Rote Armee 1941

Sowjetische FlaggeStärke und Organisation der Rote Armee beim Unternehmen Barbarossa im Juni 1941.

Russischer Gegenangriff mit Panzerunterstützung

Russischer Gegenangriff mit Panzerunterstützung gegen die deutsche Heeresgruppe Mitte.

Der Winterkrieg gegen Finnland 1939/40 hatte viele Mängel in der Roten Armee offenbart und in den nachfolgenden Monaten wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um Personal und Ausrüstung zu verbessern.
Auf dem Papier war die Rote Armee im Sommer 1941 zwar eine gewaltige Streitmacht, aber in der Realität gab es noch ernsthafte Mängel, welche von der Wehrmacht schonungslos aufgedeckt wurden. Die Kämpfe an der Ostfront stellten alles andere in den Schatten, da die Anzahl der Soldaten und Waffen enorm war – ebenso wie die Verluste.

Während des Unternehmens Barbarossa brach die Rote Armee fast auseinander. Einheiten strömten zurück und ließen große Mengen an wertvollen Vorräten, Munition und ihre kaum zu ersetzende schwere Ausrüstung zurück. Ganze Formationen und Einheiten verloren ihren Zusammenhalt und die Hauptquartiere, oft mit unerfahrenen Stabsoffizieren besetzt, litten unter den schlechten und chaotischen Kommunikations-Verbindungen.

Von Juni bis zum Ende des Jahres zog sich die Rote Armee unter schwere Verlusten nach Osten zurück, fügte jedoch auch den deutschen Armeen relativ schwere Verluste zu. Im Herbst verlief die Front von Leningrad im Norden bis nach Odessa im Süden, aber die Rote Armee hatte fast ein Drittel ihrer Streitkräfte aus der Vorkriegszeit eingebüßt. Trotz dieser gewaltigen Niederlagen hatte es die deutsche Führung versäumt, die Rote Armee zu vernichten und konnte weder Leningrad noch Moskau erobern.
Nun wurde Moskau zum Zentrum der deutschen Bemühungen, den Krieg doch noch vor Wintereinbruch zu entscheiden. Stalin, als Oberbefehlshaber der Roten Armee, hatte beschlossen in Moskau zu bleiben und seine Hauptstadt bis zum bitteren Ende zu verteidigen.

Gliederung der Roten Armee 1941

Obwohl es schwierig ist, genaue Zahlenangaben zu erhalten, gab es etwa 170 Millionen Menschen in der Sowjetunion im Jahr 1941, von denen etwa 25 Millionen erwachsene Männern für den Militärdienst in Frage kamen. Die Dienstzeit in der Roten Armee betrug zwei Jahre, nach welcher der Rekrut der Reserve beitrat, um wenn nötig zu den Waffen gerufen werden zu können.

Die Qualität des Trainings der Roten Armee in der Friedenszeit hatte viel zu wünschen übrig gelassen. Der Unterricht wurde durch Auswendiglernen beherrscht, sodaß Rekruten eher Gehorsam statt Initiative gelehrt wurde. Die träge russische Reaktion auf den deutschen Angriff spiegelt das unzureichende Niveau in der technischen Kompetenz wieder.

Die reguläre Armee bestand aus rund neun Millionen Mann, von denen etwa die Hälfte im europäischen Teil der Sowjetunion stationiert waren.
An der Westfront setzte Russland 170 Divisionen (von etwa insgesamt 230 Divisionen) in fünf große Gruppen ein: Militärbezirk Leningrad (drei Armeen), Baltischer Sondermilitärbezirk (zwei Armeen), Westlicher Sondermilitärbezirk (drei Armeen); Kiew-Sondermilitärbezirk (vier Armeen) und dem Militärbezirk Odessa (zwei Armeen).


Gliederung Rote Armee 22. Juni 1941:

Nordfront (Leningrad)
Armee Korps Divisionen
insg. 17-19 Schützen, 2 Tank, 1 Mech. Div
14. Armee (Murmansk) 4 Schützen-Div
7. Armee (Karelien) 3 Schützen-Div
23. Armee (Leningrad)X. Mech. Korps (nördl. von Leningrad, Gen. Lavionovich)1., 24. Tank, 198. Mech. Div
XIX., L., LXX. Schützen-Korps(mind. 1 Schützen-Div auf der Karelischen Landenge)
Nordwestfront (Baltikum, Gen. Kusnezow)
Armee Korps Divisionen
insg. 28-29 Schützen, 6 Tank, 3 Mech. Div, 4 Kav Brig
8. Armee (Gen. Sobennikow)XII. Mech. Korps (Shauliya, Gen. Shestpalov)23., 28. Tank, 202. Mech. Div (insg. 690 Panzer, keine T-34/KW)
X., XI. Schützen-Korps9 Schützen-Div
11. Armee (Kaunas, Gen. Morossow)III. Mech. Korps (Wilna, Gen. Kurkin)2., 5. Tank, 84. Mech. Div (insg. 460 Panzer, davon 105 T-34/KW)
I. Mech. Korps (Reserve in Pskov, Gen. Chernyavsky)1., 3. Tank, 163. Mech. Div (insg. 163 Panzer)
XXII., XXIV., LXI. Schützen-Korps 11 Schützen-Div
27. Armee (als Reserve)XXII., XXIV., LXI. Schützen-Korps ?
Westfront (Minsk, Gen. Pawlow)
Armee Korps Divisionen
insg. 30-31 Schützen, 10 Tank, 5 Mech., 2 Kav. Div., 3 Luftlande-Brig
3. Armee (Gen. Kusmezow)XI. Mech. Korps (Grodno, Gen. Mostovenko)29., 33. Tank, 204. Mech. Div (insg. 204 Panzer, davon 27 T-34/KW)
IV. Schützen-Korps 12 Schützen-Div
10. Armee (Bialystok, Gen. Golubew)VI. Mech. Korps (Bialystok, Gen. Khatskilevich)4., 7. Tank, 29. Mech. Div (insg. 1.000 Panzer)
XIII. Mech. Korps (Belsk, Gen. Akhlyustan)27., 31. Tank, 4. Mech Div (insg. 300 Panzer)
I., V. Schützen-Korps 8 Schützen-Div
4. Armee (Brest-Litowsk, Gen. Korobkow)XIV. Mech. Korps (Brest-Litowwsk, Gen. Oborin)22., 30. Tank, 205. Mech. Div (insg. 508 Panzer)
XXVIII. Schützen-Korps6 Schützen-Div
13. Armee (als Reserve in Minsk, Gen. Filatow)XX. Mech. Korps (Minsk, Gen. Vedeneyev)26., 38. Tank, 210. Mech. Div (insg. 300 Panzer)
II., XXI., XLIV., LXV. Schützen-Korps4 Schützen-Div
Reserven:IV. Luftlande, XVVII., XL. Schützen-Korpsu.a. 3 Luftlande-Brigaden
Südwestfront (Kiew, Gen. Kirponos)
Armee Korps Divisionen
insg. 45 Schützen- und Gebirgs (davon 2 als Reserve), 16 Tank, 8 Mech., 10 Kav. Div
5. Armee (Rowno, Gen. Potapow)XXII. Mech. Korps (Rowno-Dubno, Gen. Kondrusev)19., 41 Tank, 215. Mech. Div (u.a. 31 T-34/KW)
XVII. Mech. Korps (Baranawitschy, Gen. Petrov)25., 54. Tank, 108. Mech. Div (insg. 300 Panzer)
XV., XXVII. Schützen-Korps10 Schützen-Div
6. Armee (Lemberg, Gen. Musitschenko)IV. Mech. Korps (Lemberg, Gen. Wlassow)8., 32. Tank, 81. Mech. Div (insg. 860 Panzer, davon 460 T-34/KW)
XIX. Mech. Korps (Schytomyr, Gen. Feklenko)40., 43. Tank, 213. Mech. Div. (ings. 160 Panzer, davon 4 T-34/KW)
VI. Schützen, II. Kav. Korpsinsg. 10 Divisionen (Summe Kav.Div unbek.)
26. Armee (Gen. Kostenko)VIII. Mech. Korps (Dubno, Gen. Ryabyshev)12., 34. Tank, 7. Mech. Div. (insg. 600 Panzer, davon 170 T-34/KW)
XXIV. Mech. Korps (Chmelnyzkyj, Gen. Chistyakov)45., 49. Tank, 216. Mech. Div (ca. 170 Panzer)
VIII. Schützen, IV. Kav. Korpsinsg. 8 Divisionen (Summe Kav.Div. unbek.)
12. Armee (Tschernowitz, Gen. Ponedelin)XV. Mech. Korps (Tschernowitz, Gen. Karpezo)10., 37. Tank, 212. Mech. Div (insg. 915 Panzer, davon 135 T-34/KW)
IX. Mech. Korps (Tschernowitz, Gen. Rokossovsky)20., 35. Tank, 131. Mech. Div (insg. 700 Panzer, keine T-34/KW)
XIII. Gebirgs, XLIV. Schützen-Korps10 Schützen- und Gebirgs-Div
Reserven (in der Ukraine):XXI., XXXVI., XXXVII., LXXXVII. Korpsca. 17 Schützen-Divisionen
Südfront (Odessa, Gen. Tjulenew)
Armee Korps Divisionen
insg. 11 Schützen, 6 Tank, 3 Mech., 1 Kav. Div
18. Armee (Gen. Smirnow)XVI. Mech. Korps (Kamenets-Podolskiy, Gen. Sokolov)15., 39. Tank, 240 Mech. Div
XVII. Schützen-Korps6 Schützen-Div
9. Armee (Gen. Tscherewitschenko)II. Mech. Korps (Lipkany, Gen. Novoselskiy)11., 16. Tank, 15. Mech. Div (insg. 350 Panzer)
XVIII. Mech. Korps36., 47. Tank, 209 Mech. Div (insg. 350 Panzer)
XIV., XXXV. Schützen-, XLVIII. unab. Schützen-, II. Kav. Korps5 Schützen, 1 Kav. Div
Reserven in der Sowjetunion
Armee Korps Divisionen
15. Armee (Birobidzhan an der Grenze zur Mandschurei) ? ?
16. Armee (um Winitza)V. Mech. Korps (Winitza, Gen. Alekseyenko)13., 17. Tank, 109. Mech. Div (700 Panzer)
17. Armee (Mongolei) ? ?
19. Armee (Ferner Osten) XXVI Mech. Korps12. Mech. Div
XXIII. Mech. Korps (STAVKA-Reserve)44., 48. Tank, 220. Mech. Div
XXIV. Schützen, XXV. unab. Schützen-Korps ?
20. Armee (Orel)VII. Mech. Korps (Witbesk-Kaluga, Gen. Vinogradov)14., 18. Tank, 1. Mech. Div (1.000 Panzer)
LXI., LXIX. Schützen-Korps ?
21. Armee (Chernigov-Konitop)XXV. Mech. Korps (Charkow, Gen. Krivosheim)50., 55. Tank, 219. Mech. Div
LXIII., LXVI. Schützen-Korps ?
22. Armee (Velikiye-Luki)LI., LXII. Schützen-Korps ?
24. Armee (Sibirien)LII., LIII. Schützen-Korps ?
28. Armee (Archangelsk)XXX., XXXII., XXIII. Schützen-Korps ?
weitere Reserven:XXI. Mech. Korps (Opochka bei Moskau, Gen. Lelyushenko)42., 46. Tank, 185. Mech. Div. (98 Panzer, keine T-34/KW)
XXI. Mech. Korps (Ferner Osten)12. Mech. Div
XVII. Mech. Korps (Ferner Osten) ?
XXVIX. Mech. Korps (Ferner Osten) ?
XXX. Mech. Korps (Transbaikal)58., 60. Tank, 239. Mech. Div

Erläuterungen:
Mech. = Mechanisches (Panzer-Korps oder motorisierte Infanterie-Division)
Tank = Tank-Divisionen (Panzer-Divisionen)
Schützen = Schützen-Korps oder Division (Infanterie-Division)
Kav. = Kavallerie-Divisionen


Organisation der Roten Armee 1941

In der Zeit vor Beginn des Unternehmens Barbarossa befand sich die Rote Armee in den Wirren der Reorganisation. Diese war eine Folge der heilsamen Lehren des dem Krieg gegen Finnland – und vor allem der deutschen Blitzkrieg-Erfolge im Westen.
Die russischen Militär-Theoretiker hatten erkannt, daß eine moderne militärische Doktrin höchste Priorität hatte. Es war die Doktrin der entscheidenden Rolle von Panzerverbänden im Gefecht. Als jedoch die Wehrmacht gegen Russland losschlug, war dieses Problem von den Russen jedoch noch nicht gelöst worden.

Als schnelle Reaktion auf die für ihn überraschend gekommene deutsche Invasion vom 23. Juni 1941, setzte Stalin ein oberstes Hauptquartier für alle Waffengattungen ein, genannt STAVKA. Einen Monat später übernahm er persönlich die Kontrolle darüber und wurde damit tatsächlich der Leiter aller russischen Operationen.

Durch die Zentralisierung aller militärischen Abteilungen unter der allgemeinen politischen Kontrolle durch STAVKA war es möglich, die nationalen Ressourcen mit einer erheblichen Effizienz zu nutzen. Denn eine der Hauptfunktionen von STAVKA war die Koordination aller Kräfte in der gesamten Sowjetunion, welche u.a. die erfolgreiche Evakuierung zentraler Schlüsselindustrien in den Osten und die Herbeiführung sibirischer Reserven in der entscheidenden Schlacht um Moskau ermöglichte.
Zugleich versuchte die STAVKA immer eine strategische Reserve zu bilden, um Gegenangriffe durchzuführen, sobald sich die Gelegenheiten dazu boten. Dies führte natürlich auch dazu, daß die Fronteinheiten immer wieder auf dringend benötigte Verstärkungen verzichten mußten.

Die russischen Streitkräfte von 1941 wurden in Armeen organisiert zu je zwei bis vier Korps, die jeweils über zwei bis vier Divisionen verfügten.
Eine durchschnittliche Armee konnte 12 Divisionen haben, die mit Unterstützungseinheiten (Nachrichten, Pioniere, Versorgung, Instandsetzung und Transport) fast 200.000 Mann betragen konnte.

Nach dem deutschen Angriff stellte das STAVKA fest, daß die Schützenkorps für die Führung zu unhandlich waren, da es einen Mangel an ausgebildeten Führungs- und Stabspersonal gab. Deshalb wurden sie bald abgeschafft und der Umfang einer Armee reduzierte sich dadurch auf etwa 8 Divisionen.
Später wurden die Schützenkorps zwar wieder eingeführt, hatten aber niemals die halb-autonomen Funktionen wie in der deutschen oder den anderen alliierten Armeen.

Sowjetischer Verwundeter 1941

Zwei Sowjetsoldaten bringen 1941 einen Verwundeten nach hinten.

Die grundsätzliche Formation der Roten Armee war die Schützen-Division. Seit dem Debakel beim Winterkrieg gegen Finnland waren viele der Spezialeinheiten – einschließlich der leichten Panzer und Flugabawehr-Bataillone – den Schützen-Divisionen weggenommen worden. Dies geschah teilweise, weil diese Einheiten auf Divisionsebene nicht vernünftig eingesetzt werden konnten, aber auch um eine flexible Reserve von Spezialverbänden zu schaffen.
Die Verwirrung, welche nach dem deutschen Angriff entstand, steigerte die Tendenzen in Richtung Dezentralisierung, sodaß die sowjetische Schützen-Division im ersten Jahr des Krieges nicht mehr war, als eine Formation aus Gewehrträgern mit nur wenig Unterstützungswaffen. Es ist überflüssig darauf hinzuweisen, daß diese Schützendivisionen es mit einer Infanterie-Division der Wehrmacht mit ihren zahlreichen Unterstützungseinheiten nicht aufnehmen konnte.

Während des Jahres 1942 nahm dann auch der Umfang der sowjetischen Divisionen ab, was aber durch eine ständige Zunahme der Feuerkraft durch eine steigende Anzahl von Granatwerfern und Regimentsartillerie ausgeglichen wurde. Bis Ende 1942 hatte die neue sowjetische Schützen-Division eine Stärke von etwa 9.500 Mann.
Diese waren in drei Infanterie-Regimenter mit je 2.500 Mann und einem Artillerie-Regiment mit 1.000 Mann organisiert, sowie ein Panzerabwehr- und Pionier-Bataillon und einer Kompanie aus Nachrichten- und Aufklärungstruppen.
Das Schützen-Regiment bestand aus drei Bataillonen zu je 620 Mann, welche jeweils von Kompanien aus 76-mm-Haubitzen und 45-mm-Panzerabwehrgeschützen, PTRD-Panzerbüchsen, Granatwerfern, Nachrichten- und Aufklärungstruppen unterstützt wurden.
Jedes Bataillon bestand aus drei Schützen-Kompanien zu je 140 Mann, einer Granatwerfer- und einer Maschinengewehr-Kompanie, einem Zug aus Panzerabwehrgeschützen, Panzerbüchsen und Meldern.

Das Artillerie-Regiment war mit 36 Panzerbüchsen, 24 x 76-mm-Geschützen und 12 x 122-mm-Haubitzen ausgerüstet. Die gesamte ‘artilleristische’ Stärke der Division bestand aus 160 Granatwerfern, 94 Geschütze verschiedener Kaliber und 228 Panzerbüchsen.

Trotz Verbesserungen bei der Qualität und Quantität der sowjetischen Artillerie, spielten die Artilleristen auf Divisionsebene nur eine untergeordnete Rolle. Sie beschränkten sich auf die Rolle des Direktbeschusses, also Ziele welche direkt sichtbar für die Mannschaften der Geschütze waren, da keine vorgeschobenen Artilleriebobachter und geeignete Meldemitteln vorhanden waren. Das gesamte fachmännische Artillerie-Personal wurde den spezialisierten Artillerie-Brigaden und Divisionen vorbehalten.
Eine weitere Besonderheit der Roten Armee war der weitverbreitete Einsatz von Panzerbüchsen, selbst noch gegen Kriegsende, als die verbesserte Panzerung der deutschen Panzer diese praktisch nutzlos machten.

Das sowjetische Oberkommando betrachtete eine Division als entbehrliche Einheit und eine Woche schwerer Kämpfe an der Ostfront konnte ihre Stärke auf die Hälfte reduzieren. Es war nicht Praxis bei der Roten Armee, Verluste bei Fronteinheiten zu ersetzen, sondern diese bis zu einem Punkt aufzubrauchen, bis sie entweder aufgelöst oder aus der Frontlinie zur Wiederaufstellung herausgezogen wurde. Dadurch konnte eine nominelle Division lediglich nur die Stärke eines Regiments haben.
Nicht nur waren sowjetische Verbände deshalb oft durch ihre Bezeichnung ‘überbewertet’, sondern oft auch auf zu niedrigen Niveau geführt, sodaß in einigen Fällen zahlenmäßig kampfstarke Divisionen nur von Obersten befehligt wurden.

Eine weitere Besonderheit der sowjetischen Schützen-Division war die Zunahme der infanteristischen Feuerkraft durch die weitverbreitete Einführung der PPSh-Maschinenpistole, wobei normalerweise über 2.000 Mann damit bewaffnet waren. Die Russen hatten den Kampfwert der Maschinenpistolen schon vor dem Ausbruch des Krieges erkannt, aber es wurde nicht vor Ende 1942, bevor die Fronttruppen diese in größeren Mengen erhielten.
Die Schützen-Division gegen Ende 1942 setzte dann auch den organisatorischen Maßstab für sowjetische Infanterie-Divisionen bis zum Kriegsende.

Die einzige Ausnahme waren die Garde-Schützen-Divisionen. Der ‘Garde’-Status wurde an Einheiten und Formationen verliehen, welche im Kampf besonders hervorragten. Die ersten derartigen Auszeichnungen wurden am 18. September 1941 an vier Schützen-Divisionen vergeben, welche bei den Abwehrkämpfen herausragten.
Diese Garde-Divisionen wurden besser ausgerüstet als die üblichen Schützen-Divisionen, sowie auch mit besseren ‘menschlichen Material aufgefrischt. Sie stellten dadurch einen höheren Bereich militärischer Effektivität dar, welcher sie nahe an den Kampfwert regulärer deutscher Infanterie-Divisionen brachte.


Grundsätzliche Verbände der Roten Armee Juni 1941
Schützen-Division (April 1941) Kavallerie-Division Tank-Division Mechanisiertes Korps (aus 2 Tank- und 1 motorisierte Schützen-Div)
Divisionen insgesamt ca. 130 (davon 28-30 mot) 40 54-60 30 (Korps)
Infanterie-Regimenter 3 mit je 3.182 Offizieren und Mannschaften 2 motorisierte Schützen-Batallione (zusammen ca. 1.900 Offiziere und Mannschaften) 1 mit 3.182 Offizieren und Mannschaften insg. 4 mit je 3.182 Offizieren und Mannschaften
Kavallerie-Regimenter (9 Züge) 4 (9 Züge)
Gesamtstärke 14.483 5.040 11.343 36.080
Maschinen- gewehre558 (166 schwere)166 (48 schwere, 118 leichte) 116 insg. 464
Granatwerfer150 (84 x 50mm, 54 x 82mm, 12 x 120mm) ? ? ?
Feldgeschütze34 (18 x 76mm Inf.Gesch., 16 x 76mm Feldhaubitze) ? ? ?
Haubitzen44 (12 x 152mm, 32 x 122mm) - -insg. 358 Kanonen und Granatwerfer mit Kaliber 76mm – 122mm
Panzerabwehr-Kanonen54 (45mm) 12 (45mm) 2 (45mm) mind. 56 (45 mm)
Flugabwehr-Kanonen12 (4 x 76mm, 8 x 37mm + 15 12,7-mm-Fla-MGs und 18 Vierfach-MGs)6 (6 x 37mm + 9 Fla-MGs) -mind. 12 (4 x 76mm, 8 x 37mm + 15 12,7-mm-Fla-MGs und 18 Vierfach-MGs)
Panzer16 Tanketten, 13 BA-20 Panzerspähwagen 64 BT375 (102 BT oder T-26, 210 T-34, 63 KW)insg. 1.031 (plus 268 Panzerspähwagen)
Pferde 3.039 ? ? ?
Zugtraktoren 99 - - 350
Kraftfahrzeuge 585 ? ? 5.000 (+ 1.700 Krafträder)

Sommerkatastrophe in Westrussland

Während der Sommerkatastrophe in Westrussland rücken deutsche Kolonnen an einem verlassen russischen OT-133 Flammenwerferpanzer und T-34 Modell 1941 vorbei.

Praktisch bedeuteten die Sollstärken (auf dem Papier) der Mechanischen Korps, daß insgesamt 31.574 Panzer und 8.040 Panzerspähwagen notwendig wären, was jedoch 150% des noch verfügbaren Bestandes (da z.B. auch noch BT-Panzer bei den Kavallerie-Divisionen und T-26 bei Schützen-Divisionen eingesetzt waren) an Panzern und 165% der Panzerspähwagen der Roten Armee gewesen wäre.
Außerdem standen nur etwa 39% der Kraftfahrzeuge, 44% der Traktoren, 17% der Krafträder und 29% der Instandsetzungseinrichtungen zur Verfügung.
Daher erreichten viele der Mechanisierten Korps niemals diese Sollstärke.

Von den knapp 24.000 Panzern der Roten Armee im Sommer 1941 benötigten etwa 29% eine Überholung und 44% sogar eine Komplettüberholung und Reparatur. Unter Kampfbedingungen konnten diese Panzer nur wenige Kampftage bis zu einem mechanischen Schaden überstehen.

Bestand an Panzerkampfwagen in der Roten Armee Juni 1941:
Panzertyp Bestand
T-27 ca. 400
T-37 ca. 2.400
T-38 ca. 1.200
T-40 122
T-18M ca. 400
T-26 ca. 11.000
BT ca. 6.000
T-28 ca. 500
T-34 967
T-35 ca. 40
KW 508
INSGESAMT ca. 23.537

Bestand an Panzerspähwagen 22. Juni 1941: 4.819

Bestand an Traktoren und Kettenzugmaschinen in der Roten Armee Juni 1941:
Typ Bestand
STZ-3 3.658
STZ-5 7.170
Komsomolyets 4.041
Komintern 1.107
Woroschilowjets 228
Kommunar 504
INSGESAMT 16.708

Gesamtbestand an Kraftfahrzeugen in der Roten Armee im Juni 1941: 272.600

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Ein Kommentar

  1. Droste Christoph

    Wertvolle und wichtige Informationen.Lassen die vorhandenen Informationen eventuell auch weitergehendes wichtiges Wertungsvorgehen zu (z.B Kraefteverhaeltnis gesamt Alliierte versus Achsenmaechte (z.B BIP,Produktionszahlen gesamt,Kraefteverhaeltnisse gebracht bzw. betrachtet in Zu-Betrachtungen (z.B. Vier zu Eins)))?

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