Russische Befreiungsarmee und baltische Freiwillige

Russische Befreiungsarmee (ROA)

General Wlassow besichtigt Verbände der russischen Befreiungsarmee

General Wlassow besichtigt Verbände der russischen Befreiungsarmee. Von Himmler als ‘Metzgergesell’ und ‘gefährlicher Bolschewist’ zunächt abgelehnt, wurden Wlassow und sein Plan, Rußland mit Russen zu erobern, erst ernstgenommen, als es bereits zu spät war.

Im Januar 1943 wurden die Ostbataillone der deutschen Divisionen der Russischen Befreiungsarmee (Russkaya Osvoboditel’naya Armiya) oder kurz ROA unterstellt, welche unter dem Kommando des ehemals sowjetischen General Wlassow stand. Er hatte gehofft, alle russischen Freiwilligen-Einheiten in der Wehrmacht in eine eigene Armee überführen zu können, um die Sowjetunion von der kommunistischen Herrschaft befreien zu können und ein neues Rußland zu schaffen.

Jedoch blieben die Bataillone, verteilt auf einzelne deutsche Divisionen, weiterhin unter der deutschen Befehlsgewalt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch starke Widerstände von Himmlers SS und rassistischen Nazi-Bonzen. Von den insgesamt 71 Bataillonen der ROA an der Ostfront wurden seit Oktober 1943, 42 Bataillone von aufgeriebenen deutschen Divisionen nach Belgien, Dänemark, Frankreich und Italien verlegt.

Erst mit dem Zusammenbruch der Fronten in Rußland und nachdem man billige Zugeständnisse auf sowieso schon verlorenes russisches Territorium machen konnte, glaubte man die ROA am 14. November 1944 durch die Umbenennung in ‘Bewaffnete Streitkräfte des Komitees zur Befreiung des russischen Volkes’ (VS-KONR) als Streitmacht nötig zu haben. Trotzdem wurde der Begriff ROA bis zum Kriegsende zumeist weiterverwendet.
50.000 russische Freiwillige wurden für die ersten drei Divisionen rekrutiert. Die russische 1. Infanterie-Divisionen (als 600. Infanterie-Division der Wehrmacht) wurde am 1. Dezember 1944 aufgestellt und kämpfte an der Oder-Front ab April 1945. Die russische 2. Infanterie-Division (als 650. Infanterie-Division der Wehrmacht) sowie die russische 3. Infanterie-Division (als 599. Infanterie-Division der Wehrmacht) konnten nicht mehr vollständig aufgestellt, ausgebildet und eingesetzt werden.

Truppen der russischen 1. Infanterie-Division der ROA bei einer Parade im Ausbildungslager Münsingen

Truppen der russischen 1. Infanterie-Division der ROA bei einer Parade im Ausbildungslager Münsingen in Südwest-Deutschland am 10. Februar 1945. Die drei Offiziere im Vordergrund tragen veraltete 9mm MP34/1 Bergmann MPi’s, während die Mannschaften mit Karabiner 98k und der Panzerfaust 60 ausgerüstet sind.


Freiwillige aus den Baltischen Staaten

Bewährte Freiwillige aus den baltischen Staaten werden ausgezeichnet.

Bewährte Freiwillige aus den baltischen Staaten werden ausgezeichnet.

Am 22. Juni 1941 lößte sich das 29. Korps der Roten Armee (Baltischer Spezial-Militärdistrikt) auf, welches aus zwei Divisionen (179. und 184. (?) Schützen-Division) der ehemals litauischen Armee bestand. Beide Divisionen meuterten, töteten die meisten ihrer russischen Offiziere und Kommissare und erklärten sich selbst zur litauischen Befreiungsarmee. Das Loch, welches sie in der sowjetischen Frontlinie zurückließen, nutzte ein deutsches Panzerkorps zum Vorstoß auf Kaunas, welches bereits von 6.000 litauischen Soldaten des ehemaligen 29. Korps besetzt gehalten wurde. Die deutschen Truppen entwaffneten die litauischen Soldaten und setzten sie nach und nach als Sondereinmsatzgruppen, Polizeieinheiten und Wachmannschaften ein. Es wird auch angenommen, daß zwei lettische und vermutlich eine estnische Division der Roten Armee sich ebenfalls auflösten.
[Diese Informationen stammen von einem Webseiten-Besucher aus Litauen – Bestätigungen zu diesen Angaben wären hilfreich.]

Die Bevölkerung von Estland, Lettland und Litauen wurde von der deutschen Verwaltung auf verschiedene Weise eingebunden. Eine große Anzahl von Esten wurde zum Beispiel von der deutschen 18. Armee angeworben, um die rückwärtigen Verbindungen zu schützen. Später versuchte man es sogar mit einer regulären Wehrpflicht, welcher aber geringe Erfolge beschieden waren.
Am 1. Januar 1943 wurden die erstnischen Truppen in die estnische 657. Kompanie und die estnischen Bataillone 658-660 neu formiert. Am 24. April 1944 wurden diese Einheiten der Waffen-SS zugeordnet.
Ab Februar 1944 wurden sechs estnische Grenzschutz-Regimenter (1-6) aufgestellt, um Estland gegen die vorrückende Rote Armee verteidigen zu helfen. Nach Verlust der letzten Gebiete dort, wurden diese Regimenter im September 1944 aufgelöst.

Der erste Beitrag der Litauer zu den deutschen Kriegsanstrengungen war die Aufstellung von Bau-Kompanien im April 1943, welche der deutschen Armee unterstanden. Zwanzig Bataillone mit zusammen 12.000 Litauern dienten bei der deutschen Polizei als sogenannte Schutzmannschaften.

Im September 1943 begann die deutsche Luftwaffe mit der Aufstellung lettischer Verbände, welche im August 1944 zur lettischen Luftwaffen-Legion zusammengelegt wurden. Diese Legion bestand aus drei Staffeln Nachtschlachtflugzeuge (ausgerüstet mit erbeuteten russischen Polikarpow Po-2), einer Flugschule, einem Flak-Bataillon und verschiedener Hilfseinheiten. Die Gesamtstärke belief sich auf 628 Mann.

Im August 1944 wurden 5.500 lettische Wehrpflichtige, welche als ungeeignet für den Fronteinsatz empfunden wurden, zur Luftwaffe als Luftwaffen-Kampfhelfer überstellt. Sie wurden nach Deutschland transportiert und verschiedenen Luftwaffen-Einheiten zugeteilt. Im gleichen Monat wurde der lettischen Jugendorganisation befohlen, alle Jugendlichen des Jahrgangs 1928 aufzurufen, wovon schließlich 4.000 Jungen und 1.000 Mädchen als weitere Luftwaffen-Kampfhelfer eingezogen wurden.

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