Schlacht von Kursk

Schlacht von Kursk im Juli 1943, die größte Panzerschlacht der Kriegsgeschichte.

PzKpfw III bei Kursk

Panzerkampfwagen III im Feuer während der Panzerschlacht von Kursk

Die deutsche Führung hatten zunächst geplant, an der Ostfront nach der Frühjahrsschmelze anzugreifen, wenn das Gelände so weit ausgetrocknet war, dass die Panzertruppen sich richtig bewegen konnten, was wahrscheinlich etwa bis Mitte April dauert. Aus deutscher Sicht war je eher, umso besser und vor allem bevor die Rote Armee sich von ihrer Niederlage bei Charkow erholt hatte.

Der ursprüngliche Angriffsbefehl vom 13. März verlangte von Manstein, nach Norden in den Kursker Frontbogen loszuschlagen, während die Heeresgruppe Mitte, verstärkt durch Truppen aus dem geräumten Rschew-Frontbogen, nach Süden auf Kursk vorstoßen sollte. Anschließend sollte die Heeresgruppe Nord mit einer Offensive auf Leningrad beginnen, welche die sowjetischen Erfolge dort vom Januar wieder bereinigen und die Stadt endgültig nehmen sollte. Dies würde die deutsche Position im Baltikum und Finnland stärken, Schweden von jeglichem Eingreifen in den Krieg fernhalten und die gesamte nördliche Flanke sichern.

Der wichtigste Teil dieser Operationen war jedoch das Unternehmen Zitadelle, wie der Angriff auf Kursk bezeichnet wurde. Diese Offensive sollte die Initiative im Osten zurückgewinnen und damit die gesamte Ostfront stabilisieren. Dies sollte die Wehrmacht in die Lage versetzen, eine große mobile Reserve zu schaffen, welche sowjetische Offensiven im Osten ausschliessen und jede Invasion im Westen während des Jahres 1943 zerschlagen konnte.

In den folgenden Wochen wurden weitere Offensivpläne erwogen, aber nicht angenommen. Nicht nur führten diese Besprechungen zu Verzögerungen, sondern auch die Wünsche von General (später Feldmarschall) Walter Model, dem Befehlshaber der deutschen 9. Armee südlich von Orel, dessen Hauptquartier und Stab durch die Räumung des Rschew-Frontbogens verfügbar geworden war. Da seine Armee den Angriff auf Kursk von Norden aus durchführen sollte, forderte Model wiederholt Aufschub, bis er seine Truppen ausreichend aufbauen konnte und wartete insbesondere auf eine wesentliche Zuteilung der neuen PzKpfw V Panther und Tiger-Panzer.

Trotz der Einwände anderer deutscher Befehlshaber, insbesondere von Manstein und Kluge, welche argumentierten, je länger das Unternehmen ‘Zitadelle’ aufgeschoben werden würde, dieses umso riskanter wird und die Russen mehr Möglichkeiten erhielten sich darauf einzustellen, stand Hitler auf der Seite Models, einem seiner favorisierten Truppenbefehlshabern.
Angesichts zunehmender Zweifel unter seinen Militärs und eines zunehmenden schlechten Gefühls, was dazu riet, auf die ganze Offensive besser zu verzichten, beschloss Hitler trotzdem bis zum 19. Juni alles vorzubereiten. In der Ausführung des Angriffsbefehl vom 15. April hatte er deutlich gemacht, daß ‘der Sieg von Kursk auf die Welt die Wirkung einer Lektion haben muß’. In dieser Vorhersage hatte er vollkommen Recht, aber nicht in der Weise, wie er sich das gedacht hatte.

Tiger der 7. Panzer-Division, Kursk

Tiger werden bei der 7. Panzer-Division im Raum Bjelgorod für das Unternehmen Zitadelle (Schlacht von Kursk, Juli 1943) vorbereitet.

Die deutsche 9. Armee im Norden und die von Süden aus angreifende 4. Panzer-Armee und Armeeabteilung Kempf, waren mit Ersatz und neuen Waffen enorm verstärkt worden und erhielten auch kräftige Luftunterstützung. Rund 2.700 Panzer und Sturmgeschütze sollten für die nötige Wucht und 1.400 bis 1.800 Flugzeuge der deutschen Luftwaffe für Deckung und Luftunterstützung sorgen.
Die deutschen Truppen wurden zu einer großen Operation bereitgestellt, wenn auch das Ziel diesmal weitaus weniger ehrgeizig als 1941 oder 1942 war. Es sollte lediglich die Initiative zurückgewonnen und ein großer taktischer Sieg auf dem Schlachtfeld errungen werden – und nicht wie zuvor, der alles entscheidende Zusammenbruch der Sowjetunion erzwungen werden.

Die sowjetische Führung hatte nach erheblicher interner Debatte beschlossen, daß die Rote Armee auf den Nord- und Südabschnitten der offensichtlich verwundbaren Frontausbuchtung um Kursk die Verteidigungsstellungen auszubauen und auf die deutsche Offensive zu warten hat.
Eine großer Gegenschlag wurde jedoch schon weit zuvor geplant, um von Nordosten in die deutsche Frontausbuchtung um Orel im Norden des Kursker Bogens einzubrechen. Von hier aus wurde die nördliche deutsche Zangenbewegung erwartet. Anschließend sollte ebenfalls eine sowjetische Offensive im Süden folgen, um die erhoffte Niederlage der deutschen Sommeroffensive zu besiegeln.

Während sie auf den deutschen Schlag warteten, erhielten die Befehlshaber der Roten Armee sehr umfangreiche Verstärkungen, errichteten mehrere Verteidigungslinien in der Tiefe und trainierten ihre Einheiten, um gegen die deutschen Panzerangriffe bestehen zu können.
Rokossowskijs Zentralfront im Norden und Watutins Woronesch-Front im Süden von Kursk errichteten die stärksten Abwehrlinien, gegen die ein Angreifer seit dem Stellungskrieg an der Westfront von 1918 antreten mußte. Beide Seiten hatten ihre Panzereinheiten für die größte Panzerschlacht der Geschichte kräftig verstärkt.

Sturmgeschütz beim Angriff auf eine sowjetische Pak-Stellung

Ein deutsches Sturmgeschütz beim Angriff auf eine sowjetische Pak-Stellung bei Kursk.

Am 4. Juli 1943 begannen vorbereitende Angriffe und am 5. Juli erfolgte die deutsche Hauptoffensive. Von Norden her begann die deutsche 9. Armee ihren Keil in die sowjetische Zentralfront zu treiben, während im Süden Mansteins Panzerverbände schon tief in die Verteidigungslinien der Woronesch-Front eindrangen. Beide Seiten schickten ihre Reserven in die Schlacht. Die Deutschen, um ihre angreifenden Speerspitzen zu nähren und die Russen, um ihre Verteidigungskräfte zu unterstützen, welche vernichtet oder zum Rückzug gezwungen worden waren.

In den nachfolgenden sechs Tagen kam es zu beispiellosen Kämpfen, da die Panzergefechte und das Feuer der Infanterie und Artillerie auf beiden Seiten gewaltige Verluste forderte. Die deutschen Truppen befanden sich zwar immer noch im Vormarsch – im Süden etwas kräftiger als im Norden – aber sie konnten angesichts des entschlossenen und wirksamen sowjetischen Widerstandes bei keinem der beiden Stoßkeile einen echten Durchbruch erzielen.
Es stellte sich heraus, daß die monatelange Verzögerung der Offensive wohl eher der Roten Armee als der Wehrmacht genutzt hatte, denn viele der angeblich entscheidenden neuen deutschen Panzertypen, wie der Panther, Elefant und auch noch der schon etwas länger im Einsatz befindliche Tiger, blieben mit Kinderkrankheiten liegen.

Russische schwere Jagdpanzer/Sturmgeschütze vom Typ SU-152

Russische schwere Jagdpanzer/Sturmgeschütze vom Typ SU-152 überqueren einen Flußarm des Donez während der Schlacht von Kursk-Orel. Erstmals im Kampfeinsatz, wurden sie wegen ihrer Erfolge im Gefecht mit den neuen deutschen Panzern Tiger, Panther und Elefant Zwerrobol (‘Siegreiches Vieh’) getauft.

Bis zum 12. Juli blieb der nördliche Angriff schon fast liegen und Model wurde zu einer Abnutzungsschlacht gedrängt. Diese Form des Kampfes zehrte nun alle Reserven der Heeresgruppe Mitte auf und auf diesen Moment hatten die Russen gewartet.
Die Westfront im Norden und Brjansker Front im Nordosten von Orel begannen nun ihrerseits mit einer massiven sowjetischen Offensive direkt in den Rücken der angreifenden Armee von Model und drangen dabei schnell durch die ausgedünnten Linien der dort deckenden deutschen 2. Panzer-Armee vor.
Nun war die Heeresgruppe Mitte unter von Kluge dazu genötigt, die frischen Divisionen und Nachschub, welcher für Models Armee bestimmt war, umzuleiten, um den drohenden Zusammenbruch des gesamten deutschen Frontbogens um Orel zu verhindern. Darüberhinaus mußte sogar die angreifenden 9. Armee selbst Kräfte abgeben, um an dem bedrohten Frontabschnitt eingesetzt zu werden. So war die nördliche Zange der deutschen Kesselbewegung faktisch zum erliegen gekommen und sah sich bald selbst der Gefahr ausgesetzt, abgeschnitten zu werden.

Deutsche Panzer rollen auf Prochorowka vor

Deutsche Panzer rollen auf Prochorowka im Süden vor.

Die südliche Zange arbeitete sich aber immer noch gegen den extrem heftigen sowjetischen Widerstand vor und von Manstein wollte den Angriff eigentlich fortsetzen, aber diesmal beschloß Hitler am 13. Juli, daß Unternehmen ‘Zitadelle’ abzubrechen. Der Orel-Frontbogen war gefährdet, die Armee von Model war nicht mehr in der Lage, weiter anzugreifen und musste sich stattdessen vermutlich in ihre Ausgangsstellungen zurückziehen. Dazu gab es Hinweise auf eine weitere sowjetische Offensive im Donezbecken.
Von den Angriffstruppen des südlichen Keils, mit denen Manstein eigentlich weiter angreifen wollte, plante Hitler dagegen einige davon nach Italien zu schicken.
Denn zwischenzeitlich war am 10. Juli 1943 die Invasion der Westalliierten auf Sizilien erfolgt, wobei es offensichtlich zum Zusammenbruch des Großteils des italienischen Widerstandes kam. Daher mußten deutsche Divisionen von der Ostfront abgezogen werden, um eine neue Armee in Italien aufzubauen und sich darauf vorzubereiten, die Aufgaben der italienischen Besatzungstruppen auf dem Balkan zu übernehmen. Von nun an führte Deutschland tatsächlich einen vollständigen Mehrfrontenkrieg und nicht mehr praktisch nur Krieg an der Ostfront.

So wie die schweren Kämpfe an der Ostfront die Deutschen daran hinderten, einen Großteil ihrer Ressourcen für den Kampf gegen Großbritannien und den Vereinigten Staaten zu verwenden, so verringerte die Notwendigkeit, daß Deutschland große Zahlen an Truppen im Westen und Süden zurück behält und die Industrie in der Heimat gegen alliierte Luftangriffe verteidigen muß, den Druck, den die Wehrmacht auf die Sowjetunion ausüben konnte.
Auf der anderen Seite konnten industriellen Kapazitäten und die materiellen und personellen Ressourcen, die für die neuen deutschen Panzer, welche in erster Linie für den Einsatz gegen die Rote Armee entwickelt wurden, nicht für den Bau von U-Booten zur Verstärkung der Schlacht am Atlantik eingesetzt werden. Gleichzeitig hielt der Massenbau von Hunderten von Unterseebooten für den Seekrieg die Deutschen davon ab, stattdessen tausende von zusätzlichen Panzern für die Schlachten an der Ostfront verfügbar zu haben.

 T-34 mit Unterstützung von 76-m--Feldgeschützen

Sowjetische T-34-Panzer mit Unterstützung von 76-m–Feldgeschützen ‘Ratsch-Bum’ im Gefecht bei Kursk-Orel.

Im nördlichen Teil der Kursker Front führte Model mit Zustimmung von Hitler nun eine elastische Verteidigung der Orel-Ausbuchtung durch und bereitete dahinter eine verkürzte Linie, die ‘Hagen’-Linie vor, in die ihn die Rote Armee bis Mitte August verdrängt hatte. In diesen vier Wochen wurde Orel von den Sowjets zurückerobert und die angeschlagene 2. Panzer- und 9. Armee zurückgedrängt.
Die neue deutsche Linie war nun zwar kürzer, aber die Verluste während der anfänglichen Offensive und dann in der Verteidigung gegen Rokossovskis Angriffe waren hoch.
Die Beharrlichkeit Hitlers, daß die Heeresgruppe Mitte Divisionen direkt nach Italien und zur Heeresgruppe Süd verlegt, um Divisionen zu ersetzen, die von dort nach Italien geschickt wurden, hatte es unmöglich gemacht, auch nur zu versuchen, die Orel-Ausbuchtung zu halten.
Im Gegensatz zu späteren Verhaltensweisen war Hitler offensichtlich noch durchaus in der Lage, einen Rückzug durchzuführen, wenn er von Generälen dazu gedrängt wurde, denen er vertraute – und dieses Vorgehen war aufgrund strategischer Prioritäten in diesem Fall unbedingt erforderlich.

Als das sowjetische Vordringen und der deutsche Rückzug bei Orel weit fortgeschritten waren, hatte die sowjetische Offensive in das Donez-Becken begonnen, die schon vor ‘Zitadelle’ geplant war und auch von Hitler erwartet wurde, als er die Offensive am 13. Juli abbrach.
Am 17. Juli griffen die Südwest- und Süd-Front die deutsche 1. Panzer-Armee und die neue 6. Armee im Donez-Gebiet an. Obwohl diese Operation in den verbleibenden zwei Juliwochen die Deutschen nicht wie von STAVKA erhofft aus dem Donetzbecken vertrieb, machte sie erneute deutsche Angriffe im Süden unmöglich, verursachten schwere Verluste und zeigten, dass die Initiative sowohl im Sommer als auch im Winter endgültig auf die Rote Armee übergegangen war.
Weitere Offensiven wurden von den Sowjets im August begonnen, während die Rote Armee Orel befreite.

abgeschossener deutscher PzKpfw IV

Während der Schlacht von Kursk-Orel abgeschossener deutscher PzKpfw IV, davor die gefallene Besatzung.

Wesentlicher ist aber, daß die deutsche Armee bei der Schlacht von Kursk im Juli 1943 eine vernichtende Niederlage erlitten hatte. Die Wehrmacht hatte ihre besten Einheiten und modernsten Waffen gegen einen exponierten sowjetischen Frontvorsprung zum Einsatz gebracht und war mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden.
Natürlich waren auch die sowjetischen Verluste enorm, und das Schlachtfeld war noch jahrelang mit ausgebrannten deutschen und sowjetischen Panzern übersät, aber das Signal an die Welt, das Hitler von einem Sieg in Kursk erwartet hatte, war tatsächlich gesendet worden – aber es war ein Signal für den Triumph der Roten Armee über die Wehrmacht in einem gigantischen, grausamen Kampf.

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen.

  • Im Blickpunkt:

    • Albatros D.III Albatros-Jäger

      Albatros D.I bis D.V, deutsches Jagdflugzeug aus dem Ersten Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder. Albatros D.I, D.II., D.III, D.V und D.Va Typ: Jagdflugzeug. Geschichte Hauptsächlich wegen der […]

    • FG-42 FG 42

      Deutsches Fallschirmjägergewehr 42 (FG42, FjG42). Fallschirmjägergewehr 42 (FG 42, FjG42) Typ: Automatisches Sturmgewehr. Geschichte: Als die Entwicklung der MP 43 begann, waren auch die deutschen Fallschirmjäger an dieser interessiert, da […]

    • Britische Armee 1914-18

      Die britische Armee im Ersten Weltkrieg 1914-1918 – Uniformen, Stärke, Organisation. Im Jahre 1908 hatten die Briten ihre Armee reorganisiert, wobei die Verbände auf den britischen Inseln in eine Expeditions-Streitmacht […]

    • US Carbine cal .30 M1

      Selbstladekarabiner M1, häufigste amerikanische Waffe im Zweiten Weltkrieg. Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell. US Carbine Caliber .30 M1, M1A1, M2, M3 Typ: Automatischer Selbstladekarabiner. Geschichte Der US Carbine […]