Rote Luftwaffe und Flotte 1941-1942

Rote Luftwaffe 1941/1942 und Rote Flotte seit 1941.

MiG-3 Jäger über Leningrad. Kurz vor dem deutschen Angriff eingeführt, konnte sich das Jagdflugzeug nicht mit den Jägern der deutschen Luftwaffe messen und wurde später nur noch zur bewaffneten Aufklärung und für Bodenangriffe eingesetzt.

Rote Luftwaffe 1941

Die sowjetische Rote Luftwaffe war 1941 die größte Luftstreitmacht der Welt und hatte eine Stärke zwischen 12.000 und 15.000 Flugzeugen, von denen etwa 4.000 in der Nähe der Westgrenzen stationiert waren.
Allerdings war die Rote Luftwaffe von einer Reihe von Problemen befallen.

Die Säuberungen in den 1930er Jahren hatten die Führung der Luftstreitkräfte vernichtet, wobei viele ihrer aufgewecktesten Offiziere durch politisch Beauftragte ersetzt wurden. Gleichzeitig wurden einige der eher fortschrittlichen Gedanken, wie Langstreckenbomber und Luftlandetruppen, auf unbestimmte Zeit verschoben.

Deshalb befand sich die Rote Luftwaffe im Sommer 1941 in den Turbulenzen einer Reorganisation, als die sowjetischen Luftwaffen-Befehlshaber unter dem Eindruck des Winterkrieges gegen Finnland 1939/40 und der deutschen Erfolge in Europa versuchten, ihre Verbände zu modernisieren. Zum Zeitpunkt des Beginns von Unternehmen Barbarossa, dem deutschen Angriff auf Russland, waren diese Reformen jedoch noch weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein.

Der deutschen Angriff fand die Rote Luftwaffe praktisch unvorbereitet für Kampfeinsätze vor. Die sowjetischen Flugplätze lagen viel zu weit vorne an der Grenze und die Flugzeuge waren auf diesen Flügel an Flügel nahe nebeneinander abgestellt, was sie zu hervorragenden Zielen für die deutsche Luftwaffe machte.

Sowjetische Jäger Polikarpow I-16 Rata auf einem Feldflugplatz eines Jäger-Regiments der Roten Luftwaffe an der Westgrenze im Sommer 1941.

Am ersten Tag des Angriffs meldete die deutsche Luftwaffe die atemberaubende Zahl von 1.811 zerstörten sowjetischen Flugzeugen, davon 1.489 auf dem Boden und 322 in der Luft. Die deutsche Verluste beliefen sich auf lediglich 35 Flugzeuge. Die Deutschen setzen ihre Verwüstungen in den nachfolgenden Monaten fort und die Rote Luftwaffe erlitt enorme Verluste.

Sowjetische Flugplätze wurden systematisch von der deutschen Luftwaffe angegriffen, weshalb die meisten Flugzeuge der Roten Luftwaffe auf dem Boden zerstört wurden. Die Piloten der Roten Luftwaffe samt ihrer Flugzeugtypen waren keine Gegner für die deutschen Veteranen und die Verluste im Luftkampf nahmen ebenfalls zu.
Bis Ende November 1941 meldeten die Deutschen 16.000 vernichtete sowjetische Flugzeuge (die Sowjets gaben immerhin schon die ebenfalls hohe Zahl von 6.400 zu) für den Verlust von 3.453 zerstörten oder deutschen Flugzeugen.

Organisation 1941

Die schweren Verluste gegen die nur schwache finnische Abwehr im Winterkrieg 1939/40 führten schon zu einer Reorganisation der Roten Luftwaffe. Die Staffel mit 20 bis 30 Flugzeugen wurde durch das Flieger-Regiment als grundsätzliche taktische Einheit der Luftwaffe ersetzt. Dieses Regiment bestand aus drei bis vier Schwärmen, was eine durchschnittliche Stärke von etwa 60 Flugzeuge ergab.

Drei bis vier Regimenter bildeten eine Flieger-Division und ersetzten die bisherige Brigade. Diese Division wurde unabhängig eingesetzt und war entweder einem Militärbezirk oder Armee zugeordnet, oder wurde zusammen mit anderen Divisionen zu einem Flieger-Korps zusammengelegt.

Die Flugzeuge des Regiments bestanden entweder aus einem einzigen Typ oder waren gemischt, sodaß die Flieger-Division normalerweise eine große Vielfalt an unterschiedlichen Flugzeugen hatte, welche die verschiedenen taktischen Funktionen wiederspiegelte.

Es gab drei grundsätzliche Aufgaben, welche die Rote Luftwaffe erfüllen sollte. Als erstes sollte die taktische und strategische Luftüberlegenheit gewonnen werden, dann die Rote Armee in den Bodenkämpfen unterstützt und schließlich Luftaufklärung geflogen werden.
Diese Aufgaben waren Teil der sowjetischen Militär-Doktrin, welche die Luftwaffe nicht als unabhängige Streitmacht ansah, sondern praktisch als das Luftelement der Landstreitkräfte, das die Aufgabe hatte, die sowjetischen Bodenoperationen auf taktischer Ebene zu erleichtern.

Im Jahr 1941 war der Großteil der sowjetischen Flugzeuge direkt Bodeneinheiten zugeteilt, sodaß die Rote Luftwaffe im Konfliktfall effizient mit der Armee zusammenarbeiten konnte. Diese Dezentralisierung der Roten Luftwaffe hatte aber das große Problem, daß ihre Einheiten über die Armeen verteilt waren und dadurch eine effektive zentrale Kontrolle fehlte. Diese Schwäche wurden während der ersten Monate der deutschen Invasion offensichtlich, denn die sowjetische Reaktion im Luftraum war konfus und es fehlte eine allgemeine Vorgabe.

MiG-3 Jagdflugzeuge auf einem Flugplatz bei Moskau im Winter 1941/42.

Die massiven Verluste während der ersten Monate des Krieges führten dazu, daß die Kommandostruktur der Roten Luftwaffe reorganisiert wurde. Das STAVKA, mit bemerkenswerter Voraussicht, hielt neue Luftwaffen-Verbände während des Jahres 1941 zurück, sodaß diese nicht Stück für Stück in den Kämpfen an den Grenzregionen zerschlagen wurden, sondern eine zentrale Reserve bildeten.
Durch vorsichtiges Haushalten mit Ressourcen, gelang es dem STAVKA sechs Reserve-Luftwaffen-Gruppen zwischen jeweils drei bis acht Flieger-Regimentern zu bilden, welche im Notfall an verschiedenen Fronten eingesetzt werden konnten.

Die Verluste an Flugzeugen und Ausrüstung führten zu einer Verkleinerung der Luftwaffen-Organisation. Die Stärke der Flieger-Division wurde auf zwei Flieger-Regimenter reduziert, wobei jedes aus zwei Staffeln zu je 10 Flugzeugen bestand.

Die Reorganisation der Bodenorganisation wurde ebenfalls 1941 durchgeführt. Ein rückwärtiges Kommando der Roten Luftwaffe wurde gebildet, um die Gesamtkontrolle zu übernehmen. Das alte System auf der Grundlage geographischer Räume wurde durch ein zentralisiertes System logischer Unterstützung mit allen notwendigen technischen und Wartungsdiensten in der Region der Fliegerverbände ersetzt, um die Luftwaffenverbände einsatzfähig zu halten.
Aus dieser Versorgungsstruktur baute die Rote Luftwaffe eine Streitmacht, welche schließlich in der Lage sein sollte, die deutsche Luftwaffe zu schlagen.

Am 6. Dezember 1941 erhielten sechs Flieger-Regimenter den Garde-Status für ihre Leistung während der Verteidigung von Moskau – und ähnlich wie bei den Bodentruppen, erhielten sie fortan das beste Material und Personal. Dadurch zeigten sie eine durchweg bessere technische und auch Einsatz-Leistung als die gewöhnlichen Verbände. Ihre Zahl stieg im Verlauf des Krieges stark an und die Garde-Einheiten wurden von den Deutschen als gleichwertig zu den Gegnern auf anderen Kriegsschauplätzen angesehen.

Rote Luftwaffe 1942

Die russische Flugzeugfabrik in Nowosibirsk baute mehr als 15.000 Jagdflugzeuge während des 2. Weltkrieges, hauptsächlich Jak-9. Auf diesem Bild sind fast vollständig fertige Yak-7B des 22. Ausstoß (links) zu sehen, welche in kürze aus der Montagehalle zu den Testflügen für die Truppenabnahme gezogen werden. Die Flugzeuge des 23. Ausstoß (rechts) sind in der Endmontage.

Die erzwungene Pause bei Luftoperationen während der Winterperiode gab der Roten Luftwaffe Zeit sich von den ersten Schocks zu erholen. Das Training wurde verbessert und die Qualität der Besatzungen stieg in der Regel durch die direkte Kampferfahrung.
Die Verlegung der Industrie nach Osten in den Ural und Sibirien zeigte die ersten Früchte auch beim militärischen Flugzeugbau. So wurden 2.000 im Monat Mitte 1942 gebaut (insgesamt 9.924 Jäger, 8.219 Schlachtflugzeuge und 3.537 Bomber im Jahr 1942), 2.500 im November 1943 (insgesamt 14.590 Jäger, 11.177 Schlachtflugzeuge und 4.074 Bomber in 1943) und im Sommer 1944 3.355 Flugzeuge (insgesamt 17.913 Jäger, 11.110 Schlachtflugzeuge und 4.186 Bomber in diesem Jahr). Nicht nur die Menge der Flugzeuge stieg an, sondern auch ihre Qualität. 1942 sah die weitverbreitete Einführung von verbesserten Typen wie der Iljuschin Il-2 Stormowik Schlachtflugzeuge und der neuen Jak-9 und Lawotschkin-Jagdflugzeuge.

Im Mai 1942 stehen an der sowjetischen Westfront 3.164 Flugzeuge, davon 2.115 neuster Bauart. Wenn auch die Rote Luftwaffe während der Sommeroffensive von 1942 noch durch die deutsche Luftwaffe überwältigt wurde, so stiegen jedoch Zahlen und Qualität der sowjetischen Flugzeuge stetig an. Und als dann der sowjetische Gegenangriff bei Stalingrad erfolgte, konnte die Rote Luftwaffe erstmals die taktische Initiative übernehmen. Vom 19. November 1942 bis zum 2. Februar 1943 flog die sowjetische Luftwaffe im südlichen Abschnitt der Ostfront fast 36.000 Einsätze gegenüber nur 18.500 der deutschen Luftwaffe.

Organisation 1942

Die organisatorischen Veränderungen in den ersten Monaten nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion mündeten in die Reformen des Frühjahrs 1942, wobei der Schwerpunkt auf eine zentrale Leitung und Kontrolle der Einheiten der Roten Luftwaffe gelegt wurde. Der erste Schritt bestand in der Bildung von Luftarmeen unter der Kontrolle eines Luftwaffen-Generals, welcher als Berater des Oberbefehlshabers der Bodentruppen der Front (entspricht etwa einer deutschen Armee) tätig war, welcher die Flugzeuge zugeteilt waren. Die ersten Luftarmeen bestanden aus zwei Jagdflieger-Divisionen, zwei gemischten Flieder-Divisionen, einem Nachtkampf- und einem Trainings-Regiment sowie je einer Staffel von Aufklärungs- und Verbindungsflugzeugen.
Bis Ende 1942 wurden 13 Luftarmeen aufgestellt.

Englischen Hurricane-Piloten spielen auf ihrem Flugfeld bei Murmansk während einer Einsatzpause im Schnee Fußball. Die Briten sollen russische Piloten auf den Flugzeug-Typ einweisen.

Die Erholung der sowjetischen Luftfahrtindustrie und die Lieferung von Lend-Lease Flugzeugen ermöglichten der Roten Luftwaffe während des Jahres 1942 die Vergrößerung ihrer Kampfeinheiten. Jagdflieger- und Schlachtflieger-Regimenter erhielten eine dritte Staffel, was ihnen eine Stärke von 32 Flugzeugen mit 160 bis 180 Mann bescherte. Bis 1943 hatten die meisten Regimenter über 40 Flugzeuge, gegliedert in drei Staffeln zu je 12 Flugzeuge plus vier Stabs- und Reserve-Flugzeuge. Im Jahre 1942-1943 lag die typische Stärke einer Luftarmee bei knapp unter 1.000 Flugzeugen.

Zusätzlich zu den neu organisierten Luftarmeen der Fronten legte das Stavka zunehmend Wert auf einer Luftwaffen-Reserve unter eigener Kontrolle. Im November 1942 bestand die Reserve der Stavka aus 10 Fliegerkorps, welche in der Regel aus je drei Flieger-Divisionen zu je drei Regimentern (ein Jagdflieger-Regiment hatte 32 Flugzeuge, ein Bomber-Regiment 20) bestanden.


Das Schlachtschiff Parizskaja Kommuna beschießt deutsche Stellungen bei Sewastopol. Sie hatte eine Bewaffnung von zwölf 30,5-cm-Geschützen und eine Geschwindigkeit von 23 Knoten. Nach dem Fall der Festung und Beschädigung durch Luftangriffe nahm das Schiff wieder seinen ursprünglichen Namen Sevastopol an.

Rote Marine seit 1941

Die Rote Marine war in vier unterschiedliche, geographisch getrennte Flotten eingeteilt: Schwarzmeer, Ostsee, Pazifik und Arktis.

Schwarzmeer-Flotte

Stationiert in Nikolajew, Sewastopol, Noworossijsk, Poti und Batumi am Schwarzen Meer bestand die Schwarzmeer-Flotte 1941 aus:

  • 1 Schlachtschiff,
  • 6 Kreuzer,
  • 18 Zerstörer,
  • 44 U-Boote,
  • 84 Motor-Torpedoboote,
  • 18 Minensucher,
  • 56 Geleit-, Patroullien- und Flußfahrzeugen.
  • Ostseeflotte

    Die Ostseeflotte half bei der Verteidigung von Leningrad. Sie operierte 1941 von Basen und Werften in Kronstadt, Tallinn und Libau und bestand aus:

  • 2 Schlachtschiffen,
  • 4 Kreuzer,
  • 30 Zerstörer und Torpedoboote,
  • 69 U-Boote,
  • 48 Motor-Torpedoboote,
  • 113 Minensucher,
  • 86 Geleit-, Patrouillen- und Flußfahrzeugen,
  • 50 gepanzerten Kanonenbooten.
  • Arktische Flotte

    Die Operationen der Arktische Flotte beinhalteten den Empfang alliierter Arktis-Geleitzüge und Angriffe auf den deutschen Küstenverkehr vor Nord-Norwegen. Stationiert in Polyarny und Archangelsk bestand die Flotte 1941 aus:

  • 11 Zerstörer und Torpedoboote,
  • 15 U-Boote,
  • 2 Motor-Torpedoboote,
  • 3 Minensucher,
  • 120 Geleit-, Patrouillen- und Flußfahrzeugen.
  • Pazifik-Flotte

    Außerdem gab es noch die Pazifik-Flotte in Wladiwostok und Nikolajewsk, bestehend im Jahre 1941 aus:

  • 22 Zerstörer und Torpedoboote,
  • 85 U-Boote,
  • 135 Motor-Torpedoboote,
  • 68 Minensuchern,
  • 3 Geleit- und Patrouillenschiffe.
  • Frühe Verluste an Kriegsschiffen durch Luft- und Minenkrieg sowie Treibstoffknappheit, länger zugefrorene Meereszugänge und andere Einschränkungen bei Betrieb- und Wartung führten dazu, daß eine große Zahl von Seeleute (33.000 alleine auf der Krim und am Polarkreis) angelandet wurden und gegen den deutschen Vormarsch als Infanteristen eingesetzt wurden.

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