Heckgeschützstand ein. Insgesamt wurden 76 Ilya Mouromets bestellt und gebaut, von denen 38 bis Februar 1917 übernommen wurden.

Sikorsky und andere russische Konstrukteure entwarfen eine Reihe weiterer Flugzeuge, von denen einige in begrenzten Stückzahlen produziert wurden. Die Ilya Mouromets war jedoch der einzige bedeutende russische Entwurf, welcher sich weit von den anderen abhob.
Weitere Konstruktionen von Sikorsky, die während der Kriegszeit in Produktion gehen sollten, waren die S-16, ein konventioneller zweisitziger Aufklärungs-Doppeldecker, der von einem 80 PS (60 kW) starken Gnome-Drehkolbenmotor angetrieben und mit einem Rad- oder Ski-Fahrwerk verwendet werden konnte. Die S-20, die 1917 in Dienst gestellt wurde, war ein einsitziger Aufklärungs-Doppelsitzer, der von einem 110-PS (82 kW) Le Rhone-Umlaufmotor angetrieben wurde. Dies war Sikorskys letzter Entwurf in Russland, denn mit dem Beginn der Revolution im Jahr 1917 emigrierte er in die USA.

Da Deutschland zunächst kein Gegenstück zu den Ilya-Mouromets-Bombern hatte, verließ es sich bei der Langstrecken-Bombardierung und Fernaufklärung auf seine Luftschiffe.
Während des Krieges an der Ostfront schwankte die Zahl der dort eingesetzten deutschen Luftschiffe zwischen zwei und acht und sie waren sehr aktiv. Ein Dutzend deutscher Luftschiffe ging an der Ostfront durch eine Kombination von Unfällen, schlechtem Wetter und russischem Bodenfeuer verloren.


Spezifikationen Sikorsky IIya Mouromets

Spezifikationen:

SpezifikationenTyp BTyp VTyp E2
Typ Schwerer Bomber==
Besatzung?44-8
Antrieb4 x 150 PS Salmson4 x 150 PS wassergekühlte Sunbeam-V4 x 220 PS Renault Kolbenmotoren
Spannweite34,50 m29,80 m 34,50 m
Länge19,00 m17,50 m18,80 m
Höhe??4,00 m
Flügelfläche 150,00 m²125,00 m²?
Leergewicht3.600 kg??
Startgewicht4.850 kg4.600 kg7.460 kg
Höchstgeschwindigkeit100 km/h 110 km/h auf 2.000 m137 km/h
Steigleistung???
Dienstgipfelhöhe?2.900 m 3.200 m
Reichweite420 km4 Stunden Flugzeit560 km
Bewaffnungvariable Anzahl von MGs (in der Regel 3-4)=bis zu 6 MGs (Typen Lewis, Maxim, Madsen und Browning)
Zuladungnormalerweise 10 x 16-kg-Bomben (Maximum bis zu 500 kg)(nachfolgende G-2 und G-3 zwischen 450 und 700 kg)(vorausgegangene G-2 und G-3 zwischen 450 und 700 kg)
Erstflug???
Serienflugzeug1914??
Truppenlieferung?1915/16?
Endlieferung??1917
Produktion ca. 433? (nur wenige)
Bestand ?insg. 38 aller Typen bis Februar 1917 ausgeliefert30 aller Typen beim russischen Rückzug im Februar 1918 zerstört

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