PPS MPi

3d-Modell PPS-43 Maschinenpistole.

Russische Maschinenpistolen PPS-42, PPS-43 und PPD-1934/38.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Russische Maschinenpistole PPS-43

PPS-43, PPS-42
Typ: Maschinenpistole.

Geschichte der PPS

Dies war die dritte Standard-Maschinenpistole, welche von der Roten Armee während des 2. Weltkrieg angenommen wurde. Sie wurde von A.J. Sudarew entworfen und ihre Produktion war für das von der Sowjetunion praktizierte System, immer nur einen Entwurf zur Massenherstellung auszuwählen, ungewöhnlich. Denn schließlich gab es schon die PPSh, aber die Erfordernisse des Kriegsverlaufs erzwangen diesen Sonderfall.

Als die Stadt Leningrad von der deutschen Armee während des Jahres 1941/42 belagert wurde, waren Waffen dort Mangelware. So wurde die PPS dort entwickelt und in Fabriken der belagerten Stadt hergestellt, von wo sie direkt an die nahen Frontlinien geliefert wurden.

Die Waffe war eine bemerkenswerte Produktion, da sie mit Ausnahme des Laufes und Bolzen komplett aus Stahl gepresst wurde und an einigen Punkten zusammengeschweißt wurde. Die einzigen Teile, welche nicht aus Metall waren, sind der hölzerne Griff und ein kleines Stückchen Leder als Puffer auf dem Schlagbolzen.
Die PPS hatte auch keinen Holzschaft, wie sonst bei sowjetischen Maschinenpistolen üblich, sondern eine einklappbare Metallstütze, offensichtlich in Anlehnung an die deutsche MP 40. Die Waffe funktionierte durch einen Masseverschluss.
Feinarbeiten existierten praktisch nicht, stattdessen gab es grobe Schweißnähte und Schleifspuren auf der ganzen Waffe. Es muss die billigste Schusswaffe jeglicher Art sein, die jemals hergestellt wurde. Aber trotz allem, sie funktionierte gut und zuverlässig und viele Tausend wurden in ihrer ursprünglichen Form (PPS-42) und in der leicht veränderten Form (PPS-43), welcher aber im wesentlich identisch ist, hergestellt.

Der perforierte Laufmantel erstreckt sich über den Lauf und dient als Mündungsbremse und Kompensator, wie auch bei der PPSh. Ein gekrümmtes Kastenmagazin wurde von unten hineingedrückt und das Stahlgehäuse zieht sich über die Oberseite der Waffe. Eine einfache Sicherung ist an der vorderen Kante des Abzugsbügels angebracht und es gibt keine Möglichkeit Einzelschüsse abzugeben.

Die Waffe ist so viel billiger und einfacher in der Herstellung als die PPD oder selbst die PPSh-Modelle, dass sich die Frage aufdrängt, warum sie diese nicht ersetzte. Die einfache Konstruktion erforderte nur die Hälfte der Rohstoffe und ein Drittel an Dreharbeiten im Vergleich zur PPS-41.

Die gesicherte Antwort darauf wird wohl niemals bekannt werden, aber eine Ahnung von den herrschenden Verhältnissen in der damaligen Sowjetunion erhält man davon, wie die Belagerung von Leningrad anschließend von offizieller Seite abgehandelt wurde.

Während der Belagerung wurden die heldenhaften Verteidiger der Stadt zu Nationalhelden – und in den Augen der Moskauer Führung wuchsen sie etwas zu sehr über sich hinaus. Als die Belagerung ausgestanden war, verschwanden viele prominente Persönlichkeiten aus Leningrad aus den Augen der Öffentlichkeit und die ganze Angelegenheit wurde stark heruntergespielt. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass diese Haltung auch dazu führte, daß eine Waffe, welche während der Belagerung von Leningrad geboren wurde, nicht weiter verbreitet werden sollte. Deshalb ging die PPS niemals in volle Massenproduktion.

Eine ganze Anzahl von russischen PPS Maschinenpistolen werden hier nach der Einnahme von Charbin in der Mandschurei im August 1945 zur Schau gestellt.
Die PPS-43 Maschinenpistole, welche während der Belagerung von Leningrad geboren wurde.
3d-Modell PPS-43 Maschinenpistole.

Allerdings war die PPS-Maschinenpistole weniger sperrig als die anderen sowjetischen Modelle und eignete sich daher besser für Besatzungen von Panzern und Fahrzeugen, Fernmeldern und anderen Spezialisten, deren Hauptaufgabe nicht der Infanterie-Kampf war.

Die meisten PPS-Modelle wurden nach Kriegsende aus den Beständen der Roten Armee entfernt und meist an die Satelliten-Länder weitergegeben. Auf jeden Fall war die PPS in Korea 1951/52 häufiger anzutreffen als jede andere russische Maschinenpistole.
Die Produktion der PPS wurde aber nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Polen, China und anderen Staaten fortgesetzt.

Benutzer: Russland/Sowjetunion.


Animation 3D-Modell PPS-43


Spezifikationen PPS-43

Spezifikationen:

PPS-43 Spezifikation
TypMaschinenpistole
Kaliber 7,62 mm
Länge 81,92 cm
Gewicht 3,4 kg
Lauf 25,40 cm mit 4 rechtsläufigen Zügen
Magazin35-Schuss Kastenmagazin
FunktionRückstoss - nur vollautomatisch
Geschoßgeschwindigkeit490 m/s
Feuergeschwindigkeit700 Schuß/min.

Einsatzstatistik:

PPS-42/43 Angaben
HerstellerRüstungsbetriebe in Leningrad
Beginn Serienproduktion Herbst 1942 (PPS-42), Mitte 1943 (PPS-43)
Erster Kampfeinsatz1942
Endlieferung1945/1946
Stückzahl (alle) ca. 500.000
Stückpreis unbekannt, aber wahrscheinlich billigste Schusswaffe aller Zeiten (weniger als die Hälfte an Rohmaterial und Arbeitszeit zum Typ PPS-41)

PPD-1934/38

Erstes Modell der Maschinenpistole Modell PPD-1934 (Degtjarjew PDD-34)

Eine weitere sowjetische Maschinenpistole ist das Modell 1934/38 oder Degtjarajew PPD-34/38. Dies ist überhaupt die erste in der Sowjetunion hergestellte und von der Roten Armee verwendete Maschinenpistole.

Ursprünglich waren die Italiener die ersten, welche 1915 so etwas wie eine Maschinenpistole einführten. Dies war die Villar-Perosa, welche aber von der Konstruktion her in einer Sackgasse endete und nur als eine Art leichtes Maschinengewehr eingesetzt wurde. Die Waffe wurde daher nicht weiter entwickelt.
So war die erste wirkliche Maschinenpistole die deutsche Bergmann MP 18, welche einem Karabiner ähnlich sah und Pistolenmunition vom Kaliber 9mm Parabellum im Dauerfeuer verschoss. Allerdings erschien sie zu spät auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs, sodass sich ihr Kampfwert nicht mehr auswirken konnte.


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Die von der MP 18 verwendete Pistolenmunition war kleiner und eine relativ leistungsschwächere Patrone, dafür war die Kugel ab schwer. Eine Waffe, die in der Hand gehalten vollautomatisch schießen sollte, musste aber leicht sein und so war die Pistolenmunition die offensichtliche Wahl.
Die von der MP 18 verfeuerte 9-mm-Parabellum-Patrone wurden in den nachfolgenden Jahren praktisch zur universellen Wahl der meisten Entwürfe. Die Pistolenmunition erlaubte auch die Verwendung einer Arbeitsweise, welche schon lange bei automatischen Pistolen verwendet wurde, das Rückstoßprinzip.

Das Rückstoßprinzip ist sehr einfach. Bei der MP 18 wurde das Magazin eingesteckt und die Waffe durch einen seitlich montierten Hebel in einer Rille gespannt. Wenn der Auslöser gezogen wurde, ließ der Verschlussblock los und bewegte sich durch die Energie einer großen Feder vorwärts. Bei der Vorwärtsbewegung nimmt der Verschlussblock eine Patrone aus dem Magazin mit, drückt diese in die Laufkammer und wenn die Patrone und der Verschlussblock in Position war, verfeuerte der Schlagbolzen die Patrone.
Die durch die Patrone erzeugten Rückstoßkräfte wurden zunächst von der Energie der Vorwärtsbewegung überwunden, welche von der Masse des Verschlussblocks und der Feder erzeugt wurden. Jedoch blieb der Verschlussblock an seiner Stelle lange genug, um das System zu verriegeln, bis die Rückstoßkräfte in der Lage waren, diesen zurück zu drücken und die Feder in die ursprüngliche Position zu bringen.
Falls der Auslöser noch durchgezogen wurde, beginnt dieser Zyklus wieder vor vorne, bis der Schütze den Finger vom Auslöser nimmt.

Wenn dieses einfache Funktionsprinzip jemals aufgegeben wurde, war das Ergebnis in der Regel weniger zufriedenstellend, denn der Mechanismus wurde übermäßig komplex und bot mehr Schwachstellen zum Brechen oder Verklemmen.
Aber wenn dieser Arbeitsmechanismus einfach und leicht gehalten werden konnte, war das grundlegende Gesamtkonzept der Maschinenpistole simpel. Die MP 18 war leicht genug um von einem einzigen Mann getragen und abgefeuert zu werden.
Zu Beginn wurde dies nicht immer realisiert, als Büchsenmacher ihre beträchtlichen Fähigkeiten an vielen der frühen Maschinenpistolen verschwendeten.

Während der Zwanziger und Anfang der Dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte man in der Sowjetunion genügend andere Probleme und Herausforderungen, als sich um die Entwicklung neuer Waffen zu sorgen. Erst als sich die Dinge etwas beruhigt hatten, wurde die Ausrüstung der Roten Armee überdacht. Dabei befanden sich Entwürfe von Maschinenpistolen aber nicht sehr weit vorne auf der Prioritätenliste.

Das neuere Modell PPD-1934/38

Deshalb wurde die erste sowjetische Maschinenpistole PPD-1934 des Konstrukteurs Degtjarjew weniger von Innovationen beeinflusst und war eher eine Kombination aus bereits existierenden Entwürfen in anderen Ländern.
Als sie 1934 zum ersten Mal produziert wurde, war die Waffe eine Kombination aus Merkmalen der finnischen Suomi Modell 1931 und den deutschen MP 18 und MP 28. Sie blieb bis 1940 in der Produktion und bis zu dieser Zeit waren schon einige Modifikationen vorgenommen worden, welche die vollständige Bezeichnung PPD-1934/38 rechtfertigten.

Trotzdem gab es nicht viel Bemerkenswertes an der PPD-1934/38. Der Mechanismus war fast der gleich wie bei den deutschen Original-Maschinenpistolen und nach einem vorübergehenden Versuch, eine wirkliche russische Komponente mit dem Magazin hinzuzufügen, wurde doch das finnische Suomi-Magazin identisch übernommen. Dies war das 71-Schuss-Trommelmagazin, welches später praktisch zum Standard bei sowjetischen Maschinenpistolen werden sollte.
Allerdings gab es auch noch ein gekrümmtes 25-Schuss-Magazin für besondere Fälle. Dieses Kastenmagazin musste gekrümmt werden, da das Projektil für alle russischen Maschinenpistolen die 7,62-mm-Tokarew-Pistolenpatrone Typ P war, welche die Form eines Flaschenhalses hatte und deshalb nicht flach übereinander in einem Magazin zur Einführung in die Waffe platziert werden konnten.

In den fünf Jahren von 1935 bis 1940 wurden in der Waffenfabrik Kowrow 4.200 Exemplare dieser einfachen und auch zuverlässigen Maschinenpistole hergestellt. Die Produktion des Modells PPD-34/38 wurde schon nach einem Jahr wieder eingestellt.

Es gab eine Variante der PPD-1934/38, welche 1940 in die Produktion genommen wurde. Dies war die PPD-1940, welche eine allgemeine Rundum-Verbesserung des vorhergehenden Entwurfs war. Diese Waffe hatte ein sehr auffälliges Erkennungsmerkmal, nämlich dass das Trommelmagazin durch einen großen Schlitz im Schaft eingesetzt wird. Sehr wenige andere Maschinenpistolen verwendeten dieses System zur Fixierung des Magazins.

Als die deutschen und ihre verbündeten Truppen bei Beginn des Unternehmen Barbarossa in die Sowjetunion einfielen, gab es nur relativ wenige PPD-1934/38 und PPD-1940 in den Händen der Soldaten der Roten Armee und ihr anfänglicher Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse ist minimal.
Durch deutsche Truppen erbeutete Exemplare wurden an zweitklassige Einheiten ausgegeben, aber die verwendeten Stückzahlen waren nie groß.

Bis Ende 1941 wurde sogar die PPD-1940 aus der Produktion genommen, aus dem einfachen Grund, dass die deutschen Truppen die Herstellungs-Arsenale überrannt hatten und es keine Zeit mehr zur Verfügung stand, die für diese Waffe notwendigen, umfangreichen Maschinenwerkstätten und Produktionslinien anderswo einzurichten.
So musste die Rote Armee neuere und leichter herzustellende Modelle von Maschinenpistolen einführen.

Spezifikationen PPD-1934/38

Spezifikationen:

PPD-1934/38 Spezifikation
TypMaschinenpistole
Kaliber 7,62 mm
Länge 77,9 cm - 78,0 cm
Gewicht 3,73 kg (mit Magazin 5,69 kg)
Lauf 26,90 cm
Magazin71-Trommel oder 25-Kasten-Magazin
FunktionRückstoss - nur vollautomatisch
Geschoßgeschwindigkeit488 m/s
Feuergeschwindigkeit800 Schuß/min.

Einsatzstatistik:

PPD-1934/38 Angaben
HerstellerWaffenfabrik Kowrow
Beginn Serienproduktion 1935-1940
Endlieferung1940
Stückzahl (alle) 4.200
Stückpreis unbekannt

zum Nachfolger PPSh-Maschinenpistole

Siehe Kommentare (1)

  • Ein paar Korrekturen:

    1. die PPS43 erreichte sehr wohl Massenproduktion. Rund 2 Millionen Stück stellten die Russen bis 1946 her.

    2, Die PPS ersetzte die zwei älteren Modelle nicht vollständig, weil es wesentlich einfacher und billiger war, die bereits für die anderen zwei Modelle gerüsteten Waffenproduktionshallen einfach laufen zu lassen, anstatt die Produktion zu stoppen, die Maschinen umzubauen und die Arbeiter umzuschulen.

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