Panzerkreuzer Scharnhorst und Gneisenau in der Seeschlacht bei den Falklandinseln (Teil II).
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3D-Modell.

SMS Scharnhorst beim Einlaufen in Valparaiso
SMS Scharnhorst beim Einlaufen in Valparaiso einen Tag nach dem Sieg in der Schlacht von Coronel.

Der Panzerkreuzer SMS Scharnhorst war das Flaggschiff von Graf Spees Ostasien-Geschwader mit dem Stützpunkt Tsingtau. Unter Berücksichtigung der britischen Seeherrschaft konnte der meteoritenhafte Aufstieg des Seehelden von Spee und seines Geschwaders nur auf die gleiche Weise enden. Bevor er aber in die Enge getrieben werden konnte, verabreichte er der britischen Royal Navy die erste größere Niederlage zur See seit zweieinhalb Jahrhunderten.

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Die britische Royal Navy hatte in der Seeschlacht von Coronel eine niederschmetternde Niederlage erlitten. Trotzdem schien von Spee von seinem Erfolg wenig begeistert zu sein. Obwohl er keinen nennenswerten Schaden erlitten hatte (lediglich sechs unwesentliche Treffer und zwei Verwundete), verbrauchte er jedoch fast die Hälfte (42 Prozent) seiner Munition für die schweren Geschütze.
Nun gab es wenig Aussichten auf mehr Erfolge, denn er war noch 16.000 km von der Heimat entfernt und er war sich zu sehr bewusst, dass die größte Seemacht der Welt nach seinem historischen Seesieg nun alles daran setzen wird, ihn zur Strecke zu bringen. Sein Geschwader war dem Untergang geweiht und Graf Spee wusste dies.

Admiral Maximilian von Spee
Admiral Maximilian von Spee (links), Sieger der Seeschlacht von Coronel, in Valparaiso.
Am Tag nach der Schlacht von Coronel lief er zur Kohleaufnahme in Valparaiso ein, aber weigerte sich an den Siegesfeiern zu seinen Ehren teilzunehmen.
Er hatte zwar für kurze Zeit den Handel mit Nitrat, Kupfer und Zinn aus Chile und Peru zum Erliegen gebracht und zwei britische Panzerkreuzer versenkt, während der alliierte Handel in der Region vom La Plata immer noch ungestört weiterlief.

Schlacht bei den Falklandinseln

Möglicherweise hätte ein schnelles Umlaufen von Kap Hoorn und anschließend der Ausbruch in die Weite des Südatlantiks die Wahrscheinlichkeit seines Entkommens verbessert, aber anscheinend war von Spee wieder von einer gewissen Unentschlossenheit geplagt.
Erst verschenkte er seine Zeit bei der abgelegenen Insel Mas-a-Fuera und ankerte dann vor der trostlosen chilenischen Küste nördlich der Magellan-Strasse.

Erst am 26. November, bereits 25 Tage nach der Schlacht von Coronel, lief er mit voller Kraft in Richtung der Falklandinseln. Dort wollte er die wichtige Funkstation und die Reste von Cradocks Geschwader vernichten, den britischen Gouverneur gefangennehmen sowie alle Lagerbestände zerstören, welche er nicht für seinen eigenen Bedarf benötigte.

Spee vor Kap Hoorn
Das Deutsche Ostasiengeschwader des Grafen Spee vor Kap Hoorn.

Obwohl es nun Sommer auf der südlichen Halbkugel war, gab es ein fürchterliches Wetter um Kap Hoorn und das Geschwader umlief es erst in der Nacht vom 1. auf den 2. Dezember 1914. Am frühen Morgen des 2. Dezember wurde ein kanadisches Segelschiff mit Kohle beladen gesichtet. Da von Spee immer an seinen langen Heimweg dachte, brachte er das Schiff in geschützte Gewässer und verbrachte drei Tage damit, dessen Kohle umzuladen.

Der Morgen des 8. Dezember 1914 brach mit hellem Licht und klaren Wetter an. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Gneisenau, unterstützt von der folgenden Nürnberg, auf der Fahrt vor der Küste von Ost-Falkland in Richtung dem Hafen Stanley, während von Spee mit dem Rest des Geschwaders sich von Süden aus näherte.
Die Hauptbatterien waren bereits auf die Funkstation ausgerichtet, als plötzlich die Wasserspritzer einer Salve aus zwei Schuss von großkalibrigen Kanonen vor den an der Küste vorauslaufenden deutschen Schiffen zu sehen waren. Es folgte eine zweite Salve, welche nahe genug einschlug, um Granatsplitter auf das Oberdeck der Gneisenau zu schleudern.
Die zwei an der Küste entlang laufenden deutschen Schiffe umrundeten schließlich die Landzunge, welche den Hafen schützte. Um 9:40 Uhr konnten ihre Besatzungen dann den Rauch und die hohen Stativmasten sehen, welche nur von britischen Großkampfschiffen stammen konnten. Von Spee hatte zu viel Zeit verschwendet !

Nach der Katastrophe bei Coronel hatte die britische Admiralität schnell reagiert und entsandte drei Schlachtkreuzer von der Grand Fleet. Zwei von ihnen, HMS Invincible und Inflexible, waren gerade zusammen mit vier Kreuzern bei dem Kreuzer-Geschwader von Konteradmiral Stoddart angekommen und bunkerten immer noch Kohle.
Neben den beiden Schlachtkreuzern bestand das gesamte britische Geschwader noch aus den Panzerkreuzern Defence, Kent, Carnavon und Cornwall, sowie den Leichten Kreuzern Glasgow und Bristol.
Zum Glück für den britischen Befehlshaber, Vizeadmiral Doveton Sturdee, war das alte Schlachtschiff HMS Canopus, welches zu spät für die Schlacht von Coronel eingetroffen war, als schwimmende Hafenbatterie leicht auf Grund gesetzt worden. Durch dessen indirektes Feuer auf die Gneisenau erkaufte es der unvorbereiteten britischen Streitmacht Zeit, um Gefechtsbereit zu werden.

Gneisenau und Nürnberg schlossen nun zum Rest des Geschwaders aus und die Schiffe von Admiral von Spee machte sich hastig und in lockerer Formation in Richtung Südosten davon. Damit verpasste er seine einzige Möglichkeit, das unvorbereitete britische Geschwader mit einigem Erfolg im Hafen zu bekämpfen.

Spees Geschwader beim Ablaufen von den Falklands
Spees Geschwader beim Ablaufen von den Falklands nach einem Glückstreffer von ‘HMS Canopos’.

Zwischenzeitlich konnte kein einziges der deutschen Schiffe mehr mit seiner Konstruktionsgeschwindigkeit laufen, da es auf der langen Reise zu Maschinenproblemen und Verunreinigungen der Schiffshüllen gekommen war, welche ohne einen Stützpunkt nicht behoben werden konnten.
Noch bevor sie über den Horizont verschwunden waren, konnten die deutschen Besatzungen schon die ersten britischen Schiffe sehen, welche aus dem Hafen von Port Stanley ausliefen. Sie hatten nur einen Vorsprung von 15 Seemeilen und die Sichtverhältnisse waren perfekt, der Tag war noch jung und ihre Vernichtung schien somit nun nur noch eine Frage von Stunden.


Schlachtkreuzer Invincible Falklands
Die britischen Schlachtkreuzer waren 5 Knoten schneller als die deutschen Panzerkreuzer und kurz vor 13 Uhr beginnt ‘Invincible’ mit dem Beschuss.

Der leichte Kreuzer Leipzig begann langsamer zu werden, aber die Dringlichkeit der Flucht des Geschwaders wurde deutlich durch die dauerhaft näherkommenden Rauchschwaden des britischen Geschwaders, welches noch nicht einmal in großer Eile war.
Um 12:47 Uhr begann das Einschießen mit der ersten Salve der 305-mm-Geschützen des führenden britischen Schlachtkreuzers, der Invincible. Um 13 Uhr waren die deutschen Schiffe von in das Wasser einschlagenden Granaten umringt und waren aufgrund ihrer geringeren Feuerreichweite nicht in der Lage zurückzuschießen.

 

Um 13:20 hatten von Spees Schiffe zwar immer noch keine wesentlichen Schäden erhalten, aber er erkannte, dass seine Lage hoffnungslos war, wenn er das Geschwader zusammenhielt. So entschloss er sich, seine leichten Kreuzer wegzuschicken und sich selbst zu überlassen, damit diese eine Möglichkeit zum Entkommen haben. Jedoch konnte er sehen, dass die britischen Kreuzer nun diesen nachsetzten, während seine beiden Panzerkreuzer weiterhin von den Schlachtkreuzern beschossen wurden.

Schlacht vor den Falkland-Inseln 1914
Der Ablauf der Schlacht vor den Falkland-Inseln am 8. Dezember 1914

Um die Gefechtsentfernung zu verringern, drehte er abrupt ein und eilte der schon schwer getroffenen Leipzig zu Hilfe. Er befand sich schon nach zehn Minuten innerhalb seiner 12.000 Meter Feuerreichweite zu den Verfolgern. Nach der Feuereröffnung traf Scharnhorst schnell die Invincible.
Die britische Reaktion war jedoch einfach, mit ihrer größeren Geschwindigkeit den Abstand wieder zu vergrößern und den Beschuss fortzusetzen. Die Briten blieben nun auf größeren Abstand und beabsichtigten, soviel Munition wie nötig dabei zu verbrauchen. Dabei hatte die Gneisenau nun noch eine Schonfrist von ihrem großen Gegner Inflexible, welche durch den Rauch des Führungsschiffes nur schlechte Sicht hatte.

 

Nun traten längere Feuerpausen ein, als beide Seiten versuchten, sich durch Manövrieren Vorteile herauszuarbeiten. Um 15 Uhr wurde jedoch das Wetter schlechter, sodass die Briten die Entscheidung suchten.
Die Entfernung fiel auf 10.975 Meter, was von Spees Panzerkreuzern zwar auch den Einsatz ihrer 15-cm-Sekundärgeschütze erlaubte, aber auch die Wirkung der schweren britischen Artillerie auf kurze Distanz entscheidend machte.
Die Scharnhorst lief heftig brennend und unter dem Verlust des dritten Schornsteins vorwärts. Als das Feuer ihrer Geschütze nachließ, kam auch die Gneisenau an die Reihe.
Von Spees Flaggschiff ignorierte alle Aufforderungen zur Kapitulation und wie ein ausgeblasenes Feuer kenterte Scharnhorst um 16:17 Uhr. Es gab keine Überlebenden.

Inflexible rettet Überlebende von Scharnhorst
Panzerkreuzer Scharnhorst sinkt um 16:17 Uhr mit allen 770 Besatzungsmitgliedern und dem galanten von Spee. Das Schwesterschiff ‘Gneisenau’ überlebt nicht lange. Mit fliegenden Fahnen und dem Verbrauch ihrer gesamten Munition wird sie bis 18 Uhr zusammengeschossen. Die britischen Schlachtkreuzer halten an und retten 200 Männer aus dem eiskalten Wasser.

Die Gneisenau setzte den hoffnungslosen Kampf fort und obwohl ein Schleier von Nieselregen nun herunterging, sah ihre Besatzung nun neben den zwei britischen Schlachtkreuzern auch noch die vier Schornsteine des Panzerkreuzers HMS Carnarvon aufkommen.
Die Dunkelheit gab ihr keinen Schutz vor dem Beschuss und nach mehr als fünfzig Treffern schwerer Kalibers, war der vorderste Schornstein schon gegen den zweiten angelehnt, die Vordermasten Weggeschossen und schwankend stoppte sie im Qualm ihres eigenen Rauches.

 

Zwischenzeitlich hatten die britischen Schlachtkreuzer fast ihre gesamte Munition verschossen und auf kurze Distanz feuerten sie noch einmal 15 bedacht gezielte Schüsse in das Wrack.
Der Kommandant befahl die Flutventile zu öffnen, während die Überlebenden der Gneisenau sich auf Deck versammelten, den Kaiser dreimal hochleben und ihr Schiff verließen. Nur zweihundert Mann konnte aus dem eiskalten Wasser gerettet werden.

leichte Kreuzer Dresden
Das Klassenschiff, der leichte Kreuzer Dresden in Mas a Fuera im März 1915. Eingeschlossen von drei britischen Kreuzern hisste sie die ‘Weisse Flagge’ und der Kapitän sprengte das vordere Magazin.

Von den leichten Kreuzern gelang es nur Dresden für einige weitere Monate zu entkommen. Kent holte Nürnberg (hier kommt auch der zweite Sohn von Admiral von Spee ums Leben) ein und versenkte sie um 19:27 Uhr, während das gleiche Schicksal Leipzig (18 Überlebende) um 21:23 Uhr durch Glasgow und Cornwall traf. Nur eines der drei deutschen Kohleschiffe konnte entkommen und wurde in Argentinien interniert, während Baden um 19:53 Uhr und St.Isabel um 21:30 Uhr durch Bristol und Macedonia versenkt wurden.

Die Schlacht von Coronel wurde fürchterlich gerächt. Das britische Geschwader hatten dabei nur geringe Verluste und leichte Schäden zu beklagen, was die offensichtliche Überlegenheit von Schlachtkreuzern über Panzerkreuzer bestätigte.
Die Schlacht bei den Falklandinseln wurde nur durch Artillerie geschlagen und blieb auch praktisch der einzige totale Sieg im Seekrieg des Ersten Weltkrieges, wenn man die spätere Selbstversenkung des Leichten Kreuzers Dresden nach der Stellung durch Kent Glasgow im März 1915 bei den Juan-Fernandez-Inseln mit berücksichtigt.

Allerdings ist neben dem Umstand, dass die britischen Schlachtkreuzer dabei praktisch ihren gesamten Vorrat an schwerer Artilleriemunition verbrauchen mussten, auch bemerkenswert, dass die Seeschlacht bei den Falklandinseln ebenfalls die Zähigkeit der deutschen Kriegsschiffe, ihre überraschen große Artilleriereichweite und den außergewöhnlichen Kampfgeist ihrer Besatzungen demonstrierte.


Animation 3d-Modell Panzerkreuzer Scharnhorst

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