Rote Luftwaffe und Flotte 1939

Russische Luftwaffe

Polikarpow I-16 Rata.

Der wichtigste Jäger der Roten Luftwaffe zu dieser Zeit war die Polikarpow I-16 Rata. Obwohl dieses Modell Typ 24 noch in russischer Sommer-Tarnfarbe fotografiert ist, trägt es Lande- und Startkuven für den Winter. Die Skier können in der Luft eingefahren werden und liegen dann dicht am Rumpf an.

Während der 20er und 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts machte die sowjetische Regierung erhebliche Anstrengungen, um eine große und moderne Luftwaffe aufzubauen. Jedoch waren die Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Entwürfen und Maschinen sowie Materialien für die Massenproduktion von Flugzeugen enorm. Um den Mangel an Piloten und Mechaniker zu überwinden, steckte die Regierung Gelder in die Freiwilligen-Organisation Osoaviakhim (Gesellschaft zur Unterstützung der Verteidigung, Luftfahrt und Schutz vor chemischen Angriffen). Bald nach ihrer Gründung im Jahr 1927 hatte diese 3 Millionen Mitglieder, eine Zahl die bis 1936 auf 13 Millionen angestiegen war. Flug-Klubs wurden gegründet, um Piloten, Mechaniker und Fallschirmspringer heranzuziehen und bis 1940 kamen alle Freiwilligen der Roten Luftwaffe von dort. Jedoch war der Mangel an Fluglehrern, Hilfsmitteln und Flugzeugen in den Flug-Klubs zu groß, sodaß die Vorbildung der zukünftigen Soldaten sehr gering war und so wurde schließlich beschlossen, die Rekruten der Luftwaffe aus den jährlichen Wehrpflichtigen auszuwählen.

Zwischen 1935 und 1937 wurden 3.576 Flugzeugem gebaut, darunter ein großer Anteil viermotoriger Bomber, aber um so mehr die Produktionszahlen anstiegen, desto geringer wurde die Qualität, da der technische Standard der russischen Luftfahrtindustrie hinter denjenigen der mehr fortgeschrittenen Industrienationen zurückfiel.
Die Rote Luftwaffe hatte ihre ersten praktischen Einsatzerfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg erhalten, welche zu einigen organisatorischen und taktischen Veränderungen führte, aber erst die traumatischen Erfahrungen im Winterkrieg gegen Finnland (wo etwa 1.000 russische Flugzeuge verloren gingen) zeigten wirklich die alarmierenden Mängel in der Ausbildung, Taktik und Ausrüstung. Den Kommandierenden der Roten Luftwaffe waren diese nicht unbekannt, aber die großen Säuberungsaktionen von 1937 und 1938, welchen viele hochrangige Kommandeure zum Opfer fielen, ließen viele Maßnahmen nicht unbedingt wirksam werden.

Die Luftwaffe der Roten Armee (VVS-RKKA) war in zwei Komponenten aufgegliedert. Die erst war die Luftwaffe der Armee, die aus Jagd- und Schlachtflieger-Regimentern bestand und unter direkter Kontrolle der Militär-Bezirke (später Fronten) stand. Die zweite Komponente waren die Langstreckenbomber-Verbände, welche dem Verteidigungsministerium unterstellt waren, und wenn nötig für den taktischen Einsatz bei einer Front unterstellt werden konnten.
Im April 1939 fand eine gründliche Reorganisation der Luftwaffe statt. Die größte Formation war nun die Luft-Division, welche aus vier bis sechs Luft-Regimentern (zuvor Brigaden) bestand. Jedes Regiment hatte etwa 60 Flugzeuge mit einer zusätzlichen Reserve von etwa 40 Maschinen.

Es gab drei Arten der Luft-Regimenter:
Bomber-Regimenter mit vier Staffeln zu je 12 Flugzeuge,
Jagdflieger-Regimenter mit vier Staffeln zu 15 Flugzeuge,
Schlachtflieger-Regimenter mit vier Staffeln zu 15 Flugzeuge.
Die Staffel wurde in Gruppen zu drei Flugzeugen aufgeteilt.

Die Luftwaffen-Verbände welcher einem Militär-Distrikt oder einer Front unterstellt waren, enthielten eine Anzahl von Jäger- und Bomber-Regimenter, während gemischte Regimenter aus Jagdflugzeugen und Bomber einem Armee-Korps zugeteilt wurden, welches außerdem noch seine eigenen Aufklärungsstaffeln hatte.


wichtigste Flugzeugtypen 1939
Typ Anzahl
Beriew MBR-2 Flugboot ca. 1.500 gebaut 1933-42
Illjuschin II-4 Bomber 1.528 gebaut 1937-39
Polikarpow I-15 Jäger ca. 1.000+
Polikarpow I-16 Jäger ca. 5.000
Tupolew SB-2 Bomber ca. 6.000 gebaut 1936-1941
Tupolew TB-3 schwerer Bomber 800 gebaut 1931-1939

Russische Marine

Kadetten der Marineschule der Roten Flotte

Kadetten der Marineschule der Roten Flotte während einer Parade auf dem Roten Platz.

Als eine Landmacht betrachte die Sowjetunion die Flotte nicht als strategisches Instrument. Ihre Hauptaufgabe war die Patrouille der russischen Gewässer, der Schutz von Anlagen von der Seeseite, die Unterstützung der Landstreitkräfte und die Bereitstellung von Schiffen und Personal für amphibische Landungen.
Die Stärke der Roten im Flotte im Jahr 1939 wurde auf 40.000 Mann, von denen etwa 22.000 Dienst auf See taten, geschätzt.

Die Flotte, welche hauptsächlich am Krieg gegen Finnland beteiligt war, war die russische Ostseeflotte. Zu Beginn dieses Krieges war die Flotte operativ dem Leningrader Militärbezirk unterstellt und bestand aus folgenden Schiffen:

2 Schlachtschiffe,
2 Kreuzer,
21 Zerstörer und Torpedoboote,
52 U-Boote,
41 Motortorpedobbote (S-Boote),
13 Minenleger, Minenräumer und Hilfsschiffen,
2 Geleiter und Patrouillenboote.
Dazu kamen noch kleinere Schiffe der Ladoga-See-Flotillie.


Gesamtstärke der sowjetischen Streitkräfte gegen Finnland:
600.000 Soldaten, 32 Divisionen, 1.200 Panzer.
696 Flugzeuge aufgeteilt zwischen den Armeen, sowie 300 mehr in Estland stationiert.
2 Schlachtschiffe, 1 Kreuzer, 9 Zerstörer, 16 kleinere Kriegsschiffe, 11 U-Boote von der Ostseeflotte und der Polarflotte (Murmansk).

Auch interessant:
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentar verfassen