Schlacht an der Somme

Die Schlacht der Maschinengewehre an der Somme vom 1. Juli bis zum 18. November 1916.

Britische Infanterie tritt am ersten Tag der Svhlacht an der Somme zum Angriff an

Britische Infanterie tritt an der Somme zum Angriff aus ihren Gräben an. Der Unglückliche rechts scheint es noch nicht einmal aus dem Graben heraus zu schaffen.

Keine Schlacht im 1. Weltkrieg wurde so sehr vom Maschinengewehr dominiert, wie die britische Sommeroffensive 1916, welche zur Schlacht an der Somme wurde. Die Eindrücke durch die deutschen MG08 Spandau und Bergmann-Maschinengewehre blieben noch lange im Gedächnis nach dem ‘Tag von atemberaubender Sommer-Schönheit’, wie Siegfried Sassoon den 1. Juli 1916 beschrieb, dem Tag des Beginns der Schlacht an der Somme.

Das Bild der Schützenlinien aus Khaki-farbener Infanterie, welche mit erhobenen Lee-Enfield Gewehren im Stacheldraht niedergemäht wurden, formte sich nicht nur in die westliche Wahrnehmung des modernen Krieges, sondern in das moderne Leben einer ganzen Generation. Mehrt als nur Infanteristen fielen den Maschinengewehren an der Somme zum Opfer. Die strukturierte, progressive Welt der Vorkriegszeit vor 1914 starb dort auch.

Die schweren Verluste, welche die deutschen Maschinengewehre den britischen Truppen im Jahr 1915 bei bei Neuve Chapelle und Loos zugefügt hatten, beeinflusste den britischen Plan für die Offensive an der Somme. Die Lehren, welche die Briten aus diesen Schlachten zogen, waren, daß sie ihre Artillerie einsetzen würden, um noch viel mehr Tonnen von Sprengstoff über den Maschinengewehren auszuschütten, bevor der Infanterieangriff beginnen würde. Die Logik war, nur genug Granaten zu verschiessen und es würden keine Maschinengewehre mehr übrig bleiben.

Karte der Schlacht an der Somme

Karte der Schlacht an der Somme vom 1. Juli bis 20. November 1916.

Truppenstärke an der Somme am 1. Juli 1916
Streitkräfte Divisionen Artillerie
BEF (4. und Teile der 5. Armee) 18 Divisionen (davon 4 Reserve und 5 Kavallerie) mit ca. 500.000 Mann und 100.000 Pferden 1.637 Kanonen (davon 427 schwere)
Französische 6. Armee (Fayolle) 13 Divisionen (davon 8 Reserve) 1.089 Kanonen
Deutsche 6. Armee (F. Below) 11 Divisionen (davon 5 Reserve) ?

Das Maschinengewehr entscheidet eine Schlacht

Unterirdische Minenexplosion an der Somme

Die Briten setzten zur Vorbereitung auch unterirdische Minenexplosionen ein, wie hier am Hawthorn Redoubt 10 Minuen vor dem Angriff.

Das britische Vorbereitungsfeuer der Artillerie sollte die Maschinengewehre besiegen. Die Infanterie müsste dann – so war der Plan – einfach nur noch das Gelände in Besitz nehmen. Aber trotz der lang anhaltenden Dauer des britischen Artillerie-Vorbereitungsfeuer, demonstrierten die deutschen Maschinengewehre an der Somme, daß Feuerkraft alleine nicht den Kampf entscheiden konnte. Denn die Maschinengewehre in der Frontlinie überstanden das Vorbereitungsfeuer in ihren gut ausgebauten Unterständen.

Diese Lektion der Maschinengewehre aus der Schlacht an der Somme mußten auch die US-Marines des 2. Weltkrieg auf Tarawa im Jahre 1943 und unzählige Male während des Vietnamkrieges wieder erlernen. Ein massives Vorbereitungsfeuer alleine – auch nicht der siebentägige Beschuss, welcher der Offensive an der Somme vorausging – kann einen tief eingegrabenen Verteidiger nicht besiegen.

Später im Krieg wurde das Vorbereitungsfeuer zu einem kurzen, ungeheuer intensiven Sturm, welches oft noch mit dem Einsatz von Giftgas zur Niederdrückung des Verteidigers kombiniert wurde.
Das Vorbereitungsfeuer vor dem 1. Juli 1916 litt auch unter der hohen Anzahl der Blindgänger und des Mangels an schweren Geschützen, welche die tiefen Bunker, in denen sich die deutschen Maschinengewehre mit ihren Mannschaften befanden, etwas anhaben hätten können. Die deutschen Maschinengewehrschützen warteten dort bis zu der 10-minütigen Pause kurz vor 7 Uhr morgens, bevor die britische Infanterie unter Pfeifentrillern aus ihren Gräben zum Angriff antrat.

Eroberter deutscher Graben an der Somme

In diesem eroberten deutschen Graben steht immer noch der tiefe Bunker, in dem die deutschen Maschinengewehr-Mannschaften das britische Artilleriefeuer überstanden hatten.

Die Kämpfe im Jahr 1915 hatten gezeigt, daß ein einzelnes Maschinengewehr ein angreifendes Bataillon besiegen konnte, wenn es ohne niedergedrückt zu werden, feuern konnte.
Am 1. juli 1916 mußte jedoch britisches Bataillon nach Bataillon feststellen, daß die Leistung des Maschinengewehrs nicht hoch genug eingeschätzt werden konnte.
So zum Beispiel das 7. Bataillon der Green Howards, und das 10. Bataillon des West Yorkshire Regiments, welche die befestigte Ortschaft Fricourt an griffen, wo die deutschen Verteidigungsstellungen sich der befestigten Ortschaft anpassten, welche mit Gräben verbunden waren. Beide Bataillone wurden innerhalb von drei Minuten durch ein einzelnes Maschinengewehr zerschlagen.

Das 16. Bataillon der Northumberland Füsiliere griff in Richtung Thiepval mit großer Tapferkeit wie bei einem Fußballspiel im Niemandsland an. Gegenüber dem Bataillon standen vier Maschinengewehre in Stellung und nur 11 Mann der Sturmkompanien gelangten zu den eigenen Linien zurück.
Diese Ereignisse wiederholten sich im Laufe des Tages hinauf und hinunter der gesamten britischen Angriffsfront.

Die britischen Verluste am ersten Tag in der Schlacht an der Somme beliefen sich auf 51.410 Mann, von denen 19.240 gefallen sind oder später an ihren Verwundungen starben. Dies war etwa die Hälfte der Mannschaften und drei Viertel der Offiziere, welche am 1. Juli aus ihren Gräben heraus zum Angriff antraten. Der Großteil dieses Blutbad wurde von Maschinengewehren verursacht.

Deutsche MG-Schützen mit Gasmasken

Deutsche MG-Schützen mit Gasmasken.

Das Maschinengewehr war in der Lage, den Verlauf der Schlacht an der Somme in einer Art und Weise zu beherrschen, welches zwei Jahre zuvor als noch völlig unmöglich angenommen worden war. Die meisten Heere hatten zwar 1914 den Wert des Maschinengewehrs erkannt, aber erst unter den Bedingungen der Grabenkämpfe konnte es sein Potential zur Schlachtenentscheidung voll entwickeln.

Seit der industriellen Revolution sind die militärischen Taktikdoktrinen oft hinter der aktuellen Technologie zurückgeblieben. So gelang es der britischen Armee mit ihrer zu dieser Zeit verwendeten Taktik nicht, mit den Mauser-Magazin-Gewehren während des Burenkrieges fertig zu werden. Selbst die israelische Armee, welche wohl die beste neuzeitliche Streitmacht ist, wurde durch den Einsatz von Panzerabwehr-Lenkflugkörpern zu Beginn des Krieges von 1973 im Nahen Osten überrascht. Genauso eröffnete das Maschinengewehr eine neue Ära in der Taktik auf dem Schlachtfeld.

Feuer und Bewegung

An der Somme war das Maschinengewehr in erster Linie eine defensive Waffe. Weil sich die Deutschen vollständig in der Defensive befanden, hatten ihre Maschinengewehre mehr Möglichkeiten, das Gefecht zu beherrschen.
Die beiden Grundelemente jeder Gefechtsfeldtaktik sind Feuer und Bewegung. Maschinengewehre auf dem Dreibein sind schwer zu bewegen und können dabei nicht feuern. Sowohl Briten als auch Deutsche hatten dies bereits 1914 erkannt, und deshalb leichte Maschinengewehre eingeführt. Bei den Briten war dies das Lewis-MG und bei den Deutschen das Bergmann-MG. Diese leichten Maschinengewehre konnte von der Infanterie beim Angriff nach vorne getragen werden, was mit dem mittleren Maschinengewehr auf Dreibein nicht ging. Deshalb sahen leichte Maschinengewehre einen umfangreichen Einsatz an der Somme.

Mark I rollt in das Gefecht

Ein mänlicher Mark I rollt in das Gefecht bei Thiepval im September 1916.

Die Briten waren jedoch die ersten, welche auch erkannten, daß ein Maschinengewehr, welches die Taktik von Feuer und Bewegung auf dem Schlachtfeld vollständig erfüllen konnte, sich auf einem selbstfahrenden, gepanzerten Fahrzeug befinden mußte, d.h. ein Tank bzw Panzer. Derartige Fahrzeuge erschienen zum ersten Mal im späteren Verlauf der Schlacht am 15. September 1916.
Das Maschinengewehr hatte zwar das Problem des Grabenkriegs verursacht, aber es war auch gleichzeitig Teil der Lösung.

Maschinengewehre, vor allem die auf ein Stativ montierten mittleren Maschinengewehre, sind am effektivsten in der Defensive. Dies ist größtenteils deshalb der Fall, weil selbst wenn sie bei einem Angriff nach vorne gebracht worden sind, ist es schwierig, die enorme Menge an Munition, welche sie im Gefecht verbrauchen, zu ersetzen.
Am 1. Juli hatten alle deutschen Maschinengewehre große Vorräte an eingelagerter Munition in der Nähe ihrer Stellungen, während die Briten die Munition für ihre Lewis-MGs mit Hilfe von Träger durch das Niemandsland nach vorne bringen mußten.

Das Maschinengewehr feuert nicht nur schneller als ein Gewehr, es ist auch viel einfacher zu steuern und zu kontrollieren. Im Gefecht ist es schwierig für Offiziere und Unteroffiziere das Feuer der Infanteristen zu lenken. Es ist viel einfacher, das Feuer eines einzelnen Maschinengewehrs zu lenken.
In der modernen Kriegsführung werden Gewehrträger oft in die Position der Zuschauer gedrängt, da sies ihre eigenen Waffen als unzureichend ansehen. Im 2. Weltkrieg fand US-Brigadegeneral S.L.A. Marshall heraus, daß oft nur 10 bis Prozent der Infanteristen ihre Gewehre im Kampf auch tatsächlich abfeuerten. Die Maschinengewehrschützen dagegen haben fast immer geschossen.

Die Mannschaften der Maschinengewehre des Ersten Weltkrieges wusste, dass sie das hauptsächliche Ziel für die gesamte Feuerkraft waren, welches auf sie gerichtet werden konnte. Sie wussten auch nur zu gut, daß nur wenige feindliche Infanteristen einen Maschingewehrschützen lebend gefangen nahmen.

Britischer Infanterieangriff bei Mametz

So sahen die deutschen Soldaten am Morgen des 1. Juli den britischen Infanterieangriff bei Mametz. Solche Ziele waren für die deutschen MG-Schützen nicht zu übersehen.

So besetzten die deutschen Maschinengewehrschützen am 1. Juli 1916 mit ihren Waffen ihre Stellungen und wehrten die gegen sie gerichteten Angriffe ab oder starben unter den Bajonetten der Lee-Enfield-Gewehre. In den Worten von Oberstleutnant A. Carton de Wiart (Victoria Cross) ausgedrückt: ‘Die deutschen Maschinengewehrschützen waren hervorragend, fast immer sehr tapfere Männer und die besten in der deutschen Armee’.
Die britische Armee nannte ihr Maschinengewehr-Korps den ‘Selbstmord-Klub’. Ihre deutschen Kollegen hätten gut daran getan, die gleiche Bezeichnung zu verwenden.

Die Kämpfe an der Somme favorisierte den deutschen Einsatz von Maschinengewehren. Das bedeutete aber nicht, daß die Briten aber nicht wussten, wie sie ihre Maschinengewehre möglichst effektiv einzusetzen haben. Technisch gesehen waren sie in mancher Hinsicht fortschrittlicher als die Deutschen, was zum Beispiel durch ihre Fähigkeit demonstriert wird, Maschinengewehrfeuer über die Köpfe der eigenen, vorrückenden Truppen als Feuerunterstützung zu lenken.

britisches mittleres Vickers-MG

Ein britisches mittleres Vickers-MG auf Dreibein im Juli an der Somme. Die Mannschaft trägt Gasmasken.

In den späten Abschnitten der Schlacht an der Somme leisteten Vickers-Maschinengewehre massives Sperrfeuer – oft auf indirekte Art ähnlich von Artillerie-Geschützen – um die Flanken der vorrückenden Einheiten zu decken und die Bewegung deutscher Einheiten zu unterbinden.

Die deutsche Defensivtaktik an der Somme beruhte darauf, fast bei jedem britischen Durchbruch sofort zum Gegenangriff anzutreten, bevor die Briten ihre Reserven nach vorne bringen und die eroberten Stellungen befestigen konnten. Diese Gegenangriffe führte zwar zu schweren deutschen Verlusten, aber ein um das andere Mal wurden die britischen Truppen aus ihren hart erkämpften Stellungen zurückgetrieben, wie unter anderem am 1. Juli aus der ‘Schwaben’-Stellung und dem Thiepval-Wald, wo die britische 36. Division abgeschlagen wurde.

britischer Lewis-MG-Schütze

Ein britischer MG-Schütze feuert überhastet mit seinem Lewis-MG wie mit einem Gewehr, wodurch das Feuer sehr ungenau wurde.

Diese Gegenangriffe wären noch erfolgreicher gewesen, wenn die britischen Truppen nicht über ihre leichten Lewis-Maschinengewehre verfügt hätten. Zwar konnten die Lewis-Maschinengewehre – im Gegensatz zu den schweren Vickers-MG auf dem Dreibein, beim Angriff mitgeführt werden – allerdings waren sie nicht so effektiv gegen eingegrabene Verteidiger. Es zeigte seinen Wert an der Somme eher bei der Säuberung von deutschen Stellungen und in der Verteidigung der eroberten Positionen, sodaß als Ergebnis die Anzahl der Lewis-MGs in der britischen Infanterie vergrößert wurde.

Die Schlacht an der Somme zeigte nicht nur die Macht der Maschinengewehr, sondern es resultierten auch einige taktische und technische Gegenmaßnahmen daraus, um deren Dominanz auf dem Schlachtfeld zu brechen.

Dazu gehört unter anderem die Offensiv-Taktik, welche von den französischen Truppen in ihrem Abschnitt der Front am 1. Juli angewendet wurde. Durch die blutigen Erfahrungen bei Verdun geläutert, wendeten die Franzosen flexiblere und flüssigere Formationen im Gegensatz zu den langen britischen Schützenlinien an. Deshalb erlitten die Franzosen weniger Verluste als die Briten und erzielten auch einige Erfolge am 1. Juli 1916.

Die Briten setzten nach ihren Verlusten nicht nur später den Tank Mark I als Antwort auf das Maschinengewehr ein (was noch bis heute eine der Aufgaben von Panzer ist), sondern führten auch die sich langsam vorarbeitende Feuerwalze ein. Diese sollte die Maschinengewehre niederhalten, bis die vorrückende Infanterie auf Reichweite zum Bajonett-Sturmangriff heran war.

In späteren Abschnitten der Schlacht an der Somme verlagerten die Briten sich auf Angriffe während der Dämmerung, als bei solch einem Angriff am 14. Juli der Großteil der Bazentin-Höhe genommen werden konnte. Dazu kamen Angriffe während des Sonnenuntergangs, wie auf die Ancre-Höhe am 1. Oktober oder sogar Nachtangriffe wie auf den Wald von Delville am 22./23. Juli, welcher bis zum 26. Juli gesichert werden konnte.

Die Wirksamkeit des Maschinengewehrs zwang zu einer Zunahme von Operationen bei Nacht oder schlechten Sichtverhältnissen, weshalb noch im Juni 1982 die britischen Armee ihre Angriffe auf die argentinischen Verteidigungsstellungen um Port Stanley während des Falkland-Krieges bei Dunkelheit durchführte.

Maschinengewehre sind heute noch genauso tödlich wie sie an der Somme waren. Das Britische Expeditionskorps von 1916 zeigte, daß alle Tapferkeit nicht über die harten Realitäten der modernen Kriegsführung triumphieren kann. Durch den Einsatz von Panzern, effektivere und reaktionsfähigere Artillerieunterstützung zur Niederhaltung von Maschinengewehren, weniger anfällige Infanterietaktiken und unter den Bedingungen von verminderter Sichtfähigkeit hat es niemals mehr eine Wiederholung der Katastrophe vom 1. Juli 1916 gegeben.

Verluste an der Somme vom 1. Juli bis 18. November 1916
Streitkräfte Soldaten Panzer Kanonen Flugzeuge
Briten (55 Divisionen eingesetzt) 419.654 (35.939 Australier, 26.574 Kanadier, 9.956 Neuseeländer) 16 ? 972 (einschl. 190 vermisst und Unfälle)
Franzosen (20 Divisionen eingesetzt) 195.000 - ? ?
Deutsche (95 Divisionen eingesetzt) 419.989 (davon mind. 72.901 Kriegsgefangene) - über 1.477 (davon 303 erbeutet), 215 Mörser, 918 MGs mind. 164 und 6 Ballons abgeschossen
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