RAF Staffeln im Mai 1940

Flugzeuge und Basen der englischen Royal Air Force am 10. Mai 1940

Ein Trio von Bristol Blenheim IV Bombern

Ein Trio von Bristol Blenheim IV Bombern. Die Blenheim stellte sich als extrem anfällig gegen moderne feindliche Jäger heraus.


Im Januar 1940 wurde beschlossen, die Luftunterstützung des britischen Expeditionskorps BEF und der Advanced Air Striking Force (vorgeschobene Luftangriffs-Streitmacht) unter dem Kommando eines britischen Luftwaffen-Befehlshabers in Frankreich, Luftmarschall Barratt, zusammenzulegen. So früh wie möglich nach der Ankunft in Frankreich begannen die englischen Staffeln mit Einsätzen, welche sie mit deutschen Flugzeugen zusammentreffen ließ. Obwohl eine Reihe deutscher Flugzeuge abgeschossen werden konnten, waren die Verluste der RAF schwer, weil sich herausstellte, daß viele ihrer Flugzeuge (z.B. die Fairey Battle und Bristol Blenheim) ungenügend bewaffnet waren und nicht für einen Luftkampf gegen moderne Jäger wie die deutsche Messerschmitt Bf109 geeignet waren.

England war darauf bedacht, seine kostbaren Luftstreitkräfte nicht dadurch zu verspielen, daß man sie als eine Art Feuerwehr auf Abruf den alliierten Armeen zur Verfügung stellte. Die RAF wollte sicherstellen, daß ihre Bomber nur eingesetzt werden würden, wenn sie dem Gegner ein Maximum an Schaden zufügen konnten – auch wenn die strategische Bombardierung von Zielen in Deutschland erst am 15. Mai 1940 genehmigt wurde. Jagdflugzeuge, welche in England oder Frankreich stationiert waren, wurden gegen den Feind eingesetzt, solange nicht die Verteidigungsfähigkeit von Großbritannien selbst in Frage gestellt wurde. Am 10. Mai 1940 waren 416 der insgesamt 1.873 englischen Frontflugzeuge in Frankreich stationiert, jedoch wurde schon am 20. Mai beschlossen die verbliebenen 66 Jagdflugzeuge zurückzubringen, sodaß sie den weiteren Kampf von englischen Flugplätzen aus fortsetzen konnten.
Die erste Phase des nachfolgenden deutschen Plans für die Invasion von England bestand darin, die Luftherrschaft zu erringen, und so war die RAF im Juli und August 1940 darauf bedacht, ihre Kräfte für den unvermeidlichen Kampf gegen die deutsche Luftwaffe vorzubereiten.

Die Aufgaben das RAF im Mittelmeer-Raum waren vielfältig und weitreichend. Sie deckten einen riesigen geographischen Raum ab und erforderten eine weit gespannte Anzahl unterschiedlicher Kampfeinsätze, von der Luftunterstützung der Bodentruppen bis zum strategischem Bombenkrieg. Bis Ende 1942 war die RAF oft knapp an Ausrüstung und Flugzeugen, aber nach der Niederlage der Achsen-Truppen bei El Alamein und der Ankunft amerikanischer Truppen in Nordafrika konnte die englische Luftwaffe eine materielle Überlegenheit aufbauen und nahm entscheidend an dem Sieg im Mittelmeer-Raum teil.

Gloster Gladiator Doppeldecker-Jagdflugzeuge

Gloster Gladiator Doppeldecker-Jagdflugzeuge der 80. Squadron in Nordafrika. Die Staffel wurde später nach Griechenland verlegt, um die griechische Armee zu unterstützen.

Die Aufgaben des Luftwaffen-Kommandos Mittlerer Osten (Middle East Air Force) der RAF umfassten in Friedenszeiten die RAF-Verbände in Ägypten, Palästina, Sudan und Kenia – aber im Kriegsfall kamen außerdem noch die Einheiten in Aden (Jemen), Malta und im Irak hinzu. Dieser riesige Befehlsbereich wurde später noch um den Iran und das gesamte zentrale Mittelmeer bis 160 km westlich von Malta erweitert.
Der Zeitraum von September 1939 bis zur italienischen Kriegserklärung im Juni 1940 wurde dazu genutzt, die Einsatzfähigkeiten der RAF im Mittleren Osten zu verbessern, auch wenn dies starken Beschränkungen durch die Prioritäten bei der Luftverteidigung Großbritanniens und den Einsätzen in Frankreich auferlegt war. Als dann Italien den Krieg erklärte, war die RAF der italienischen Regia Aeronautica sehr stark unterlegen, welche im Mittleren Osten nur über 29 Staffeln mit zumeist veralteten Flugzeugen verfügte.
Die Middle East Air Force der RAF kämpfte gegen die Italiener in zwei hauptsächlichen Kriegsgebieten, nämlich über dem Mittelmeer und Ägypten sowie in Ostafrika (Äthopien, Somalia, Kenia, Sudan) und dem Roten Meer. Die ersten Lufteinsätze fanden am 11. Juni 1940 statt.
Bis Ende des Jahres hatte die RAF ein beträchtliches Maß an Luftüberlegenheit erzielt, aber am 28. Oktober 1940 wurde eine neue Front durch den italienischen Angriff auf Griechenland eröffnet. Die RAF reagierte darauf mit der Entsendung von neun Staffeln zur Unterstützung der griechischen Armee.


Aktive RAF-Staffeln am 10. Mai 1940
Staffel Stützpunkt Flugzeuge Staffel Stützpunkt Flugzeuge
1 Berry-au-Bac (Frankreich) Hurricane I 2 Abbeville (Frankreich) Lysander I, II
3 Merville (Frankreich) Hurricane I 4 Monchy-Lagache (Frankreich) Lysander I, II
5 Fort Sanderman (Indien) Wapiti IIA 6 Ramleh (Palästina) Lysander I, II
7 Finningley Hampden I 8 Khormaskar (Aden) Vincent, Blenheim I
9 Honington Wellington IC 10 Dishforth Whitley IV V"
11 Ismalia (Ägypten) Blenheim I 12 Amifontaine (Frankreich) Battle
13 Douai (Frankreich) Lysander I, II 14 Amman (Palästina) Wellesley
15 Alconbury Blenheim IV 16 Bertangles Lysander II
17 Hawkinge Hurricane I 18 Meharicourt (Frankreich) Blenheim IV
19 Horsham St Faith Spitfire I 20 Kohat (Indien) Audax
21 Watton Bleinheim IV 22 North Coates Beaufort I
23 Wittering Blenheim IF 24 Hendon verschiedene Verbindungs- flugzeuge
25 North Weals Blenheim IF 26 Dieppe (Frankreich) Lysander I, II
27 Risalpur (Indien) Wapiti IIA, Hart, Tiger Moth 28 Kohat (Indien) Audax
29 Debden Blenheim IF 30 Ismalia (Ägypten) Blenheim I, IF
31 Peshawar (Indien) Valentia 32 Biggin Hill Hurricane I
33 Mersa Matruh (Ägypten) Gladiator 34 Tengah (Singapur) Blenheim I
35 Einsatz-Trainings-Einheit - 36 Seletar (Malaysia) Vildebeest III
37 Feltwell Wellington IA 38 Marham Wellington IA, IC
39 Heliopolis (Indien) Blenheim I 40 Wyton Blenheim IV
41 Catterick Spitfire I 42 Thorney Island Beaufort I
43 Wick Hurricane I 44 Waddington Hampden I
45 Fuka (Sudan) Blenheim I 46 auf Träger Glorious nach Norwegen Hurricane I
47 Khartoum (Sudan) Vincent, Wellesley 48 Thorney Island Anson I, Beaufort I
49 Scampton Hampden I 50 Waddington Hampden I
51 Dishforth Whitley IV, V 52 Einsatz-Trainings-Einheit
53 Poix (Frankreich) Blenheim IV 54 Hornchurch Spitfire I
55 Ismalia (Ägypten) Blenheim I 56 Garvesend Hurricane I
57 Rosieres-en-Saneterre (Frankreich) Blenheim IV 58 Linton-on-Ouse Whitley V
59 Poix (Frankreich) Blenheim IV 60 Ambala (Indien) Blenheim I
61 Hemswell Hampden I 62 Tengah (Singapur) Blenheim I
63 Einsatz-Trainings-Einheit - 64 Church Fenton Spitfire I
65 Hornchurch Spitfire I 66 Duxford Spitfire I
70 Habbaniya (Ägypten) Valentia 72 Acklington Spitfire I
73 Reims (Frankreich) Hurricane I 74 Hornchurch Spitfire I
75 Feltwell Wellington I, IA, IC 77 Driffield Whitley V
78 Linton-on-Ouse Whitley V 79 Biggin Hill Hurricane I
80 Amriya (Ägypten) Gladiator 81 Amiens (Frankreich) Tiger Moth (Verbindungs-flugzeuge)
82 Watton Blenheim IV 83 Scampton Hampden I
84 Shaibah (Irak) Blenheim I 85 Lille (Frankreich) Hurricane I
87 Lille (Frankreich) Hurricane I 88 Mourmelon (Frankreich) Battle
92 Northolt Spitfire I 94 Sheikh Othman (Aden) Gladiator
97 Driffield (aufgelöst 20. Mai) ohne Flugzeuge 98 Chateau Bougon (Frankreich) Battle
99 Newmarket Wellington I, IA, IC 100 Seletar (Singapur) Vildebeest II, III
101 West Raynham Blenheim IV 102 Driffield Whitley V
103 Betheniville (Frankreich) Battle 104 Einsatz-Trainings-Einheit
105 Villeneuve-les-Vertus (Frankreich) Battle 106 Finningley Hampden I
107 Wattisham Blenheim IV 108 Einsatz-Trainings-Einheit
110 Wattisham Blenheim IV 111 Wick Hurricane I
112 Helwan (Ägypten) Gladiator, Gauntlet II 113 Heliopolis (Ägypten) Blenheim IV
114 Conde-Vraux (Frankreich) Blenheim IV 115 Marham Wellington IA, IC
139 Plivot (Frankreich) Blenheim IV 141 Grangemouth Defiant I, Gladiator, Blenheim IF, Battle
142 Berry-au-Bac (Frankreich) Battle 144 Hemswell Hampden I
145 Tangmere Hurricane I 148 Stradishall Wellington IC
149 Mildenhall Wellington I, IA, IC 150 Ecury-sur-Coole (Frankreich) Battle
151 North Weald Hurricane I 152 Acklington Spitfire I
185 Einsatz-Trainings-Einheit - 201 Invergordon Sunderland I
202 Gibraltar London II 203 Sheikh Othman (Aden) Blenheim I, IV
204 Sullon Voe (Shetland Inseln) Sunderland I 205 Seletar (Ceylon) Singapur III
206 Bircham Newton Anson, Hudson 207 Einsatz-Trainings-Einheit
208 Heliopolis (Ägypten) Lysander I, II 209 Oban Lerwick I
210 Pembroke Dock Sunderland I 211 El Daba (Ägypten) Blenheim I
212 Heston Blenheim IV, Spitfire I 213 Wittering Hurricane I
214 Stradishall Wellington I, IA, IC 216 Heliopolis (Ägypten) Valentia, Bombay
217 St.Eval Anson, Beaufort I 218 Mouscou Femme (Frankreich) Battle
219 Catterick Blenheim IF 220 Thornaby Hudson
222 Digby Spitfire I 223 Khartoum (Sudan) Wellesley
224 Leuchars Hudson 225 Odiham Lysander
226 Reims (Frankreich) Battle 228 Pembroke Dock Sunderland I
229 Digby Hurricane I 230 Alexandria (Ägypten) Sunderland I
232 in Aufstellung - 233 Leucchars Hudson
234 Church Fenton (ab 22. Mai) Spitfire I 235 Bircham Newton Blenheim IVF IF
236 Speke Blenheim IF 237 Nairobi (Kenia) Audax, Hardy
240 Invergordon London II 242 Church Fenton Hurricane I
245 Leconfield Hurricane I 248 Gosport Blenheim IVF
253 Kenley Hurricane I, Battle 254 Hatston Blenheim IV
263 Turnhouse Gladiator 264 Martlesham Heath Defiant I
266 Martlesham Heath Spitfire I 269 Wick Anson
271 Doncaster Harrow (Transport) Bombay,Ford 5 273 China Bay (Ceylon) Vildebeest, Seal
500 Detling Anson 501 Bethenville Hurricane I
502 Aldergrove Anson 504 Debden Hurricane I
600 Manston Blenheim IF 601 Tangmere Hurricane I
602 Dyce Spitfire I 603 Turnhouse Spitfire I
604 Northolt Blenheim IF 605 Wick Hurricane I
607 Vintry-en-Artois (Frankreich) Hurricane I, Gladiator 608 Thornaby Anson
609 Drem Spitfire I 610 Biggin Hill Spitfire I
611 Digby Spitfire I 612 Dyce Anson
613 Odiham Lysander, Hector 614 Odiham Lysander
615 Abbeville (Frankreich) Hurricane I, Gladiator 616 Leconfield Spitfire I

Hinweis: Staffeln (Squadron) mit den Nummern von 400 bis 499 waren Verbände der Royal Canadian Air Force, Royal Australian Air Force und der Royal New Zealand Air Force. Nicht alle Nummern wurden verwendet und leider liegen im Moment keine genauen Angaben über diese vor.


Übersicht über Flugzeug-Ausstattung und Verteilung der Staffeln der Royal Air Force
Flugzeugtyp England Frankreich, Norwegen Mittelmeer, Naher Osten, Afrika Indien, Malaysia insgesamt
Hurricane 16 9 - - 25
Spitfire 19 - - - 19
Gladiator 1 - 4 - 5
Blenheim IF, IVF 9 - - - 9
Defiant 2 - - - 2
Vildebeest - - - 3 3
Wellesley 1 - 2 1 4
Blenheim 9 6 9 4 28
Battle - 8 - - 8
Wapiti - - - 1 1
Beaufort 4 - - - 4
Whitley 6 - - - 6
Hampden 8 - - - 8
Wellington 8 - - - 8
Hudson 4 - - - 4
Anson 5 - - - 5
Lysander 4 4 2 - 10
Audax - - - 2 2
Valentina - - 2 1 3
Tiger Mouth - 1 - 1 2
London 1 - 1 - 2
Singapore - - - 1 1
Lerwick 1 - - - 1
Sunderland 4 - 1 - 5
Insgesamt 102 28 21 14 165

Die Staffeln (Squadron) der RAF hatten eine Stärke zwischen 6 und 18 Flugzeuge.

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